Suche nach dem Paradies

Autor: Syrdal
Suche nach dem Paradies

Einst zog ich aus in jungen Jahren
kräftig, gesund, mit großer Zuversicht,
wollte doch unbedingt erfahren,
was auf Erden dem Paradies entspricht.

Wo sollt’ ich suchen, wo beginnen?
Da gibt es diesen Ort mit buntem Licht
und aufgeschminkten Stripperinnen –
ach nein, das ist das Paradies wohl nicht.

Zum KaDeWe* führt mich der Weg,
hier blinkt’s und glänzt’s, alles ist superfein,
doch wenn ich es richtig überleg,
kann das bestimmt mein Paradies nicht sein.

Aber der edle Autosalon
mit den hochglanzpolierten Karossen,
von weitem betrachtet dacht’ ich schon,
dies könnt’ es sein. – Auch das ist zerflossen!

Dort aber das alte Opernhaus
mit Kaiserloge und großer Bühne –
läuft das auf das Paradies hinaus?
Nein, auch das ist ein Ort ohne Sühne.

Jetzt habe ich es, bin frisch verliebt
ins allerlieblichste Mädchen der Welt,
das wird es sein, weil’s Schön’res nicht gibt,
doch bald schon ist Schluss, sie schaut nur auf’s Geld.

Enttäuscht begeb’ ich mich ins Kloster
übe Askese und läutere mich,
für die Suche ist’s wohl ein Fehler,
denn kein Paradies eröffnete sich.

Schierer Verzweiflung bin ich jetzt nah,
wo nur könnt’ ich das Paradies finden?
Plötzlich doch ist die Erkenntnis da:
Nur in mir selbst ist es zu ergründen!

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Stell alle Lichter klar in dir um,
gewähre Metanoia* freien Raum,
folge der inneren Berufung,
dann bleibt’s Paradies dir nicht nur ein Traum!

© Syrdal 2017

..................................
*KaDeWe = Kaufhaus des Westens, hochpreisiger Einkaufstempel in Berlin
*Metanoia = Umkehr des Denkens

Abbildung: Gemälde „Das irdische Paradies“ von Jan Brueghel d.Ä. (etwa um 1630)




Kommentare (7)

Syrdal
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#lillii, #Roxanna, #Agathe, #Angelika, #hade und #Kristine... Syrdal -
...sei Dank gesagt für die kommentierenden Worte zum "Paradies". - Angelika hat dabei das Stichwort "Irrwege" eingebracht. Und richtig, Irrwege gehören zum Leben und sind auch immer wichtige Stationen des Erkennens. Der deutsche Schriftsteller und Stadtschreiber von Speyer, Christoph Lehmann (* 1568 in Finsterwalde; † 20. Januar 1638 in Heilbronn) sagte sehr treffend: "Wer Irrwege gegangen ist, kann andern desto besser den Weg zeigen." - Und noch ein Wort zu Kristibe: Die Schilderung aus dem Kinderfilm kenne ich als "Schlaraffenland" - für manch einen auch eine Art Paradies, das es in dieser Vorstellung aber nicht gibt. Richtig aber ist, dass ein jeder Mensch "sein Paradies" in sich selbst trägt, er muss es nur sorgsam ans Licht heben, meint heiter grüßend
Syrdal

werderanerin
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Das "Paradies"... werderanerin -
als Kind erinnere ich mich an einen Kinderfilm, wo das Paradies mit herum fliegenden Hühnchen verbunden wurde, nur den Mund musste man öffnen und schon flog einem alles zu...

Schnell merkt man aber, dass es "das Paradies" auf Erden nicht gibt..., Zufriedenheit findet man wohl nur bei sich selbst, ganz tief drin...und oft gehört nicht viel dazu.

Kristine
protes
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genau so ist es protes -
aber dafür muss man weite wege gegangen sein
um diese erkenntnis zu bekommen
ein schönes Gedicht
und gut zum nachdenken
hage hade
Tulpenbluete13
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Schön... Tulpenbluete13 -
wenn man nach all der anstrengenden Suche bei sich gelandet ist. Das ist der Vorzug des Alters-
danke ieber Syrdal für das Teilhabenlassen an Deinen Irrwegen. Das wünsche ich uns allen.
Lg. Angelika
APet
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... APet -
so schön beschrieben, Syrdal. Denn genau so sehe ich das auch.
Das hat mich sehr, sehr gefreut. Auch diese Erkenntnis wünsche ich uns allen.
Vielen herzlichen Dank sagt Agathe
Roxanna
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Man kann es Roxanna -
nur in sich selbst finden. Alles andere sind Abhängigkeiten.

LG
Roxanna
lillii
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Damit hast Du recht... lillii -

"Stell alle Lichter klar in dir um,"

das könnte das Paradies sein, so sehe ich es auch..
bewahre es, das wünsche ich Dir.

LG lillii