Suche nach dem Frühling


Kaum sind wir von einer Tagestour von Berlin nach Leipzig zurückgekehrt, verleitete es uns noch in später Stunde zum Nachdenken über eine andere Tagestour – dieses Mal eben nur wir Zwei – nach Guben an der Lausitzer Neiße und vielleicht auch noch nach Cottbus.

Für uns Beide mit unseren Abonnements im VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg) ist es ein leichtes, liegen die beiden Städte innerhalb des Geltungsbereiches unsere Monatskarten.

Bei der Leipzig-Fahrt mussten wir schon recht früh aus den Federn. Und hier zu der neuen Reise fiel uns das Aufstehen überhaupt nicht schwer. Ja, aus Sicherheitsgründen fuhren wir mit der Berliner S-Bahn schon zwei Züge früher. Und waren so früh so richtig in den morgendlichen Berufsverkehr geraten.

Wir konnten im Ostbahnhof auf den Regionalexpress leicht warten. Wir kletterten sogleich nach Halten des Zuges ins Oberdeck des Doppelstöckers. Sauber waren die Scheiben leider nicht – es war ja nur ein „Ersatzzug“ (was immer das heißen will, kam er doch pünktlich an).

Und ab ging der Zug nach Frankfurt an der Oder. Noch war es morgendunstig – die Autos waren leicht bereift. Der Zug nahm, nachdem er die Stationen (bis Erkner) innerhalb Berlins abgearbeitet hatte, zügig Fahrt auf. Der Zug war mittelmäßig besetzt.

In Frankfurt hatten wir einen Aufenthalt von zwanzig Minuten. Und schon ging es weiter. Die Sonne schlug sich durch den schwächer werdenden Dunst. Der Zug fuhr mäßig schnell. Das war so gerade recht zum Anschauen der vorbei gereichten Landschaft.

Ach ja, da war doch Neuzelle mit der so bekannten Klosterkirche in Barock, die wir mal mit dem Auto besucht hatten, also da die Zugvögel ins Oderbruch einschwebten. Jetzt konnten wir zu den beiden Kirchen in Neuzelle hinaufschauen. Aber der Zug nahm uns den Anblick wieder weg.

Und dann kam Industrielandschaft. Eisenhüttenstadt! Ein so großes Areal, das mit der Gründung der DDR aufgebaut worden war. Still ist es in diesem Areal geworden. Der Zug nahm noch einmal Fahrt auf und landete pünktlich in Guben.

Etwas ratlos verließen wir den Bahnhof. Es wollte so heißen, dass wir laufen müssen, um ins Stadtzentrum da an der Neiße zu gelangen. Die bereitstehende Taxe würdigten wir keines Blickes. Wir sind den Alten Postweg gegangen und nicht da hinauf zu der Straße, die die Bahnanlage überspannt.

Jede Menge blau angestrichene Güterwagen, solche mit der man lose Kohlen in Massen transportieren kann, Güterwagen, die der Polnischen Eisenbahngesellschaft PKP gehören. Naja, das sind eben solche Wagen, wie sie früher (bis Ende des Krieges) die Steinkohle für die Gas-Fabriken nach Berlin brachten – Schnee von gestern.

Nicht von ungefähr ist dieses Bild zu finden: Guben liegt an der Lausitzer Neiße, eben dieser Fluss, der die Oder-Neiße-Grenze zu Polen bildet. Das heißt also: Zollgrenzgebiet zu Polen. Und so geht vom Bahnhof auch eine Strecke in Richtung Warschau ab. Nur: es fahren nach Warschau nur wenige Intercity-Züge über den Fluss. Hier scheint sich der Grenzverkehr mit der Bahn wohl kaum zu lohnen.

Wir wanderten aufwärts entlang eines sich dahin schlängelnden, so sauber eingefassten Fließ, was uns das Laufen doch leicht machte, auch wenn wir doch noch das Laufen vom Vortage in den Muskeln spürten. So kamen wir doch an die Straße, die über den Bahnkörper führte. Wir erreichten damit auch den Zugang zum Stadtkern.
Diese Straße endet dann in der Stadt am Ufer der Neiße. Direkt kann man nicht über den Brücke hinüber nach Gubin ins Polnische fahren, es bedarf ein wenig des Herumkurvens. Zu Fuß kann man die Neiße leicht überqueren. Und da gelangt man zum Polen-Markt. Heute bestand das Angebot eigentlich nur in „zu schmuggelnden“ Zigaretten.

Auf der Deutschen Seite sind die Dienstelle der Bundespolizei und die „passenden“ Dienstwagen zu sehen. Und auch auf der Polnischen Seite ist niemand Uniformiertes zu entdecken. Man wechselt zu Fuß oder mit dem Pkw zwischen den Grenzpfählen hin und her. Alles ist so normal, so ruhig. Nur die Neiße macht unter der Brücke einen Spektakel, wird sie vor der Brücke gestaut und gleich danach freigelassen, ein ganz kräftiges Rauschen.

Man soll da „drüben“ ja ganz preiswert essen können. Da es längst Zeit für’s Mittagessen war, wählten wir das Angebot eines polnischen Händlers: einmal Schaschlik und einmal Polnische Bockwurst. Naja: wir werden mal wieder selbst Schaschlik-Spieße zimmern. Und was die Bockwurst anbelangt: wir haben schon besser mundende gehabt.

Wir kehrten zurück zum Deutschen Ufer, entdeckten eine Bus-Haltestelle. Und der Bus brachte uns dann zum Bahnhof zurück – die „Laufgeräte“ dankten es uns. Und prompt hatten wir Anschluss zum Zug nach Cottbus. Drei Stunden Guben/Gubin waren so dahin geflogen.

Der von Frankfurt kommende Zug war durchschnittlich besetzt. Es ging vorbei an Jänschwalde, dem mächtigen Braunkohle-Kraftwerk. Mächtige Dampfwolken standen über den Kühltürmen. Diese Bilder kannten wir von der Auto-Tour vor Jahren. Und schließlich rollte der Zug in den Cottbuser Hauptbahnhof ein.

Zur Stadt ist es vom Bahnhof reichlich weit. Da die Straßenbahn zur Zeit nicht über die Eisenbahnbrücke fahren kann – man baut Straße und Bahnschienen neu auf –, ging’s mit dem Bus in die Stadt. Die Stadt empfing uns mit frühlingshafter Wärme. Der Anorak wurde lässtig, so wurde ein Schließfach gemietet, hemdsärmelig ging es durch – recht interessante Stadt.

Nun stand die Sonne schon wieder etwas zu tief, die Schatten waren recht hart. Wir mussten uns mit diesen Lichtverhältnissen abfinden – als wir das letzte Mal in Cottbus waren, war es fies kalt. Sind wir mit diesem Frühlingserwachen ganz zufrieden.

Drei Stunden durften wir Cottbus durchstreifen. Nach Eis stand eine Menschenkette an. Aber in der Stadt direkt fanden wir doch noch ein Cafe, das für uns zwei schöne Eisbecher parat hatte. Ein wenig zugig war es in dieser Straße – die Anoraks könnte mal wieder Dienst tun.

Wir schlenderten und fuhren zum Bahnhof zurück, kamen mit reichlichem Zeitpolster dort an, unser Zug stand schon da. Und dann rollte er hinaus zum Spreewald, immer in Richtung Berlin. Freitagnachmittag: der Wochenendverkehr füllte den Zug. Ganz ohne Verspätung ging es nicht: ein paar automatische Schranken mussten im Schritttempo passiert werden. Mit einer Verspätung von einer halben Stunde kamen wir wieder in Berlin an. Ein toller Ausflug. Nun gilt es, die vielen Fotos zum Aushang zu Recht zu machen.

ortwin

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Kommentare (3)

ortwin Bilder von Berlin über Frankfurt(Oder) bis Guben/Gubin:






















































ortwin
ortwin Das kommt davon, wenn man eine Landkarte (GoogleMaps) als Hintergrund nimmt und dann die Orte mit Symbolen aufnimmt, ihre Namen dazu setzt, dabei aber aus Versehen die Karte (im Hintergrund) etwas verschiebt, die Karte danach wieder wegnimmt. So wurden "Eisenhüttenstadt" und "Neuzelle" vertauscht.
Hier nun die wahre Anordnung.
ortwin

Traute eine interessante Reise hast Du unterhaltsam geschildert.
Das ihr zwei so oft und viel und so interessiert im Land unterwegs seid, ehrt Euch.
Und ihr schildert nicht nur die Landschaft, sondern auch Industrie und wenn es um historisch bekannte Baustile geht, kommt auch das im Kommentar zu Wort.
Viele Industriegebiete sind nach der Wende zu Grunde gegangen.
Das hat große "Völkerwanderungen nach der Arbeit und nach dem Lohn ausgelöst.
Dadurch werdet ihr auf Teile treffen, die fast nur von älterer Bevölkerung besiedelt sind.
Auch das ist sehenswert.
Die Einheit war nicht umsonst zu haben und so ist es, wer das Eine will, muss das Andere mögen...
Freue mich schon auf die Bebilderung,
Mit freundlichen Grüßen und Spatzentschilpen,
Traute

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