MONA

 

Erinnerung an  " Mona "


Vielleicht hast Du die Geschichte    "Immer wieder sonntags"    gelesen, dann weißt Du, dass ich über eine lange Zeit "Sonntagsdienst" bei den Kätzle des Tierheimes machte.

Deprimierend waren in diesen Jahren die Erfahrungen, die ich um die Gedankenlosigkeit mancher "Tierfreunde"  machte. Da konnte es sogar vorkommen, dass im Tierheim ein angeblich zugelaufenes, also heimatloses Tier abgegeben und Tage später reumütig wieder abgeholt wurde !!!   
Zum Glück war ich dort freiwillig und nur zeitweise „mitarbeitend“, sodass ich nicht bei den tagtäglichen Ereignissen zugegen sein mußte.


Über das „Ende vom Lied“ werde ich vielleicht irgendwann ein wenig schreiben, denn das war im Grunde genommen der Umzug in ein eigenes Häusle inmitten eines großen, eingezäunten, naturnahen Gärtles am Ortsrand eines Dörfles, in dem dann (m)ein Wunschträumle03.gif verwirklicht werden konnte. 


Aber für  MONA  kam das leider zu spät ...




Die Quarantäne des Tierheimes war damals  (anfangs der 70iger Jahre)  ein Raum, der eher einem Keller glich. An zwei Wänden waren mehrere Käfige nebeneinander und übereinander angebracht.  Vielleicht war es auch einst als Waschhaus gedacht, denn an der dritten Wand war ein Wasserzugang, unter dem eine Zinkwanne stand.
Hierher kamen alle tierischen Neuzugänge … wohlgemerkt kätzische. Die Hundeabteilung war in einem anderen Haus untergebracht.

Wenn dann der Tierarzt beim wöchentlichen Besuch die "neue" Katze untersucht, geimpft und evtl. zur Sterilisation eingetragen hatte, kam das Tier nach einigen Tagen, je nach Gesundheitszustand und Verhalten  ...  manchmal auch erst nach Wochen in die große Scheuer mit eingezäuntem Freigehege zu der übrigen Katzenschar.  
Hier konnten sich evtl.  Interessenten dann ein Tierle auswählen, wenn sie auf der Suche ins Tierheim kamen.

Katzen waren anscheinend etwas weniger "interessant" als Hunde und daher meinem Gefühl nach schon etwas in den Hintergrund geraten und so hatte ich meine Besuche zum Leisten des Sonntagsdienstes inzwischen auch auf mehrere Stunden unter der Woche ausgedehnt. Das Tierheim lag auf dem Weg zu meiner Arbeitsstätte und da die übrige Familie abends bis Anbruch der Dunkelheit dort tätig war, fiel kaum auf, wenn ich mir auf der etwas frühzeitigeren Heimfahrt 2-3 Stündchen Auszeit bei den Kätzles nahm.


Eines Tages saß in einem der Quarantäne-Käfige eine verschüchterte, dunkelgetigerte, namenlose Katze. Sie drückte sich mit groß aufgerissenen Augen in die hinterste Ecke, als ich sie leise ansprach.
Sie frisst nicht und lässt sich auch nicht anfassen, war mir im Büro gesagt worden.

 
Da saß nun also diese scheue Katze  (ich nannte sie "Mona")  in der Quarantäne und trauerte still vor sich hin. Meine unermüdlichen Versuche, ihr Vertrauen zu gewinnen, wurden irgendwann belohnt. Ich durfte sie in die Arme nehmen und endlich genoss sie das Streicheln, das Pflegen ihres Fellchens und … die zusätzliche Futterration, die ich für die Tiere stets mitbrachte.  

Sterilisiert war sie bereits bei Ihrer Ankunft gewesen, aber nun war ein Knoten, ein Gewebebruch an ihrem Bäuchlein operiert worden und so mußte der Umzug in die Scheuer mit Freigehege auf lange Zeit verschoben werden.
Die Katze saß nun schon viele Wochen in der Quarantäne.
Mona wäre unbedingt meine Katze gewesen, wenn nicht zuhause, damals noch in einer Etagenwohnung, schon drei* von dieser Sorte plus zwei Wellensittiche eine Heimat gefunden hätten. 
( * keines von ihnen kam "geplant" in die Familie und jedes wäre eine Kurzgeschichte wert )  

Ich merke, ich muss im Telegrammstil weitermachen, sonst wird die Gschicht zu langwierig …

Unser Familienurlaub war angesagt  …  Oma war als Urlaubsvertretung zuhause einquartiert.
Schweren Herzens nahm ich im Tierheim Abschied von Mona, die noch immer im Käfig in der Quarantäne saß und der übrigen Katzenschar.

Nach drei Wochen endlich wieder zuhause.
Mein erster Besuch im Tierheim  …  oh weh,  woooo  war MONA  !!!!!    Im Büro Abgabe-Register der Tiere durchsucht.
In der Zeit meiner Abwesenheit waren    n u r  Kater   vermittelt worden.  Aber wo war Mona geblieben?


Ich hatte mir die Namen und Telefonnummern der neuen Katzenbesitzer notiert.  Irgendwer mußte Mona im TH wohl als kastrierten Kater abgegeben haben.  Dies gab auch ich als Grund für meine telefonischen Nachforschungen an.
Eine "heiße" Adresse, bei welcher vor allem die Farbe der Katze und ihre scheue Verhaltensweise und Futterverweigerung auf Mona hinwies, suchte ich dann auf.

Als dort die Haustüre geöffnet wurde, rief ich leise  "Mooooona"  …  und ein zaghaftes Miauen war die Antwort.
Im Wohnzimmer saß hinter dem Vorhang am Fenster - auf einem weichen Kissen -  meine Mona.

Mit Tränen in den Augen nahm ich das Tierle in den Arm und drückte es an mich.  Kurz erzählte ich die Geschichte von der Katze. Noch auf meinem Arm boten wir vom mitgebrachten Lieblingsfutterdösle an und Mona nahm Bissen um Bissen zu sich.
 
Meine Güte, nun fühle ich mich wie damals …  und ich überlege ernsthaft, ob ich diese Geschichte nicht wieder löschen sollte.
 

Noch viele Besuche bei der Familie im Remstal folgten.  Ich brachte alle möglichen Dinge, Erinnerungsstücke usw. vorbei und das Tierle hatte sich dann doch fast schon eingewöhnt, als plötzlich an ihrem Bäuchle, an der Nahtstelle des Bruches wieder ein Knoten hervorquoll.
Erneute Tierarztbesuche und -Behandlung und dann der Anruf ...  Mona war eingeschläfert worden.

Ich werde MONA nie vergessen - nicht ihr sanftes Wesen, ihre zaghafte Reaktion auf Streicheleinheiten ... nicht das zarte Tippeln der weichen Pfötchen an meinem Hals.   
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Kommentare (3)

debi

     301.gif Bei Monalie, lillii, muscari, margit und nnamttor44
bedanke ich mich für die  💖le. Ich freue mich sehr, dass Ihr ein wenig nachvollziehen konntet, welche Emotionen so eine Geschichte auslösen kann.
Ganz lieb grüßt und sagt nochmals danke,
die debi  088.gif
 

lillii

lass sie stehen, diese erlebte Geschichte rührt die Herzen

und ich denke...Dir ist dereinst zumindest ein Platz im "Tierhimmel" sicher , doch schau Dich zuerst hier unten weiter um....

lieb grüßt
Luzie

debi

@lillii    
   019.gif für Deinen Besuch und die lieben Grüße ...
und was den Platz im Tierhimmel angeht ... ohje, das wurde mir schon recht oft prophezeit 001.gif und wenn ich wüßte, dass ich dort alle meine Lieben wiederfinde ... aber diese Gedanken würde ich dann doch lieber auf morgen verschieben, denn heute ist es eh so dunkel und regnerisch ...

Liebe Grüße
debi   287.gif
 


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