Bischof Martin von Tours (316 – 397)


November
 
Festlich beginnt er zu Allerheiligen*,
Nebelmond* ist seines Namens Zeichen,
erste Fröste den Winter ankündigen,
 
Wildschweine schnüffeln unter den Eichen
nach köstlichen Früchten von Baumes Ästen.
Zu Martini* gibt es Martinsgeigen*
 
und Kinder grellbunte Laternen schwenken.
Noch sieht man hier und da Herbstlaubfarben,
zu Kathrein* soll man das Tanzen beenden.
 
Mit Macht nun nasskalte Tage nahen,
zu St. Andreas* wird die Zukunft erfragt,
längst ausgestreut sind die Wintersamen,
 
denn eisiger Winter ist schon angesagt.
 
© Syrdal 2018
 
....................................

Erklärungen:
*Allerheiligen = Hochfest der katholischen Kirche am 1. November, zu dem aller Heiligen gedacht wird, so also der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“.
*Nebelmond = altdeutsche Bezeichnung für „November. Der Name stammt aus dem Römischen Kalender, denn dieser Monat – das Wort kommt von „nove“ = neun – war nach römischer Zählung der 9. Monat im Jahr. Früher wurde der November auch „Nebelmond“ genannt wegen des meist grauen Himmels mit häufig auftretendem Nebel und des Dunkler-Werdens der Tage.
*Martini = (auch Martinstag) Gedenktag des heiligen Bischof Martin von Tours (*316 oder 317; † 397), das in der katholischen Kirche am 11. November gefeiert wird. Nach dem Martinstag beginnt die 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten.
*Martinsgeige = im Allgäu üblicher Brauch zum Martinstag: In Hindelang werden "Martesgiga" (Martinsgeigen) – längliche Brote aus Weißmehl und Butterteig – geweiht und verkauft.
*Kathrein = Gedenktag der hl. Katharina von Alexandria (Märtyrerin, Nothelferin) am 25. November. Es beginnt die vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten, bis dahin sollte das Tanzen eingestellt sein.
*St. Andreas = römisch-katholischer Feiertag am 30. November; Gedenktag des Apostels St. Andreas; Lostag

 

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Kommentare (13)

Syrdal


Mein Dank für das feine
💗  
geht heute an

Monalie
Ingrid
Via
Angeli44
Angelika
Herbstrose
Muscari
Carola
schneemann
mit freundlichen Grüßen von
Syrdal

 

kleiber

Hey ...lieber Syrdal...

Ja St. Martin war für uns Kinder ...(Schon lange her....leider) so etwas Besonderes..

Alle Kinder aus der näheren Nachbarschaft zogen los
zum St.Martin singen...wir gingen von Haus zu Haus
und bekamen viele süße Sachen........wir sangen das plattdeutsche Lied :

Sünne Matten ,sünne Matten Vöggelken
dat ha so`n  rood rook Kögelken,
dat floog so
Dat stoow so
wa´dremaol öwwern Vreensken Karktaorn heer
Daor was wa`een so ne gudde Frou,
de ha` noch wa´Äppelken in de Mou,
hat se´keen in de Mou
da ha´de ook noch wa eene in´t Schreen
Door satt´n Männeken  acter de Dör
dat see pipp...un dat was ik....................
Laot us nich so lange staon ,wi mütt ´t noch ´n
Hüüsken wiedergoon..................

Dann bekamen wir worum wir gebeten hatten !

Das ist die Version von dem Lied was wir gesungen haben...
Es gibt es aber auch ...mit noch einigen Abwandlungen..

Ja lange ist es her....aber es sind immer noch schöne Erinnerungen.
In der Stadt ...bei uns ...ziehen die Kinder nun mit selbst gebastelten
Laternen durch die Stadt...da können wir nur zuschauen und uns freuen...

So...schick dir liebe Grüsse Margit






 

Syrdal


Liebe Margit, wie schön sind doch die Erinnerungen an die eigene Kindheit. Und besonders dann, wenn man sehen kann, dass es noch immer die schönen Umzüge mit den selbstgebastelten Laternen gibt. Was war das doch für eine Freude!... Mir ist, als sei es erst gestern gewesen. – Manchmal ist so eine Papierlaterne auch plötzlich abgebrannt. Oh welch ein Malheur, das selbst die heißen Kindertränen nicht „löschen“ konnten. Doch schön war es allemal, auch später, als wir mit den eigenen Kindern mitmarschiert sind.
 
Aber, liebe Margit, bei aller Mühe habe ich den ganzen Text des Liedes nicht „übersetzen“ können. Hab' es dann aufgegeben ,denn ich konnt’ „nich so lange staon, ich mütt ´t noch ´n Hüüsken wiedergoon...“
 
Herrlich... Danke...
...und liebe Grüße zum Martini-Laternenabend
Syrdal
 

HeCaro

So schön ist der November, den Du hier so poetisch beschrieben hast.
Aber er hat auch dunkle Tage. Tage an denen wir an den Gräbern beten.

Von dem Brauch der Martinsgeigen habe ich noch nie gehört, nicht einmal
das Wort. Und das obwohl ich in Bayern lebe. Asche auf mein Haupt und
wieder was gelernt. Danke.

Liebe Grüße, Carola

Syrdal


Liebe Carola, die stillen Tage des ausgehenden Jahres sind seit jeher Tage der inneren Einkehr, Tage des stillen Gedenkens, die uns nicht durch das helle Strahlen des Sommers ablenken und uns jetzt eine besinnliche Zeit gewähren, um in innere Stille zu gelangen. Und an vielen Gräbern leuchtet jetzt in der Dunkelheit die wärmende Flamme der ewigen Seelenverbindung...
 
Ja, was die Martinsgeigen betrifft, so ist das nur einer von vielen Bräuchen, die regional sehr unterschiedliche Prägungen haben. Man kann sie nicht alle kennen... Schön, dass ich wenigstens diesen einen Brauch vorstellen konnte.
 
Herbstabendliche Grüße sendet
Syrdal  

werderanerin

Ja, lieber Syrdal, irgendwie ist für mich der November immer "nur" der Vorweihnachtsmonat, der noch dazu meistens neblig, nass und trübe ist...

Aber, wie es eben so ist,  gerade gestern und auch heute ist alles so ganz anders nach viel Morgennebel strahlt die Sonne, was das Zeug hält...es ist richtig kühl geworden aber das ist nicht so schlimm, man kann sich schließlich warm anziehen.

Kristine dankt für die schönen und vor allem sehr aufschlussreichen Zeilen und Erklärungen

Syrdal


Wie schön es doch ist, liebe Kristine, dass der als grau und unwirtlich bezeichnete November auch schöne, sonnige Tage hat. Das ist so wie bei manchen Menschen...
 
Weiterhin sonnige Tage wünscht dir
Syrdal

Roxanna

Der November ist wirklich ein besonderer Monat mit vielen Gedenktagen, Sitten und Gebräuchen, die du in deinem schönen Gedicht aufführst und in den Fußnoten erläuterst, lieber Syrdal. Einiges davon kannte ich nicht und habe nun wieder etwas dazugelernt. Ich kenne von früher die Feier des Hl. St. Martin so ähnlich, wie es Ingrid beschrieben hat.

Ob wir einen eisigen Winter bekommen, da müssen wir uns überraschen lassen. Lange schon hatten wir den nicht mehr, jedenfalls hier im Süden.

Herzliche Grüße
Brigitte

Syrdal


Liebe Brigitte, wenn man sich in die „Welt des Brauchtums“ begibt, trifft man sehr schnell auf ungemein viele sehr unterschiedliche, hochinteressante Riten und Gebräuche, die alle ihre ganz spezielle Bedeutung haben und aus dem naturgebundenen Lebensrhythmus unserer Altvorderen entstanden sind. Der November hat in der Tat viele „besondere Tage“. Zum einen sind es oft kalendarisch gebundene Gedenktage durch Geburts- oder Todesdatum, zum anderen aber ist es auch Ausdruck der Zeit nach eingebrachter Ernte, die den Bauern endlich etwas „Luft“ gibt und sie nun auch mal an das Feiern denken können. Und das haben sie in dankbarer Demut, aber auch in ausgelassener Freude dann stets ausgiebig getan.
 
...und den Winter nehmen wir so, wie er sich gestaltet, mal milder, mal strenger. Die Natur wird es ohne uns entscheiden. Den Kindern aber möchte ich doch genügend Schnee für Ski und Rodel wünschen.
 
Danke für dein Innteresse und
liebe Grüße
Syrdal  
 

Angeli44

🌝 Danke, lieber Syrdal, für das wunderschöne Gedicht! Auch die Erklärungen sind gut und spannend. Einiges wusste ich so gar nicht. Der "Nebelmond" gefällt mir besonders gut. Eigentlich sollte man den November immer so nennen.

Dir einen schönen Martinitag,
Angeli44

P.S. Hier im Schwarzwald ist es heute Morgen sehr nebelig.

 

Syrdal


Ja richtig, „Nebelmond“ wäre sehr trefflich für den oft grauen November, dessen heutiger Name eigentlich aus dem alten römischen Kalender stammt, denn es war damals der neunte Monat und im Lateinischen heißt die Neun „novem“. Dann aber wurde im Jahr 153 v.Chr. der Jahresbeginn um zwei Monate vorverlegt und der einst 9. Monat wurde somit zum 11. Monat, aber die Bezeichnunng blieb bestehen. – Früher gab es für den November noch andere Bezeichnungen, z.B. Nebelung, Windmond und auch Schlachtemond. – Es hat sich eben immer alles mal verändert, vielleicht ändert sich auch noch mal der Name – wie von dir vorgeschlagen – in „Nebelmond“, mich würde es freuen...
 
Danke für deinen Vorschlag und auch dir einen schönen Martinitag wünscht 
Syrdal 
 

indeed

Guten Morgen lieber Syrdal,

die alten kirchlichen Gebräuche werden sehr unterschiedlich gefeiert. In meiner vorherigen Heimat am Niederrhein geht es heute am frühen Abend los. Kinder aus dem Kindergarten und der Grundschule sammeln sich mit ihren selbst gebastelten Laternen auf dem Schulhof und der Pfarrer teilt den Segen aus. Dann geht es mit voranschreitender Kapelle durch das Dorf und die Kinder singen dazu. St. Martin, hoch auf seinem Ross, ist natürlich auch dabei. Alles endet auf dem Marktplatz, wo bereits ein Feuer entzündet ist und im großen Kreis versammeln sich Kinder und Begleiter weitläufig um den Marktplatz, denn jetzt kommt ein kleines Schauspiel.
Zuerst zeigen die Kindergartenkinder ihren einstudierten Tanz und singen dazu und dann wird die Geschichte vom St. Martin gespielt. Ist immer sehr eindrucksvoll und immer wieder schön.
Danach geht es zum Pfarrhaus und man darf sich die St.Martins-Tüte abholden, die Brot, etwas Obst und ein paar Süßigkeiten enthält.
Man geht dann nach Hause in Geselligkeit wird das Brot verzehrt und Kakao dazu gereicht.

Hier in Ostfriesland gehen die Kinder rum mit ihren Laternen und sammeln Süßigkeiten an den Haustüren und singen dazu. Es gibt aber auch einen Laternenumzug. Das ist aber bereits am 10. November Abend.

Du hast wieder sehr schön diesen Gebrauch beschrieben und deine Fußnoten sind sehr aufschlussreich - wie immer. Mit Dank dafür schicke ich dir liebe Grüße zum Martinstag und in die neue Woche.

Ingrid

Syrdal


Liebe Ingrid, das ist eine schöne und interessante Schilderung des Brauchtums zum Martinstag dort am Niederrhein. Ja, in den verschiedenen Regionen unsres Landes gibt es viele Varianten, den Martinstag zu ehren und zu feiern. Das Backen der Martinsgeigen („Martinsgiga“) im Allgäu kannte ich auch nicht...
Ich hoffe nur, dass sich all diese alten Bräuche, die ja doch allesamt einen hintergründigen Sinn haben, erhalten, weil ja durch die Zuwanderung in bestimmten Kreisen so manches in Frage gestellt wird.
 
Dir danke ich sehr für deine schöne „Zugabe“, es hat mich sehr gefreut, dies zu lesen.
 
Einen feierlichen Martinstag und überhaupt alles Gute wünscht dir
Syrdal 


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