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Aktuelle Themen Altersdiskrimininierung!?

poldi
poldi
Mitglied

Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von poldi
Ich bin ein sogenannter „Unfaller“. Mit E-Lok gegen Böschung (im Tagebau), mit Auto gegen Baum, mit Motorrad gegen Pfarrer. Darum in meinem 30sten Lebensjahr kombinierte Lebens-Unfall-Versicherung abgeschlossen, rel. niedrige Beiträge. Im Kleingedruckten: Kündigung vom Vers.-Nehmer mit Monatsfrist, vom Geber mit 3-Jahresfrist, ohne Begründung möglich. Las sich damals ganz nett. Dann wurde ich 70!! Und bekam die Kündigung! Dazu ein Angebot zur Weiterführung mit mindestens dreifachen Beiträgen! Hab ich abgelehnt, dann soll meine Mischpoke sehen wie sie mich unter die Erde kriegt (bin 77).

Ich wurde neugierig und stellte fest, daß es in höherem Alter fast unmöglich ist, einen größeren Kredit (z. B. für Hausbau) zu erhalten, wenn, dann mit zusätzlicher, sehr teurer L.-Versicherung! Und dann solln die Leut´ bis 67 malochen, dann aber möglichst schnell als „Vitalmüll“ abtreten!

Was ist Eure diesbezügliche Erfahrung, bzw. Info? Gruß Poldi
mulde1
mulde1
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von mulde1
als Antwort auf poldi vom 10.07.2008, 11:14:16
Stimmt!
als 70 jähriger bekommst keinen Kredit mehr egal welcher Art!
Bei Auto soll es noch möglich sein,
bin mir aber nicht sicher!
Wir alten sind eben nicht mehr Kredit würdig!
Da sind die Banken sich Bundesweit einig
Andererseits sind alle Versicherungen bestrebt, die
Alten irgendwelche Versicherungen die sie kaum benötigen
zu horrenden Preisen aufzuschwatzen!
Unfallprämien will man auch nicht mehr auszahlen, sondern man bietet dafür Hauswirtschaftspflege an, die aber wiederum an bestimmte Häusliche Bedingungen geknüpft ist!
--
mulde
simba
simba
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von simba
als Antwort auf mulde1 vom 10.07.2008, 11:32:39
Das finde ich eigentlich schon logisch, dass man mit 70 so gut wie keinen Kredit mehr bekommen kann - würdet ihr einem 70jährigen Geld leihen, wenn ihr gar nicht wisst ob er die Rückzahlungslaufzeit überlebt? Und mit den Versicherungen ists dasselbe, je älter man ist, umso teurer wirds, weil man im Alter nun mal schneller dazu neigt, das Zeitliche zu segnen als in der Jugend. In dieser Hinsicht seh ich keine Diskriminierung, aber in anderer wird noch einiges auf uns zukommen, weil sich der Staat die ständig steigende Zahl der immer älter werdenden Menschen einfach nimmer leisten wird können...
--
simba

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astrid
astrid
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von astrid
als Antwort auf simba vom 10.07.2008, 11:49:08
Genauso ist es Simba,
besser hätte ich es nicht sagen können.
Oder man muß schon Eigentum vorweisen können,
das im Rahmen des Kredits dann auch ist,
sprich: Sicherheit vorhanden ist für die Bank.
******************************************
Da sprichst Du was an,Simba.:

Die Alten werden langsam zum Problem für
den Staat,da die guten Medikamente heute
die Menschen lange am Leben erhält.
Denke mir,aus diesem Grunde will der Staat
auch nicht die Rente erhöhen,es gibt einfach
zu viel Rentner.
Im Gegenzug ist es aber toll
uns vielen Rentner abzuzocken.
Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Lieben Gruß,Astrid
nasti
nasti
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von nasti
als Antwort auf simba vom 10.07.2008, 11:49:08

Über Kredite mache mir keine Sorgen, schon längere Zeit weiß ich Bescheid dass ich untauglich bin für ein größeres Kredit.
Aber träumen können wir noch in ältere Jahre, das wir NOCH etwas erfinden, oder etwas wertvolles und neues lernen was uns in ältere Jahre noch die Horizonte öffnet, oder, oder….
Mein pragmatisch denkende Sohn sagte mir gestern folgendes: „Wenn ein ältere Mensch mit 67 -70 noch plant und träumt über eine „Karriere“, das klingt genauso als mein 5 Jähriger Sohn wen sagt, er werde jetzt ein Kapitän.“
Ich habe gelesen über alte Menschen, welcher gerade in Senioren Alter sein erstes erfolgreiches Buch geschrieben haben, oder in anderen Bereich große Erfolge erlebt haben.
Träumen können wir noch, oder??????

Nasti
Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf poldi vom 10.07.2008, 11:14:16
Diskriminierend finde ich da eher etwas anderes, nämlich, dass Versicherungsgesellschaften von stark übergewichtigen Menschen den doppelten Beitrag für eine Lebensversicherung verlangen, weil sie in ihren Augen gesundheitsanfälliger sind.
Ein Bekannter von mir hat von einer Tante ein Haus zur Miete bekommen und soll es nach ihrem Tode erben. Dafür musste der Bekannte eine Lebensversicherung abschließen. Nun ist dieser Mann aber sehr stark übergewichtig und die Versicherung hat sich nur zum Abschluss einer Lebensversicherung bereit erklärt, wenn er den doppelten Beitrag zahlt. Das ist nun mindestens 10 Jahre her und der Bekannte erfreut sich bester Gesundheit.
Solche Praktiken finde ich diskriminierend. Bekommen Raucher vielleicht auch bald nur bei doppeltem Beitrag Lebensversicherungen? Und wie ist es mit chronisch Kranken, bekommen die gar keine? Wie sieht es bei Erbkrankheiten aus? Müssen die Menschen demnächst einen Gentest machen lassen, um in den Genuss einer Lebensversicherung zu kommen? Wo soll das denn noch hinführen? Es gibt eben nicht nur gesunde und leistungsstarke Menschen und selbst die können von einer Sekunde zur anderen durch einen Unfall ausfallen. Wo will man denn da die Grenzen ziehen?
--
woelfin

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simba
simba
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von simba
als Antwort auf Drachenmutter vom 10.07.2008, 13:14:33
Da ich auch vor einigen Jahren eine solche Versicherung abschloss und angeben musste welche Medikamente ich nehme, hatte man mich obwohl mein Blutdruck tadellos eingestellt ist, versicherungsmässsig um 10 Jahre älter eingestuft und dementsprechend den Beitrag erhöht - da gings eigentlich nicht um Übergewicht....
--
simba
blauerenzian
blauerenzian
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von blauerenzian
als Antwort auf Drachenmutter vom 10.07.2008, 13:14:33
Ich definiere den Begriff „Altersdiskriminierung“ flexibel.
Einen Kredit zum Hausbau, absolut unlogisch aus den schon genannten Gründen, auf die Idee käme ich auch mit 70 gar nicht mehr.

Soweit ich unterrrichtet bin, steht im Grundgesetz das niemand wegen seines Alters und seines Geschlechts diskriminiert werden darf.
Doch in der Praxis sieht es wie wir alle wissen, anders aus.
So z.B. im Berufsleben....
Warum wird bei der Bewerbung überhaupt erst nach dem Alter gefragt?
Wenn man die Stellenangebote in den Zeitungen liest wird bei der Ausschreibung z.B. bei öffentlichen Positionen die Altersangabe auf max. 32 Jahre beschränkt. Ich nenne das schlicht und einfach, die Grundrechte mit Füßen treten.
Das Bundesverfassungsgericht, mit seinen Richtern, aber auch der Gesetzgeber hinkt dem internationalem Standard hinterher.
Selbst den niedergelassenen Ärzten wird mit Vollendung des 68. Geburtstag die Kassenzulassung entzogen, gleichzeitig dürfen aber *Privatpatienten* weiterbehandelt werden.

Da gibt es aber noch so viele Kleinigkeiten im alltäglichen Leben....ich gehe mitmeiner Nachbarin Frau B...rüstig und geistig fit, nur sie ist schon 89 Jahre alt, in ein DOB Geschäft um einen Pullover zu kaufen.
Sie ist eine gut betuchte Rentnerin und kann es sich leisten sich vielleicht auch zwei Pullover zu kaufen.
Schon bei der Begrüßung wurde Frau B. geflissentlich übersehen. Als sie dann den Wunsch nach einem Pullover aussprach wurde nicht sie selbst nach ihren Wünschen diesbezüglich befragt, sondern mit mir, also in der 3. Person Singular das Verkaufsgespräch geführt.
Ich schaute die Verkäuferin nur an und versuchte ihr zu erklären, daß ich nicht vorgreifen möchte, da die Dame ihre bestimmten Vorstellungen von diesem Pullover hat und sie selbst entscheiden kann.
Mein Hinweis wurde nicht verstanden, im Gegenteil es entsteht ein Dialog, der einem Erwachsenen/Kind Dialog entspricht.
..Frau B. lächelte (nicht resigniert) mich nur an und sagte...Menschen müssen lernen, adäquat mit alten Menschen umzugehen.
Frau B. erstand, ganz nach ihren Wünschen, einen wunderschönen Pullover und einen Rock, ganz ohne mein zutun.

..diese Situation gab mir sehr zu denken.


--
blauerenzian
Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf blauerenzian vom 10.07.2008, 15:02:46
In der Tat, das gibt zu denken und ich finde es gelinde gesagt unmöglich, wie sich die Verkäuferin da verhalten hat. Vermutlich hätte ich dieses Geschäft umgehend verlassen und meinen Pullover woanders gekauft.
--
woelfin
miriam
miriam
Mitglied

Re: Altersdiskrimininierung!?
geschrieben von miriam
als Antwort auf Drachenmutter vom 10.07.2008, 15:41:14
Dazu kann ich auch ein kleines Erlebnis beisteuern, welches mir im Nachhinein (unter uns gesagt!), noch heute diebische Freude bereitet.

Vor ca drei Jahren musste ich ins Krankenhaus wegen eines operativen Eingriffs. Meine eine Tochter begleitet mich ganz treu, wir warten zusammen bei der Ärztin die die Aufnahmeuntersuchung machen soll.
Dann werde ich aufgerufen von besagter Ärztin, bevor wir ihren Raum betreten guckt sie sich nochmals die Unterlagen an – dreht sich dann zu meiner Tochter - und bittet sie mitzukommen. (Wahrscheinlich hatte sie mein Baujahr eben entdeckt).

Nun sitzen wir beide vor der Ärztin, sie stellt mir einige Fragen, wohl bemerkt: ganz simple, dreht sich dann jedes Mal zu meiner Tochter und gibt ihr, auf einem etwas höheren Level, die Antwort. Merkt nicht, dass meine Tochter sich dabei sehr unwohl fühlt, merkt auch nicht, dass ich versuche durch penetranten Blickkontakt den Dialog in meine Richtung zu lenken.

Sie stellt weiterhin wohlwollend ihre simplen Fragen an mich, antwortet dann meiner Tochter.
Das Unbehagen steigt – außerdem merkt sie nicht, dass ein Student der hinter ihr steht und die Szene längst erfasst hat, sich köstlich amüsiert.

Dann muss ich doch Klartext sprechen und erkläre ihr, dass ich die Patientin bin, sie sollte dies gefälligst berücksichtigen.
Sie tat mir eigentlich Leid, selten jemanden so erröten gesehen.

Nach einer Woche besucht mich ein mir unbekannter Arzt in meinem Zimmer – und erklärt mir wieder in einer Babysprache, was dann als Nachbehandlung noch erfolgen wird.
Ich stelle ihm Fragen, die eigentlich ins Detail der Erkrankung gehen sollten – da zeigt es sich, dass er diese Details gar nicht kennt, entschuldigt sich und geht die nötigen Unterlagen suchen.
Folgt anhand der gefundenen Unterlagen, endlich ein normales Gespräch.

Am Ende fragt er etwas verunsichert: "Entschuldigen Sie – sind Sie eigentlich Ärztin?"
Schallendes Lachen meinerseits. Ich verneine seine Frage, nein ich sei nur Biologin – und jetzt frage ich ihn ob er vielleicht das Medizinische Dokumentationszentrum XXXX kenne?
Ja, natürlich kennt er es, sei begeistert von den Dokumentationen die man ihm zugeschickt hat.

Ich beende das Gespräch mit dem Hinweis: "Nun, dann gucken Sie sich die Unterlagen nochmals an, es kann sein, dass ich diese Dokumentation zusammengestellt habe."
Nach seinem Fachbereich, war das sehr wahrscheinlich…

Fazit: Bei solchen alltäglichen Klischees mit denen wir Ältere konfrontiert werden, ist es nicht verwunderlich, dass auch Freude aufkommt, wenn man die ein wenig zurecht gerüttelt hat.

Gruß

Miriam


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