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Aktuelle Themen "Alte Menschen als Experten fürs Leben"

loretta †
loretta †
Mitglied

"Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von loretta †
Diesen ungewöhnlichen TV-spot sah ich gestern das erst Mal im TV und an der Stelle, als es die Schuhe in der Spülmaschine gab, schossen mir die Tränen in die Augen.

Demenz ist grausam ...... für die Angehörigen!

Wir sollten für alte Menschen da sein, so lange sie da sind!

loretta





zwergi
zwergi
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von zwergi
als Antwort auf loretta † vom 04.10.2010, 21:34:57
Tja, Loretta, u.U. sind wir selber irgendwann dran. Hoffen wir, dass sich dann jemand um uns kümmert und nicht nur abschiebt.

Bedauerlich, dass sich Kinder so wenig daran erinnern, wie wir uns so sehr um sie gekümmert haben. Aber dies haben sie wahrscheinlich mehr als Erziehung gesehen und nicht als Fürsorge.

Schade eigentlich.
Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf zwergi vom 05.10.2010, 09:16:21
Zwergi, Dein Beitrag weckt in mir ganz zwiespältige Gefühle. Du findest es bedauerlich, dass sich Kinder so wenig daran erinnern, wie die Eltern sich um sie gekümmert haben. Vielleicht war dieses sich kümmern nicht in allen Familien so positiv? Wie oft wurden und werden Kinder von ihren eigenen Eltern wie der letzte Dreck behandelt, misshandelt, gedemütigt und noch schlimmeres.

Kann man es diesen Kindern verdenken, dass sie sich, wenn die Eltern dann alt sind, nicht um sie kümmern können? Ich schreibe bewusst können, denn sie wären nur in der Lage, den Eltern genau das zu geben, was diese ihnen gaben, als sie auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig waren, nämlich Misshandlung und Demütigung. Dann doch lieber zum Selbstschutz und zum Schutz der alten Eltern kein Kontakt.

Alle Eltern haben es selbst in der Hand. So wie Eltern ihre Kinder behandeln, so werden sie später von diesen behandelt werden. Aber darüber machen sich die wenigsten Eltern Gedanken, solange ihre Kinder klein sind.

LG,
woelfin

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adam
adam
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von adam
als Antwort auf zwergi vom 05.10.2010, 09:16:21
Tja, Loretta, u.U. sind wir selber irgendwann dran. Hoffen wir, dass sich dann jemand um uns kümmert und nicht nur abschiebt.

Bedauerlich, dass sich Kinder so wenig daran erinnern, wie wir uns so sehr um sie gekümmert haben. Aber dies haben sie wahrscheinlich mehr als Erziehung gesehen und nicht als Fürsorge.

Schade eigentlich.


@zwergi,

mit Kümmern allein ist es nicht getan. Demenzkranke müssen rund um die Uhr betreut werden und da sind die Angehörigen meistens hoffnungslos überfordert, auch weil sie natürlich emotionell gebunden sind.

Es geht nicht ohne fachliche Hilfe und wenn es finanziell mit Rente, Pflegeversicherung und Krankenkasse klappt, ist allen Beteiligten mit einem Heim am besten gedient. Das ist dann kein Abschieben, sondern Hilfe für alle. Die Angehörigen können am meisten durch Besuche und unregelmäßige Kontrollen tun und eventuell privat für zusätzliche Leistungen sorgen.

Das Heim hilft den Angehörigen auch, die Achtung vor den Kranken zu bewahren, denn die Betreuung von Demenzkranken hat mit romantischen Vorstellungen von Fürsorge im Alter nichts zu tun. Das ist physische wie psychische Knochenarbeit und auch wenn es schlimm klingt: Die Liebe, z.B. zu den Eltern, ist bei der täglich notwendigen Hilfe eher hinderlich.

Ich weiß, von was ich schreibe. Meine Schwiegermutter war ihre letzten Jahre dement und ich habe beides erlebt, die Versuche selber zu helfen und das Heim.

--

adam


youngster
youngster
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von youngster
als Antwort auf adam vom 05.10.2010, 09:56:16
Hallo Adam,

ich habe bis jetzt zwar noch keine Erfahrung mit demnzkranken Menschen aber ich kann dennoch deinen Ausführungen nur zustimmen. Es gibt eben Situationen im Leben, in denen nur noch Fachkräfte wirklich helfen können. Gott sei Dank haben wir heute die Möglichkeit fachliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das hat nichts damit zu tun, dass sich die Angehörigen bzw. Kinder nicht trotzdem um ihre Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten kümmern. Das ist doch eigentlich selbstverständlich.

Gruß youngster
loretta †
loretta †
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Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von loretta †
als Antwort auf adam vom 05.10.2010, 09:56:16

Ich weiß, von was ich schreibe. Meine Schwiegermutter war ihre letzten Jahre dement und ich habe beides erlebt, die Versuche selber zu helfen und das Heim.

--

adam
geschrieben von adam


Genauso, adam, nur dass es bei mir meine Mutter war, die im letzten Januar, nur noch 35 kg leicht, mit 87 Jahren erlöst wurde.

Danke für deinen Bericht. Deine Ausführungen zeigen genau, dass du weißt wovon du schreibst.

loretta

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zwergi
zwergi
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von zwergi
als Antwort auf Drachenmutter vom 05.10.2010, 09:33:52
Woelfin, Du hast ja von Deiner Warte aus völlig Recht.
Ich sprach jedoch von uns, die es demnächst betrifft.
Und da hoffe ich, daß wir unsere "Brut" doch so haben
erziehen können, dass sie uns nicht vergessen. Auch durch
unser Beispiel, wie WIR uns um unsere Eltern im Alter ge-
kümmert haben. Nicht nur bei Demenz, sondern überhaupt.
Hatten kürzlich eine alte Frau von 89 erlebt, die eine
recht schwierige Operation am nächsten Tag vor sich hatte.
Da war niemand von der Verwandschaft noch mal gekommen.
Sie hatte jedoch u.a. auch zwei Kinder. - Niemand!
zwergi
zwergi
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von zwergi
als Antwort auf loretta † vom 05.10.2010, 10:22:39
Ich möchte wirklich niemandem zu Nahe treten in seiner Überzeugung, wie gut die Fürsorge und die Behandlung von Demenz-Kranken im Heim allgemein ist.
Ich weiß jedoch von Heimen, wo ich nicht hin möchte - auch wenn ich es nicht mehr geistig wahrnehmen könnte.
Ich sprach mal mit einer Stationsschwester über den Unterschied zwischen Berufung und Job in der Pflege von dementen Menschen. Es ist halt alles möglich.
Und es ist immer wieder gut, wenn Kinder auch mal überraschend "vorbeikommen"!
bongoline
bongoline
Mitglied

Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von bongoline
als Antwort auf zwergi vom 05.10.2010, 10:42:58
zwergi,

ich kann Deinen Beitrag wirklich nicht unwidersprochen lassen.

Wir haben Kinder in die Welt gesetzt in einem Alter, wo Mensch noch voll belastbar ist, Wir hatten Freude, dass sie da sind, wir haben die Entwicklung genossen, wir haben Ihnen das Leben geschenkt, damit sie es leben können. Für Ausbildung gesorgt und dann, irgendwann kam der Zeitpunkt, da mussten die Kinder losgelassen werden, genauso wie unsere Generation den eigenen Weg gegangen ist.

Heute ist es nicht mehr so, dass Grossfamilien bestehen, die Kinder sind zum Teil in alle Welt verstreut - so wie es bei mir ist. Die Kinder sind heute beruflichen Forderungen ausgesetzt, Leistungszwang herrscht. Und da willst Du erwarten, dass die Kinder neben all den anforderungen, die das Leben an sie stellt, ihr eigenes Leben durch Pflege zerstören, nur damit Du sagen kannst, ich habe nicht versagt, siehe her, meine Kinder .......

Schon mehrmals habe ich geschrieben, dass ich niemals, auch wenn mein Sohn in unmittelbarer Nähe wohnen würde, Pflege von ihm in Anspruch nehmen möchte. Ich will fachliche Betreuung, wenn es denn mal so weit ist und ich möchte mir die Würde erhalten und ich möchte mich freuen können, wenn mein Sohn mich besuchen kommt, möchte aber nicht sehen, wie er unter meiner Krankheit oder Pflegebedürftigkeit psychisch und physisch ein Wrack wird. Ich möchte nicht sehen, dass er nur aus Pflicht sich um mich kümmert, ich möchte ihn strahlen sehen, wenn er bei mir ist.

Diese Art Egoismus, ich habe meines geleistet und die haben jetzt auch auch ihrer Verpflichtung nachzukommen, lehne ich ab. Die Kinder konnten es sich nicht aussuchen, ob sie und wohin sie geboren wurden, das war einzig Entscheidung der Eltern. Und aus dieser Entscheidung eine Verpflichtung abzuleiten ist in meinen Augen absurd.

bongoline
zwergi
zwergi
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Re: "Alte Menschen als Experten fürs Leben"
geschrieben von zwergi
als Antwort auf bongoline vom 05.10.2010, 11:05:07
Liebe Bongoline, selbstverständlich kannst Du mir gerne widersprechen, andere tun es ja auch.
Hauptsache, Du erlaubst mir, auf meine Art und nach meiner Überzeugung über dieses Thema zu denken.

Ich persönlich lehne es z.B. ab, mich später mal verstreuen zu lassen, anonym und irgendwo, nur damit ich niemandem zur Last falle. Ich lasse mich ganz wie "üblich" im Sarg auf dem Friedhof beerdigen. Es wird ja wohl jemand da sein, der sich dann um mein Grab kümmern wird.

Egoistisch? Natürlich. Warum nicht!

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