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Zuhören

Das Zuhören, es ging verloren –
Konversation per Tastendruck
statt Stimmenklang von Mund zu Ohren
gemeinsam mit der Augen Blick.
Den Worten fehlt jegliche Schwingung
im elektronischen Verkehr,
der Töne Klang ist Grundbedingung
für‘s Zuhören –  das fehlt oft sehr!


© Syrdal 2020


 


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Kommentare (14)

Tulpenbluete13

Lieber Syrdal

wie recht Du doch hast...
Beispiel: Jedesmal wenn ich mal wieder mit dem Zug unterwegs bin- wäre ich froh wenn mein Nachbar (in) ein paar Worte mit mir wechseln würde. Von 10 Zugfahrten sind es vielleicht zwei die ein paar Worte mit mir plaudern. Die anderen schauen in  ihr Handy oder in ihren Laptop.. Wie schade.... Manchmal bekomme ich nicht mal eine Antwort auf meinen Gruß beim Platznehmen. Es ist wirklich schlimm.....
Die Liste der Beispiele könnte ich fortsetzen und sie würde lang.. deshalb lasse ich es..
Arme sprachlose Welt....

meint mit einem lieben Gruß zum Wochenende
Angelika

Syrdal

@Tulpenbluete13

Liebe Angelika, das alles ist Ausdruck der vor allem durch die allseitige Digitalisierung bewirkten Wandlungen, auch im persönlichen Umgang miteinander. Ändern kann man es nicht, man kann nur sein eigenes Verhalten entsprechend einrichten und ab und an selbst den Versuch unternehmen, ein Gespräch anzuknüpfen. Manchmal gelingt es noch, aber es ist nicht leicht, weil man den anderen ja in seiner Digitalwelt stört… Es bleibt uns also nur, mit all diesen Erscheinungen zu leben.
Es ist eben so wie es ist…


...dennoch wünscht dir ein frohes Wochenende
Syrdal

 

Christine62laechel

Lieber Syrdal,

die Sache ist nicht ganz neu. In einem Gedicht aus dem Jahr 1894 kann man lesen (ungefähr):
"Sprich weiter... Nach einem solchen Gespräch sehnte ich mich jahrelang. Sprich doch weiter, niemand kann uns hören, deine Worte bringen mir Ruhe..."

   Natürlich war das ein Liebesgedicht, doch auch ein herkömmlicher Dialog kann die beiden Vorteile mit sich bringen: Erstens, dass man sich da sicherer fühlen kann, wenn nicht gerade in der Cyberspace. :) Und zweitens, dass dieser "zwischenmenschlicher Kontakt" wirklich beruhigend wirken kann. Man spricht - und die andere Person hört zu. Dann - umgekehrt. Zuhören drückt ja Respekt aus.

Mit Grüßen
Christine

Syrdal

@Christine62laechel  

Aber ja, liebe Christine, das Zuhören ist ja unmittelbar verbunden mit der Sprache des Menschen. Die Sprache hätte sich nicht entwickeln können, wenn die Kreatur daneben nicht auf die Laute gehört hätte. Und genau dies hat sich im Laufe der Evolution immer weiter verbessert.

Das von dir erwähnte Gedicht ist mir leider nicht bekannt, aber ganz sicher hat es schon in früheren Zeiten philosophisch-kulturelle Überlegungen zum Phänomen „Zuhören“ gegeben. Dass wir es derzeit verlernen, zumindest vernachlässigen, liegt wohl an der Schnelligkeit und an der damit verbundenen Reizüberflutung.

Erst kürzlich habe ich bei einer Schülervorstellung beobachtet, dass viele der Jugendlichen sehr, sehr schnell sprechen, dabei undeutlich artikulieren und deshalb für den Zuhörer (und ich höre sehr gut!) nur schwer und oft gar nicht zu verstehen sind. Hingegen waren die wenigen langsam Sprechenden klar und deutlich zu vernehmen.

Bei den so sehr schnell Sprechenden kam ich mir vor wie ein Aphasiker, der gesprochene Laute erst „verarbeiten“ kann, wenn sie langsam dargeboten werden, weil die gestörten Sprachleitungen im Gehirn das Sprachzentrum erst über Umwege erreicht und deshalb mehr Zeit brauchen, bis sie ankommen und verstanden (verarbeitet) werden können.

Bei Liebenden funktioniert das gegenseitige Zuhören zumeist wunderbar, aber bei allen anderen gehört in der Tat Respekt und Aufmerksamkeit dazu, um ein Gespräch wirklich zu einer umfassenden Verständigung zu gestalten.

Zum Abend grüßt dich
Syrdal
 

Pan

Lieber Syrdal,
ich habe oft das Gefühl, dass unser »Zuhören« irgendwann nur noch zum antiken Teil der Kommunikation zählen wird. Wenn jeder nur noch seine eigenen Lettern aufzeigt, wo gibt es dann noch etwas zum Zuhören?
Bereits jetzt wird die Kommunikation auf ein Maß herabgesetzt, dass viele Worte überflüssig macht. Und für »Gefühle« jedweder Art setze ich dann ein »Emoj« und mein Gegenüber weiß angeblich, dass ich mich langweile oder überrascht bin oder ihn zum Teufel wünsche!
Zuhören bedarf eben vordringlich der Sprache!
»... den Worten fehlt jegliche Schwingung im elektronischen Verkehr...«
So benanntest Du es völlig richtig! Wie wahr! Ich kann es daher leider nicht so sehen wie Kristine, denke aber, dass dies kein Fortschritt sein kann, sondern ein Schritt in die alte Welt der Zeichensprache.

Ich höre Dir zu!
Ist das nicht ein Wort, das unter die Haut geht?
Emotionen werden wach, die beim Lesen nur unterschwellig zum Tragen kommen können.
Für mich liegen zwischen Lesen und Zuhören Welten!
Ich lese wirklich gern, unbenommen, aber ganz sicher nicht als Kommunikationsform!
Und »der Töne Klang« ist mehr als ein Geräusch von animalischer Herkunft ...
Einen schönen Abend wünscht Dir
Horst

Syrdal

@Pan

Nun, lieber Horst, wir könnten lange und tiefgründig über das „Zu-Hören“ philosophieren. Du hast ja in deinem Blog so manches angesprochen. Unser Sein ist in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten, so unsagbar schnelllebig geworden.

Als ich Mitte der 1960er Jahre aus dem beschaulichen Weimar nach Berlin gerufen wurde, erfuhr ich bereits einen Schock ob des sehr deutlichen Schnelligkeits-Unterschiedes. Nun gut, ich war jung und habe mich rasch an die auch damals schon spürbare Hektik der Großstadt gewöhnt. Aber zur Jetztzeit ist das kein Vergleich… (Mit dem schnellsten Auto fuhr man etwa 100 km/h)

Wer nimmt sich heute noch Zeit für ein tiefgründiges Gespräch, wer verfügt noch über die Gabe des geduldigen Zuhörens, gar des ehrlich interessierten, achtsamen Zuhörens? Wer lässt die Meinung des Gegenübers vorbehaltlos gelten, achtet sie, nimmt sie auf, denkt darüber nach und reflektiert sie?

Was haben wir doch für wunderbare Abende verbracht in Jugendzeiten z.B. nach der Theaterpremiere im Club der Intelligenz oder im Sommer draußen im Clubhaus unserer Tennisgemeinschaft. Stundenlang haben wir oft bis weit nach Mitternacht miteinander gesprochen, erörtert, verglichen… haben neue Gedanken entwickelt, ja auch Visionen formuliert. Alle Jungs und Mädels (damals war auch meine spätere Frau mit dabei) waren gleich, jedes Wort wurde gehört und angenommen, nichts wurde einfach abgeschmettert…


Bei aller Freude, solches viele Jahre erlebt zu haben, schmerzt es mich heute, dass es das nicht mehr gibt. – Ja: „Ich höre dir zu!“ - ein ungemein gewichtiges Wort, das Herz und Seele verbindet...

Tun wir das uns noch Mögliche, das einander Zuhören zu pflegen. Vielleicht bleiben wir manch einem so in guter Erinnerung.

Freundliche Abendgrüße zu dir von
Syrdal

 

Pan

Ohne Frage: Absolut Deiner Meinung - weil ich Deine Schilderung ebenso erlebt habe -und noch immer erlebe ...
Nehmen wir uns selber ernst
und hören wir zu!
g'night
Horst
 

Roxanna

Weil die sinnliche Wahrnehmung fehlt, lieber Syrdal, sind Internet-Kontakte immer begrenzt. Da geht vieles verloren, wie du es in deiner Marginalie beschreibst. Wenn man sich nicht persönlich kennt, ist auch die "Gefahr" sich misszuverstehen viel größer und weil nicht gleich nachgefragt und eventuell geklärt werden kann, bleibt es manchmal so stehen. Häuft sich das, zerbrechen solche Kontakte auch relativ schnell. Das Interesse, Konflikte zu klären, ist auch nicht immer da, man bleibt dann einfach auch schon mal weg und macht sich unerreichbar. Trotzdem ist auch guter und interessanter Austausch möglich, halt eben mit gewissen Einschränkungen. Der Kontakt über das Internet kann immer nur etwas zusätzliches sein zu den Kontakten, die man in seinem persönlichen Umfeld hat.

Herzlichen Gruß
Brigitte

werderanerin

Liebe Brigitte,

ich stimme dir zu und möchte ergänzen, dass die Zeiten sich gewandelt haben und oft kommt es mir so vor, als wenn die "Alten" irgendwie auf der Strecke bleiben..., gar nicht mehr folgen können, zu viel strömt auf einen ein.

Hier denke ich, muss man auch eine gewisse Gabe haben und da hat die Überschrift von Syrdal ..."Zuhören können"... schon auch heute eine Bedeutung, nur ist sie mit alten Zeiten eben nicht mehr zu vergleichen und anders !

Änderungen tun immer auch irgendwie weh, man vermisst hin und wieder "Altes/Bewährtes", fragt sich, warum muss das alles so und nicht anders sein...aber das ist das Leben, mit all seinen Facetten, denke ich.

Ich sehe es auch positiv, gibt uns doch z.B. das Internet die Möglichkeit, auch weiterhin am Leben teilzuhaben, auch wenn man z.b. durch irgendwelche Einschränkungen nicht mehr raus kann...es ist doch schön, man kann auf anderem Wege miteinander kommunizieren aber eben auch "zuhören", nur ist es hier eben das Lesen...!

Natürlich kann man einen Menschen hier im Netz nicht "kennen" aber man hat Vorstellungen und weiß sehr wohl, wer einem gut tut und wer nicht.
Auch eine feinere Art des Zuhörens..., denke ich ...eben so ganz anders !

Kristine 

Roxanna

@werderanerin  

Danke, liebe Kristine für deine Erläuterungen. Wie alles hat eben die Kommunikation über Internet auch zwei Seiten. Man könnte nun sagen, besser als nichts, das wäre aber zu negativ. Der Nachteil, um das noch einmal zu wiederholen ist, dass ich mir von dem Gegenüber nur ein sehr eingeschränktes Bild machen kann, weil die sinnliche Wahrnehmung fehlt. Auch ein Foto kann das nicht ersetzen. Ich habe mal von einer Studie gelesen, mit der festgestellt wurde, dass, ohne einen Menschen mal persönlich kennengelernt und gesehen zu haben, wir nur einen kleinen Bruchteil von ihm wahrnehmen können. Man weiß auch nicht immer wirklich, ist der Mensch mir wohlgesonnen oder nicht, denn man kann sich beim Schreiben auch sehr viel vormachen und das kann lange dauern, bis man es merkt.

Was das zuhören in der Begegnung angeht, so denke ich, hat es auch sehr viel mit dem Wesen des Menschen zu tun. Ist er empathisch, wendet er sich wirklich zu, ist er interessiert usw. Ein Mensch, der sich vor allem nur für sich selbst interessiert, wird es wohl kaum können. Ich denke aber auch, dadurch dass die Menschen heutzutage von so vielem abgelenkt werden, können sie es immer weniger. Umso kostbarer ist es, einen solchen Menschen zu kennen. Natürlich muss das auch auf Gegenseitigkeit beruhen.

Herzlichen Gruß und ein schönes Wochenende

Brigitte

 

werderanerin

Ja, liebe Brigitte, ich selbst bin auch ein "Sinnesmensch", weil wir einfach auch dazu "gemacht" sind...und das ist auch schön so.

Im Übrigen möchte ich behaupten, dass im "wirklichen" Leben nur die Wenigsten zuhören können..., das ist nämlich auch wirklich eine Gabe und Charaktereigenschaft, die man nur selten findet !

Ein tolles Wochenende wünscht

Kristine aus dem kalten aber sehr sonnigen Brandenburgischen ! 

Syrdal

@Roxanna

O ja, solches Missverstehen habe ich selbst hier im ST auch schon erlebt, wenngleich es bislang gottlob rasch ausgeräumt werden konnte. Aber das wird wohl in anderen Fällen nicht immer so sein und dann bleibt ein fahler Nachgeschmack… leider.
Und doch ist es für viele Menschen eine wunderbare Gelegenheit, sich über das Medium Internet (anderes kann ich nicht beurteilen, weil ich weder bei Facebook oder Twitter oder Instagram usw. beteiligtes Mitglied bin) zu verbinden, sich gedanklich auszutauschen und überhaupt in Kontakt zu kommen. Das möchte ich nicht mehr missen… Doch das Zuhören, das Aufnehmen der Stimme und sich beim Kommunizieren an-sehen zu können, das fehlt...

Danke für deine Sicht zum Thema „Zuhören“ und
liebe Abendgrüße in den schönen Schwarzwald von
Syrdal

 

werderanerin

So ist es wohl, lieber Syrdal...es ist eigentlich durch die Digitalisierung sehr viel Zwischenmenschliches verloren gegangen...unser Gegenüber wird nicht selten mit den Tasten erreicht, wie gerade jetzt in diesem Augenblick eben auch.

Ich denke aber, dass wir alle hier uns niemals kennengelernt hätten, wenn's diesen Fortschritt nicht geben würde..., sicherlich ist das Persönliche nicht da aber ich bin dankbar für all die lieben Menschen hier im ST , die ich hier vielleicht , auf eine andere Art und Weise kennenlernen durfte und hoffentlich auch noch werde !

Kristine

Syrdal

@werderanerin

Liebe Kristine, das Internet – die Digitalisierung überhaupt – ist freilich ein großartige Möglichkeit für vielfältige Kontakte, die vielen Menschen in anderer Weise niemals möglich wären. Ich nutze sie ja ebenso gerne wie du und wie viele andere User hier auch und bin dafür auch sehr dankbar. Es sind aber dennoch immer nur „synthetische“ Kontakte, die erst wirklich „lebendig“ werden können, wenn man sich auch im richtigen Leben begegnen kann, wenn man miteinander von Angesicht zu Angesicht sprechen kann, den Klang der Stimme hören und die ganze Physiognomie des anderen aufnehmen und erleben kann und somit eben auch aufmerksam und interessiert „zuhören“ kann. Es geht in meinem kleinen Gedicht um den Verlust des Zuhörens… und diesen Verlust bedauere ich seit langem sehr, insbesondere, seit ich ganz alleine lebe – bei allen wirklich sehr angenehmen Internetkontakten.

Danke für Deine Einlassung und liebe Grüße von
Syrdal

 


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