Schloss Bladenhorst und zurück...mal im Ruhrpottdeutsch


Schloss Bladenhorst und zurück...mal im Ruhrpottdeutsch

Einmal Schloss Bladenhorst und zurück…mal im Ruhrpottdeutsch.
 
„Und wat jetzt? Nach links oder nach rechts?“ fracht mich die Ulla ziemlich ratlos.
Dat ist meine Wolkingkollegin. Mit unser`n Stöcken stehen wir anne Ecke von so`ner Weggablung und sind am überlegen. Aber ganz schwer, denn der Regen plästert volle Kanne auf uns runter. Und weit und breit kein schlauer Mensch in Sicht, den wir mal nach`m Rückweg hätten frag`n könn`n. Vom Herner Gysenberch sind wir vorhin aufgebrochen. Aber dat ist jetzt auch schon ne ziemliche Weile her.

Imma dat Ziel ganz fest vor Augen haltend, haben wir dat komische Schloss in Castrop-Rauxel tatsächlich gefunden. Aber wat soll ich sagen, der Laden hatte zu.                        So`n  Reinfall aber auch!  Also nix mit Päusken und Tässken Kaffee trinken oder so.

„Na, die wussten bestimmt, dat wir im Anmarsch sind“, stellt Ulla enttäuscht fest. Gleichzeitig findet sie noch ein paar Klümpchen`s in ihrer Jackentasche und bietet mir eins davon an. Doch ich bin von einem Erlebnis der ekligen Art schon mal vorgewarnt und frach mal so ganz vorsichtig nach:“Sach mal Ulla, sind dat etwa wieder diese schäbbigen Pfefferbonbon`s vom letzten Mal? Dann will ich lieber keins! Kann`ste nich mal wat Vernünftiges kaufen?“

„Ingwer!!! Dat ist doch Ingwer und sooo gesund!“ protestiert Ulla laut. Man,die ist total fixiert darauf. Kloppt die sich dat Zeuch doch tatsächlich zu Hause in jede Mahlzeit rein. Zum Glück muss ich sowat ja nich essen. Aber einfach härrlich, wie die sich so schnell am aufregen ist. Na, is halt echt diese Frau. Bei Leut`n die immer so ganz fürchterlich freundlich sind, muss man nämlich höllisch aufpassen, hab ich gelernt. Alte chinesische Bauernweisheit, glaub ich.

Der dunkle Wald nimmt an Dichte immer noch zu. Dafür wird unser Weg immer schmaler und mickeriger. Und der bekloppte Regen hat richtich Spass mit uns, denn er legt noch ne Schüppe d`rauf. Und wir laufen weiter. Wat auch sonst? Noch schneller. Nützt aber auch nix, denn ich spür schon so wat Nasses an mein Rücken runter laufen. Und meine schönen schwatten Asics-Sportschuhe werden jetzt langsam wassertechnisch geflutet. Ne, dat kommt mal gar nich gut. So ein Kappes!

Keine Bushalte, kein Autobahnhinweisschild, auch keine Tanke, nix…man, wo sind wir? „Spricht man hier eigentlich noch deutsch?“ frach ich bei der Ulla mal so nach.
Keine Antwort. Hm, handelt sich wohl jetz um dat berühmte Schweigen im Walde, denk ich mir mal.



 
„Flieg`ste im Winter wieda zu der ein`n schönen Insel in Urlaub? Ich mein natürlich die, mit dem größten Katzenklo am Meer.“ hake ich jetz mal versöhnungsheischend etwas nach. Und die Ulla ist wieda am lachen: „Ja, klar. Muss mal langsam buchen.“ 

 Endlich, ein paar Häuser sind in ferner Sichtweite. Na, immerhin!  „Die hängen jetzt alle in ihrer Bude `rum und sind am Fussball kucken“ vermute ich mal laut.

 Nur ne kleine Omi mit ihr`m schwer`n Einkaufsrolli quält sich uns entgegen.
„Ne, ne“, sacht se und lacht, als ich sie frach, ob ich mir ihr`n schön Schirm mal für ne Stunde ausleih`n darf. Na, Humor hab`n die hier ja alle. Sogar die doofen Blagen von vorhin, die uns kackfrech nach unser`m  Stockententeich frachten.

Ich bin auch endlich richtig klatschenass und hab`so langsam echt kein Bock mehr, glaubse?  Auch`n  Besuch auf`m  Klo wär jetzt nicht schlecht, bin ich am überlegen. Ist aber keins für mich da.
„Jetzt nach rechts“, geb`ich den Ton an.. „Ne, nach links!“ müpft die Ulla plötzlich auf.
„Hä! Wieso dat denn?“ frach ich sie zurück. „Weil da noch der alte Förderturm von`ne Teutoniasiedlung rumsteht. Hab`n wir doch auf`n Hinweg gesehen. Hasse schon vergessen?“ ist sie mich am ärgern.


Ne, dat glaub ich jetzt aber nicht, denn der Förderturm hat da mal gar nix zu suchen, fällt mir so ein. Der stand doch vorhin viel weiter rechts. Oder doch nicht? Ist mir jetzt auch ährlich gesacht sowat von egal. Weiter geht`s. Klick-klack, klick-klack. Jetzt  auf`m  Asphalt machen die Stöcke echt ne Mordsrandale. Man, bin ich foh, dat wir wieda inne sicheren Arme von der Zivilisation zurückgekehrt sind.

Und dann erscheint doch plötzlich eine heftige Fatta Morgana auf der Skyleine von Herne vor uns. Ach ne, ist doch keine Fatta Morgana. Der Förderturm ist ja richtig echt.               Wat für`n Glück aber auch! Groß und klotzig steht er da wie Graf Koks. Dieser Angeber…aber auch ein guter Wegweiser. Dat ist jetzt aber meiner! „Kuck mal Ulla, es gibt zwei von den Dingern!“ freu` ich mich ganz dolle.

Jetzt is die Ulla aber sowat von am stau`n dran: „ Dat find ich aber ganz komisch, ja wo kommt der den plötzlich her?“ „Ist wohl einfach über Nacht so nachgewachsen“, antworte ich lachend. Jetz haben wir beide aber wieder richtich Spass inne Backen, denn unser Weg ist nicht mehr weit.
Nach gefühlten Lichtjahren haben wir unsr`e Exkursion dann endlich fertich. Ich bin auch ziemlich fertich. Und mein Auto wartet brav auf`m Parkplatz auf mich…ist fahrtfertich.
Aber die Ulla, ne die ist total fertich…denn die will sich jetz nämlich ein Kompass bei Aldi kaufen.

 
 
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Kommentare (9)

nnamttor44

Da kamen mir doch so ein paar Gedanken an meine Kinderzeit, liebe Rosi65, als ich Deine Ruhrpottgeschichte las. In der Ecke, in der Deine Geschichte spielt, hat mein Vater seine Kindheit verlebt.

Später durften wir um Gottes Willen keinen Ruhrpott-Slang benutzen, auch Plattdeutsch war uns verboten und dann kam noch die in Münster beheimatete Masematte mit ins Spiel ... Es setzte hochdeutsche Strafpredigten, wenn wir uns sprachlich gehen ließen, schließlich lebten wir doch in einer Universitätsstadt!! Und was sollten die Kunden meines Vaters denken, wenn wir so sprachen???

Einfach herrlich, diese kleine Geschichte zu lesen - hat mir sehr gefallen!

Herzlichen Gruß
Uschi - nnamttor44

nnamttor44

Reun ma, watt der Osning smust. = Sag mir mal, wie spät es ist!

Masematte ist eine Pferdehändlersprache, gepaart mit Sinti-Sprache.

Als nach dem Krieg Münster wieder aufgebaut wurde, erwarb mein Vater ein Grundstück an der Frauenstraße, wo die Pferdehändler, die Kirmesbeschicker vor dem Krieg wohl zu Hause waren. Da gibt es den Ausspruch "Ribbergasse - Messertasche". Ein warnender Satz für die Leute, die sich eher im Bereich des Prinzipalmarktes zuhause fühlten.

Wirklich beherrschen konnte ich die Masematte keineswegs, aber als Zugezogene dieses Viertels konnte ich zumindest zählen, was in den Kneipen nahe dem Schlossplatz ja auch genutzt wurde. Irgendwann haben Studenten in Münster sich die Mühe gemacht, diese Sprache ein wenig zu erforschen und sogar ein "Grammatikbuch" davon erstellt. Hab ich aber leider nicht mitgenommen, als ich mich getrennt habe. Muß man als Nicht-Münsteraner auch nicht mehr kennen ...

Die Ausdrücke Seeger und Ische dürften aber im Sächsischen Sprachgebrauch auch bekannt sein. Das jedenfalls ließen Altenburger Bekannte vor einiger Zeit mit großem Gelächter durchblicken.

Fenete für Fenster wird auch französisch Sprechenden nicht fremd sein. Du siehst, es ist ein weites Feld, das da durcheinander gewirbelt wurde.

Lieben Gruß aus der Bremer Ecke

Uschi 

Rosi65

Liebe Uschi,

da drängt sich mir sofort die Frage auf, was in aller Welt ist Masematte-Dialekt?
Kannst Du mir nicht, bitte, bitte nur einen kleinen Satz daraus formulieren?
Ich freue mich natürlich sehr, nein quatsch, ich bin begeistert, dass Dir
meine Geschichte gefallen hat.
Bis bald...

Liebe Grüße
  Rosi

 

Roxanna

Mit großem Vergnügen habe ich deine Geschichte gelesen. Ich habe Verwandte im Ruhrpott und mochte diesen Dialekt immer gerne hören. Da habt ihr beiden doch ein richtiges Abenteuer erlebt und wie gefestigt muß die Freundschaft sein, wenn sie auch so etwas "aushält" Tränen lachen.  Danke für diese erheiternde Geschichte.

Herzlichen Gruß
Roxanna

Rosi65

Liebe Roxanna,

vor vielen vielen Jahren war ich mal in Deiner Heimat zu Besuch bei Freunden(In Simonswalde bei Freiburg).
Als die ältere Generation begann sich in ihrem Dialekt "warm zu reden",
saß ich nur noch fassungslos daneben,denn ich verstand nicht ein einziges Wort.
Vielleicht habe ich deshalb immer gedacht, dass Leute die aus entfernteren Bundesländern stammen mit unserem Ruhri-Dialekt absolut nichts anfangen können.Und gerade deshalb freue ich mich so sehr über die positiven Kommentare zu meiner kleinen Geschichte.
Danke Dir, liebe Roxanna, für Deine Antwort.

Liebe Grüße
 Rosi

 

Herbstwind123

Ich habe schallend gelacht und finde es einfach köstlich wie Du Eure gemeinsame Unternehmung beschrieben hast.

Ich sags ja immer wieder Sport ist Mord Smiley

Hast Du toll geschrieben, danke für dieses Vergnügen am Sonntag Nachmittag bei einem Becher Kaffee.

Herzliche Grüße
Brita mit einem t Zwinkern

Rosi65

Liebe Brita,

danke, danke, danke !!!Applaus

Deine kleine Geschichte von heute finde ich auch wunderschön.

Liebe Grüße
  Rosi

Sirona

Herrlich dieser Kohlenpottjargon! Dabei mußte ich an Jürgen von Manger denken und habe ihn sogar gedanklich sprechen gehört. 

LG Sirona

Rosi65

Liebe Sirona,

Jürgen von Manger steht ja als eine Art Kultfigur für das Ruhrgebiet.
Sobald ich seinen Namen höre, vernehme ich, genauso wie Du, seine Stimme und sehe sein Bild vor mir.
Leider konnte ich auf Deinem Profil nicht erkennen in welchem Bundesland Du wohnst.(Das würde mich schon ein bischen interessieren.)
Es freut mich sehr, dass Dir meine kleine Geschichte gefallen hat und bedanke mich für Deine Rückmeldung.

Liebe Grüße
  Rosi

NS. Extra für Dich auf Hochdeutsch geschrieben. Weisse Bescheid!!!
 


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