Wie ich St. Nikolaus wurde (in Schweizerdeutscher Mundart)


Wie n eg der Sämichlaus worde be
Wo n i öppe föifezwänzgi gsi be, het mi mou der Präsidänt vo eusere Dorfmusig gfrogt, öb eg net chönnti der Chlous mache am Sämichlousobe vo der Musig. Eg ha mi zerscht gschräubt ond ha gseit, doderzuä seig i doch secher no zjong. Aber der Präsidänt het net logg gloh ond mer verschproche, är luägi de scho för nes Koschtüm ond en Sämichlouslarve.¨
Jäno, hani dänkt. Aber eg has net so wöue mache wie vor mer die andere Chläus, nämli eifach d Nöss ond d Mandarinli uf e Tisch gheie, e paar schöni Wort säge ond wieder z verschwinde. Drom hani vo möglischst vöune Musigkamerade no gschwind öppis Loschtigs, wo dors Johr dore passiert esch, uufgschriibe. Der Einti het zom Bischpöu mou amene Konzärt diä fausche Note uf em Schtänder gha, so dass der Dirigänt het müässe abbräche, däm arme Kärli sääge, er söu diä richtige Note vörenäh. Ond en Andere het mou mehreri Probe lang en sone schlächte Ton us der Güügge gloh, dass der Dirigänt äntli zuänem gange esch, däm sis Es-Horn uf e Chopf gschtöut ond dra gchlopfet het. Aber zerscht het är gseit, do chömi jo en gar grüüslige Gschtank use. Ond was esch passiert? En halbi, verschimmleti Brotworscht esch bim Chlopfe uf e Bode gheit. Die Worscht het em en aagsäuslete Kolleg amene Niederämter Musigtag id Güügge gheit! Chöit ech jo vorschtöue, was das för nes Glächter das gää het!
Ebe dere Möschterli hani no meh zämetreit, so dass eg för diä meischte Kollege öppis Loschtigs ha chönne brichte, wo nem d Nöss ond d Mandarinli uf e Tisch gleit ha. S esch ämu emmer guät gange, ond diä wo net grad draacho si, hei sech mängisch fasch net chönne erhole vom Lache. Nome einisch esch es lätz gange. Nämli voni em Schriner Wisu gseit ha, är heigi schints mou en Sarg z läng gmacht, so dass d Sargträger ne net heige chönne is Grab abeloh. Jöö, der hättet däm sini Frou söue ghöre, was diä zu mer gseit het: net der Sarg seig z läng gsi. Sondern der Totegräber heigi s Grab z chlii usghobe gha!
En Musigkolleg het mi denn aagfrogt, öb i be ihm deheime net ou chönnt der Chlous cho mache. Aber eg söu de en liebere sii, als am Musig-Chlous-Obe. Das hani denn ou gmacht. Ond offebar so guät, dass mi nachhär no meh Kollege aagfrogt hei.
Ond schpöter hani denn no paarmou müässe bi de Naturfrönde der Chlous schpile. De hei mer aube d Müättere vorhär en Zettu ggäh, wo druffe gschtande esch, was d Cind öppe so boosget heige dor s Johr dore. Öppe mou esch gschtande, dass sie z vöu tüäge Färnseh luäge ond z schpoht is Bett göie. Aber eg has de net chönne onderlo, de Eltere o no d Chappe z potze. Sie söue haut e chlii Härti zeige ond net d Zögu lo schliiffe.
Es paar Johrzähnt lang hani de Ruäh gha. Wo denn aber der Sohn zwe Buäbe gha het, het mi d Schwiegertochter gfrogt, öb i net chönnti cho der Chlous mache. Sie het verschproche, sie luägi de scho för ne Kapuze. Jäno, hani dänkt. Ond a sälbem Obe hani die ältischte Hodle gsuächt, wo ni deheime ha chönne uufftriibe. De hani no Watte tömpft i der Schtämputinte ond ha mer diä ad Ougsbroue ond onder d Nase gchläbt. Ond wöu i dänkt ha, die cheibe Buäbe chönnte mi de doch no a de Schueh erchenne, hani diä ältischte Gummischtiefel aagleit, wo diä Buäbe ganz sicher no nie gseh hend. De no chli Ruäss a d Backe ond los hets chönne goh.
A der Hustöre vom Sohn hani met der Fuscht rächt heftig pouteret ond gliichzitig s Lüti dröckt. Vorsichtig esch d Töre uufgange; d Muätter het die beide Buäbe gschickt, sie öue go uufftuä. Eg ha dänkt, jetz schpringe diä beide Buäbe gwösss i einere Angscht dervo. Der chliner het sech henderem Rögge vom grössere verschteckt. Grad hani mit minere töifschte Schtimm wöua säge: «So Buäbe, heit der brav gfouget das Johr?», do zeigt plötzli der Grösser  uf mi ond esch vor Lache uf e Rögge glääge. «Der Grossvati, der Grossvati», het är gloggset. Der Chliner het mi nome ängschlech aaglotzet. Erscht wo der Grösser gloggset het: «Lueg doch emou d Uhr aa; das esch doch em Grossvati sini!», hets ou der Chliiner begriffe ond ou är esch uf e Rögge glääge ond het luut useglachet. Ond sie si erscht wieder uffgschtande, wo d Eltere d Schtääge ab si cho luäge, was es do z lache gäbi.
Eg ha wortlos de Sack mit de Gschänkli em Grössere i d Hand dröckt, ha d Kapuze abzoge, be is Bad, woni mi müehsam vo de Watte-Broue, em Schnouz ond vo der Schwärzi trennt ha, ond be i d Schtube trottlet, wo d Gschänkli scho verteilt worde gsi send.
Joo, ond sithär hani mi schtandhaft gweigeret, no ergendwo der Chlous z schpile!
 
November 2017, Schorsch


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Kommentare (4)

luchs35

Herrliche Schmunzelgeschichte, lieber Schorsch, und jetzt habe ich bemerkt, dani  au e chli Bärnerdütsch vrstohna 😉.

es Grüessli ond merci
Ute

rose42

Ich lebte mal 1/2 Jahr in Kreuzlingen und habe später mit meinem Mann einige Ski-Urlaube in der Schweiz verbracht. Im Urlaub ist die Verständigng ja kein Problem, aber bei meinem Job dort hatte ich wirklich Mühe, alles zu verstehen.
Aus Neugierde habe ich mir Deine Sämichlaus-Geschichte ausgedruckt, um sie in Ruhe zu studieren (lesen wäre übertrieben)..
Aber sollte mein Versuch mißlingen, kann ich ja immer noch Margit's Übersetzung lesen.
Grüße aus Bayern von Rosemarie.

margit

Für alle, die das Original nicht verstehen können, hier der Versuch einer Übersetzung ins Deutsche.

Viel Spaß bei Lesen wünscht Euch

Margit


Wie ich zum St. Nikolaus geworden bin
 
Als ich etwa fünfundzwanzig gewesen bin, hat mich mal der Präsident von unserer Dorfmusik gefragt, ob ich nicht den Nikolaus machen könnte am Nikolausabend von der Musik. Ich habe mich zuerst gesträubt und gesagt, dazu sei ich doch sicher noch zu jung. Aber der Präsident hat nicht locker gelassen und mir versprochen, er sorge dann schon für ein Kostüm und eine Nikolausmaske.
 
Jano, hab ich gedacht. Aber ich habe es nicht so machen wollen, wie vorher die anderen Nikoläuse , nämlich einfach die Nüsse und Mandarinen auf den Tisch werfen, ein paar schöne Worte sagen und wieder verschwinden. Darum habe ich von möglichst vielen Musikkameraden noch geschwind etwas Lustiges, was durchs Jahr hindurch passiert ist, aufgeschrieben. Der eine hat zum Beispiel mal bei einem Konzert die falschen Noten auf dem Ständer gehabt, so dass der Dirigent hat mit dem Taktstock abbrechen und dem armen Kerl vor dem Publikum sagen müssen, er soll die richtigen Noten vor sich legen. Und ein anderer hat mehrere Proben lang so schlechte Noten aus dem Horn gelassen, dass der Dirigent endlich zu ihm gegangen ist, dessen Es-Horn auf den Kopf gestellt und daran geklopft hat. Aber zuerst hat er gesagt, da käme ein gar grusliger Gestank heraus. Und was ist passiert? Eine halbe, verschimmelte Bratwurst ist beim Klopfen auf den Boden gefallen. Die Wurst hatte ihm ein angesäuselter Kollege an einem Niederämter Musiktag in das Horn gesteckt gehabt. Ihr könnt euch ja vorstellen, was das für ein Gelächter gegeben hat!
 
Von eben dieser Sorte habe ich noch mehr zusammengetragen, so dass ich von den meisten Kollegen etwas Lustiges habe berichten können, wenn ich die Nüsse oder Mandarinen auf den Tisch gelegt habe. So ist es immer recht gut gegangen, und die, die nicht grad mit einem Geschichtchen dran gekommen  sind, haben meist nicht mit dem Lachen aufhören können. Nur einmal ist es schief gegangen. Als ich nämlich zum Schreiner Wisu gesagt habe, er  hätte einmal scheint’s einen Sarg zu lang gemacht, so dass die Sargträger ihn nicht ins Grab hinab lassen konnten. Ja, da hättet ihr seine Frau schimpfen hören sollen, was die zu mir gesagt hat: Nicht der Sarg sei zu lang gewesen. Sondern der Totengräber hätte das Grab zu klein ausgehoben gehabt!
 
 
Ein Musikkollege hat dann später  bei mir angefragt, ob ich bei ihm daheim nicht auch den Nikolaus so machen könnte. Aber ich sollte dort ein lieberer sein als beim Musik-Nikolaus-Abend. Das hab ich dann auch gemacht. Und offenbar so gut, dass mich nachher noch mehr Kollegen angefragt haben. Ich hab mir sogar ehrlich schon überlegt, ob ich echt nicht auf Profi-Nikolaus umsatteln sollte. Wisst ihr, so eine Woche den Kindern Freude machen - und dann 51 Wochen Ferien! Da hätten ja auch die Lehrer vor Neid platzen müssen! Aber meine Familie hat gesagt, das ginge nicht; immer jede Woche einmal Hörnli und Gehacktes mit Apfelmus müsste mindestens schon drin sein. Deshalb hab ich tief geseufzt und darauf verzichtet!
 
Und später habe ich dann noch ein paar Mal bei den Naturfreunden den Nikolaus spielen müssen. Dazu haben mir aber die Mütter vorher einen Zettel gegeben, auf dem gestanden ist, was das Kind das Jahr über so angestellt hatte. Auf denen hat meist gestanden, dass sie zu viel Fernsehen gucken und zu spät ins Bett gehen.  Aber ich hab es nicht lassen können, den Eltern auch noch den Kopf zu waschen. Sie müssten halt ihre Kinder erziehen – und nicht umgekehrt.
 
 
Ein paar Jahrzehnte lang habe ich Ruhe gehabt. Als aber mein Sohn dann zwei Buben gehabt hat, hat mich die Schwiegertochter gefragt, ob ich nicht den Nikolaus machen könnte. Sie hat versprochen, sie würde dann schon nach einem Umhang mit Kapuze schauen. Janö, hab ich gedacht. Und am selben Abend hab ich die ältesten Klamotten  gesucht, die ich daheim hab auftreiben können. Dann habe ich noch Watte gezupft  und die auf die Augenbrauen und unter die Nase geklebt. Und weil ich gedacht hab, die schlauen Buben könnten mich gleich noch an den Schuhen erkennen, hab ich die ältesten Gummistiefel angezogen, welche die Buben ganz sicher noch nicht gesehen hatten. Dann noch ein wenig Rouge auf die Wangen und schon hat es los gehen können.
 
An der Haustür von meinem Sohn hab ich mit der Faust recht heftig gepoltert und gleichzeitig die Klingel gedrückt. Vorsichtig ist die Tür aufgegangen; die Mutter hat die beiden Buben geschickt, sie sollten aufmachen gehen. Ich hab gedacht, jetzt sprängen die beiden Buben in großer Angst davon. Der kleinere hat sich hinter dem Rücken des größeren versteckt. Gerade wollte ich mit meiner tiefsten Stimme  lospoltern: “So Buben, habt ihr dieses Jahr brav gefolgt?“, da zeigt plötzlich der Größere auf mich und kugelte sich vor Lachen, „Der Großvati, der Großvati“, hat er gekichert. Der Kleinere hat mich noch ängstlich angeguckt – und ich die beiden verdattert auch! Erst als der Größere gekichert hat: „Schau doch einmal die Uhr an; das ist doch dem Großvater seine!“ hat es auch der Kleinere begriffen und sich auch vor Lachen gekugelt und laut losgelacht und „der Großvati, der Großvati!“ geschrien. Und sie sind erst wieder aufgestanden, als die Eltern die Treppe herunter kamen um zu sehen, was es da zum Lachen gäbe.
 
Ich habe wortlos den Sack mit den Geschenken dem Größeren in die Hand gedrückt, hab den Umhang mit der Maske ausgezogen, bin ins Bad , wo ich mir mühsam von den Watteaugenbrauen, dem Schnauzer und vom dem blöden Rouge auf den Wangen mittels Seife und Wasser getrennt hab, und bin ganz deprimiert ins die Stube getrottelt, wo die Geschenke schon verteilt worden waren.
 
Ja, das ist dann wirklich das Ereignis gewesen, wo ich mir gesagt habe, dass ich mir das mit dem Profi-Nikolaus in den Schornstein schreiben muss. Und seither habe ich mich standhaft geweigert, noch irgendwo das Nikolauskostüm anzulegen. Allerdings ist mir das auch nicht allzu schwer gefallen. Schließlich habe ich ja auf der A rbeit genug den Nikolaus – oder gar den Bölimaa – spielen dürfen!
 
Aber manches Mal wäre ich schon froh, wenn ich durch das Jahr hindurch so einen großen Nikolaussack bei mir hätte, wo ich gewisse Lausbuben hineinstecken könnte, wie zum Beispiel den Urani Peter, wenn er mir wieder in der  Migros heimlich etwas in meinem Einkaufswagen versteckt, was ich gar nicht hätte kaufen wollen. ja nun, Max und Moritz haben wir schon früher gehabt. Das Pünktchen auf dem „i“ darf jetzt der UP sein!
 
So, das wär’s gewesen. Jetzt wünsche ich noch einen schönen Grittibänz.*
 
* Stutenkerl, Dambedei, Weckemann, Klausenmann, Grampus:
Gebäck aus Hefeteig in Form eines Männchens
 
 
 
Bildquelle: Albärt aus als
https://de.wikipedia.org/wiki/Stutenkerl#/media/File:Baselmann.jpg
 

 
 
 
 
 
 

 

APet

Leider chani nid so guet Dialekt schriibe. 
Aber die Gschicht het mer gfalle.
Es anders Mal eifach nid vergässe
d' Uhr abzieh. De wirds de scho klappe. emoji_laughing
 


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