Unsere Reise nach Rybnik (Polen) und Umgebung (3. Tag)


Inhaltsverzeichnis:

Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Unsere Polenreise: Fazit und weitere Planungen.

Mehr Bilder zu den einzelnen Tagen gibt es in meiner Bildergalerie.


Henryk hatte diesen Tag sehr gut organisiert und wir steuerten mehrere Ziele an. Henryks erstes Ziel war das Grab von Dr. Julius Roger in Rudy (Rauden). Dr. Roger diente uns als Symbol für eine deutsch-polnische Verständigung.



Der Friedhof in Rudy war sehr idyllisch gelegen. Wir wählten einen Seiteneingang, um eine laufende Beerdigung nicht zu stören.

Am Grab von Dr. Julius Roger

Der deutschstämmige Arzt und Naturforscher Dr. Julius Roger trat 1847 in die Dienste des Herzogs von Razibor, Herzog Viktor Moritz Karl Friedrich zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1818–1893) und wurde zum Königlichen Hofrat ernannt. Zu seiner Zeit herrschte eine sehr hohe Säuglingssterblichkeit vor allem unter der polnischen Bevölkerung, es gab viele Typhus-Fälle. Roger wurde ein Freund der polnischen Sprache und der polnischen Menschen. Er setzte sich in den Städten Rudy (Groß Rauden) und Rybnik für die Errichtung moderner Krankenhäuser ein, er selbst arbeitete im Krankenhaus von Pilchowice und rettete durch seinen Einsatz viele Leben.



Wir legten dort in einem symbolischen Akt Rosen an sein Grab, was Henryk fotografierte.





Die Farbenpracht des Friedhofs stach uns ins Auge. Die Ursache für diese Farbenpracht liegt offensichtlich darin begründet, dass in Polen anders als bei uns, Kunstblumen auf Friedhöfen geliebt werden.



Es war an der Zeit, das nächste Ziel anzusteuern, welches wir nach kurzer Autofahrt erreichten.

Das Zisterzienserkloster in Rauden (Rudy)



Margit fotografierte hier Udo, Marlis, mich und Henryk auf dem Klosterplatz.

Nach dem Eingang besichtigten wir zunächst die pompöse Grabstätte des Herzogs und der Herzogin von Ratibor (in meiner Bildergalerie zu besichtigen). Besonders sehenswert in der Klosterkirche war die folgende Kapelle in einem Seitenschiff.





Die Predigt kam aus dem Computer

Am Rückweg zum Hauptschiff fielen mir dieser Tontechniker und die Nonne auf. Letztere hielt das Mikrofon an den Laptoplautsprecher und ich verstand, warum ich den Prediger nicht auf der Kanzel gesehen hatte.



Der Klostergarten

Das Kloster war von einem wunderschönen Garten umgeben. Den Spaziergang haben wir genossen und einige Bilder geschossen.






Das Eichendorff-Museum in Lubowice und die Schlossruine

Jeder von uns wird sich an die Gedichte von Joseph von Eichendorff in unseren Lesebüchern erinnern. von Eichendorff war ein Freiherr und lebte von 10.3.1788 - 26. 11. 1857 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor (Oberschlesien), wenn er nicht auf Reisen war. Seine Gedichte sind oft vertont worden und er ist auch der Autor von "Aus dem Leben eines Taugenichts", das manche von uns vielleicht gelesen haben.



Vor dem kleinen Museum steht eine Büste von Eichendorff, die Margit von der Seite fotografiert hat, um die markante Nase einzufangen.



Das kleine Museum steht auf dem Gelände um die Schlossruine, auf dem sich viele Gedichtstafeln und Informationstafeln über die Historie befinden.





So sah das Schloss Lubowitz zu Lebzeiten Eichendorffs aus:



... und so vor dem 2. Weltkrieg:



... und das ist von dem Schloss heute noch übrig:



Henryk bedauerte sehr, dass die Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen zum Wiederaufbau bis heute kein Ergebnis gezeitigt haben.



Auch diese Gedenktafel für gefallene deutsche Soldaten fanden wir auf dem Gelände.

Eine kleine Pause auf dem Weg nach Ratibor





Udo fotografiert die den Mohn fotografierende Margit.




Stadtführung durch Ratibor (Raciborz) mit dem Schriftsteller Pawel Newerla

Henryk hatte ab 14 Uhr ein Treffen mit dem Heimatdichter Pawel Newerla auf dem Marktplatz in Ratibor abgemacht. Wir trafen dort etwas vor der Zeit ein und durften uns etwas umsehen. Das Paar in den traditionellen Gewändern der Gegend war nicht zufällig vor Ort, denn es wurde heute in Ratibor ein Stadtfest gefeiert. Da das Schloss, auf dessen Hof das Fest stattfand, auch später auf dem Plan von Nerwerla stand, sollten wir davon noch etwas mitbekommen.








Diese Weltkugel aus Stein, die sich auf einem Wasserfilm drehte, erinnerte uns im Prinzip sehr an einen entsprechenden Brunnen in Breisach am Rhein:



Dann war es soweit und wir trafen uns mit Newerla, der als Erstes für uns die Öffnung der verschlossenen Kirche erwirkte, in der er uns dann eine Einführung in die Geschichte der Stadt Ratibor gab. Die historische Altstadt von Ratibor liegt am linken Oderufer, das Schloss, die Burg, zu der wir später laufen würden, liegt auf der rechten Oderseite.





1945 war in der wechselhaften Geschichte der Stadt ein weiterer schwerer Einschnitt. Die Stadt wurde noch nach der Übernahme durch die Russen schwer zerstört und die Ziegel für den Aufbau von Warschau verwendet. Laut Wikipedia wurde nach der politischen Wende 1989 das damalige Geschehen mit bis dahin geheimgehaltenen Akten und mit Zeitzeugen rekonstruiert. Seit Ende der 1990er Jahre wird am 31. März der "Tag der Befreiung" nicht mehr gefeiert.

Das Oder-Hochwasser im Juli 1997 richtete große Schäden an und Newerla zeigte uns auf alten Postkarten wie hoch das Wasser in der Stadt gestanden ist, es war wirklich erschreckend.



Auch in Ratibor gbt es ein Eichendorff-Denkmal:



Wir machten uns dann in Richtung Burg zur rechten Oderseite auf den Weg. Wir begegneten dabei diesen lustigen Schlümpfen, die sich bereitwillig für ein Foto von Udo in Position bringen ließen. Sie kamen von dem Stadtfest auf dem Burghof.



Diese Statue am Oderufer symbolisiert die Mütter Polens. Udo nützte sie als Kulisse für ein Foto von mir, Margit und Henryk. Rechts: Newerla erläuterte mir und Margit anhand von alten Fotografien die Unterschiede zwischen dem Ratibor seiner Jugend und heute. Die alte Architektur war oft der neueren weit überlegen und wir bekamen eine Vorstellung davon, was der Krieg auch an kulturellen Werten alles zerstört hatte.


Abendspaziergang: Entspannung nach einem erfüllten Tag.

Die folgenden Bilder sollten für sich sprechen, sie stehen für den Ausklang dieses 3. Tages unseres Polenbesuchs.







Beim Heimweg spiegelt sich das Hotel im See.


Karl


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Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Unsere Polenreise: Fazit und weitere Planungen.

Mehr Bilder zu den einzelnen Tagen gibt es in meiner Bildergalerie.

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Kommentare (3)

omasigi ein schöner Bildbericht.
Beim Anschauen glaubt man auch mit dabei gewesen zu sein.

Danke sagt
omasigi
heigl Sehr interessant, Eichendorff ist mir ein Begriff wie Hölderlin, Gerok etc. ich wohnte früher in einer Siedlung mit solchen gewichtigen Dichternamen.

Freut mich, den liberalen Karl da und dort in oder in der Nähe klerikaler Einrichtungen zu entdecken.
karl Udo hat es in seinem Kommentar zu unserer Polenreise im Forum schon richtig formuliert. Henryk hatte alles super organisiert, angefangen mit dem täglichen Essens- und Getränkeproviant für jeden von uns, so dass wir zu jeder Zeit gut versorgt waren, bis hin zu den Fahrten an wirklich spannende Orte.

Karl

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