Ich bin kein grosser Elvis-Presley-Fan, aber neulich bin ich auf Instagram auf ein Reel mit ihm gestossen und habe ein bisschen genauer hingehört, was denn so toll an diesem Sänger gewesen sein soll. 
Der Song ist "Return to Sender" und handelt vom banalsten Vorgang, den man sich vorstellen kann, nämlich, dass ein Brief mit der Post zurückkommt. Freilich handelt es sich um den Brief an die Geliebte, sodass das Retournieren dem Ich besonders sauer aufstösst. 
Presley singt mit grazilem Hüftschwung und lächelt. Das täuscht leicht über die emotionale Verletzung hinweg, um die es im Lied geht. Wie heisst es so schön: Der Ton macht die Musik. Und der Ton dieser Musik ist heiter.
Darin liegt wohl das Geheimnis des Presley-Erfolgs: Es ist halb so wild, scheint das Lied zu vermitteln. Die Freundin verzeiht dir nicht? Schau mich an! Ich hab's erlebt und ich hab's überstanden. Hier schwinge ich locker meine Hüften und singe unaufgeregt über das Gewesene. Mache Kunst aus der Trauer oder, wie Viktor Frankl, es vermutlich sagen würde: Verwandle eine Tragödie in einen Triumph. 
Ich finde das sehr wirkungsvoll, vielleicht sogar wirkungsvoller als Psychotherapie. 


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