RUDELGUCKEN GAB ES FRÜHER SCHON


RUDELGUCKEN GAB ES FRÜHER SCHON

Rudelgucken gab es ja damals schon, und zwar im Wohnzimmer meiner Tante Erika. Sie besaß den allerersten SW-Fernseher in der gesamten Bergmannssiedlung, und alle Nachbarn kamen vorbei, um dieses großartige Ereignis mitzuerleben. Sie brachten natürlich ihre eigenen Sitzgelegenheiten mit, und machten es sich dabei richtig gemütlich. Und wir Kinder saßen quietschvergnügt auf dem Fußboden, aber immerhin in der ersten Reihe.
Ich erinnere mich auch gut an den großen Schmalzstullen-Teller, den unsere Tante extra für alle Kinder hergerichtet hatte. Ein ganzes Brot wurde dabei ruckzuck verschnitten. Die Erwachsenen brachten sich ihre eigene Flüssignahrung mit. Ich wunderte mich als Kind, dass die Männer alle so durstig waren. Doch dann erfuhr ich von den staubigen Arbeitsplatzbedingungen der Bergleute unter Tage, und ihren chronisch trockenen Kehlen. Nun, das verstand ich natürlich.

Damals lief die spannende Serie "So weit die Füße tragen", im Abendprogramm. Dann platzte das Wohnzimmer fast aus allen Nähten, weil so viel Besuch kam. Und ich konnte damals in der Nacht kaum schlafen, weil ich die ganze Aufregung und die gefährlichen "Filmwölfe" ja erst einmal verarbeiten musste. Aber schön war es trotzdem.

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Aus reiner Nostalgie-Neugierde fuhr ich heute mal zu dieser Bergmannssiedlung hinaus. Ob das Haus wohl noch existierte? Tatsächlich, es war noch da. Ich fand es, sogar nach über fünf Jahrzehnten, sofort wieder. Allerdings ist es jetzt modernisiert und besitzt einen Anbau. Dafür gibt es den grünen Garten mit den Stachelbeersträuchern, den Blumen- und Gemüsebeeten nicht mehr, in dem wir als Kinder immer so schön gespielt hatten. Die Katzen, Hühner und Kaninchen waren auch nicht mehr da. Alles war so zugebaut, und auch dieses alte Haus schien mir doch plötzlich mächtig geschrumpft zu sein. In meiner Erinnerung war alles viel größer gewesen. Aber vielleicht hat mir mein Gedächtnis auch nur einen kleinen Streich gespielt.

Rosi65

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Kommentare (9)

Rosi65


Bedanke mich bei allen 💖chen-Spendern (Christine62lächel, Roxanna, Songeur, Muscari, Manfred36, Juttchen, nnamtor, Benni16, Puzzlerine und HeCaro) für Euren lieben Besuch.
Kommt mal wieder vorbei!

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Herzliche Grüße
    Rosi65

Roxanna

Es ist doch logisch, liebe Rosi, dass dir das Haus klein vorgekommen ist, weil du doch gewachsen bist  😉. Damals warst du klein, also das Haus groß. Diese gemeinsamen Fernsehabende bei Nachbars kenne ich auch. Gerne wurden u.a. zusammen die Fasnachtssendungen geschaut, dazu ein Schlückchen getrunken und etwas geknabbert und gemeinsam gelacht. Ich habe das auch in schöner Erinnerung. Das waren noch Zeiten, in denen es mehr Gemeinschaft gepflegt wurde. Heute bleibt man in den Häusern eher für sich und macht die Türe zu. Eigentlich schade! Gerne habe ich deine Erinnerung gelesen.

Herzliche Grüße
Brigitte

Rosi65

Liebe Roxanna,

ja, wirklich schade. Oft hat man sich nach der Sendung ja noch ausgetauscht, oder sich gemeinsam über das rätselhafte Filmende den Kopf zerbrochen. 
Später, als Teenager, haben wir mit mehreren Freundinnen immer der Beat-Club-Sendung entgegen gefiebert. Die Fotos und Liedertexte unserer Favoriten wurden aus der BRAVO ausgeschnitten, und anschließend in eine Kladde eingeklebt. Das war auch eine schöne Zeit!

Danke, für Deinen lieben Kommentar.

Herzliche Grüße
     Rosi65

 

Christine62laechel


Liebe Rosi,

wie schön hast du deine Sentimentalreise in den Ort beschrieben, wo du mal als Kind glücklich warst. Und was ein Kind auch wirklich glücklich oder zufrieden machen kann, das wäre auch ein Thema, nicht wahr?

Deine Erinnerungen haben natürlich auch mich an die Vergangenheit denken lassen. Auch wir hatten als die erste Familie in der Straße einen Fernseher; da besuchten uns auch mehrere Nachbarn, wenn es etwas ganz Besonderes gab, zum Beispiel die Beerdigung von dem erschossenen Präsidenten Kennedy. Unter den Besuchern waren auch einige Nonnen; in der Nachbarschaft führten sie ein Pflegeheim für ältere Priester.
Und dass dir das Haus nun klein vorkam... Ich war in meinem ehemaligen Elterhaus als Erwachsene auch noch, vor über 30 Jahren. Und trotzdem, als ich es neulich betrat, kamen mir die Räume komisch klein vor. :)

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Rosi65

Liebe Christine,

ist es nicht schön, wenn man große Ereignisse, egal ob schön oder traurig, in der Gemeinsamkeit teilen kann? Auch wenn es nur eine TV-Übertragung ist. Ich kann mich noch gut an die Apollo11-Mondlandung erinnern, da hatten wir auch mit mehreren Leuten geschaut. Doch das war allerdings einige Jahre später. Danke, dass Du mich auf meiner kleinen Zeitreise ein wenig begleitet hast.

Herzliche Grüße
   Rosi65

Puzzlerike

@Rosi65  

Die Mondlandung habe ich auch im Rudel erlebt. Wir waren im Urlaub auf Langeoog und durften ausnahmsweise in der Pension bei der Gastfamilie mit ins Wohnzimmer.
An der Mondlandung zweifle ich heute noch, nachdem ich in den 80er-Jahren bei einer USA-Reise im Space Museum in Washington die angebliche Originalrakete anfassen konnte. Was für eine primitive verbeulte Blechbüchse! Da waren sogar die Autos der 80er schon solider. Merkwürdig auch, dass seitdem kein Mensch die Oberfläche des Mondes ein zweites Mal betreten haben soll!

Mit Blick in den mondlosen Nachthimmel grüßt Euch
die Puzzlerike

Rosi65

Hallo Puzzlerike,

Dein Name lässt mich vermuten, dass Du ein bestimmtes Hobby magst. 
Das kann ich gut verstehen, denn ich puzzle auch sehr gerne.
Danke für Deinen interessanten Beitrag, über den man sicher sehr lange  diskutieren kann. 

 Viele Grüße
    Rosi65

Christine62laechel

@Rosi65  

In der Mondlandung-Nacht wurden uns zwei Fahrräder gestohlen, die wir, vergessen, vor dem Haus stehen lassen hatten. Die Diebe liessen sich mit der Mondfahrt nicht ganz begeistern. :)

Rosi65

@Christine62laechel  

 Was für eine Gemeinheit! So etwas vergisst man auch nach vielen Jahren  nicht..


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