Wohin?

Wolken im hohen Himmelsblau
wallen in sanftem Schweben,
mal flockig-weiß, mal regengrau
in dauerndem Durchweben
ständig erschaffend neue Form
nach eines Meisters Plane,
dessen göttlich-geheime Norm
man nie jemals erfahre.
Wohin geht eure Reise?

Vögel im frischen Ätherwind
fliegen in weiten Kreisen,
die herrlich anzuschauen sind
in ihren schwungvoll leisen
formschönen Rhythmen und Zügen,
wie sie in heiterem Spiel
mit schier sichtbarem Vergnügen
hinstreben zu ihrem Ziel.
Wohin geht eure Reise?

Fische in des Meeres Tiefe,
flink und wendig folgen sie
einem unhörbaren Rufe,
dessen heimliche Regie
Führung erfährt von einer Macht,
die in diesem Element
mit Weisheit über alles wacht,
ihnen klare Richtung nennt.
Wohin geht eure Reise?

Steine von der Berge Höhen
stürzen schwer hinab ins Tal
hin zum Fluss mit lautem Dröhnen,
lagern dort als Material,
bis Sturzfluten sie mitreißen,
weit durchs Land bis hin zum Meer,
einstmals wird die Frage lauten:
Wie wohl kamen sie hierher?
Wohin geht eure Reise?

Menschen auf den Erdenwegen
rennen hin und rennen her,
suchen nach dem Sinn im Leben,
aber irren nur verquer,
haben längst ihre Verbindung
zum Göttlichen zerschnitten,
finden nunmehr keine Richtung,
doch Gott wird sie nicht bitten!
Wohin, Mensch, geht DEINE Reise?

© Syrdal 2015

 


Anzeige

Kommentare (8)

Manfred36


Wo steckt es wohl, das höchste Prinzip?
Alles wirkt zusammen in einem offenen Selbstregelmechanismus.
Die (in unseren Augen) tote Natur, die lebendige und das Bewusstsein (der Geist).
Wir reflektieren die Abläufe der Vergangenheit, so weit wir sie erkennen.
Sie sind der Weg all dessen was war und bergen auch gewisse Algorithmen.
Der Augenblick ist das Dasein, der Weg. Wir versuchen es/ihn zu orten.
Wir wollen im Regelkreis natürlich wirken und setzen unseren Erkenntnis-Geist ein.
Daraus entsteht im Kreislaufgeschehen auch neues Gefüge.
Wir eruieren, was wir kaputt machen und wie es vielleicht doch besser laufen kann.
Alles Lappalien im großen Geschehen, aber interessant im Ablauf für unser Bewusstsein,
(auch für andere Bewusstseinsformen in der Natur).
Im Großen und Ganzen sogar schön, weil in endlos neuer Bewegung und Form.

Mit Demut
Manfred

Syrdal

@Manfred36  

Interessant, deine Betrachtung zur Frage des „Wohin?“, die alles Geschehen in seinem allumfassenden und auch vernetzten Zusammenhängen sieht und – so wie du es im Grußwort getan hast – im Erkennen-wollen zur Demut führt.

...mit solcher grüßt dich dankend
Syrdal
 

ladybird

Lieber Syrdal,
in meiner Lebensmitte hat mich an einer Kreuzung, eine "Fügung" einen richtigen Abzweig finden lassen...zunächst war ich unsicher, habe es nie bereut, meine Unsicherheit zu überwinden und habe mich vom Glück begeliten lassen.
Diese Erinnerung wurde mir wieder bewußt bei Deiner Frage:
"WOHIN"....
"Der Weg war das Ziel" (Konfuzius)
mit Freude und Dank  gelesen
von Renate

Syrdal

@ladybird

Liebe Renate, wer solch Positives wie du von seinem Lebensweg berichten kann, darf sich wirklich glücklich schätzen, denn viele, sehr viele Menschen suchen, aber finden nicht…

Danke für deine Darlegung zum ganz individuellen Erleben sagt
mit lieben Sonntagsgrüßen
Syrdal
 

Pan

Entweder wir finden einen Weg oder wir schaffen einen!
(Hannibal Barkas, 246 v.Ch.)


Wohin er dann führt, ist völlig gleich, denn jedes Zögern bedeutet "Stehenbleiben"! - (Da spreche ich aus eigenen Erfahrungen). 
Wohin geht der Weg? Eine Frage, seit Tausenden von Jahren gestellt und nie voll beantwortet! In Deinem wunderbaren Gedicht zeigst Du uns diverse Bilder, die zwar schön sind, dennoch dem Menschen auf seinen Pfaden nicht weiterhelfen können.

Ich selbst lebe nach der Devise , die Franz Kafka einmal ausgesprochen hat:
Wege entstehen dadurch, das man sie geht!

Mit Sonntagsgrüßen von 
Horst

 

Syrdal

@Pan  

Lieber Pan, es gibt wohl keine allgültige bzw. endgültige Antwort auf die Frage des „Wohin“, die ich im Gedicht in mehrfacher Sicht aufgeworfen habe. Doch nehme ich für die Menschen gerne das von dir zitierte Kafka-Wort an und vor allem ist plausibel und richtig, dass jedes Zögern unbedingt im Stehenbleiben mündet, denn „Wer rastet, der rostet!“

Ebenso mit Sonntagsgrüßen von
Syrdal
 

Roxanna

Das ist ein wunderbares Gedicht, lieber Syrdal. Wer seine Bestimmung kennt, hinterfragt und zweifelt nicht, sondern überlässt sich dem Fluss des Lebens. Wohin die Reise gegangen ist, erfahren wir, wenn sie zu Ende ist.

Dein Gedicht hat mich berührt. Herzlichen Dank und liebe Grüße verbunden mit guten Wünschen für den morgigen Sonntag

Brigitte

DSC04767.JPG

Syrdal

@Roxanna

Danke, liebe Brigitte, das ist eine sehr feinsinnige Einschwingung in das Fragen-Gedicht, so ganz nach deiner Art. Und richtig, wohin die Reise geht, erfahren wir erst am Ende… oder am Anfang, denn das Ende des Erdenweges ist nicht ein Erlöschen, sondern ein Überleuchtetwerden von höherer Kraftfülle.

Mit dieser schönen Aussicht wünsche ich dir einen wunderbaren Sommersonntag und grüße fröhlich in den Süden
Syrdal
 


Anzeige