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Aktuelle Themen Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin

adam
adam
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von adam
als Antwort auf schorsch vom 20.09.2010, 17:57:51
Richtigerweise müsste man da auch Pfeilbogen, Armbrüste, Küchenmesser, Hämmer, Rattengifte etc. verbieten resp. deren Besitz. Denn mit diesen lässt sich auch töten - und erst noch lautlos.


Klar schorsch,

die Amokläufe mit Rattengift werden wohl sprunghaft zunehmen, sollten Schußwaffen in Privatbesitz endlich verboten werden. Bei Amokläufen mit Küchenmessern werden ordentlich Pflaster gebraucht und was Pfeil und Bogen sowie Armbrust anbelangt, wird der Schütze wohl schon am zweiten Schuss gehindert werden.

Mit einer Selbstladepistole können innerhalb einer Minute locker 50 Menschen erschossen werden, ohne daß jemand an den Schützern rankommt. Der muß nur den Finger krumm machen und vielleicht kurz das Magazin wechseln.

Da kommt es doch gelegen, wenn die Waffe schon zu Hause liegt oder nur in ein unbewachtes Schützenhaus eingebrochen werden muß. Sport ist Mord, hier trifft ein ironischer Spruch voll ins Schwarze. Die eigennützigen Argumente von Sportschützen interessieren mich nicht. Wenn sie das Ballern für ihr Ego brauchen, sollen sie das mit Luftdruckwaffen tun. Das funktioniert auch bei Meisterschaften und bei der Olympiade.

Morde sind nicht zu verhindern, aber sie müssen nicht noch begünstigt werden. Das Verbot von Waffen mit Treibmunition in Privatbesitz muß gegen die Waffenlobby durchgesetzt werden. Anscheinend noch ein Thema, um das sich die Bürger selber kümmern müssen, wenn die Politik dazu nicht in der Lage ist.

--

adam

luchs35 †
luchs35 †
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf adam vom 20.09.2010, 19:23:13
Wenn es nur um den Besitz oder der Erreichbarkeit einer Schusswaffe ginge, müsste sich die Schweiz längst selbst ausgerottet haben, denn hier hat jeder Wehrpflichtige sein Sturmngewehr im Kleiderschrank. Und in jedem Ort gibt es Schützenvereine, die sehr rege besucht werden. Und wer erst einen Waffenschein besitzt, kommt auch an Waffen.

Erst in der vergangenen Woche attackierte ein 68jähriger Mann mit dem Gewehr seine Umgebung. Er hatte Streit mit einer Behörde, und als die Polizei anrückte, ballerte er los und verletzte einen Polizisten schwer. Danach verschwand er tagelang, wurde aber jetzt gefasst.

Vor ein paar Jahren rottete ein Schütze die halbe Zuger Regierung aus, ohne dass danach etwas passierte.

Erst jetzt beginnen in der Schweiz Überlegungen, ob man den Wehrpflichtigen die Schusswaffe noch immer nach Hause mitgeben sollte. Aber das ist eine alte miltärisch fundierte Bestimmung, dass jeder Soldat sofort ausgerüstet das Land verteidigen kann, wenn es überfallen wird. Das dürfte heute ein überholter Zopf sein.

Eines dürfte jedoch sicher sein, wenn eine Person in eine psychisch auswegslose Situation kommt und Amok läuft, ist eine Schusswaffe am ehesten geeignet, möglichst viele Menschen zu töten.

Dafür kann man aber nicht Schützenvereine verantwortlich machen, denn das hiesse doch, dass jeder Sportschütze schon als potentialler Amokläufer oder Mörder anzusehen wäre. Verbieten dürfte also kaum durchsetzbar sein.

Ich fürchte eher, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass es immer wieder diese Attacken geben wird.

Luchs











hafel
hafel
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von hafel
als Antwort auf luchs35 † vom 20.09.2010, 20:56:56
@ Luchsi:

Nein Luchsi, ich denke niemand, der hier ernsthaft mit diskutiert, wird jedes Schützenvereinsmitglied als potentiellen Mörder ansehen.

Ich komme nochmals auf meinen Beitrag zurück.

So ein Amoklauf hat in seiner Vorgeschichte eine Reihe komplizierter Abläufe im Gehirn, bis es zur Ausführung der Tat kommt. Wichtig ist, dass dann, "wenn die Sicherung durchgebrannt" ist, für die Tat wenig "Ausführungswaffen" als Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Eine leicht zugängliche Schusswaffe erleichtert den Entschluss. Natürlich gibt es Messer, Knüppel und andere Tötungsgeräte, aber eine Schusswaffe ist ein Mittel wo der Täter sicher aus Entfernung sein Ziel erreichen kann.

Im übrigen hat die Schweiz bereits ihren häuslichen Waffenbesitz korrigiert. Lies da noch einmal nach. Zu viel ist auch da schon passiert.

Hafel

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adam
adam
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von adam
als Antwort auf luchs35 † vom 20.09.2010, 20:56:56
Eines dürfte jedoch sicher sein, wenn eine Person in eine psychisch auswegslose Situation kommt und Amok läuft, ist eine Schusswaffe am ehesten geeignet, möglichst viele Menschen zu töten.

Dafür kann man aber nicht Schützenvereine verantwortlich machen, denn das hiesse doch, dass jeder Sportschütze schon als potentialler Amokläufer oder Mörder anzusehen wäre. Verbieten dürfte also kaum durchsetzbar sein.
geschrieben von luchs


@luchs,

ich mache keineswegs Schützenvereine oder deren Mitglieder verantwortlich für Opfer von Amokläufern. Aber überleg mal folgendes:

Was ist nicht alles verboten!? Allein im Waffenbereich ist so ziemlich alles verboten oder reglementiert, was Menschen töten oder in irgendeiner Weise schaden könnte. Schlagstöcke, Schlagringe, Messer. Um alles, was nicht in der Küche gebraucht wird und nach Waffe aussieht, hat sich die Politik gekümmert. Weiter geht es mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Autos, Werkzeug, Gifte, Medikamente, alles wird mit Bestimmungen belegt und alle haben Verständnis dafür oder lassen es sich gefallen. Selbst Gurken mußten schon gerade sein, obwohl sie krumm wachsen.

Und ausgerechnet bei den Waffen, mit denen am bequemsten und einfachsten getötet werden kann, ist ein Verbot unmöglich? Das mag ich nicht einsehen. Schon gar nicht, wenn ich weiß, daß eine Wirtschaftsgröße und ihre Lobby gegen ein Verbot arbeitet.

Und hör Dir die Argumente der Schützenvereine an. Alles ist sicher! Bei uns nicht! Ich doch nicht! Jedes Argument gegen sie ist Diskriminierung. Ich habe allerdings noch kein vernünftiges Argument dafür gehört, warum jemand mit einer tödlichen Waffe auf Zielscheiben schießen muß. Vereinsleben, Hobby, Feiern, Bekanntschaften und Geschäftsbeziehungen pflegen? Muß dazu mit kriegsfähigen Waffen geschossen werden? Bei uns gibt es nicht mal eine Tradition, die für Waffen in privater Hand sprechen könnte. Warum muß jemand so eine Waffe zu Hause haben? Ich würde mich in meiner Wohnung nicht mehr so wohl fühlen wie jetzt, wüßte ich, daß der Nachbar eine Zimmerflak im Schrank hat.

Waffen in privaten Wohnzimmern und auch in Schießvereinen sind vorprogrammierter Terror. Wie kann ich mich auf Terror einstellen? Erfurt, Winnenden und Lörrach mit 35 Toten und zahlreichen Verletzten, im Hintergrund immer ein Schießverein, muß doch Grund genug sein, der Schießlobby die Stirn zu bieten.

--

adam


luchs35 †
luchs35 †
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf hafel vom 20.09.2010, 21:57:12
Eine Volksinitiative soll die Situation nun ändern.


In dem von dir angebenen Link , Hafel, wird es nun erst einmal eine Initiative geben, über die das Volk dann abstimmen muss. Ich selbst bin überzeugt, dass nach den vielen Vorkommnissen mit einem breiten JA beantwortet wird, aber das kann eben noch dauern.

Noch ist es erst die Initiative, also die Anregung für das Volk, darüber abzustimmen, was zukünftig mit dem Waffenbesitz zuhause geschehen soll.

Das ist die eine Seite, denn hier geht es um die Militärwaffen.

Aber das private Waffenarsenal ist davon noch unberührt - vielleicht aber wird es schwieriger, Waffen privat ohne weiteres zu kaufen.

Was du betreffs Vorgeschichte eines Amokläufers beschreibst, stimme ich dir voll zu. Mit dem "normalen" Massstab eines Mörders hat das nichts zu tun. Hier schafft sich bis zum Rande der Erträglichkeit Angestautes Bahn und ist mit keinerlei Vernunft zu steuern. Wohl aber mit der Erschwernis, die entsprechende Waffe griffbereit zu haben.

Bliebe also nur der Appell an die Vernunft jedes Menschen, sich selbst auch zu schützen, indem er zuhause keine Waffen dieser Art besitzt. Denn wer kann schon sicher sein, dass er nicht einmal selbst in einen Zustand kommt, der eben "die Sicherungen" durchbrennen lässt.

Luchs



pilli †
pilli †
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Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von pilli †
ich mache schon seit jahren die schützenvereine und deren leichtsinnigen umgang der schützenmitglieder mit dem waffenarsenal mitverantwortlich für die amokläufe.

bedenke ich dann noch den in den stammkneipen der vereine reichlich konsumierten genuss von alk in jeder form...gerne auch als ekelhaft schmeckendes; aber schnell wirkendes "Herrengedeck" serviert, dann fallen die hemmschwellen wohl fixer?

schützen und alk, das geht nicht ohne und dann erinnere ich wieder die schützenfeste auf dem marktplatz in Köln-Sülz, wo ich vom fenster aus auch den blick mal hinter die schützenzelte tun durfte...brrr...bäääh...

vollgesoffen, den hosenschlitz offen, die hosen bepinkelt, hielten sie gegen mitternacht oder auch tagsüber die hände über die an der jacke angehefteten orden der schützenbruderzunft und kotzten sich die seele aus dem leib...igitt!

aber hauptsache die kasse stimmt, die der zeltwirte und die des schützenvereines!

wer als jugendlicher dieses treiben von jung an miterlebt hat, ja wieviel respekt hat der denn wohl noch mit dem umgang einer waffe oder mit dem leben anderer?


--
pilli

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luchs35 †
luchs35 †
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Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf adam vom 20.09.2010, 22:39:28
Hallo Adam, unsere Zeit hat sich beim Schreiben überschnitten.

Ich gebe dir absolut Recht mit deinen Argumenten. Nur wird das wenig nützen.
Deshalb gilt auch hier, was ich in meiner Antwort Hafel geschrieben habe: Es bleibt die Verantwortung bei jedem Einzelnen. Man kann nur an die Vernunft appellieren, sich selbst und seine Mitmenschen zu schützen, indem man freiwillig auf Schusswaffen zuhause verzichtet.

Luchs
adam
adam
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von adam
als Antwort auf luchs35 † vom 20.09.2010, 23:07:26

@luchs,

es ist jetzt 23 Uhr 17 und ich esse den kalten Rest vom Schnitzel, das mir Jutta gestern eingepackt hat. Vernunft? Was ist das denn?

Gruß

adam

vitaraw
vitaraw
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von vitaraw
als Antwort auf adam vom 20.09.2010, 23:20:59



oh adam isch liebe disch .... was fühle ich mich bratwurschtmässig mit dir verbunden !

zum thema , ich glaube es ist in einer großstadt einfacher an eine ilegale waffe zu kommen , als an eine sportschützenwaffe. glaube nicht das schusswaffendelikte merklich zurück gehen wenn das sportschiessen verboten wird.

die vorschriften im umgang mit den sportwaffen sind bedeutend schärfer als viele glauben mögen. hört euch da mal an kompetenter stelle um !

natürlich bin ich genau wie jeder andere bis ins mark erschüttert über solche furchtbaren unbegreiflichen taten , sehe aber trotzdem keine verbindung zum schiesssport.


jutta
adam
adam
Mitglied

Re: Amokläuferin von Lörrach war Sportschützin
geschrieben von adam
als Antwort auf vitaraw vom 20.09.2010, 23:41:31

Jutta,

die Worscht war unvernünftiger Weise zwei Stunden später. Aber danke für die Liebe.

Und weder Erfurt, noch Winnenden, noch Lörrach sind Städte, in denen Waffenhändler am Bahnhof rumlungern und auf Schüler warten, die eine Wumme kaufen wollen. Kostet ja auch eine Kleinigkeit. Pistole kaufen vom Taschengeld?

Es geht doch darum, daß die Waffen durch den Schützenverein zu Hand waren und sich die Täter auch mit derartigen Waffen durch Schützenvereine auskannten. Müssen Kinder an kriegsfähige Waffen heran geführt werden? Ich meine unbedingt nein.

Wenn sie auf Papptafeln schießen wollen und die Treffsicherheit als Sport wichtig ist, sollten doch Luftdruckwaffen genügen.

--

adam

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