Ich erinnere mich gerne an ein Gedicht von Seidel:

November

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdrießlich sein
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist `ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie zwirbelt
und sie durcheinander wirbelt
Und sie hetzt ohn` Unterlass:
Ja. Das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Und an jeder Traufe hängt
Trän` an Trane dicht gedrängt.

Oh, wie ist der Mann zu loben,
der solch unvernünft`ges Toben
schon im Voraus hat bedacht
und die Häuser hohl gemacht!
So dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Gräuel schauen zu!
Heinrich Seidel

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Kommentare (4)

ortwin Er liest sich immer wieder gut. Kennst Du sein kleines Werk "Leberecht Hühnchen" ? Fast eine Eigenbiografie - Ich liebe es, weil darin die Eisenbahn, weil darin das Berlin, weil da auch etwas mein Großvater heraus zu lesen ist.
koala Ich habe das Gedicht mehrmals gelesen, so gut hat es mir gefallen.
Ich hatte keine Probleme mit dem November und seinen grauen windgebeutelten Tage. Gott sei Dank, kann man da nur sagen. Jetzt, mit der Erinnerung an das Gedicht von Seidel, wuerde ich nochmals gerne durch's Fenster schauen und seine Aktivitaeten bewundern.
ashara ganz toll beschrieben!!
Spassig und doch sehr dem Wahren entsproche!!
Super.......

l.g. Silvy
oessilady Es ist so wie du es hier beschreibst,ein Monat grau in Grau aber es kommt ja bald der Advent!

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