so war Omi.............


... eine kleine, etwas knubbelige Frau, mit langen, dünnen Haaren, die im Nacken zu einem "Knötchen" zusammen gebunden waren. Meistens trug sie Kittelschürzen, wochentags die gleiche und am Sonntag kam die andere dran. Doch nie vergaß sie den Hut, den sie auf ihre "Tolle" stülpte, wenn sie außer Haus ging. Manchmal ondulierte sie auch ihr dünnes Haar, was dann wiederum im Knoten endete.
Und einen Satz hörte man von ihr sehr oft: mit denen sprechen wir nicht mehr.
Dann hatte sie sich wieder - hauptsächlich mit der Verwandschaft mit spitzer Zunge angelegt - Mariechen, so hieß sie, hatte wieder ihre Tage. So lästerte die Anzahl der Betroffenen, die nicht mehr gegrüßt sein durften.
Mir war das "wurscht", durfte mich nur nicht erwischen lassen.
Opa verzog sich in seinen Schrebergarten, am Wochenende nahm er mich mit und wir mauerten und zimmerten ein wunderschönes Gartenhaus. Omi durfte erst nach Fertigstellung dorthin und somit hatten wir alle Ruhe der Welt uns dort auszutoben.
Also Omi saß zu Hause und steckte ihre spitze Nase mal wieder in andrer Leute Sachen rein und berichtete dann, was sie alles erfahren hatte. Opa hörte nicht mehr zu und dann kam Omama und wir spielten "Schnipp". "Ober" gewann.
Kaum war Omama aus dem Haus, schon begann das nächste Kapitel, was sie über "die" erfahren hatte. Und da sah ich meinen Opa wütend,
er haute auf den Tisch und brüllte, daß sie endlich mal ihr Schandmaul halten sollte.
So hatte ich meinen Opa noch nie erlebt und wurde noch kleiner als ich war - doch Omi war beleidigt. Sie verzog schmollend ins Bett.
Auf einmal fing er zu singen an -"Mariechen war ein Frauenzimmer...usw. und lachte aus vollem Herzen. Ich lachte mit.
Ich war nun ein sehr ordentliches Kind und fing an, die Küche aufzuräumen, hauptsächlich das Küchenbuffet.
Opa zog den Abwaschtisch auf, machte heißes Wasser, begleitete mich zwischenzeitlich noch auf's Plumpsklo nach unten und Omi stand drohend in der Küchentür und keifte.
"Scher Dich ins Bett", das waren seine Worte und Omi drehte um und ging. Wir wuschen ab und ordneten alles dahin, wo es hingehörte. Und es war aufgeräumt.
Der Salat von der letzten Woche, der in seiner Natronbrühe gärte, kam auch in einen Eimer rein und es kamen auch ihre Bestände an Wolle ans Tageslicht. Eine Ecke in der Kücke, die stets abgedeckt mit einer Tischdecke verschollen war. Wolle, Wolle, Wolle und eine alte Strickmaschine, von der Opa aber wußte. Doch Omi hat nie gestrickt?
Ich packte jedenfalls viel Wolle in meinen Rucksack ein und nahm sie am nächsten Tag mit. Ich ging zu Omama und ließ mir zeigen, wie man strickt und häkelt. Meine Mutter war ganz verwundert, als ich mit diesen Schätzen nach Hause kam und ich erzählte die ganze Geschichte.
Omi kam am nächsten Tag und fing schon wieder das Gezetere an und beschwerte sich über Opa und wie er sich benommen hatte und ich kleines Biest hätte ihm auch ncoh recht gegeben und die Omama war auch noch da usw. und etc.
Mutti nahm es gelassen hin und strickte------------
Omi zog beleidigt wieder ab und ich dachte: aha, mit denen sprechen wir gerade nicht.
Und als ich dann im Westen war, bei meiner Tante, stellte ich fest, daß die Tante nicht anders war. Und dann kam Omi auch ncoh dazu, jetzt hatte ich zwei Gegner, aber brav wie ich war, habe ich Omi's
eigene Wohnung immer aufgeräumt.
Und das war's..................
Omi starb nach einer kleinen Operation an einer Lungenembolie, was sie wirklich nicht verdient hatte - sie war nur 3 Jahre im Westen.
Vielleicht hätte sie ihre Unzufriedenheit noch in den Griff bekommen.
Ach ja, da war doch noch das Ding mit den Kindern klauen......
Ich verstand nicht, was sie von mir wollte...wir waren alle brav und wir tanzten nur und knutschten auch mal rum, aber mehr war einfach nicht.
Ja, meine Omi, ein besonderes Exemplar, wo nichts war.....wurde was gemacht---------
Liebe Grüße
Moni-Finchen



Anzeige

Kommentare (3)

finchen ...aber Omama war im Osten und wir konnten uns nur schreiben und damit fing das Postverschwinden eigentlich an.
Sie verstarb 5 Jahre nach meinem Umzug in den Westen und somit auch der "postlagernde"
Briefverkehr. Ich schickte damals eine Freundn los und so erfuhr ich von ihrem Tod.
1960 konnte ich dann erstmals wieder hinfahren und nur noch ihr Grab besuchen.
Lies die Geschichte von den 150 roten Rosen, von denen auch dorthin einige ihren Weg gefunden haben.
Ja, manchmal gibt es Geschichten, die nicht nachzuvollziehen sind.
So war es eben.............und wir leben! Hurra!
Liebe Grüße an Dich Christine und schönes Wetter - bei uns ist es kalt und ekelhaft.
Dein Moni-Finchen







Traute ja die Omas. Die eine so die andre anders. So wie die Leute halt sind.
Wenn sie alt sind wird alles nur etwas ausgeprägter die Güte die Liebe
oder die Gehässigkeit.
Aber eines kann ich nicht vergessen. Die Ausspähtätigkeit auf Deine
Jungfräulichkeit und die Briefkontrolle und alles was Herz und Seele
betraf fiel der Zensur der Schnüfflerin zum Opfer.
Aber die Todesstrafe wäre ja nun auch nicht die Gerechtigkeit?
Ja, liebes Finchen Du stehst nun drüber und hältst mit großem Herzen
Rückschau.
Mit freundlichen Grüßen,
Traute
Medea So eine Großmutter liebes Moni-Finchen wie Deine Omi dürfte ein schweres
Gepäck sein, zum Glück gab es dann ja noch die Omama, die gute Seele.

Die Omi stand sich selbst im Wege, wahrscheinlich war sie ihr Leben lang
kreuzunglücklich, hatte keine Freude und daher so biestig geworden.

Meine beiden Großmütter waren auch sehr unterschiedlich und ich besuchte sie
gerne, Oma Marianne hatte immer einen roten oder grünen Lutscher für mich und
Oma Martha strich mir ein Mameladenbrot und darauf kamen dann kleine Buttertupfer,
das sah aus wie Wölkchen auf der Marmelade. Das habe ich nie vergessen.

Beide wurden von uns Enkelkindern sehr geliebt.

Anzeige