VOM ZENIT IN DEN ABGRUND


 Vom Zenit in den Abgrund

Es war nur ein Traum vor einigen Jahren, der sich mir aber immer wieder erneut ins Gedächtnis schleicht und mich bis zum heutigen Tag nicht losgelassen hat.

Vielleicht darf ich ihn kurz erzählen:
Für andere mag es albern klingen; aber für mich ist er noch immer von Bedeutung.

Also ich fuhr mit meinem schnellen Cabriolet, einem BMW   Z3  6-Zylinder -das mit dem Auto stimmt- einfach nur mal ein bisschen spazieren.  Ich war wohl auf Entdeckungsreise und mir war vielleicht nach einem kleinen Abenteuer.

Es fühlte sich an, als sei ich im Voralpenland, ich sah die Berge. Plötzlich entdeckte ich auf einem etwas höheren Berg ein Gebäude, es konnte eine  alte Kapelle sein, vielleicht auch nur ein altes Haus oder die Ruine eines Klosters. Der Reiz, dort hinaufzufahren war groß. Also tat ich es.

Unten war der Berg noch gut befahrbar, es war zwar nur ein schmales Sträßchen, das da hinaufführte; aber was soll's. Ich wußte, mein starker Motor würde auch eine steile Strecke  problemlos schaffen, so war es dann auch.
Ich fuhr also zügig los, den Berg hinauf. Es wurde steiler und steiler und die Straße wurde immer schlechter und schmaler. Trotzdem, es reizte mich einfach und ich fuhr weiter, voller Erwartung, was ich dort oben vorfinden könnte.  Ich schaffte es und war voller Stolz, angekommen zu sein.  Der Berg war so steil geworden, auf beiden Seiten sah ich nur noch Felsen und Abgrund. Trotzdem ich war erstmals glücklich oben gelandet.
Beim Aussteigen merkte ich schon, daß alles sehr sehr eng war. Ich konnte fast die Wagentüre nicht öffnen, eine Steinmauer auf beiden Seiten und große aus dem Stein gehauene Figuren versperrten mir den Weg;  aber ich schaffte es. Puh..............  und alles war nur grau in grau. Ich erschrak, es war kein Grün vorhanden, kein Baum, keine Blume nichts. Es schien dort oben alles nur tot zu sein, so wie diese Figuren, die mich mit ihren großen, leeren Augen anstarrten. Sie schienen mich zu fragen, was ich denn nur hier oben wollte; aber ich wußte es ja selber nicht. Es war nur so eine Art  Aufbruchstimmung, einfach ein gutes Gefühl.
 
Ich meinte, als ich noch unten war, den Zenit meines Lebens zu besteigen bzw. zu befahren  und jetzt, da ich es geschafft hatte, war ich dem Abgrund näher. Plötzlich überkam mich ein Schaudern und die Angst fuhr mir buchstäblich in die Knochen. Das Haus, oder was davon noch übrig war, war auch nur kalt und bis auf diese steinernen Figuren auch im Innenraum,  leer und unheimlich.
Es hatte sich wohl lange Zeit kein Mensch mehr darum gekümmert. Wo war ich da bloß hingeraten? Ich beschloß auf dem schnellsten Wege wieder nach unten zu fahren, nur das war fast unmöglich. Der Platz war so eng, daß ich mein Auto überhaupt nicht wenden konnte. Schnell wurde mir klar, daß ich die ganze Strecke rückwärts fahren mußte, dieses steile und enge Sträßlein. Mir wurde heiß und kalt, ich mußte meinen ganzen Mut zusammen nehmen. Noch dazu, da auf beiden Seiten nur ein felsiger und steiler Abhang war. Also auf in den Kampf, dachte ich, es gibt keine andere Möglichkeit.

Aber der Engel der Träume war gnädig zu mir, er sah wohl meine Not und hatte ein Einsehen, indem er mich aufwachen ließ. Zugleich zeigte er mir, daß es sich bei dieser bizarren Situation nur um einen ganz schrecklichen Alptraum handelte.
Wie war ich froh, nochmals davongekommen zu sein.

Ja, jedes Abenteuer ist nicht nur schön, es kann böse enden; aber es war trotzdem ein Abenteuer, das ich so niemals mehr erleben möchte; aber auch nicht vergessen kann. Scheinbar wollte ich zu hoch hinaus in meinem Leben, so sehe ich es zumindest heute, anstatt zu sagen: Schuster bleib bei deinem Leisten".......................
Ich glaube, für jeden Menschen ist vorherbestimmt, wohin er gehen kann bzw. muß und man sollte auch trotz eines freien Willens nichts erzwingen wollen.

Es war nur ein böser Traum; aber er hat mich an Erfahrung reicher gemacht.

Uscha



Juli 2020


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Kommentare (2)

Arni

Also mir gefällt dein Traum, er zeigt eindrückliche Bilder.

LG
Arni

Anabell23

@Arni  

Hallo Arni,

ja, es ist ein Traum, den man nicht so leicht vergißt.  Er schleicht sich immer wieder auf's Neue ins Gedächtnis, ich glaube, bis man ihn einigermaßen verarbeitet hat. Aber das haben Alpträume so an sich.

Schön, daß Du Dir ebenfalls Gedanken gemacht hast und ich danke Dir 
für Deinen Kommentar.

Liebe Grüße
Uscha


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