Sonntagsessen
erzählt von Syrdal
 
Viele Kinder sind heute zum Spielen im Pfarrgarten. Meine Freundin Gabi, die bei uns im Haus unten wohnt, ist auch da und der Wolfi und auch Wilfried, der bei uns in der Straße gegenüber wohnt. Wir dürfen im ganzen Garten rumstreifen, dann aber müssen wir uns auf die lange Bank und die kleinen Stühle setzen, weil wir mit der Frau Pfarrer zusammen singen sollen. Sie singt uns das Lied vom Kuckuck vor und macht dazu Musik mit so einem Ding mit einem runden dicken Bauch und obenauf sind Saiten gespannt, die sie immer anzupft. Das gefällt mir. Wir Kinder lernen das Lied und singen es dann auch alle zusammen. Zuerst ist das ziemlich komisch, weil die Kinder „Kuckuck“ rufen, aber dann können wir das ganze Lied schön singen: „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“ – Einen richtigen Kuckuck-Vogel habe ich aber noch nie gesehen, auch nicht gehört. Wenn ich mal wieder drüben bei meinem Freund Reinhard am Weidenhain bin, muss ich mal gut aufpassen, vielleicht kann man ja dort den Kuckuck hören...
 
Nach dem Lied kriegt jedes Kind eine Möhre, die wir uns im Beet selbst rausrupfen dürfen. Dann müssen wir die im Wassereimer abwaschen und mit einem Lappen abtrocknen. So eine frische kleine Möhre schmeckt richtig gut, ganz süß. Aber das Kraut oben dran kann man nicht essen. Das machen wir ab. Die Frau Pfarrer sagt, dass das die Hasen kriegen, weil die das gerne fressen. Die Hasen hocken hinten im Garten in großen Holzkisten, die vorne offen sind und nur ein komisches Drahtgitter haben, so dass man sie gut sehen kann. Die Hasen wohnen in den Kisten und schlafen in einer Ecke im Stroh. Da ist es sicher nachts ganz warm drinnen.
 
Manchmal kommt so ein Hase an das Gitter vor und schnuppert an dem Draht rum. Man kann ihn dann mit den Fingern ein bisschen berühren. Das fasst sich ganz weich und warm an. Aber meistens fressen die Hasen nur irgendwas oder hocken einfach so da und gucken uns an mit ihren großen runden Augen.
 
Eben kommt die Frau Pfarrer mit ihrem Musikding und singt uns ein schönes Hasenlied vor. Das geht so: „Häschen in der Grube, saß und schlief...“  ...und dann auch, dass es krank ist und hüpfen soll. Das ist ein lustiges Lied, aber wir können das nicht singen, nur die Frau Pfarrer kann das.
 
Nach dem Lied ist der Nachmittag im Pfarrgarten zuende. Ich will mit Gabi grad schon heim gehen, da ruft mich die Frau Pfarrer, ich soll doch mal kommen. Ich gehe auch gleich zu ihr hin und sie gibt mir einen Zettel in die Hand und sagt, ich soll den zuhause gleich der Mutter geben.
„Aber verlier den Zettel nicht und gib ihn gleich der Mutti, gelle.“
„Ja.“ Dabei habe ich einen artigen Diener gemacht, weil man das so macht. Das hab ich schon gelernt. Die Frau Pfarrer hat mir dann sogar noch die Hand gegeben.
„Auf Wiedersehen, kommst nächste Woche wieder?“
„Ja.“
Und schon bin ich weg, mit Gabi. Wir wohnen gleich um die Ecke am „Untertor 12“. Das habe ich auswendig gelernt, damit ich das weiß, wenn man mich mal fragt. Gabi ist noch zu klein, die kann sich das noch nicht merken. Deshalb passe ich ja auch auf sie auf.
 
Zuhause muss ich immer gleich an der Tür vorne die Schuhe ausziehen, weil die meistens schmutzig sind. Und dann muss ich sie auch putzen, was ich aber gerne mache, damit sie wieder sauber sind. Ich habe nur diese Schuhe für die Straße. Eigentlich sind das keine richtigen Schuhe, denn  die heißen Sandalen und haben Schnallen, die ich schon selbst auf und zu machen kann. Im Sommer habe ich die immer an, weil es da warm ist. Aber wenn es regnet, habe ich gleich nasse Füße. Das macht aber nix, die kann ich mir ja zuhause wieder trocken ribbeln. Im Winter darf ich dann die schönen warmen Lederschuhe von meinem Opa anziehen. Die hat er mir extra machen lassen, aber die darf ich erst anziehen, wenn es draußen ganz sehr kalt ist und wenn es Schnee gibt.
 
Auf dem Zettel von der Frau Pfarrer ist irgend etwas draufgeschrieben. Ich hab ihn Mutter gleich gegeben.
„Oh, das ist ja fein.“
„Was?“
„Es gibt Heringsbrühe und wir können uns was davon holen.“
„Heringsbrühe?“
„Ja, die schmeckt gut. Komm, wir gehen gleich rüber ins Pfarrhaus und holen uns was davon.“
„Was ist denn das, Heringsbrühe?“
„Das ist die Brühe, in die Salzheringe eingelegt worden sind.“
„Salzheringe?“
„Na das sind Fische, die kommen aus dem Meer.“
„Woher?“
„Aus dem Meer... Komm, ich erkläre dir das unterwegs. Zieh dir deine Sandalen wieder an, wir gehen gleich rüber zum Pfarrhaus.“
Mutter nimmt die weiße Milchkanne vom Regal, spült sie unterm Wasserhahn aus und nimmt die bunte Schürze ab. Ich renne zur Tür, zieh mir die Sandalen rasch wieder an und wir gehen los. Bin gespannt, was Heringsbrühe ist und wie die schmeckt.
 
Am Pfarrhaus klingelt Mutter an der großen Tür. Drinnen läutet es ganz laut und es wird auch gleich geöffnet. Wir sollen reinkommen, sagt die Frau Pfarrer.
„Gut, dass Sie gleich kommen, da finden wir vielleicht noch einen Hering.“
In dem Hausflur, der so groß wie ein ganzes Zimmer mit vielen Türen ist, steht gleich ganz vorne ein großes Holzfass. Die Frau Pfarrer nimmt den riesigen Holzdeckel ab und fuhrwerkt dann mit einer Schöpfkelle in dem Fass rum.
„Geben Sie mir mal die Kanne, ich glaub, ich hab noch einen erwischt.“
Sie hebt den Schöpflöffel heraus und kippt alles in die Milchkanne. Dann schöpft sie noch was von der braunen Brühe aus dem Fass in die Kanne und sagt:
„Da haben wir ja Glück, ich hab noch einen Hering gefangen.“
 
Mutter unterhält sich jetzt mit der Frau Pfarrer und ich kann die kleine schwarze Katze streicheln, die eben aus einem der Zimmer gekommen ist. Die hat ein schönes weiches Fell und ist ganz warm. Die Katze ist richtig lieb, schmiegt sich mir an die Beine und lässt sich schön streicheln. Dann gehen wir wieder nachhause mit der Milchkanne und der Brühe und dem Hering drin. Mutter sagt:
„Da machen wir ein feines Essen. Wir haben auch noch ein paar Kartoffeln. Das gibt’s dann alles am Sonntag.“
 
Wann Sonntag ist, weiß ich schon, weil ich da immer zum Kindergottesdienst gehe. Da sind viele Kinder und auch meine Freunde sind da und auch Gabi kommt immer mit. Die Frau Pfarrer erzählt uns dann schöne Geschichten. Eine war aber ganz gruselig. Da haben die Großen ihren kleinen Bruder in ein Loch geworfen, damit er da drin tot geht. Der ist aber nicht tot geworden und jemand hat ihn gefunden und aus dem Loch geholt. Dann wurde er ein König in einem anderen Land.
 
An diesem Sonntag hat sie die Geschichte von einem alten Mann erzählt, der mit einer Schafherde auf einen Berg hoch gegangen ist und dort hat ein Busch gebrannt. Das Feuer war aber nicht heiß und hat dem Busch nichts getan. Und dann hat der Busch gesprochen. – Ob es das wirklich gibt? Vielleicht ist das nur eine Geschichte. Jedenfalls ist heute Sonntag und nachher gibts zuhause die feine Heringsbrühe. Da freue ich mich schon drauf.
 
Meine Sandalen stelle ich gleich vorne an der Tür ab und renne barfuß ins Wohnzimmer. Am Sonntag essen wir immer im Wohnzimmer an dem großen Tisch. Mutter hat schon alles fertig gemacht. Da stehen die schönen weißen Teller mit dem feinen Goldrand. An meinem Platz liegt das schöne Kinderbesteck. Messer und Gabel aus Silber. Auch ein kleiner Löffel ist dabei und ein kleiner Schieber.
„Geh, wasch dir bitte die Hände.“
Ach, das habe ich vergessen. Ich soll das nämlich immer machen, wenn ich nachhause komme. Im Bad muss ich dann die Fußbank vor das Waschbecken rücken, damit ich den Wasserhahn oben aufdrehen kann. Mein kleines Händehandtuch hängt aber an einem Haken weiter unten, da brauch ich keine Fußbank.
 
Endlich ist es soweit. Wir sitzen zu viert am Tisch, rechts von mir mein Bruder, der ganz neugierig in die Schüssel gucken will. Da liegt aber ein Deckel drauf mit einem Loch an der Seite, aus dem der Stiel vom Schöpflöffel ragt. Als er den Deckel anheben will, klappert der Löffel. Mutter guckt jezt ganz streng.
„Willst du wohl warten, das mach ich dann, du weißt, erst wird gebetet!“
Erschrocken setzt er sich ganz aufrecht hin.
„Los, du bist heute dran.“
Er muss heute das Tischgebet vortragen. Es dauert, bis er sich das kleine Verslein abgestottert hat. Dann erst bekommt jeder von uns eine dampfendwarme Kartoffel auf den Teller gelegt. Danach nimmt Mutter ganz langsam den Deckel von der Schüssel und gibt mit dem Schöpflöffel jedem etwas auf den Teller. Vater ist zuerst dran.
„Das sind einige Stücke vom Hering, die werde ich jetzt für uns aufteilen.“
Wir dürfen zugucken, wie sie jedem von uns ein Stück von dem Hering neben die heiße Kartoffel legt und dazu je einen Löffel voll von der dünnen Brühe, auf der obenauf kleine dunkelbraune Flecken schwimmen.
„Was is’n das?“ fragt mein Bruder.
„Das ist Fett von dem Hering, das ist was Gutes.“
Endlich dürfen wir essen... Es ist ganz still am Tisch, nur die silbernen Bestecke klackern auf dem weißen Prozellan. Ich kann auch schon mit Messer und Gabel essen, weil ich das gelernt habe, aber manchmal nehme ich auch den kleinen Schieber zuhilfe.
„Das ist heute ein richtig schönes Sonntagsessen“, sagt Mutter. „Wir haben Glück, dass da im Fass noch ein Hering drin war. Wer weiß, wann wir mal wieder soetwas bekommen...“
......................................
 
Es hat ganz, ganz lange keinen Hering wieder gegeben, auch keine Heringsbrühe mit dem dunklen Fett obendrauf. Einmal aber gab es Salzgurken. Die haben auch prima geschmeckt, aber nicht so gut wie der Hering. – Erst viel später, vielleicht nach ein oder zwei Jahren, gab es mal wieder Hering, diesmal aber im Kaufladen, nicht im Pfarrhaus. Das waren aber keine Salzheringe, die hießen grüne Heringe. Mutter hat für jeden einen bekommen und dann im Tiegel gebraten. Die ganze Wohnung hat nach dem gebratenen Fisch geduftet. Das war auch wieder ein wunderbares Sonntagsessen.
 
 
PS. Das ist eine wahre Geschichte aus den frühen Nachkriegsjahren um 1947, erlebt in der thüringischen Werrastadt Vacha, unmittelbar an der damaligen Demarkationslinie zwischen der später sowjetisch besetzten Zone (SBZ) und dem von den Amerikanern besetzten Teil Deutschlands (Bundeslandes Hessen).

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Kommentare (17)

Syrdal
Syrdal
Mitglied


Vielen Dank
für das
 Schneeflocke 
an
APet
Elbstromerin
Ane
Muscari
mit freundlichen Grüßen von
Syrdal

HeCaro
HeCaro
Mitglied

Lieber Syrdal,

solche Erinnerungen sind es wirklich wert aufgschrieben zu werden, denn
wir leben in einer Zeit in der für Viele ein Mangel gar nicht mehr vorstellbar
ist.
Allerdings gibt es auch heute noch arme Leut`, für die es sicher sehr schlimm
ist, wenn es Hinten und Vorne nicht reicht, in einer Umgebung des Überflusses.

Danke für Erzählen

Liebe Grüße
Carola

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Carola,
 
leider ist es zu wahr, dass es in unserem reichen Land bei all dem ungezügelten, längst schon asozialen Überfluss viele arme und sogar sehr arme Menschen gibt. Es werden Unsummen sonstwohin vergeben, Millionen illegal Zugewanderte werden alimentiert, ohne dass diese jemals eine Leistung erbracht haben und auch in vielen Fällen nie erbringen werden, aber wir vergessen Alleinerziehende, Alte, Rentner und Behinderte auf eklatante Weise. – Mag es in der DDR einen dauerhaften Mangel an Vielem gegeben haben, aber niemand musste hungern, es gab keine Arbeitslose, es gab keine Obdachlose (trotz Wohnungsmangel!) und es gab auch keine Bettler.
Du hast recht: Vor allem die jüngeren Leute können sich die Not der Nachkriegsjahre nicht vorstellen. Müssen sie hoffentlich auch nicht, aber die Armen sollten nicht so schändlich vergessen werden.
 
Dir liebe Grüße zum Advent
Syrdal
 

Muscari
Muscari
Mitglied

Lieber Syrdal,
nun habe auch ich Deine wundervolle Kindheitsgeschichte lesen können.
Und das in so herrlicher Kindersprache:"

"damit er da drin tot geht. Der ist aber nicht tot geworden"Lächeln

Eigentlich beneide ich Dich, all dies damals in so vertrauter Umgebung erlebt zu haben, denn bei uns sah es ganz anders aus.
Umso mehr habe ich diese Geschichte wieder genießen können und danke Dir dafür.
Mit liebem Gruß,
Andrea

 

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Andrea,
 
es freut mich, dass Du die Geschichte nun lesen konntest...  ebenso aber, dass sie Dir gefällt. Viele Begebenheiten aus damaliger Zeit sind mir noch sehr gegenwärtig und auch die kindhafte Sprache ist mir noch ein wenig im Gedächtnis. Das war alles sehr prägend und freilich bin ich den Eltern sehr dankbar, dass sie uns so liebevoll ins Leben geleitet haben, obgleich für sie es damals eine arg schlimme Zeit war. Doch haben sie uns das nach Möglichkeit kaum spüren lassen...
 
Dir wünscht einen frohen Advent
Syrdal

 

ladybird
ladybird
Mitglied

Dein Erlebnis bzw, Deine Erinnerung macht auch etwas wehmütig
lieber Syrdal,
wehmütig nach dieser Freude und nach dieser Dankbarkeit, die du in Deiner Geschichte zum Ausdruck gebracht hast.
Unter anderem, wie Ihr selbst die Heringabrühe "wertgeschätzt " habt, ja beinahe celebriert im guten Geschirr mit Goldrand!!
Ich erinner mich noch, dass aus meinen knöchelhohen Schuhen vorne die Kappen ausgeschnitten wurden, damit Sommerluft an die Zehen kam...und später kamen Eisenplättchen auf die Sohlen, damit sich der Verschleiß etwas hinaus schob.
Danke für Dein "Sonntagsessen" es ist wundervoll geschrieben, dass ich gerne mitgegessen hätte, oder zumindest mit am Tisch gesessen hätte
herzlicht
Renate.

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Renate,
 
die Erinnerung an die damaligen Zeiten sind mir bis heute sehr präsent. Immerhin war die Heringsbrühe mit dem kleinen Stückchen Fisch darin für mich damals was ganz Neues, nie Gekanntes... aber auch für die Erwachsenen war es ein wirkliches Festessen.
Du beschreibst ja auch: Aus allem wurde etwas gemacht, irgendwie... wenn es nur noch brauchbar war.
Noch lange habe ich alles aufgetragen, was meinem älteren Bruder zu knapp geworden war. Es war halt so und man dachte da nicht weiter drüber nach.
Gut, dass das alles vorüber ist, aber wichtig ist es dennoch, bei allem Großangebot auch heute bescheiden zu bleiben. Es gibt ohnehin viele Leute – vor allem alleinerziehende Frauen, Alte und Rentner – die in unserem reichen Land tagtäglich arge Not leiden und auf die Tafeln angewiesen sind...
 
Adventliche Grüße zu Dir von
Syrdal

Anabell23
Anabell23
Mitglied

Eine köstliche Geschichte lieber Syrdal. Ich habe sie sehr amüsiert und aufmerksam gelesen.

Ja, diese mageren Jahre kenne ich auch noch allzu gut. Ich habe mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt. Auch wir hatten fast nichts zu essen.
Zum Glück lebten wir ebenfalls auf dem Land und manchmal gab es eine gnädige Bauersfrau, die mal ein Stückchen Butter oder einen Liter Milch für uns übrig hatte.
Manchmal bekamen wir auch selbstgebackenes Bauernbrot, wie gut das schmeckte.

Und vor dem Essen wurde bei uns ebenfalls ein Tischgebet gesprochen. Ansonsten gab
es nichts zu essen.  Ja, wir kannten noch Demut und Dankbarkeit.
Gott sei Dank sind diese Zeiten längst vorbei.

Liebe Grüße
Uscha

 

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Uscha,
 
viele von uns Älteren werden sich bis zum Lebensende an die schweren Jahre nach dem Krieg erinnern. Dabei hatten wir es ja noch gut, wenn wir nicht ausgebombt waren und eine Wohnung hatten. Wie schlimm war das erst für die vielen, vielen Flüchtlinge, die unter ständiger Todesangst und Bedrohung durch Hunger, Krankheit und Frost aus den Ostgebieten kamen und nicht gerade freundlich empfangen wurden. All das ist heute nicht mehr auszudenken! – Schon an anderer Stelle schrieb ich, dass es gut und richtig ist, angesichts der in der Welt grassierdenden Not, hingegen aber auch unseres ungezügelten Überflusses an diese damaligen Zeiten zu erinnern. Sie könnten schneller als wir ahnen zurück kommen.
 
Eine besinnliche Adventszeit wünscht Dir
Syrdal
 

APet
APet
Mitglied

Beim Lesen tauche ich ein, als wäre ich selbst das KInd und ins Geschehen mit eingebunden. 
Schön geschrieben, schöne Erinnerungen. Trotzdem.

Danke sagt Agathe 
 

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Agathe, nur das richtige Leben hat die wirklich bewegenden Geschichten. Ich habe sie aus meiner Erinnerung nur aufgeschrieben, freue mich aber sehr, wenn sie Dich zum Hineintauchen ansprechen.
 
Mit dieser Freude grüßt
Syrdal

Tulpenbluete13
Tulpenbluete13
Mitglied

Lieber Syrdal,

wie gut daß du diese Geschichte jetzt zum Beginn der Advents- bezw. Weihnachtszeit eingestellt hast. Ich finde sie passt einfach in diese Zeit obwohl ich nicht genau sagen kann warum. Einfach nur gefühlt..
Sie ist bis in die kleinsten Details sehr genau beobachtet und treffend aufgeschrieben.
Ja und sie weckt Erinnerungen. Wie wenig man damals zu essen hatten und wie man mit den einfachsten Lebensmitteln zufrieden waren.
Rührend fand ich auch die Stelle an der Du das "Sandalen-Anziehen" bezw. Ausziehen beschreibst. Wie oft haben wir Kinder auch die alten Sachen von älteren Kindern auftragen müssen. Oder es wurden aus altem Mantelstoff der umgedreht wurde ein Mäntelchen genäht ( das dann überall gekratzt hat, wo es mit der Haut in Berührung kam- aber gottseidank gab es Schals..)

Ich habe die Geschichte mit Rührung gelesen und danke Dir dafür. Es ist gut immer mal wieder an diese Zeit erinnert zu werden.
Hab Dank dafür.

Ich wünsche Dir eine besinnliche Adventszeit
mit liebem Gruß
Angelika

 

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Angelika,
diese Geschichte passt wirklich in die Adventszeit. Immerhin war der Advent einst bis zum Heiligen Abend eine strenge Fastenzeit, was heute kaum noch jemand weiß.
 
An die mehrfach getragenen Sachen, die gewendeten Mäntel und Anzüge, die kratzenden Strümpfe und die nie richtig passenden Schuhe – an all das kann ich mich gut erinnern. Dieser dauerhafte Mangel hat uns geprägt, ein Leben lang. Noch heute wird nichts weggeworfen, was noch irgendwie brauchbar ist. – Wie erstaunt waren wir doch, als wir nach der Grenzöffnung sahen, was im Westen alles einfach weggeworfen wird. Unglaublich!
 
Alleine deshalb ist es wichtig, ab und an Erinnerungen an andere, vor allem schwere Zeiten aufzurufen.
 
Dir danke ich für die freundlichen Adventsgrüße, die ich mit Freude gerne erwidere. Eine schöne und heimelige Zeit wünscht Dir  
Syrdal

 

Elbstromerin
Elbstromerin
Mitglied

Schön und anschaulich geschrieben, lieber Syrdal, ich habe es gern gelesen, nur mit dem Hineindenken an den Geschmack dieser speziellen Suppe hatte ich Probleme, lach...
Liebe Grüße
Elbstromerin

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Liebe Elbstromerin,
wer diese Zeiten damals nicht erlebt hat, kann sich kaum in die Lage derjenigen versetzen, die damals tagtäglich Hunger hatten... Mir ist die Erinnerung noch immer sehr präsent und noch heute ist mir ein einfaches Essen – z.B. ein eingelegter Brathering zu frischen Pellkartoffeln – ein wahres Fest, so wie damals die Heringsbrühe. Es war eine Spende eines internationalen Hilfswerkes...
 
Herzliche Grüße zu Dir zum 1. Advent
Syrdal

werderanerin
werderanerin
Mitglied

Eine schöne Geschichte, lieber Syrdal, die du die hier aufgeschrieben hast...in Zeiten des Überflusses und der Unbescheidenheit...

Für euch war dieses Essen ganz sicher etwas köstliches und schon deswegen kann man das wohl auch nicht vergessen.
Ihr hattet nicht viel aber die Liebe eurer Mutter war unermeßlich !

Kristine wünscht einen schönen 1. Advent

Syrdal
Syrdal
Mitglied



Oh ja, liebe Kristine, so eine Heringsbrühe mit den wenigen Heringsstückchen war zu damaligen Zeiten ein wahres Festessen. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, aber die Eltern wussten am Abend nicht, was sie am nächsten Tag auf den Tisch bringen konnten, es war ein ständiger Kampf, etwas Essbares heran zu schaffen. Für uns Kinder allerdings war es die Normalität, denn wir kannten es ja nicht anders. Erst Jahre später wurde es besser, aber die Erinnerung ist geblieben... und die möchte ich angesichts des heute längst asozialen Überflusses nicht missen. Bei allem habe ich mir die Einfachheit bewahrt.
 
Eine schöne und besinnliche Zeit im Advent wünscht Dir
Syrdal
 


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