„Das geht in die Hose!“ oder warum eine Hose achtundvierzig Nösel hat


„Das geht in die Hose!“ oder warum eine Hose achtundvierzig Nösel hat
Kuriose Begriffe und Begebenheiten im alten Radeberg
Bei den Recherchen zur Stadt- und Regionalgeschichte gibt es immer mal wieder interessante Aspekte, die aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik entbehren.
So fand ich in der Stadtrechnung von 1815/16 den Vermerk, dass „die Feuerleuthe für die Spritzenprobe eine halbe Tonne Bier“ auf Stadtrechnung erhielten. Jede Handreichung und jede Aktivität eines Handwerkers wurde am Ende mit Bier begossen. Da in Radeberg dieses Getränk immer da war, dürfte der Branntwein oder der Wein eigentlich selten getrunken worden sein. Zumindest könnte man das hinsichtlich ihrer Erwähnung in diversen Akten vermuten. Doch dem war nicht so. Branntweinbrennen steht seit Anfang an im Blickfeld der Stadtoberen, dafür entrichtete man den „Blasenzins“. Und Wein, obwohl in unserer Gegend wahrscheinlich nur im warmen 15. Jahrhundert angebaut, wurde zuhauf getrunken. Dafür war in die städtischen Kassen das „Weinbodengeld“ zu entrichten. Selbst im Brandjahr 1714 waren von 18 Trinkgelegenheiten (Weinstätten) in der Stadt 14 Fuder Wein zu versteuern, das waren immerhin 504 Hosen. Die Hose gerechnet zu 24 Kannen oder 48 Nösel. Alles klar?
Wahrscheinlich ging eben „manches in die Hose“. Denn der Wein kam auch schon vor 500 Jahren aus Bayern und Süddeutschland nach Radeberg. So entsprach 1538 eine Hose Wein 20 Kannen Naumburger Maß. Was auf die Vermittlerrolle im mitteldeutschen Handel schließen lässt. Die Naumburger Kanne stand also im Verhältnis 20 zu 24, übrigens entsprachen 9 Dresdener Kannen 7 Leipziger Kannen. Somit ist klar, dass in unserer Region die kleinsten Hohlmaße existierten, womit auch die höchsten Steuererträge erzielt werden konnten. Und dann maß man den Wein um die Steuer zu ermitteln. Das musste ja sprichwörtlich „in die Hose“ gehen, bei der unterschiedlichen Ausgangslage. Leider sind solche Gerichtsakten bisher nicht zu finden gewesen.
Doch man trank beim Wein den Nösel. Man soff ja nicht kannenweise wie das Bier, wobei man auch hier genauer hinsehen muss. Waren es nun die Schenkkanne, die Visierkanne, die Schockkanne oder gar der Eimer? Der Nösel ist ungefähr die halbe Kanne, also im Dresdener Maß fehlen rund 20 Milliliter zum halben Liter. Sogar literarisch ist der Nösel bekannt. Goethe schrieb in „Dichtung und Wahrheit“ – Ich hatte mich bei meinem Nösel Tischwein mäßig verhalten-, also nicht „gesoffen“.
Und möglicherweise ist das Wort vom „Schnösel“ durchaus mit dem „Nösel“ ursprünglich aufgekommen. Denn der junge, arrogante Mann trank eben mehr als ein „Nösel“, er wollte ja kein „Schnösel“ sein, also einer, der nicht mithalten konnte. Und sogar im Kochen und Backen hielt der Nösel seinen Einzug. So leistete sich ja Radebergs Stadtrat in den Zeiten gefüllter Kassen um 1585 sogar manchmal einen Koch aus anderen Städten. Der beschrieb u. a. eine Zutat mit „einem Zehntel Nößel Wein“, jedoch sollte man praktischerweise „eyn halbe Eyerschalle vol Wein nehmen“. Es gab wahrscheinlich keine Maßbecher in solch einer kleinen Einheit.
Und um auf den Eingangssatz zur Feuerwehr zurückzukommen. Die halbe Tonne Bier nach der Übung entsprach rund 50 Liter oder wer es genauer haben will, 49,119 Liter. Damals wurde das Trinken noch aus der Stadtkasse bezahlt. Die Zeiten waren eben anders. Übrigens erhielt im gleichen Jahr der städtische Gerichtsdiener „zwo Kannen Bier“, weil er dem Beutler Wilhelm den Auftrag der Stadt überbrachte, „die Feuereimer auszubeßern!“ Auch dieses Bier wurde aus der Stadtkasse bezahlt.

haweger

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Kommentare (1)

finchen bayerische übersetzen darf oder kann....
dann kann es sich nur um ein Noargel handeln, also einem Rest, der im Glas verblieben ist. Liege ich damit richtig?
Würde mich freuen, wenn Du mir Auskunft geben würdest.
Mit lieben "Sommergrüßen"
das Moni-Finchen

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