Zum Tode von Queen Elizabeth II


Zum Tode von Queen Elizabeth II

Nun, nachdem das Fernsehen ausgiebig den letzten Weg der Queen gezeigt hat, mag man von der britischen Monarchie halten was man will.
Ich jedenfalls kann nicht anders, als hier meine besondere Sympathie für diese Frau einzugestehen.
Gerade jetzt, anlässlich ihres Todes, wird mir wieder bewusst, dass die Wurzeln meiner Zuneigung zu dieser Königin weit in der Vergangenheit liegen.

Als ich im Oktober 1955 nach London kam und dort fast anderthalb Jahre verbrachte, blieb es nicht aus, dass ich mich von der Begeisterung der Briten für die Queen immer mehr anstecken ließ. Aber nicht nur von den Briten selbst, nein, auch die Studentinnen aus anderen Ländern, mit denen ich in diesem Student‘s Hostel lebte, konnten nicht aufhören, von dieser Queen zu schwärmen.
Und eines Tages erreichte meine Begeisterung ihren Höhepunkt, als ich während der Christmas Party von Judith eine Eintrittskarte zu einem Konzert in der Royal Albert Hall geschenkt bekam, an dem auch die Queen teilnehmen würde.
Bereits eine Stunde vor Beginn des Konzertes hatte sich vor dem Eingang des Konzerthauses eine Menge Zuschauer eingefunden. So standen wir, ich mit einer geliehenen Kamera, direkt in der ersten Reihe und harrten gespannt der Dinge, die da kommen sollten.
Erst kurz vor 20 Uhr fuhr die Limousine der Queen vor.
Unter frenetischem Jubel der Umstehenden stieg sie aus und ging, sich leicht nach rechts und links verbeugend, an uns vorbei. Allein ihr Kleid mit Nerzstola und das Diadem im Haar nahmen mir fast den Atem. Trotz der Aufregung gelangen mir zwei Fotos, die ich noch heute in meinem Fotoalbum aufbewahre.
Als die Königin ihre Loge im Saal erreicht hatte, stimmte das Orchester die Nationalhymne an. Nie werde ich diese eindrucksvollen Momente vergessen.

Kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland kaufte ich von meinem letzten Geld zwei Postkarten von der königlichen Familie und eine Schallplatte mit der britischen Nationalhymne.
Zu Hause angekommen, war es diese Schallplatte, die ich als Erstes auspackte. Und tatsächlich erklang im dritten Stock eines Mietshauses, weit nach Mitternacht, in voller Lautstärke, mit einem mächtigen Trommelwirbel, die britische Nationalhymne, und Mutter und ich standen vor dem Plattenspieler und waren zu Tränen gerührt.
Heute weiß ich, dass ich in diesem Moment wahnsinniges Heimweh nach London empfand und am liebsten sofort dorthin zurückgekehrt wäre.
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Kommentare (9)

Muscari

Nun ist die Ära der Queen Vergangenheit, denn ab jetzt dreht sich alles nur noch um King Charles und die vielen zu erwartenden Veränderungen.
So danke ich heute allen lieben Lesern, die mich zurück in die fünfziger Jahre begleitet haben, für das geschenkte Herzchen.

@Rosi65   @Juttchen   @nnamttor44   @Songeur   @Sandra1975
@Syrdal   @Roxanna   @chris33


Mit herzlichen Grüßen
Andrea

werderanerin

Auch wenn alles so viele Jahre her ist, denke ich, dass man dieses Erlebnis bestimmt nicht vergessen kann. Die heutige Zeit allerdings hat ja mit dem "Damals" kaum noch etwas zu tun, das spürt man auch in Großbritannien. 

Spannend wird es nun, wenn Charles als neuer König das Zepter übernimmt. Ich könnte mir vorstellen, dass sich einiges ändern wird und auch muss, sollte die Monarchie Interesse haben, weiter zu bestehen.

Deine Erinnerung, liebe Andra jedoch kann man dir nicht nehmen, schön so!

Kristine

Muscari

@werderanerin  

Herzlichen Dank, liebe Kristine,
für Deine Zeilen.

Genau so ist es. Die heutige Zeit ist total anders und was nun unter der Regentschaft von King Charles passieren wird, steht auf einem ganz neuen Blatt.
Wir werden sehen.
Mit liebem Gruß von
Andrea

 

silesio

Ein anschauliches Beispiel guter und lebendiger Erinnerungen!
Aber wie einladend war London damals wirklich. Und heute könnte der Abstand zu dem monarchischen Pomp eher erschreckend sein
Silesio, Leominster, GB

Muscari

@silesio  

Danke Dir, lieber Silesio, für Deinen Kommentar.

Seitdem sind ja so viele Jahre vergangen.
Und da sich die Zeiten ändern, haben sich auch die Menschen verändert.
Mal abgesehen davon, dass gerade die Deutschen die britische Monarchie mit Abstand betrachten.

Herzliche Grüße nach Leominster in the Midlands von
Andrea

Christine62laechel


Liebe Andrea,

ein wunderschönes Erlebnis. Mir hat die Königin auch irgendwie viel bedeutet; das einzige, dass ich ihr ein wenig übel nehmen müsste, wäre die Einsamkeit des Königs Charles des III. als er Kind war. Ein Kind, das sich einsam fühlt, das ist ganz furchtbar. Hoffentlich hat sie das später irgendwie nachgeholt.
Sind diese zwei Fotos diese von dir erwähnten? Einfach super aufgenommen. :)

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Muscari

@Christine62laechel  

Nun ja, liebe Christine,

auch ich entnahm dem Bericht von Rolf Seelman Eggebert, dass der kleine Charles wenig von seiner Mutter hatte.
Es gibt so viele Kinder auf der Welt, die ebenso wenig von ihrer Mutter haben. - Aber das nur nebenbei.

Aber schön, dass auch Dir die Queen etwas bedeutet hat.
Ja, und die beiden Original-Fotos befinden sich in meinem sorgsam gehüteten Album.
Danke für Deinen Kommentar und herzliche Grüße von
Andrea

Roxanna

Das war ein magischer Moment, liebe Andrea, der unvergesslich ist. Was für eine schöne Erinnerung. Ich kann sehr gut verstehen, wie dich das bewegt hat. Sie war auch einfach eine sehr schöne Frau.

Herzlichen Gruß
Brigitte

Muscari

@Roxanna  

Liebe Brigitte,

Dir gilt mein ganz besonderer Dank für Deinen freundlichen Kommentar.
Wie bei vielen anderen Ereignissen kann ich noch sehr genau meine damaligen Gefühle beim Anblick der Queen nachempfinden, was mich immer wieder freut.

Es grüßt Dich herzlich
Andrea


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