Wir und unsere Vorgärten!


Wir und unsere Vorgärten!

Es gibt Menschen, die tun alles, um den Kampf gegen das Unkraut auf dem eigenen Grundstück zu gewinnen.
Das gehört nun mal zum Garten-Alltag dazu. Wenn ich bei uns mal so durch unsere Dörfer und Kleinstädte wandere, erfasst mich ein unsägliches Grauen. Immer mehr und immer öfter sehe ich dann die neuen, modernen Gärten, die nicht mehr wie solche aussehen, sondern eher wie Gedenkstätten von ehemaligen KZ’s.
        So viel tristes Grau sah ich in den ganzen fast neun Jahrzehnten meines Lebens noch nicht. Es scheint, dass irgendjemand einen neuen Gartenratgeber veröffentlicht hat unter dem Titel »Der germanische Garten in heutiger Zeit!«  Dort wird dann genauestens beschrieben, wie jedes »Unkraut« und jedes Insekt restlos und ohne Mühe ausgemerzt werden kann. Und wie es bei uns üblich ist, nimmt dann auch die Zahl der »modern-garden-fans« schnell zu - weil man ja immer up-to-date sein muss!
        Es ist ein Vernichtungsdrang, der den deutschen Hausbesitzer dazu zwingt, in kollektiver Gemeinschaft die Natur auf den Urzustand zurückzuführen, mitten hinein in das absolute Chaos!
        Das aber ist eine total hässliche und naturfeindliche Einstellung, die kein normal denkender Mensch nachvollziehen kann! Diese, ich wage es kaum, das Wort in den Mund zu nehmen, »Natur-Steingärten« verdienen es nicht, überhaupt beachtet zu werden. (wenn man es im Lauf dieses meines Artikels nicht müsste.)
        Kann jemand mit gutem Gewissen sagen, dass solch eine lebensfeindliche Steinwüste den Namen Garten überhaupt verdient? Hier singt kein Vogel, hier summen keine Bienen und Hummeln; denn auch die Alibi-Bonsais werden nicht beachtet. Die fristen ihr armseliges Leben ebenfalls in einer Welt, die im Grunde genommen die Natur überhaupt nicht braucht - und nicht will!
         Sollte sich doch mal ein Vogel dorthin verirren, dann nur, weil es einen Nachbarn gegenüber gibt, der diesen steinernen Irrsinn nicht mitmacht! Jede Katze, die gehalten wird - und weil man ja so tierlieb ist - schaut sehnsüchtig zu den Zweigen der entfernt stehenden Bäume und denkt wahrscheinlich eher an Suizid als an Vogelzwitschern.
        Wenn ich in der Nachbarschaft solcher hochstehend-kultureller Menschen leben müsste, würde ich noch nicht einmal aus dem Fenster schauen. Wer will denn so etwas sehen? Gibt es da wirklich Anhänger solcher Schottergarten-Wüsten? Ich kann es mir nicht vorstellen - sicher bin ich da nicht, denn immerhin befürworten 80% aller Menschen, dass Bienen u.a. Insekten geschützt werden müssen ...
        Eines aber muss ich den Menschen aber zugestehen, die solche Wüsteneien lieben, denn die haben eine große Tradition! Sie gehen zurück auf das Frühjahr 1945, als in ganz Deutschland die Vorgärten ein einheitliches Bild boten.

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©2020 by H.C.G.Lux

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Kommentare (4)

Rosi65

Hallo Pan,

diese Schottergärten des Grauens wurden hier in NRW (Dortmund-Hombruch und Wickede) zum Glück bereits verboten. Abgesehen von der hässlichen Optik findet die heimische Tierwelt dort weder Nahrung noch Brutplätze, und das Artensterben von Singvögeln, Bienen, Schmetterlingen, Igeln und Insekten wird somit noch verschlimmert. Ohne Mutterboden wird auch kein Wasser, sondern nur Wärme gespeichert. Die zusätzliche Wärmespeicherung belastet zusätzlich das Umweltklima in den Städten.
Jeder Unkraut-Garten ist sinnvoller als eine Steinwüste!

Herzliche Grüße
  Rosi65

ehemaliges Mitglied

Hallo Pan,
da hast Du leider vollkommen Recht, das sind Stein- oder Schotterwüsten, auf denen nichts mehr wächst oder lebt. Ein wirklich trauriger Anblick. Wenn ich so etwas sehe, blutet mein Gärtnerherz.😢 Auch ohne viel Aufwand und Kosten ist so ein Stückchen Land insekten- und eigentümerfreundlich zu gestalten. Und wenn man es nur mit einem Bodendecker und ein paar insektenliebenden Sträuchern bepflanzt, wäre es schon weitaus wertvoller für die Umwelt. Und das Geld, welches man hier in die Folie und den Schotter investiert hat, hätte man schon für die Bepflanzung ausgeben können.
Ich finde es übrigens richtig, dass solche Totflächen in vielen Gemeinden schon verboten werden sollen.

ehemaliges Mitglied

@Juttchen
danke für die Herzchen, lieber Pan und liebe Ladybird.
Es grüßt herzlich
Jutta

Manfred36

Immer mehr Kommunen machen Aktion gegen solche Gärten, bis hin zu Verboten im Neubaubereich und sogar Bezuschussung der Bepflanzung. Auch die Abwasserkosten werden darauf abgestimmt. Allerdings greifen auch manche Hausbesitzer zu dieser Lösung, weil sie zu einer Grün-Gestaltung nicht (mehr) in der Lage sind. Das Gegenteil von Verschotterung findet sich teilweise in meinem Wohn-Carrée. Da wird dem Wildwuchs einfach Bahn gelassen.


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