Öffentlichkeitswirksam



Öffentlichkeitswirksam

was ist das schon? Presse und andere Medien suchen natürlich nach Dingen, die allgemein interessieren könnten, davon leben sie. Und die Politiker auch. Unter's Volk bringen.
Wirksam ist aber nicht gleich Bedeutsam. Bedeutsam ist für mich etwas, was mir etwas bedeutet. Auch schlimme Dinge, bevorzugte Punkte der Berichterstattung, sind mir nicht immer bedeutend.

Da kommt z.B. mein Sohn durch einen tragischen Unfall ums Leben, die Beerdigung verläuft unter Würdigung seiner Art, die zu einem wunderbaren Leben hätte führen können, aber in aller Stille. Woanders wird eine Schülerin seines Alters von einem Anderen (auch noch Ausländer!) umgebracht. Die Beerdigung läuft unter Prunk, Presse- und Politik-Präsenz sowie unter einer religiösen und öffentlichen Anklage, was da sinnlos aus dem Leben gerissen worden ist; Abbilder, Bilder und Worte laufen durch die Lande, Blumen werden in Massen niedergelegt, Traumata werden beschworen. Wo liegt der Unterschied? Messe ich dem nicht nur eine Quasi-Bedeutung zu, wenn ich da mitmache?

Man muss alles verkaufen. Auch die Politiker, die betonen „Wir sind im Geiste bei euch, Opfer, Angehörige, in tiefer Trauer und unermesslichem Leid“. Wird nicht vielleicht sogar Gott noch auf die öffentliche Anklagebank gezerrt („Warum?“), dem doch ein Menschenleben so viel wert wie alle zusammen.

Aber ich weiß, es ist wichtig. Unser Gemeinwesen muss sich doch an informativen Wert-Konglomeraten aufbauen, damit ein Mit-Denken zu Stande kommt. Auch Heuchelei und Lobbyismus haben eine „bedeutende“ Rolle. Sie binden ein und gestalten letztendlich auch die Demokratie.
 


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Kommentare (1)

Madiga
Madiga
Mitglied

Hallo Manfred,

schön, Du sprichst mir aus der Seele.
Was habe ich mal gelernt? Die Gesellschaft braucht ihre Rituale, die dem Zusammenhalt dienen sollen. Aber über die Art und Weise sowie die Inhalte, kann man sich eine eigene Meinung bilden. Es ist so viel Verlogenheit und Herdentrieb dabei. Manches ist auch ehrlich. Und heutzutage muss alles reißerisch sein, sonst fühlen die Medien sich unsicher.

Es ist eine widersprüchliche Geschichte.
Tut mir ehrlich leid, dass Dein Sohn uns verlassen musste.

Dein Artikel jedenfalls ist prima.

Liebe Grüße von Madiga


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