Von Ausnahmen abgesehen bin spätestens gegen 24 Uhr rechtschaffen müde, spiele noch 1-3 Runden „Spider Solitär“ , bevor ich den PC endgültig ausschalte, vollziehe meine Rituale zur Guten Nacht und mach es mir mit Katze Lili im Bett bequem. Doch kaum habe ich das Licht ausgeknipst, kaum liege ich und verspüre den ersten Hauch des anrollenden Schlafes, da geht es los:

Habe ich noch Wäsche in der Maschine, die aufgehängt werden muss?
Ist die Terrassentür zu? Das Kellerfenster?
Habe ich die Autofenster geschlossen? (Bei zu erwartenden Regenschauern stürze ich notfalls auch im Nachtdress noch mal an die Straße, um nachzuschauen!)
Ein bis zwei Mal huppe ich noch aus dem Bett, um meine Kontrollgänge zu machen. (Wie praktisch wäre ein Partner, den man abfragen könnte: „Hast du auch die Terrassentür zugemacht? Hast du auch...?“)

So, alles in Ordnung (gebracht). – Schlaf, du darfst kommen!
Doch was kommt? – Gedanken, Gedanken, Gedanken!

Was pflanz ich um den neu errichteten Schuppen herum, damit er „begrünt“ ist? Dieser eine Busch mit den gelb blühenden Pompoms, der bereits mein Gärtchen ziert, ließe sich mit Leichtigkeit teilen und würde sich an der Schuppenwand prächtig machen. Ach, nein, dieser Busch braucht Sonne und Licht. Das hat er da unter der Tanne, unter der der Schuppen steht, nicht. Vielleicht ein Kirschlorbeer? War doch neulich sogar im Angebot! Wo im Angebot? Hm, komme ich jetzt nicht drauf. Ist auch egal, ich wollte jetzt ja auch schlafen!

Kirschlorbeer... wuchert der nicht zu doll? Passt die Regentonne dann noch dahin?
Hat Mutter eigentlich eine Regentonne im Garten? Wenn ich hier mal ausziehe, nehme ich meine Pflanzen aber alle mit!
Wohin ziehe ich denn mal? In Mutters Haus? Wie könnte ich es einrichten, damit es mal MEINS wird? Das wird nie meins, das bleibt Mutters! Soll ich das später mal verkaufen? Oder vermieten? Mir selbst ein Haus kaufen? Bin ich dazu dann nicht zu alt? Wird mir das nicht eher ein Klotz am Bein werden? Dann muss ich mich um alle Handwerkerarbeiten selber kümmern und wie ich mich kenne, wird mir das schlaflose Nächte bereiten!

Na ja, die hab ich auch jetzt schon. Ein Blick auf den Wecker zeigt ein Uhr.

Wohin mit Mutters Sachen, wenn sie mal nicht mehr ist? Hier habe ich doch gar keinen Platz für all ihre Schätze. Muss ich doch ein Haus kaufen?
Alleine in einem Haus? Nee, als Single brauche ich Nachbarn. Ein Reihenhaus? Vielleicht ein Projekt mit anderen Leuten anleiern? Drei Reihenhäuser nebeneinander, in jedem nette Leute. Wenn es Projekte in Richtung „familien-freundlich“ gibt, warum dann nicht eins mit Schwerpunkt „single-freundlich“? Oder ein Haus mit drei Wohnungen? Und eine Wohnung für den Zivi, der uns im Alter pflegt.....! Ich will aber nicht zu ebener Erde schlafen!

Schlafen? Da war doch was, warum ich im Bett liege? Schlafen!! Es ist halb zwei und ich stehe auf und mache mir einen heißen Kakao. Und rauche noch eine Zigarette. Nun ist mir schlecht. Jetzt kann ich schlafen.
Gute Nacht!
3.9.02
©ajs/tergea


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Kommentare (1)

BerndMichaelGrosch

Kurz und bündig würde ich es ausdrücken: Selbstgemachter Stress - wobei 'selbstgemacht'....mal in der Nacht in Ruhe darüber nachdenken....😱


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