Zaungast des Lebens


Kiebitzen kennen wir vielleicht vom Schachspiel, vom Kartenspiel, aber ich denke dabei an das Spiel des Lebens. 
Ich stehe am Zaun und schaue zu, allzu gerne würde ich über den Zaun klettern und mitspielen, aber der Zaun ist zu hoch und es bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterhin zuzuschauen oder mich abzuwenden und mich zu fragen: kann ich auch ausserhalb dieses Spiels Mensch bleiben?
So verhält es sich mit dem Gefühl nicht eigentlich dazu zu gehören. Man könnte es vergleichen
mit einem Kind, das versucht ein Blatt zu fangen, das mit dem Wind über eine Wiese weht, 
so sehr sich das Kind bemüht, das Blatt zu erwischen, es gelingt ihm nicht. Wie gerne würde es
das Blatt in den Händen halten, sein Leben mit ihm teilen, aber es bleibt ihm versagt. Und irgendwann wird ihm  bewusst: ich habe viel erlebt, unterschiedliche Menschen kennengelernt, doch das Blatt, hinter dem ich herjage,  nie erreicht und trotzdem bin ich ihm treu geblieben. 


 
 
 


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Kommentare (4)

Manfred36



Der Eindruck, dass das Leben uns am Rand hat stehen lassen, bedrückt so viele. Aber die Frage „kann ich außerhalb des Spiels Mensch bleiben“ dürfen wir uns nicht stellen. Das Persönliche besteht zu einem Großteil im Suchen und auch Träumen. Du hast so schön und melancholisch beschrieben, dass uns das nicht verloren geht, während Andre, die „mitspielen“ ihr Glück vielleicht schon längst verspielt haben.

R. Schock:
Und oft schon dacht' ich, ich packe das Glück
Doch immer nog zog mir's die Patschhand zurück
Da hab' ich geweint und gelacht.

Ich bin nur ein armer Wandergesell,
Gute Nacht liebes Mädel, gut' Nacht
Rose
 

Roxanna

Deine Zaungast-Geschichte, liebe Monique berührt mich sehr. Ich empfinde das auch so, dass wir immer wieder im Leben nur Zaungast sind und dem Spiel der anderen zuschauen. Das kann viele Gründe haben. Manchmal müssen wir Zaungast sein um uns selber treu zu bleiben, ein andermal beherrschen wir vielleicht das Spiel nicht und können nicht mitmachen. Ich habe das Bild im Kopf der spielenden Kinder. Ein Kind wird ausgeschlossen, es darf nicht mitspielen, warum auch immer. Vielleicht, weil es anders ist als die anderen und weil es "nicht mit den Wölfen heulen kann". Das kann eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein. Mir kommt da eben auch ein Zitat von Anthony de Mello in den Sinn:


"Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er läßt sich auf deiner Schulter nieder".

Vielleicht ist es mit dem Blatt ähnlich. Über deine Geschichte, liebe Monique könnte man lange philosopieren, es ist ein tiefes menschliches Thema.

Liebe Grüße
Brigitte

Delia

@Roxanna  


Ich danke Dir, liebe Brigitte,  für Deinen einfühlsamen Kommentar.  
Wenn man verstanden wird, fühlt man sich zugehörig.
Der Schmetterling hat sich ein Moment lang auf meine Schulter gesetzt.
Alles Gute zum neuen Tag, Monique







 

HeCaro

Wir alle sind sowohl Zaungäste als auch Akteure des Lebens.
Mal bestimmen wir das Geschehen, agieren. greifen ein und nehmen teil.
Mal blicken wir nur über den Zaun, um zu sehen was die Anderen so treiben.
Manchmal nur passiv und manchmal mischen wir uns ein.

Das Leben ist Veränderung (Falco)

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du das "Blatt" doch noch erreichst.
Es ist  nie zu spät für die Erfüllung derTräume-

Liebe Grüße, Carola


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