Noch ein Unwort-Anwärter



Noch ein Unwort-Anwärter

Gemeint ist Negativzinsen. Die Strafzinsen der EZB werden in verklausulierter Form von den Banken selbst an die Kunden weitergegeben, wenn auch nur in Kontogebühren, Bepreisung von Überweisungen, Geldabhebung usw. Auch ich bin „unbar“ und „online“, weil man sich ja einreihen muss. An den Ladenkassen soll ja auch aus Umweltgründen unbedingt die unbare Zahlung gefördert werden, um den aufwändigen und schmutzigen Bargeldverkehr zu minimieren.

Bei Sparkonten ist es noch nicht ganz so, damit niemand auf die Idee kommt, das Geld in die Schweiz zu transferieren oder im Keller zu vergraben. Die verborgene Mulde im Keller habe ich mir aber schon angelegt.

Früher (auch zu Zeiten meiner Kinder noch) war das Schulsparen eine große Nummer. Heute können sogar schon Kinder eine eigene EC-Karte haben. Einige Banken bieten spezielle Kinder- und Jugendkonten an, die Kindern den Umgang mit unbarem Geld nahebringen sollen.
Voraussetzung zur Kontoeröffnung ist das Einverständnis der Eltern. (Selbstverständlich wird ein solches Jugendkonto dann nur im Guthaben geführt, kann also nicht überzogen werden).

Vielleicht. kommt auch mal der Unwort-Vorschlagunbare Kinder“.

Ich habe ernsthaft auch schon bei den „Kryptowährungen“ mitgedacht. War das schon ein Unwort?
 


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Kommentare (1)

Federstrich

Lieber Manfred,

du sagst mit Recht "noch ein", denn die Liste ist lang und jeder hat auch seine eigene. Diese Wortschöpfungen erfüllen vielfältige Funktionen. Verschleierung ist oft eine davon. Man denke an Nullwachstum u.a. Für mich sind Negativzinsen eine recht anschauliche Beschreibung eines Phänomens, das eben beschrieben werden muss. "Strafzinsen" ist freilich noch plastischer, kommt aber aus einem anderen Blickwinkel, den auch nicht jeder teilen muss. Wer wird ernsthaft von einer interessengeleiteten Institution erwarten, solche abwertenden Bezeichnungen selbst zu verwenden? Man wüsste ja gar nicht, wo man anfangen und wo man aufhören sollte. Und so wird es auch weiterhin die offiziellen und die persönlichen Unwörter geben. Sich ihrer Semantik bewusst zu sein, ist oft schon hilfreich und ein Teilerfolg.

"Kryptowährung" stört mich auch nicht. Alternativ könnte man sie virtuelle oder digitale Währungen nennen. "Krypto" meint aber vor allem, dass die Währungen kryptografisch gesichert sind, sein müssen. Das trifft es doch besser. Vielleicht aber mahnt es manche auch etwas zur Vorsicht. Ist auch nicht verkehrt. Dass sie Umweltverpester ersten Ranges sind, bleibt eh auf den ersten Blick verborgen. Siehe oben.

Bei den Jugendkonten kommt hinzu, dass sie natürlich nur im (meist schmalen) Guthaben geführt werden, die Gebühren aber für die Jugendlichen nicht immer entsprechend angepasst werden. Da passt was nicht zusammen.
VG, Gibfried
 


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