Schiff ohne Wiederkehr



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Schiff ohne Wiederkehr
(...wenn ein naher Mensch verstirbt)


So still ruht das Meer, totenstill,
leise löst sich ein Schiff vom Hafen,
wer weiß, wohin es reisen will,
wohl niemand kann sein Ziel erahnen.
Ruhig fährt es in die Ferne,
folge ihm lange mit meinem Blick,
nah bei ihm wär ich zu gerne,
möcht‘ rufen „Hallo, nimm mich doch mit!“
Schon ist‘s weit hinaus geschwommen,
mein Sehnsuchtsruf erreicht es nicht mehr,
es hat mich nicht mitgenommen,
schmerztrauernd wird mir das Herz bleischwer.
Kleiner und kleiner wird das Schiff,
hat den Horizont beinah erreicht
unbeschadet vom Felsenriff,
langsam es meiner Nachschau entweicht –
ist aus meinem Blick entschwunden,
es bleibt mir nur noch Erinnerung,
fühle mich mit ihm verbunden
in verinnerlichter Verwahrung.
In mir flüstert eine Stimme:
Leise ist es untergegangen,
es versank in ew‘ge Räume,
wird dort mit Himmelslicht empfangen!“
…………...
Es ist nun Zeit zum Loslassen
als vorerst letztes Abschiednehmen,
einst werd‘ dem Schiff ich nachreisen
zum ewiglichen Seelenfrieden.

© Syrdal 2020



Segelschiff-1.jpg


 

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Kommentare (19)

2.Rosmarie

Lieber Syrdal,

viel schreiben kann ich nicht zu deinem Gedicht. Aber vielleicht ist das auch nicht nötig, denn ich habe Tränen in den Augen...
Deine Zeilen und dieses wunderbare Bild berühren mich sehr.

Liebe Grüße
Rosmarie

Syrdal

@2.Rosmarie

 
...bin deinen Gedankenschwingungen ganz nah.

Liebe Grüße
Syrdal

lillii

selten tritt man diese Reise gemeinsam an,
meine (fast) tägliche Nachreise sind 2225 Schritte hin und 2225 Schritte (Ich habe sie mal gezählt)
zurück zu der Stelle, wo er wartet und jeden Tag nehme ich von Neuem Abschied
und das seit 14 Jahren...wat mutt, dat mutt...
wie lange noch ????
frage ich mich ...
so lange mich die Füße tragen..
und dann... mein Platz dort ist gesichert.

vielen wird es so gehen...

Syrdal

@lillii

Liebe Luzie, deine täglichen Schritte zur einzig bewussten Stelle sind wichtige Schritte auf dem langen Weg… so lange, bis er endet. Und die Füße werden ihn gehen, immer und immer, bis sich das Tor öffnet.

So geht es uns allen... 

Michiko

@syrdal ...

Ich lese hier öfter mit, bin eigentlich nur durch das Maleur zu den blogs gekommen, als vor kurzem das Texte einstellen nicht funktionierte in den Foren. Deine Verse kann ich gut nachvollziehen, als vor etwas über einem Jahr meine Mutter starb. Erst Monate später kam mir zu Bewusstsein, was da passiert war und noch heute erschlagen mich manchen Tag die Erinnerungen an Begebenheiten, Gespräche, verpasste Gelegenheiten, wo man hätte anders agieren sollen, oder vlt. doch nicht, ich weiss es nicht. Meine Mama wurde ohne nennenswerte Krankheiten 101 Jahr alt, dafür bin ich dankbar.

LG Michiko

Das Bild war eine Zeitlang mein Bildschirmschoner.

koffer.jpg

Syrdal

@Michiko

Erinnerungen, liebe Michiko, können durchaus auch ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und des nachträglichen Aufarbeitens sein. Freilich lässt sich Versäumtes nicht nachholen, aber das Aufarbeiten ist so etwas wie Verzeihung und Loslassen bis hin zur übereinstimmenden Versöhnung, wo es etwas zu glätten gilt. Und niemand macht stets und immer alles richtig… aber dies zu erkennen, birgt allumfassendes Verzeihen in diesem Erkennen und vertieft die Dankbarkeit für das lange, sehr lange Zusammenleben während der Erdenzeit.

LG Syrdal 

Widderfrau

Einfühlsam doch traurig zugleich. Aber die Schiffsreise treten wir ja alle einmal an, kennen Gott sei Dank den Termin der Reise nicht. LG Beate

Syrdal

@Widderfrau

Richtig, niemand weiß, wann die letzte Reise geschieht, aber sie wird unabdingbar kommen. Und allein schon deshalb sollte man stets und immer vorbereitet sein – innen wie außen und nicht erst irgendwann, sondern jetzt…

...meint
Syrdal
 

Widderfrau

@Syrdal  

Da hast Du vollkommen Recht. Ich bin vorbereitet, gehört leider zum Leben dazu. LG

werderanerin

Traurige Zeilen, lieber Syrdal und zu verstehen. Du hast vor vielen Jahren einen sehr lieben Menschen verloren und wirst sie immer vermissen.
Schön, wenn du das Leben dennoch für dich so "eingerichtet" hast, dass es lebenswert bleibt. 

Kristine

Syrdal

@werderanerin

Liebe Kristine, es gibt ja doch jährlich wiederkehrende Zeiten, die dem Gedenken immer sehr nahe sind. Das ist bei mir der November und dann wieder das Frühjahr im April. Doch wer mich hier ein wenig kennt und „erlebt“ hat, weiß, wie sich dies alles auf meinen noch immer aktiv bewegten Alltag auswirkt und darstellt. Doch das innige Gedenken an die mir so sehr nahe, leider so zeitig abberufene Seele ist mir überaus wichtig. Das zeigt sich halt auch immer mal wieder in einem meiner Gedichte…

Dir sei Dank für deine einfühlsamen Worte
Herzlich grüßt
Syrdal

Juttchen

Hallo, lieber Syrdal,
was traurige, schwermütige, dunkle Gedanken?
Wenn Du Hilfe brauchst, meld Dich einfach.
Lieben, aufmunternden Gruß von
Jutta

Syrdal

@Juttchen  

Danke, liebe Jutta, das ist sehr freundlich und edel und ich weiß das sehr zu schätzen… Aber lies bitte kurz meine unten stehenden Antworten bei Roxanna, Manfred und Monalie...

...und sei herzlich gegrüßt von
Syrdal

Manfred36


River of No Return

There is a river called the river of no return
Sometimes it's peaceful and sometimes wild and free!
Love is a traveler on the river of no return
Swept on forever to be lost in the stormy sea
Wail-a-ree(Wail-a-ree)
I can hear the river call (no return, no return)
Where the roarin' waters fall
Wail-a-ree
I can hear my lover call "Come to me" (no return, no return)
I lost my love on the river and forever my heart will yearn
Gone, gone forever down the river of no return
Wail-a-ree (Wail-a-ree), wail-a-ree
She'll never return to me!

 

Syrdal

@Manfred36

Es ist wohl richtig, lieber Manfred, ins Erdenleben wird meine Liebe nicht zurückkehren, aber ich werde zu „meiner Zeit“, wenn sich meine Leben aus dem irdischen Hafen löst, dorthin reisen, wo sie nun schon so viele Jahre ist und – da bin ich mir sicher – mich freudig begrüßend auf mich wartet...

Liebe Grüße
Syrdal  

Monalie

Lieber Syrdal oh warum hast du diese Sehnsucht in die Ewigkeit,auch wenn es oft schwer in Leben ist,gibt es immer wieder die Sonne die aufgeht und unser Herz erwärmt. Dein Bild mit den Schiff ohne Wiederkehr habe ich auch zu oft nachgeschaut aber noch ruft das Leben; du hast noch Zeit. es grüßt Mona🌹

Syrdal

@Monalie

Ach, liebe Mona, es ist ja nicht so, dass mir das Leben überdrüssig wäre… Nein bei weitem nicht, denn ich habe ja doch noch viel vor, habe Aufgaben und Pläne und möchte auch gerne das in früheren Jahren nicht Machbare nun noch, soweit es möglich ist, nachholen. Also bin ich voller Aktivität und auch noch immer öffentlich präsent (z.B. hier im ST am 4. Dezember). Aber seit fast 15 Jahren fehlt mehr und mehr die vertraute Seele an meiner Seite, das „aus dem Hafen gefahrene, am fernen Horizont aus meinem Blick entschwundene Schiff“… Ich denke, das ist doch gut zu verstehen, oder…?

Liebe Grüße
Syrdal 

Roxanna

Schwer, wie das Erdenleben manchmal ist, verstehe ich diese Sehnsucht sehr gut, lieber Syrdal.

Herzliche Grüße
Brigitte

Syrdal

@Roxanna  

Aber, liebe Brigitte, wir kennen das Leben in all seinen Facetten, wir wissen, dass es darin nichts Ewiges gibt, dass wir auch Liebgewordenes loslassen müssen und einst selbst in den „ewigen Seelenfrieden“ eingehen werden. Das versöhnt mit allem Schweren und trägt mit Zuversicht auf ruhigen Wellen hin zur Endgültigkeit.

In diesem Wissen ruhend grüßt
Syrdal

 


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