Kapitel 1

Die Ankunft


Afrika, schon als Kind träumte ich von diesem Kontinent und mein Vorhaben lautete, eines Tages werde ich ihn besuchen. Flora und Fauna übten von jeher eine magische Anziehungskraft auf mich aus und mein ganz besonderes Interesse galt den Raubtieren, den Elefanten, den Schlangen, dem Urwald, der Wüste und deswegen stand der Schwarze Kontinent ganz oben auf meiner Liste.

Jahre vergingen, Geld wurde angespart und als Präsent zur Hochzeit erfüllten wir uns diesen Traum, denn auch mein Mann war und ist ein Freund der exotischen Tierwelt.
Anstatt einer pompösen Feier gönnten wir uns Flitterwochen in Kenia und bei der Buchung hielt der Reiseveranstalter, African Safari Club, ein feines Geschenk für uns Neuvermählte bereit. Gegen Vorlage des Trauscheins bekamen wir, ohne Aufpreis, Sitzplätze in der Club Class, welch angenehmer Luxus.

Unsere Reise begann am Frankfurter Flughafen, die African Safari Air, eine DC-10 im Zebralook nahm uns auf und schon hoben wir ab, Richtung Mombasa. Es war ein Nachtflug, er dauerte cirka acht Stunden und um etwa sechs Uhr morgens erreichten wir unser Ziel.
Als wir aus dem Flugzeug stiegen, fiel es uns schwer zu atmen, denn die tropische Luft war wie ein Hammerschlag, daran mußten wir uns erst einmal gewöhnen.
Mombasas Flughafen entsprach ganz und gar nicht meiner Vorstellung, diesen Ort hatte ich mir irgendwie viel größer vorgestellt. Noch müde von dem Flug gingen wir in das schlichte Gebäude, auch die Einrichtung war sehr einfach. Frankfurt, Mombasa, die Flughäfen, was für ein Unterschied, aber was machte das schon aus, das Bauwerk war zweckmäßig und drei Wochen Urlaub lagen vor uns.
Links von uns befand sich der Abfertigungsschalter, er bestand lediglich aus einer Brüstung mit Gitterstäben und dahinter hielten sich die Beamten auf. Wir händigten ihnen unsere Pässe aus und nach einer intensiven Untersuchung der Dokumente bekamen wir den Einreisestempel.
Weiter ging es zum Gepäckband. Nachdem wir unsere Koffer identifizierten, wurden sie in unseren Shuttlebus verfrachtet und daraufhin chauffierte uns jener zum Coral Beach Hotel.
Unterwegs beobachteten wir die Gegend, die Straßen führten an äußerst bescheidenen Hütten vorbei. Solche Behausungen waren uns fremd, sie stimmten uns sehr nachdenklich und als wir an unserer Hotelanlage ankamen, wurde uns der krasse Gegensatz noch bewußter, denn das Hotel und sein Drumherum waren einfach traumhaft. Vor dem Gebäude lag ein großer Park, es gab grüne Wiesen, dazwischen wuchsen Palmen und mittendurch, gesäumt von bunten Blumen, floß ein Bächlein.

Park des ehemaligen Coral Beach Hotels (uschipohl)



Wir verließen den Bus und betraten die Lobby. Nachdem wir die Formalitäten an der Rezeption erledigt hatten, eskortierte uns ein Page, samt unserer Koffer, auf unser Zimmer. Der Raum war schlicht, aber fein eingerichtet, der einzige Luxus bestand aus einer Klimaanlage, diese war bei der Hitze auch nötig. Aber was brauchten wir schon, die meiste Zeit würden wir sowieso am Strand oder unterwegs sein, für uns zählte nur, dass unsere Unterkunft sauber war und da gab es überhaupt nichts zu beanstanden.
Der Page ging und wir genossen erst einmal den idyllischen Blick aus dem Fenster. Unser Zimmer lag zur Innenanlage hin und auch hier gab es gepflegten Rasen, immer wieder vereinzelte Palmen und zwei Swimmingpools. Diese Aussicht war zwar herrlich, aber wir eisten uns los. Schnell packten wir unsere Koffer aus, denn wir mußten zum Gästeempfang, der Manager hatte alle Neuankömmlinge zum Willkommenstrunk geladen. Anschließend, nach dieser Erfrischung, zeigte man uns die Innenanlage des Hotels.
Auf einer großen Terrasse, welche mit Tischen und Stühlen bestückt war, erklärte man uns, dass dort jeden Nachmittag Tee und Kuchen gereicht würden, dass es Liegen zum Ausleihen gäbe und dass die beiden großen Pools, welche wir vorher schon gesichtet hatten, allen Gästen zur Verfügung stehen würden. Was wollten wir mehr?
Zum Abschluß der Führung begaben wir uns zurück in das Hotel, denn in dem dortigen Restaurant sollten die Safaris besprochen werden.
Was wir noch nicht wußten, es erwartete uns eine herbe Enttäuschung.
Der Mann im Reisebüro, seine Beratung war falsch gewesen und wir, die wir keine Erfahrung mit Buschtouren besaßen, hatten uns völlig auf seine Worte verlassen und waren sehr blauäugig gewesen. Eine Safari, so lauteten seine Worte, die sollte immer erst am Urlaubsort gebucht werden, das wäre auch gar kein Problem. Das Dumme war nur, hier wurde es genau umgekehrt erzählt. Um überhaupt eine Chance für so einen Ausflug ins Gelände zu haben, mußte man jenen am Heimatort buchen. Im Nachhinein war das auch für uns sehr einleuchtend, denn sonst müßte man doppelte Mahlzeiten bezahlen, nämlich einmal für das Essen im Hotel und dann noch die zusätzliche Verpflegung für die Tage im Busch.
Diese Erkenntnis traf uns sehr tief, nämlich, wie konnte es anders sein, jegliche Abenteuer dieser Art waren total ausgebucht. Der Traum, freilebende wilde Tiere beobachten zu können, löste sich einfach in Luft auf.
~„Schlechte Information im Reisebüro und nicht richtig von uns überlegt“, will ich mal sagen.~
Das war echtes Pech, aber nicht mehr zu ändern und wir akzeptierten das Unabänderliche.
Zu unserem Glück gab es aber noch Tagesausflüge und wir nahmen uns vor, diese zu nutzen.
Nachdem alles besprochen war, trennte sich unsere kleine Urlaubs-Gesellschaft.

Die Umgebung nahm uns gefangen, mein Mann und ich beschlossen uns erst einmal umzusehen. Wir gingen über die große Liegewiese und alsbald wurde der Steinplattenweg zu einer Treppe und ihre Stufen, gesäumt von einer flachen Natursteinmauer, führten uns hinunter zum Meer.
Doch, wo war das Wasser?
Es war Ebbe, wir konnten den Indischen Ozean nur in der Ferne erahnen, aber der schmale feine Sandstrand lud uns zum Verweilen ein. Ja und wie das nun mal so ist bei Ebbe und Flut, irgendwann kommt das Wasser auch wieder zurück, man mußte nur ein Weilchen warten.

Es wurde Zeit für das Mittagessen.
Vollpension, so stand es in unserer Buchung, etwas anderes war auch nicht ratsam. Ein Grund sich für diese Art der Verpflegung zu entschließen lautete, dass unser europäische Magen die afrikanische Küche nicht so gut verträgt. Man könnte natürlich auswärts etwas essen oder trinken, davon wurde jedoch dringend abgeraten, denn der andere Einwand hieß, mangelnde Hygiene.
In unserem Hotel gab es allerdings kein Manko an Sauberkeit, besser ging es gar nicht und auch der Service ließ keine Wünsche offen, man wurde exzellent bedient. Das Essen war reichlich und vielfältig, Fisch, Fleisch, Gemüse, Salate, es war alles vorhanden. Jegliches Personal war freundlich und fröhlich, man kam sich vor, als wäre man ein Mitglied von einer großen Familie.


Kapitel 2

Ausflüge
und so allerlei Tiere



In der Hotellobby, am Schwarzen Brett, hingen die Informationen über die Tagestouren. Wir studierten die ausführlich beschriebenen Vorschläge und suchten uns drei Angebote aus.
Eine Fernreise zu unternehmen und dann nur am Strand zu liegen, das wäre uns auch zu wenig gewesen, wir wollten uns wenigstens jede Woche etwas Besonderes ansehen.

Stadtrundfahrt mit Besichtigung stand als erstes auf dem Plan und diese Tour führte uns nach Mombasa. Sie ist die zweitgrößte Stadt Kenias und die wichtigste Hafen-Metropole Ostafrikas und dass sie das Tor zur arabischen Welt war und immer noch ist, bemerkte man sofort. Der Einfluß der Handelsstraßen war überall unübersehbar, besonders in dem Muncipal Market, wo man so manches Kräuterlein und viele Souvenirs kaufen konnte.
Der Weg zu der Markethall führte an unscheinbaren Häusern vorbei und die Betrachtung ihrer elektrischen Leitungen ließ uns die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Mehrere Kabel verliefen an den Gebäuden entlang und jene waren dann am Ende miteinander verknotet. Das sah unglaublich aus und von Sicherheit war solch eine Konstruktion garantiert sehr weit entfernt.

Es ging weiter. Der nächste Halt führte uns nach Fort Jesus, einer Festung mit sehr viel trauriger Geschichte. Könnte dieser Ort erzählen, würde er von Mord, Hunger und Belagerung berichten.
Anno 1593 von den Portugiesen, unter Philipp II., von dem italienischen Architekten Giovanni Battista Cairato erbaut, wechselte in Fort Jesus immer mal wieder die Führung und von 1895-1958 wurde es als staatliches Gefängnis genutzt.
Als der Fremdenführer uns die Arrestzellen zeigte, waren sie unmöbliert und es gab nur einen holprigen Fußboden. Er berichtete, dass die Gefangenen von ihren Angehörigen verpflegt werden mußten und wenn jene niemanden auftreiben konnten, der ihnen etwas Essbares brachte, dann sanken ihre Überlebenschancen rapide.
Vielleicht wollte er uns nur ein wenig Angst einjagen und seinen Vortrag sehr spannend gestalten, denn er fügte noch hinzu, dass es dort niemals anders ausgesehen hätte und sogar die heutigen Gefängnisse in Afrika wären nicht komfortabler.
~Wie gesagt, dieses war Hörensagen und der Stand von 1990, ob es der Wahrheit entsprach, das weiß nur der Redner selbst.~

Eine weitere Station war der indische Jain-Tempel. Das hinduistische Gebäude, einem klassischen Tempel in Rajasthan/Indien nachempfunden, wurde 1963 in Mombasa erbaut.
Diese Sehenswürdigkeit ist auch heute noch ein wunderbarer Prachtbau, ihn zieren Türmchen, runde Kuppeln und Säulen und der Aufgang, zu dem fast weißen Gebäude, wird von zwei reich verzierten dunklen Elefanten-Skulpturen gesäumt.
Nachdem wir unser Schuhwerk ablegten, denn mit Fußbekleidung durften wir das Gebäude nicht betreten, erklimmten wir die Treppe zum Eingang und fanden im Inneren eine prunkvolle Ausstattung.

Zwischen den Ausflügen.
Entweder hielten wir uns am Strand oder oben auf der Liegewiese auf, meistens aber auf dem Grün der Hotelanlage, denn dort waren wir ungestörter und konnten den Service nutzen. Wenn wir Durst bekamen, brauchten wir nur den Kellnern, die stets in Reichweite waren, unsere Bestellung mitteilen und alsbald wurden die gewünschten Getränke serviert.
Zu dem Hotel gehörten auch ein paar friedliche Grüne Meerkatzen und zweimal die Woche durften jene sich ungestört auf dem Terrain bewegen. Die Primaten waren lustig anzusehen, sie hangelten sich durch die Palmen und besuchten auch ab und an die Liegen. Wenn man aber nicht aufpasste, dann konnte es passieren, dass sie einem den Drink entführten. Die Gäste, denen so etwas zustieß, fanden es aber eher lustig, als dass sie sich darüber ärgerten.
Die Meerkatzen kamen zwar ziemlich nah, jedoch wurde davon abgeraten, sie zu streicheln.

~Ein Wildtier, mag es auch auf den ersten Blick friedlich erscheinen, so bleibt ein solches immer noch ein wildes Tier und wird stets unberechenbar sein. Des Weiteren, habe ich mal irgendwo gelesen, dass Grüne Meerkatzen ein Retrovirus in sich tragen würden, welches als das Ursprungsvirus für das menschliche Immunschwächevirus HIV gilt, deswegen könnte ein Biss schlimme Folgen haben.~

Andere hauseigene Tiere waren auch noch zu bestaunen.
In der Hotelhalle befand sich ein kleiner Teich mit einer Dachöffnung, so konnte die Palme am Uferrand ungehindert in die Höhe wachsen. In ihren Wedeln nisteten wunderschöne gelb-schwarze Webervögel und deren Nester waren echte architektonische Kunstwerke, wie kleine Strohglocken sahen sie aus.
In dem Wasser des Teiches wohnten ebenfalls Tiere, diese bemerkten wir aber erst viel später.
Eines Abends, wir saßen gemütlich auf der Terrasse, kam es dazu, dass etwas unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich richtete. Geräusche und zwar sehr laute, ließen uns aufhorchen und wir und eine paar andere Gäste machten uns auf, um nachzusehen, wer so ein Getöse verursachte. Am Teich wurden wir fündig. Ein kleiner Frosch, nicht einmal handgroß, saß am Ufer und jammerte, denn das, was er von sich gab, konnte man nicht quaken nennen. Seine Laute waren ziemlich befremdlich und dennoch besaßen sie ziemlichen Unterhaltungswert, sie sorgten bei den Anwesenden für jede Menge Gesprächsstoff.

( Urheberrecht Uschi Pohl )

falls erwünscht, folgt die Fortsetzung

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Kommentare (5)

uschipohl Ruth ~
im Urwald von Peru, wow, das muß auch ein tolles Erlebnis gewesen sein, die Unterkunft sieht doch prima aus. Was braucht der Mensch im Urlaub? Meistens reicht doch ein Dach über dem Kopf, etwas zum Essen und Trinken und ein wenig Komfort, es muß ja nicht immer Luxus sein, Hauptsache es ist sauber und man hat eine feine Landschaft und nette Menschen um einen herum.

Tilli ~
Kapstadt muß auch wundervoll sein. Ich glaube, dieser Kontinent, wenn man ihn so erlebt, wie dein Enkel und wie wir ihn erlebt haben, dann muß man diesen fernen Ort einfach lieben.

Ich bedanke mich für eure Begeisterung
und sende euch mein Lächeln
herzliche Grüße
uschi
tilli sehr spät habe ich deine Blogs gelesen. Es ist so schön zu sagen wie sehr du mich mit deinen Schreiben beeindruckt hast.
Ich liebe Reisen und habe in meinem Leben sehr viel gesehen. Nach AFRIKA ZOG ES MICH ABER NICHT, WEIL ICH NIE DIE SONNE VERTRAGEN habe. Mein Enkelsohn hat aber ein Praktikum im Krankenhaus in Kapstadt gemacht. Er erzählte und zeigte mir Fotos von diesen unglaublich schönen Land.
So kann ich deine Begeisterung verstehen.
Du hast den ersten und zweiten Teil deiner Reise so schön geschildert,
Vielen Dank mit Grüßen
Tilli
Komet mit großem Interesse habe ich Deinen wundervollen
Reisebericht gelesen. Viele Erinnerungen werden wieder wach. Ich war im peruanischem Urwald, aber nicht so komfortabel wie Du Deine Unterkunft beschrieben hast. Es war mit keinem Reiseunternehmer sondern privat, da ich in Peru gelebt habe. Auch da gäbe es eine Menge zu erzählen.


unser Hotel in Madre de Dios am gleichnamigen Fluss.

Danke für diesen informativen Bericht.
Viele Grüße Ruth.
uschipohl es freut mich sehr, dass dir unsere kleine Kenia-Tour gefallen hat. Weiter, wie bis nach Afrika, sind wir auch noch nie gekommen, aber dieser Kontinent hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen.
Du sagst es, heute ist es viel zu gefährlich, aber wo ist es das nicht, mittlerweile herrscht überall Chaos und Idiotie

danke dir
die Fortsetzung ist online

herzliche Grüße
uschi
indeed Ein interessanter Bericht und gerne würde ich die Fortsetzung lesen dürfen.
Selber kenne ich Kenia nicht. Soweit sind wir nicht gekommen. Aber ich habe in den Sechzigern einige Jahre in RSA gelebt, habe dieses Land und auch das heutige Zimbabwe bereist und viele Erinnerungen wurden in mir durch deinen Bericht geweckt.
Wir haben die Natur noch in ihrer Einfachheit erleben dürfen, heute wäre es so nicht anzuraten zu reisen.
Herzliche Grüße
Ingrid

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