Zum Nikolaus

Mein Sohn (inzwischen 56) sollte als Zweitklässler in der Vorweihnachtszeit ein Weihnachtsgedicht (Hausaufgabe) lernen, um es im Unterricht mit richtiger Betonung aufzusagen. Es gibt ja einige ...

Aber die nickelige Mama dachte sich ein eigenes aus. Bald konnte der Junge es selbst aufsagen und ging mit diesem Wissen zur Schule. Er hatte keines der langen bekannten Weihnachtsgedichte auswendig lernen müssen (das fand ich selber immer schon fürchterlich!), er lernte stattdessen Mamas Reimerei auswendig:

Wenn ich aufgestanden bin,
lauf ich schnell zum Teller hin.
Aber alle Tage, die verflixten,
ist der blöde Teller leer!
Nur im Dezember, nur am 6.
kommt der Nikolaus hier her!
Dass ich das immer vergessen tu,
das lässt mir einfach keine Ruh'! 

Er bekam keine schlechte Note, dafür mussten die Klasse und die Lehrerin zu sehr lachen. So was passiert, wenn die Mama als Kind stets die Familie vor der Weihnachtsbescherung mit ihrem weihnachtlichen Klavierspiel, vom Vater auf seiner Violine begleitet, spielen musste.

Weihnachtsgedichte und -lieder konnten meine Schwestern, ich nicht! Einige Weihnachtsliedertexte  lernte ich dann aber doch, weil sie in der Kirche gesungen wurden ...

Ich kann bis heute die Texte der Weihnachtslieder nur dürftig oder gar nicht!


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Kommentare (7)

Heidi Grünwedl

@nnamttor44

ich habe auch mal ein Gedicht vor dem Nikolaus im Kindergarten aufsagen müssen, was ich nicht konnte. Deswegen bekam ich damals Schläge auf den Popo vom Knecht Ruprecht mit der Rute. Die Rute durfte ich danach behalten, da waren Schokoladenanhänger dran, die ich daheim genüsslich verspeiste. So waren die Schläge versüßt und wieder vergessen. Aber da sieht man mal, wie streng früher die Erziehung war. Heutzutage wären solche Schläge wohl verboten, oder?

Liebe 2.Adventsgrüße

von Heidi

nnamttor44

@Heidi Grünwedl 

Sowas drohte uns seinerzeit in der Schule auch noch, liebe Heidi! Bei meinem Sohn stand diese Möglichkeit vor 45 Jahren auch noch im Hintergrund! Und ja, das war auch schon damals verboten!

Als meine Tochter in der Grundschule war, gab die Klassenlehrerin der ganzen Klasse eine schriftliche Strafarbeit auf, weil ein Mitschüler dauernd störte. Meiner Tochter habe ich die Strafarbeit verboten zu schreiben. Stattdessen habe ich sie geschrieben, dazu einen Brief an die Lehrerin, warum ich so handelte, und dass Gemeinschaftsstrafen auch verboten seien.

Es gab ihr wohl zu denken, denn sie gab nie wieder der Klasse eine Klassen-Strafe wegen eines einzigen immer wieder auffällgen Kindes auf, hat stattdessen mit den Eltern des Störenfrieds gesprochen.

Zu meiner Schulzeit gab es noch den Besuch des "hl. Nikolaus"  mit dem Rutenträger Knecht Rupprecht am Nikolaustag. Ich sollte für ihn am 5.12. für den folgenden Tag draußen selbst ein Stöckchen in der Promenade Münsters schneiden. Ich habe es einfach "vergessen". Ist jetzt 70 Jahre her.

Waren schon noch rüde Zeiten damals ... Nur meine vier Jahre ältere Schwester bekam zweimal, als unsere Vater es für notwendig hielt, Schläge auf ihren Po. Beim zweiten Mal bekam ich mit, dass sie statt zu weinen ihm ins Gesicht lachte und fragte:"Tut dir jetzt die Hand weh?"

Auch ich sollte Prügel kriegen mit dem langstieligen Wäscheholzlöffel, weil ein Blauer Brief aus der Schule eingetroffen war. Ich schloss mich blitzschnell im Gäste-WC ein, als mein Vater zornig vor mir stand, und weigerte mich, dort herauszukommen. Ich wusste, mein gleichaltriger Adoptivbruder hatte ebenfalls einen Blauen Brief bekommen, doch ihn durfte mein Vater nicht anrühren, das ließ seine Mutter nicht zu. Nach heutigem Wissen hätten unsere Eltern wissen können, dass es für 12-Jährige schwierig ist, mitzuerleben, wenn ein neuer Vater in die Mutter-Sohn-Kleinstfamile kommt oder da plötzlich neben dem mutterlosen Mädchen eine Stiefmutter mit Sohn zur Familie gehört. Für mich gehörte damals obendrein dazu, dass ich zuvor auf einem Internat war und nach der Heirat des Vaters plötzlich eine Stiefmutter und einen Bruder hatte und obendrein einen Schulwechsel zurück nach Hause zu verkraften hatte. Für uns 12-Jährige war es etwas schwer.

Zur Strafe verdonnerte mein Vater uns Zwei dazu, vier Wochen abends den Boden des großen Salons (elektrisch) zu bohnern. Aber er bekam auch bald mit, dass es immer nur meine Arbeit war. Da bekam ich das Friedensangebot, wenn ich das weiter machen würde, bekäme ich 5 DM für jede Woche. Das wurde dann zusätzlich zum Taschengeld mein erstes "selbst Verdientes".
 

Heidi Grünwedl

@nnamttor44  oh je du arme, du hattest eine böse Stiefmutter, wie Aschenputtel und wurdest meiner Ansicht nach auch so behandelt, wie Aschenputtel.  Obwohl, Aschenputtel bekam keine 5,- DM, wie du, das ist der einzige Unterschied. Wie gemein doch die Erwachsenen zu ihren Kindern sein können. Als ob sie vergessen haben, dass sie früher vielleicht genauso behandelt worden sind von ihren Eltern, wie sie es jetzt mit ihren eigenen Kindern machen und es somit besser machen könnten, als ihre eigenen Eltern früher. Sie werden aus den Fehlern ihrer Eltern eben nie klug, das muss wohl der Lauf der Welt sein, denn das ist ja überall so. Vielleicht wollen sie sich ja an ihren Kindern für die schlechte Behandlung ihrer Eltern rächen. Wer weiß? Das hat meine Mutter jedenfalls immer behauptet. Ganz so unrecht damit hatte sie bestimmt nicht.


Liebe Grüße

Heidi

nnamttor44

@Heidi Grünwedl  
Oh je, liebe Heidi! Da hattest Du doch recht schlechte Erfahrungen machen müssen.

Ich hatte keine böse Stiefmutter, verstand mich mit ihr sogar sehr gut! Sie war - wie ich - die Mittlere von drei Geschwistern. Es war - wie bei mir - üblich, stets zu den beiden Anderen ein ausgewogenes Verhältnis einzuhalten.

Der Strafende war mein Vater!! Er selbst hatte einen bösen Stiefvater, der es für richtig hielt, seinem Stiefsohn jeden Abend den Hosenboden zu versohlen "... auch wenn du heute brav warst, dann nimm es für Ungezogenheiten, die du morgen heimlich tust, wovon ich nichts erfahre!" bekam mein Vater zu hören - aber die Söhne des Stiefvaters wurden nicht verprügelt, obwohl ich nach heutiger Einschätzung und Wissen sagen kann, dass eher die drei Brüder sehr viel "nickeliger" waren als mein Vater!

Der Stiefbruder meines Vaters hat uns irgendwann mal besucht und sich wohl dabei gedacht, er könne sich "verpflegungsmäßig" bei uns einnisten. Sein Lebensort war Celle, nicht allzu weit von meinem damaligen Zuhause. Meine Großmutter warf ihn hochkantig raus!

Als ich 18 war, machten mein Vater und ich 14 Tage Urlaub auf Norderney und auf einem der vielen gemeinsamen Spaziergänge erzählte er mir, dass sein Stiefvater die tägliche Prügelei seines Vaters damiit begründete, dass er selber Opfer seines Vaters gewesen war. Es sei vor 100 Jahren durchaus üblich gewesen, die eigenen Söhne abends - ohne jegliche Frage nach Ungehorsam  - mit einer Tracht Prügel zu "erziehen"! Es gehörte zu den täglichen Vaterpflichten!

Heidi Grünwedl

@nnamttor44  das ist ja schrecklich, was dein Vater und der wiederum vom Vater erlebt hat. Und auch, was dann dein Stiefvater mit dir gemacht hat. Meine Eltern waren meine richtigen Eltern, aber ich hatte so wenig Liebe im Elternhaus, dass ich später immer dachte, sie wären meine Stiefeltern gewesen und sie das auch spüren ließ, was die beiden sehr traurig machte. Das habe ich auch damit bezweckt. Ich schrieb ihnen nur Hass,- und Drohbriefe aus dem Heim, in das sie mich gesteckt haben, weil ich meine jüngere Schwester aus Eifersucht verprügelt hatte. Ich dachte damals, das wäre erlaubt, weil meine Eltern das ja auch mit mir gemacht haben. Heute weiß ich, dass Prügelstrafe verboten ist. Ich praktiziere so etwas überhaupt nicht mehr, da ich ja auch keine eigenen Kinder habe, die ich erziehen muss. Also wozu das ganze dann?

Ich hoffe, jeder Vater und jede Mutter wird für ihre Prügel an ihren Kindern von Gott zur Rechenschaft gezogen, wenn sie tot sind und ins Jüngste Gericht kommen, so wie auch ich leiden musste, weil ich meine Schwester dummerweise verprügelt habe. Ich schäme mich dafür sehr, aber sie hat mir alles verziehen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ich glaube die Schläge meiner Eltern haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, arm und traurig und enttäuscht von der schrecklichen Welt mit ihren unliebsamen Begegnungen.

Liebe Grüße

Heidi

nnamttor44

@Heidi Grünwedl  

Ich finde so etwas sehr traurig! Die eigenen Kinder zu prügeln, nur weil man das selber erfahren musste ...

Irgendwann, als mein Sohn vier Jahre alt war, hatte er eine Dummheit gemacht und ich war der Meinung, ein paar Klappse auf den Po würden ihn belehren. Aber es lehrte mich, dass ich das nie wieder tun wollte; ich hab heute noch ein schlechtes Gewissen!

Gestern Abend sprachen meine Tochter und ich noch darüber, ob man das eigene Kind mit Schlägen erziehen sollte oder darf. Max hatte vor ein paar Jahren irgendeine kleinkindliche Dummheit gemacht, die ihren Ärger hervorrief. Kleine Kinder tun das eben gelegentlich, sie müssen sich ausprobieren ... Sie gestand mir, dass er einen kräftigen Klaps erhalten hatte und wie sehr sie das heute noch bedauert. Ich konnte nicht anders, auch ich gestand ihr mein Fehlverhalten.

Nun ist zwar das eher falsche Tun durch das Geständnis nicht aus der Welt, der inzwischen fast Elfjährige liebt seine Mama und auch mich trotzdem heiß und innig und erinnert sich gar nicht daran. Aber so etwas wird er nie wieder erleben.

Dennoch habe ich das Gefühl, er wird nie wieder Jemand anderes derart von sich schubsen, dass er / sie vielleicht an eine Mauerecke knallt. Der erst Vierjährige hatte mich damals in meinem kleinen Flur so an eine Ecke geschubst, dass ich lange Schmerzen am Arm hatte, mir fast - wie in meiner Kindheit - an der Mauerecke den Kopf gestoßen hätte, und er erhielt meine Effekt-Ohrfeige umgehend.

Wir wissen beide, dass dieser Junge nie ein Schläger sein wird, er neigt eher dazu, den Streitschlichter zu machen!

Wenn ich über meine eigene Kindheit und Jugend nachdenke, kommt mir prompt immer wieder eine Geschichte in den Kopf, wie ich als Jugendliche reagiert hatte.

In Münster war mal wieder Send. Mein Elternhaus liegt an der Straße, die die Besucher fast automatisch nehmen, wenn sie vom Bahnhof kommend über den Domplatz und dann durch unsere Straße zum Kirmesplatz wollen. Ich, damals 17-jährig, kam von der Arbeit in der Stadt. Da kamen mir drei junge Männer entgegen, die wohl nicht mehr nüchtern waren. Sie breiteten ihre Arme aus und wollten mich nicht ungeküsst vorbei lassen. Meine Reaktion war, dem vordersten gleich eine Ohrfeige zu verpassen. Erschrocken wechselte ich die Straßenseite und war froh, dass es nur noch wenige Meter bis zu meinem Zuhause waren. Ich flüchtete in den väterlichen Damensalon. Da konnte ich sicher sein, dass man mir nicht wieder auflauern würde ...

Diese Geschichte vergesse ich wohl nie.

Heidi Grünwedl

@nnamttor44  das mit den jungen Männern erinnert mich daran, dass ich auf dem Heimweg dienstags immer von 2 Jungens  überfallen wurde, aber schließlich doch immer gewann  und mit dem Fahrrad weiterfahren konnte, dass sie unterwegs angehalten hatten, indem sie mich festhielten und meine Schultasche klauen wollten, dass ihnen aber doch nie gelang.

Die Schläge meiner Eltern verdrängte ich Gott sei Dank alle, so nach und nach. Da bin ich froh. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Die Betreuer in der Jugendpsychiatrie machten deswegen meine Eltern für meine psychischen Probleme verantwortlich. Das kann natürlich schon sein, aber man kann nicht für alles die Eltern beschuldigen, auch die Krankheiten sitzen in den Genen. Was meinst du dazu? Ich selber habe schon viele Leute in der Psychose, in verletztem Stolz oder aus Notwehr geschlagen, dafür sitze ich ja hier in der Wohnstätte. Und ich weiß, dass das nicht immer rechtens war. Aber seit 2015 schlage ich niemanden mehr, ich hoffe, das bleibt auch so. Ich will nicht mehr in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Liebe Grüße

Heidi


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