Parkinson

Ihre Beine tun nicht das
was sie denkt
mit dem ganzen Körper
zaghafte Schritte lenkt
die Linke nach vor
den Rechten danach
das ist für sie
unendliche Schmach

Die Bremse fest halten
noch einen Schritt vor
'ne Menge Zeit um
endlich am Tor
Der Fahrer im Taxi
zeigt keine Geduld
der meint ganz sicher
sie sei selber dran schuld

Sie ist aber nicht bereit
sich für ihren Zustand zu schämen
was ihr am Ende bleibt
sind ihre heimlichen Tränen

Die Dame ist in der Zwischenzeit an einer
harmlosen Sturzverletzung verstorben



 

Kommentare (4)

HeCaro
Mitglied
Profil

HeCaro -

Lieber Robin,
mit so einer schlimmen Krankheit ist wohl jeder Tag ein Kampf
und man muss dankbar sein, wenn man vom Schicksal verschont
wird. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen des Gedichts.

Liebe Grüße Carola

nnamttor44
Mitglied
Profil

nnamttor44 -

Das ist eine schreckliche Krankheit, mit hat mein Vater oft sehr leid getan!


Ein Leben lang war man's gewohnt,
Jeder Schritt war forsch und betont.
Plötzlich geht's forsch nicht mehr weiter
Kein Schrittchen ist jetzt noch heiter ...
Zaghafte Schritte gelingen noch:
dort auf der Straße – ist da ein Loch?

Die Hände gehorchen auch nicht mehr.
Der Weg des Löffels zum Mund ist schwer!
Einst verschönte Musik sein Leben,
Klavier-, Geigenspiel konnten ihm geben
Nach harter Arbeit Entspannung pur.
Wo ist dieses Können geblieben nur?

Umdrehen im Bett – gelingt nicht mehr,
War der Körper schon immer so schwer?
Er braucht Hilfe für Kleinigkeiten …
Ihm fällt alles schwer, man muss ihn begleiten
Für kleinste Wege, auch in der Wohnung,
Dabei will er wahrlich keine Schonung!

Auch das Schreiben von Hand ist vorbei
Niemand kann es noch lesen – einerlei
Was dort geschrieben stehen sollte:
Der schreibenden Hand nicht gelingen wollte.
Parkinson zwingt in die Mühseligkeit!
Doch bis zum Lebensend' ist's noch weit …
nnamttor44

Dennoch Danke für das Einstellen Deines Gedichtes ...
 

debi
Mitglied
Profil

debi -

Guten Morgen, lieber Robin,
man müßte jeden Tag, den man ohne große Schmerzen und Einschränkungen beginnen kann/darf, ganz bewußt dankbar erleben. Aber leider macht man sich erst Gedanken darüber, wenn man selbst Probleme hat oder von einem Schicksal wie dem jener Frau erfährt.
Ein paar Worte möchte ich noch anhängen, die ich   f r ü h e r  mal aufgeschrieben hab und die ich heute sehr gut nachvollziehen kann ...

Aufsteh'n ist stets ein Verdruss,
setzt man davor das Wörtchen m u s s .
Doch mancher würde alles geben,
könnt' aus dem Bett er sich erheben.
Bedenke dies - und sag dir dann:
" Ich   m u s s   es nicht   -   ich   d a r f   und   k a n n ! "

Lb. Grüßle - debi

Tulpenbluete13
Mitglied
Profil

Tulpenbluete13 -

Lieber Robin-
Parkinson ist eine grausame Krankheit und ich weiß wovon ich rede. Ich habe über viele, viele Jahre meinen parkinsonkranken Mann begleitet-
ein Gedicht konnte ich damals- und könnte es auch heute nicht- darüber schreiben......
Du hast gut beobachtet...
lg. Angelika