"Unser Fräulein Doktor" oder "Heimweh"


Da sehe ich einen Film aus dem Jahr 1958 „Die Landärztin“.

Liest man unter Wikipedia den Lebenslauf von Marianne Koch, kommen die Erinnerungen aus den vielen Jahren in Kino und Fernsehen hervor. Viel Eifer und Fleiß steckt in dieser lebendigen Münchnerin – das will ich als „Saupreiss“ sagen, der soo viele Jahre in Bayern gelebt und das Bayern erlebt hat, der dennoch nach fünfundsechzig Jahren Abwesenheit von seinem Geburtsort „Berlin“ zurückgekehrt ist.
War es eigentlich anfangs nicht die Filmhandlung, also nicht das „Fräulein Doktor“, oder das Wiedersehen der Schauspieler Rudolph Prack, Beppo Brehm, Margarete Haagen u.a., sondern die Hintergründe – das Alpenvorland, seine Bauten und Wege – ließen plötzlich ein Heimweh aufkommen.

Heimweh: als ich da in Bayern lebte, war ein Teil des Heimwehs auf Berlin ausgerichtet. Jetzt scheint dies umgepolt zu sein. Warum Heimweh? Einfach, weil man doch gar nicht die Zeit hat, einmal Alles, was man im Laufe der vielen Jahre kennen und erlebt hat – wo auch immer -, ganz schnell mal wieder zu besuchen, zu bereisen.

Zu schade, dass es noch nicht soo lange her ist, dass es das so preiswerte Digital-Fotografieren gibt – die Zeit davor konnte uns Bildabzüge schlechter bis guter Qualität hinterlassen. Und Dias nahmen (oder nehmen noch) viel Platz weg – wer baut schon den Projektor und die Leinwand auf, füllt voller „Freude“ die Trommeln ein, um dann bei rauschendem Projektor-Gebläse und völlig abgedunkeltem Raum die Reiseerlebnisse abzuspielen. Wie einfach und elegant doch heute! So bleibt doch die „Vergangenheit“ eingeschlossen, während wir heute mal eben uns an den PC setzen und auf den Bildschirm gucken dürfen.

Tja, nun bin ich mindestens sechs Stunden weit weg von Bayern. Wie schön war das doch, als ich mit meinem Spatz bis zu meinem Rückzug nach Berlin das Alpenland und auch das Schwäbische Meer, ja sogar Tirol, Inn und Achensee „erobern“ konnte, wo ich sogar etwas Bärenführer sein durfte. Wenigstens seit dieser Zeit sind die „Magazine“ (Festplatten) voll.

Wenn es nun im Mai zu zweit erst einmal an den Rhein geht, bald darauf mit Freunden nach Ruhpolding (gibt es doch immer noch kleine Ecken, die wir nicht kennen), dann wollen wir ganz feste tanken, mitnehmen, was es mitzunehmen gibt. Wie wunderbar, dann zu Hause (auch wenn uns in dem Zuhause etwa sechs Kilometer im täglichen Leben trennen), die Eindrücke anhand der „chip“-igen Bilder immer wieder regenerieren.

Heimweh wird immer bleiben, sei’s in Bayern, Mark Brandenburg, Schlesien, Ostsee, Nordsee, Rheinland, Frangreisch, Schwietz. Eigentlich schön: Deutschland alleine kennt diesen Begriff, dieses Gefühl „Heimweh“!

ortwin

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Kommentare (3)

finchen egal wo man gerade ist, es gibt immer Momente, an denen man diese Sehnsucht verspürt, an den einstmal geliebten Ort zurück zu kommen. Mir geht es auch so. Ich könnte mich auch zerreißen - vorallem, wenn man dort noch Freunde hat und diese Antenne nie eingeschlafen ist.
Ich pflege diese Kontakte gewissenhaft und somit bleibt immer ein Stück von mir mit dem "Dort" verbunden.
mit verstehenden Grüßen
Dein Moni-Finchen
tilli So ist es lieber Ortwin, wo auch immer man gelebt hat, kommt die Erinnerung zurück. Das ist ein sonderbares Heimweh, aber es ist da. Dein Blog hat mich nachdenklioch gemacht. Die Erinnerungen fliessen , auch das wir älter werden. Jetzt möchten wir die alten Schauspieler wiedersehen usw. usw.
Das Haus wo wie geboren wurden, wo wir gelebt haben.
Aber es ist vorbei, wir müssen mit dem leben was wir haben.Jede Sekunde des Lebens ist im Alter noch kostbarer als in der Jugend.
Geniesse es und schreibe weiter deine Reiseberichte.
Das hält jung, wenn man Freude daran hat.
Grüße Tilli
Traute ähnlich fühle ich es, wenn ich an meine Lebensstätten zurückdenke.
Es sind die Erlebnisse das Nestbauen und die schönen und schweren Stunden, die sie so zu uns gehörig werden lassen, das wir sie vermissen,denke ich.
Viel Vergnügen beim Besuch der historischen Stätten, der doppelt schön wird, wenn der Partner an den Erinnerungen teil nimmt.
Mit freundlichen Grüßen,
Traute

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