Zum Beethovenjahr 2020


Zum Beethovenjahr 2020

Nachdem ich am Neujahrstag die TV-Sendung „Diesen Kuss der ganzen Welt“ gesehen hatte, wurde mir wieder bewusst, dass Beethoven weltweit der berühmteste Komponist aller Zeiten ist.
Das veranlasst mich, zum Beethovenjahr 2020 nachstehende Geschichte zu erzählen.

Es war im Herbst 2012 als wir wieder einmal ein Wochenende in Bonn verbrachten.
Der Abend verbreitete schon herbstliche Kühle, sodass wir uns tief in unsere Jacken kuscheln mussten.
Vom Hotel aus schlenderten wir am Rhein entlang, auf dem leichter Nebel waberte, und dann weiter durch die hell erleuchteten Straßen, vorbei an Beethovens Geburtshaus. Vor seinem Denkmal am Münsterplatz hielten wir inne. Und während ich ehrfürchtig die Statue betrachtete, packte mich wieder die Erinnerung an einen gewissen Abend vor langer Zeit.


Als sich meine Mutter damals zu einer Kur in Bad Tölz aufhielt, war das für mich die Gelegenheit, Robert zum ersten Mal einzuladen. Zu meiner Überraschung hatte er Schallplatten mitgebracht, von denen ich eine auswählen durfte. Da ich fast nur Opern- und Operettenmusik kannte, war ich neugierig auf Ludwig van Beethoven und entschied mich für seine Neunte Symphonie.
Ich sah Robert wieder vor mir, wie er die Schallplatte auflegte, sah, wie er den Tonabnehmer etwa an die Stelle führte, wo das Adagio beginnt, sah, wie sich sein Gesichtsausdruck veränderte und er in die Musik eintauchte. Ich folgte ihm, langsam, bis mir schließlich das „Seid umschlungen, Millionen“ fast den Atem nahm und uns beide lange schweigen ließ.

 „Hehe, jetzt nicht wieder träumen“, flüsterte Robert grinsend und holte mich in die Gegenwart zurück. Ach, ich wusste ja, dass er meine Gedanken immer lesen konnte…
Und während wir plaudernd weiter durch Bonns Straßen gingen, erschrak ich, als plötzlich eine Lichtgestalt über uns zu schweben schien.
Ludwig van Beethoven persönlich. Ich glaubte, schon wieder zu träumen, aber er war es wirklich. Wie aus einer anderen Welt schaute er von der 1.Etage eines Modehauses auf uns herab.
Du schöner Götterfunken, jetzt werde ich Dich festhalten, bevor es Tag wird und Du entschwindest, dachte ich und zückte die Kamera.


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Kommentare (9)

Muscari


Ihr Lieben,
danke wieder für Eure Herzen und die vielfältigen Kommentare, die mich sehr berührt haben.
Um jedoch nun Beethoven von einer anderen Seite kennen zu lernen, einer Seite, die ich sehr amüsant finde, stelle ich hier mal den Link zu einem Video ein.
So hören und sehen wir seine 5. Symphonie mal auf eine ganz andere Art.

Viel Vergnügen und liebe Grüße von
Andrea

https://www.youtube.com/watch?v=vcBn04IyELc&feature=youtu.be
 

indeed

Liebe Andrea,

sehr eindrucksvoll hast du hier über deine "Beziehung" zu Beethoven geschrieben und es ist eine Freude zu lesen.

Halte dein Traumbild fest, welches du als so real empfunden und "gesehen" hast. Nicht alle erleben es. . .

Ein feiner Beitrag von dir zum Beethovenjahr. Das Werk, welches ich von ihm zuerst hörte war die Unvollendete und sie hat mich in einer Form berührt, und mich total runter zog, Es war richtig schmerzvoll  und so mied ich ihn für lange Zeit. Dabei gibt es von ihm so viele schöne Werke . . ., belebende, sanfte etc. 

Herzliche Grüße zu dir verbunden mit einem harmonischen und beschwingten Wochenende für dich
wünscht dir Ingrid

 

HeCaro

Liebe Andrea,
ich bin begeistert von Deiner ersten Begegnung mit dem Ludwig van..
D (S)eine Zauber binden ( halt immer) wieder.... lächel.
Was für eine schöne Erinnerung. Danke, dass Du sie mit uns teilst. 

Liebe Grüße, Carola

Tulpenbluete13

Liebe Andrea

was für ein Gänsehaut-Erlebnis...
und wie aufregend..
Ich musste dabei wehmütig an die Zeit denken als ich mit meinem Mann gemeinsam Opern gehört hatte... Jahrelang konnte ich das nach seinem Tod nicht mehr....
aber jetzt geht es wieder..
Ich bin schrecklich neugierig: Robert war das Deine erste Liebe oder/und Dein späterer Mann?
Egal wie auch immer: Wunderschön so ein Erlebnis..
Für Dich hat das Beethoven-Jahr dadurch einen besonderen Wert bekommen..
Hast Du Dir den "Beethoven" im Kaufhaus auch noch mal bei Tag betrachtet? lach...

Danke für Deine "besondere" Geschichte an die ich bestimmt heuer noch öfters denken werde.

Lieben Gruß zum Wochenende
Angelika

nnamttor44

Liebe Andrea!
Ich muss gestehen, ich beneide Euch ein wenig um Eure tollen Erlebnisse!! Ich durfte schon als Sechs-, Siebenjährige mit meinem Vater Konzerte im münsterschen Theater erleben. Meine Geschwister wollten das nicht.

Auch in späteren Jahren hat mich die klassische Musik immer sehr gefangen genommen - bis ich meinen Mann kennenlernte. Er mochte weder Gesang noch Instrumentalmusik. Ein einziges Mal begleitete er mich in ein Konzert und dann nie wieder. Theaterbesuche wurden abgelehnt - und das, wo ich bis zu unserer Hochzeit regelmäßig alle paar Wochen ins Theater ging. Für ihn - ein Entgegenkommen für mich - gab es allenfalls einmal im Jahr Plattdeutsches Laientheater - und ich konnte die Komik oft nur am Spiel der Akteure aber nicht der verbalen Darstellung entnehmen.

Das ist ein Teil meines Lebens, der mir immer wieder viel Kummer machte. Das macht mir heute noch ein einengendes Gefühl, denk ich lieber nicht drüber nach.

Danke für diese schöne Erlebnisgeschichte sagt

Uschi 

Syrdal


In sehr jungen Jahren habe ich mit Beethovens „Fidelio“ meine erste Auslandsreise gehabt. Es ging damals mit dem ganzen Opernensemble des ehrwürdigen Meininger Theaters zuerst nach Prag, dann nach Budweis, weiter nach Böhmisch Krumau (Freilichtaufführung in der Burg) und zuletzt nach Brno. An allen Stationen hatten wir mehrere Fidelio-Aufführungen (Gastspiele). – Für mich damals ein großartiges Erlebnis, mit einem derart renommierten Ensemble im Ausland auftreten zu dürfen.
Deine Beethoven-Geschichte hat mich wieder einmal daran erinnert...

...gerne feiert das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020
Syrdal
 

protes

liebe Andrea
meine Oma eine ausgebildete Sängerin sang
immer wieder Lieder von Ludwig van Beethoven
hat mich zwar als Bub nicht sonderlich beeindruckt
aber habe sich natürlich eingefressen
 Fidelio  meine erste Oper hat mich so sehr beeindruck,
dass ich alles was ich von ihm finden konnte an Musik
gesammelt habe
Bei allem was mir Freude  oder mich sehr belastet hat, als junger Mann
und  bis zum heutigen Tage,  hat mir diese Musik  geholfen.
So wie viele Menschen im Gebet Ruhe fanden oder neue Hoffnung
so war es bei mir Beethovens Musik.
Vieles was es zu singen gab habe ich gelernt zu singen.
und es ist immer eine große Dankbarkeit in mir

Ich kann mir sehr gut vorstellen wie sehr du beeindruckt warst
liebe Grüße
hade

 
 

Roxanna

Eine schöne Erinnerung, liebe Andrea. Danke fürs Erzählen. Ich habe es gerne gelesen. Lange war ich jetzt auf der Händel-Bach-Purcell-Schiene, kann mich aber nun doch auch wieder für Beethoven "erwärmen" 😉.

Herzlichen Gruß
Brigitte

Muscari

@Roxanna

Danke, liebe Brigitte, auch für das Herzchen.

Dieser erste Abend mit meinem Schatz war die Initialzündung für meine Liebe zur klassischen Musik.
Ich lernte nicht nur die Musik von Bach, Händel und Vivaldi kennen, auch zahlreiche andere Komponisten, die mich bis heute begleiten.
Jahrzehntelang sang mein Mann in verschiedenen Chören und später auch unsere Söhne, die sogar ein Musikstudium absolvierten und die Musik zu ihrem Beruf machten.
Deshalb, und aus dem aktuellen Anlass, war es mir ein Bedürfnis, diese Geschichte zu erzählen.
Mit herzlichem Gruß,
Andrea


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