Neulich mal im Supermarkt



Neulich mal im Supermarkt

Neulich, damit meine ich natürlich, dass es nicht gerade vor einer Stunde passierte, sondern eben wie vieles andere „neuliche“ schon vor einiger geraumer Zeit. Nun passiert aber ständig neulich irgend etwas bei mir und ich bin eigentlich ganz fest davon überzeugt, bei allen um mich herum springenden Mitbewohnern unserer schönen Stadt, hier gelegen am Rhein auch.

Es kommt nämlich nicht ganz so oft vor, dass ich als Mann mir irgendwelche, meine Männlichkeit erniedrigende Tätigkeiten von irgend jemanden auch nur im entferntesten Sinne aufschwatzen lasse.
Aber wie das so nun mal im wahren Leben ist, das eine ist die Theorie und das andere die Praxis.

Also neulich wurde ich von meiner allerbesten NELAG (nichteheliche Lebensabschnitts Gefährtin) mit einer lebenswichtigen Aufgabe betreut und nach einem Kurzlehrgang von ca. 23 Minuten hatte ich endlich alles notwendige in meinem großen Denkerkopf untergebracht. Ich trabte, vielmehr ich fuhr mit ihrem persönlichen Kraftfahrzeug in Richtung unseres in der Nähe liegenden Supermarktes. An dieser Stelle muss ich mal offen gestehen, ich persönlich habe „gaaaar“ kein eigens Fortbewegungsmittel mit vier Rädern, sondern kann mir gerade mal ein preiswertes Aldi-Fahrrad leisten. Ja so sind wir Rentner halt gut bemittelt.

Nach einigen wirklich nur kleineren Verfahrungen hatte ich einen freien Parkplatz vor dem riesigen Einkaufsirrgarten ergattert. Es war so gegen 10.15 Uhr glaube ich mich dunkel zu erinnern und ich denke mal es war ein Samstag Vormittag.
Mein erster Eindruck beim Betreten der schon leicht überfüllten Eingangshalle war schon etwas verwirrend. Hatten denn alle Alten- und Pflegeheime im Umkreis von 10 km ihre gesamte Besatzung gleichzeitig zum Einkaufen geschickt? Ich dachte immer Rentner und das allgemein im Ruhestand befindliche deutsche Volk habe doch die ganze Woche Zeit in diversen Einkaufseinrichtungen bummeln zu gehen. Warum in Gottes Namen dann dieser Wandertag für die älteren Menschlein an einem Samstagvormittag im Supermarkt?
Und ich als frisch gebackener Rentner natürlich auch gleich noch mit dabei. Dabei sein ist halt alles.

Nun gut. Ich zwängte mich durch diverse männliche und meist weibliche Körper und stand nach knapp zwanzig Minuten endlich schon leicht in Schweiß geraten an der gut umkämpften Frischfleisch- und Wursttheke. Geduldig wie wir Männer im allgemeinen von Geburt an sind, setzte ich im Laufe einer knappen halben Stunde eine Schuhgröße 42 vor die andere und hatte dann endlich nur noch eine einzige nette ältere Dame vor mir zu stehen.

Dann nahm das Drama des Tages seinen Lauf.

„Was hätten Sie denn gern?“ wurde die kleine nette ältere Frau dreimal mit wechselnd lauter Stimme von der nicht gerade im Diätrausch befindlichen ebenfalls sehr netten Fleischfachverkäuferin angesprochen.
Ob nun das Alter ihre Hörkraft verschließen hatte und sie das in diesem Fall notwendige Elektronische Ersatzohr zu Hause auf dem Nachtschränkchen vergessen hatte oder ob ihr das ganze einfach nur etwas Spaß breitete, ich konnte es nicht nachvollziehen. Ein seltsames Lächeln in ihren Mundwinkeln ließ mich aber auf die zweite Variante tippen.

„Geben Sie mir bitte zweihundert von der Kalbsleberwurst da vorne.“

„Das ist aber keine Kalbsleberwurst, liebe Frau, das ist Hausmacherleberwurst.“

„Na dann machen Sie mal davon einhundert Gramm. Oder warten Sie, ich nehme zwei Scheiben Bierschinken.“

„Ist es so recht?“

„Ist das da vorne frische Lyoner?“

„ Ja natürlich ist die frisch, aber das ist frische Jagdwurst, gnädige Frau.“

„ Na dann machen Sie mal lieber davon drei Scheiben. Oder warten Sie, ist das da die gute Fleischblutwurst?“

„Ja, das haben Sie aber gleich richtig erkannt, liebe Frau.“ antwortete die nun doch schon etwas in leichte Erregung geraten die nette Fleischfachverkäuferin und war meiner Meinung nach nun plötzlich nicht mehr ganz so nett anzusehen.
„Dann nehme ich von der Fleischblutwurst 150 Gramm. Oh, warten Sie. Schneiden Sie mal noch ein bisschen ab. Es sieht doch ein wenig viel aus.“

„Ist es so recht?“ und ich konnte schon ein leichtes Zischen, ähnlich dem einer in Aufregung geratener Klapperschlange im Unterton der hilfsbereiten Fachverkäuferin entdecken.

„Ach lassen Sie mal. Ich nehme doch lieber die zweihundert Gramm von der Kalbsleberwurst da vorne.“

„ Das ist doch, wie ich schon sagte Hausmacherleberwurst, meine liebe Frau. Hier drüben habe ich die Kalbsleberwurst. Möchten Sie nun davon die zweihundert?“

„Ach nee. Dann machen Sie doch lieber die drei Scheiben Jagdwurst.“

Die beiden Damen hatten den kalten Krieg beendet und keiner im eigentlichen Sinne gewonnen. Nun war ich endlich an der Reihe und durfte mich nun meinerseits mit der noch immer etwas nach Luft schnappenden Wurstfachfrau anfreunden.

„Können Sie das mal kurz halten?“

Nachdem ich meine mitgebrachten zwei noch leeren Stoffbeutel kurzfristig der nachfolgenden wiederum älteren Dame anvertraut, meine für mich wichtige Brille in einer der fünf in meiner Männeroberbekleidung befindlichen Taschen gefunden hatte und nach weiteren Suchvorgängen endlich in einer der beiden Jackeninnentaschen den von meiner allerbesten NELAG beschriebenen Einkaufszettel vor den nun bebrillten Äuglein hielt, lass ich seltsam unbewusst laut und deutlich für alle zu verstehen:

1 Roggenmischbrot und fünf Brötchen

Da kann ich nun wieder mal nur noch feststellen, da steht man Stundenlang in der langen Fleischthekenschlange und dann schreibt die liebe Frau zu Hause natürlich prompt das falsche auf den Zettel.




 


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Kommentare (8)

chris


Mit Schmunzeln habe ich hier gelesen.

Könnte jedem von uns auch so passieren.

Gut geschildert.

Danke


Chris
 

APet

Herrlich!
Und auch herrlich: ich habe schon wieder etwas gelernt-
Ich wusste nämlich bis jetzt nicht, was eine NELAG ist.
Agathe

ahle-koelsche-jung

Ohweia, wie peinlich ist das denn!
Aber Super das es so passiert ist, so haben wir wenigstens was zu lachen. Lachen
Also ich hab mich herrlich darüber amüsiert und schreib: Danke für die tolle Aufheiterung.
Mal wieder ein tolles Werk von dir.  Daumen hoch
Wolfgang

Humorus

Danke Muscari, Willy, Werderanerin, Monalie fürs das Vorbeischauen bei meinem bescheidenen Beitrag und ich freue mich wie ein Schneekönig über Eure Kommentare. Danke!

LG aus Karlsruhe

P.S. Ich freue mich auch über all die anderen Leser, welche voller Neugier bei mir gelesen haben und hoffe dass Euch meine kleine Geschichte gefallen hat.

Muscari

Hach, so mitten aus dem Leben gegriffen. Herrlich !
Ich glaube, dass auch mein LG gelegentlich unter solchen, die Männlichkeit erniedrigenden Tätigkeiten zu leiden hatte.

Zwar bin auch ich eine ältere, sogar alte Dame. Aber so weit wie bei Deiner Dame im Supermarkt kommt es doch noch nicht.
Das Einzige, woran ich mich noch gewöhnen muss, sind die kleineren Mengen, die ich seit einigen Monaten nur noch benötige.
Da muss ich manchmal sogar die erstaunten Augen der Verkäuferin ertragen, die zu fragen scheinen:
"Wie, nur 50 Gramm Salami? Und nur eine von den kleinen Bratwürsten??"
Smiley
Andrea



 

Willy

Einkaufen macht Riesenspaß- wenn man bloß Zuschauer ist.
LG
Sweder

werderanerin

Ja, lieber Klaus, das hast du herrlich beschrieben..., musste mehrmals schmunzeln...und ja, siehst du, doch nicht gleich mal lieber auf den Zettel "der Frau" geschaut...Tränen lachen... aber so weißt du nun auch, was es so alles an der Fleischtheke gibt.

Mir geht es auch manchmal so, obwohl ich schon vormittags im Normalfall garnicht mehr einkaufen gehe..., ich warte, bis die "Alten" am Mittagstisch sitzen ...dann wird es nämlich leer und ich hab meine Ruhe.

Es ist aber wirklich so, man hat oft das Gefühl, dass die älteren Leutchen garnicht so richtig wissen, was sie wollen und wieviel, nur Unterhaltung brauchen aber sie nerven regelrecht...da bleibt halt nur "Ruhe bewahren" und hoffen, das man selbst nicht so wird...!
Nächstes mal, Klaus...gleich einprägen, was du holen sollst, ist einfacher und macht fit in der Birne....Zwinkern

Kristine

Monalie

Hallo Klaus ja was alles so passiert,es die tollsten Sachen die einen Menschen glücklich machen,mir Brille wäre es nicht passiert ! hat mir gefallen und ich habe herzhaft gelacht ! Danke sagt Mona


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