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Aktuelle Themen Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel

silhouette
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Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von silhouette
als Antwort auf vom 03.10.2014, 18:29:51

was die fussball wm-s und em-s betrifft, so habe ich nicht nur ein fähnchen am auto, sondern eins links und eins rechts , und zwar bis zum endspiel, egal wer spielt ...
zu allem übel dekoriere ich die zwei haustüren noch mit je einem sehr grossen, schwarz-rot-goldenen, aufgespannten regenschirm ...

asche auf mein haupt,

liebe grüsse,
m./.
.
geschrieben von margarit

Oh weh, du bist ja ne ganz Schlimme! Zu den 2 Fähnchen rechts und links am Auto habe ich mal eine andere Interpretation gelesen. Zum Glück bist du eine Frau. Denn jemand schrieb dazu: der sichtbar gewordene Gehörnte.

Grüßle zurück! U.

@ elo: Du musst das beim Fernsehen reklamieren, sonst haben das die Leute längst vergessen. Denn sie werden derzeit nur an "Deutsche Botschaft Prag" erinnert. Im Falle des ungarischen Stacheldrahts war ja auch das zugedrückte Auge auf Seiten Österreichs notwendig. Man sieht daraus, dass ALLE, die involviert waren, es den Deutschen gegönnt haben. Und Ungarn als "gebranntes Kind" seit 1956 hat auch noch etwas riskiert dabei.

Ansonsten: Meine persönliche Erinnerung: auch ich hatte Angst, und zwar um die Leute, die in immer größerer Zahl demonstriert haben. Ich hatte Angst, dass es den DDR-Bonzen irgendwann zu viel würde und sie die Russen mit ihren Panzern rufen würden. Es kam im Fernsehen auch als eine recht "brenzlige" Situation rüber.

Am 10.11. hatte ich eine deutsch-französische Kommission zu Fragen der grenzüberschreitenden Regionalpolitik im Raum Baden-Pfalz-Elsass-Nordwestschweiz. Der französische Sitzungspräsident hat gleich zu Anfang der Sitzung die deutschen Vertreter von einer Art Verlegenheits-Starre erlöst, mit der sie mit den noch nicht ganz verinnerlichten Frühstücksnachrichten in den Pfälzer Grenzort angereist waren. Zu den Ereignissen der Nacht fiel vor der Sitzung von deutscher Seite bis dahin kein Wort. Für mich war es der berührendste berufliche Einsatz meines Lebens, als ich dem Franzosen für seine "Gratulationsrede" die deutsche Stimme leihen durfte. Ich habe die stärksten Passagen noch Wort für Wort in Erinnerung.
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von luchs35
als Antwort auf eleonore vom 03.10.2014, 18:37:42
Danke für den Clip, Eleo. Du hast Recht, das altehrwürdige Sopron hat mit der Öffnung des Grenzzauns nach Österreich sehr viel zu der Wiedervereinigung beigetragen, das sollte man nie vergessen.

Aber ich meine auch, dass alles hätte auch ganz anders ausgehen können- nicht nur mit Sopron, Prag oder die damalige DDR - wenn nicht die Russen mit Gorbatschow an der Spitze grünes Licht gegeben hätten, denn wie leicht hätte ein zweites 1953 entstehen können, als die Sowjet-Panzer den Arbeiteraufstand niederrollten. Deshalb hat ja auch kein Mensch damit gerechnet, dass sich am 9. November 1989 so unerwartet und plötzlich die Tore in der Mauer öffneten.

Ich hatte an jenem Tag frei, schaltete weder Radio noch TV ein, ich wollte nur meine Ruhe haben und gemütlich lesen. Bis meine Redaktionskollegin, mit der ich auch privat befreundet war, anrief und ins Telefon heulte und etwas schrie, das ich kaum verstehen konnte. Nur, dass ich den Fernseher anschalten soll. Was ich dann sah, konnte ich kaum fassen. Jedenfalls liefen die Tränen.

In der Folgezeit war ich ab Januar 1990 zwei Jahre lang mehr in in der Noch-oder Ex-DDR, erlebte so viel bei meinen Fahrten kreuz und quer durch das Land, lernte Menschen aus allen Lebensbereichen kennen, lebte selten in einem Hotel, sondern nur in privat vermieteten Zimmern, sah Negatives und Positives, das seine Eindrücke bis zum heutigen Tag sehr lebendig hinterliess.

Die Kontakte, die ich damals schloss, gibt es bis heute, aber leider hat sich auch vieles, das ich damals sehr schätzte, verflüchtigt : der Zusammenhalt und die Freundschaften der Menschen, die sich vieles teilten und heute nur noch jeder auf seinen Vorteil bedacht ist.

Leider sind alle meine Reportagen samt Fotos bei einem Hochwasser ersoffen, sie sind unersetzlich.

Luchs
anjeli
anjeli
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von anjeli
als Antwort auf luchs35 vom 03.10.2014, 19:23:48
Ich kann leider nicht sagen... was ich am dritten Oktober vor 25 Jahren gemacht habe...

sagen kann ich... dass ich heute am 03.Oktober 2014 meine Berliner Stammtischfreundin Manuela auf unserem Volksfest getroffen habe...

sie erzählte Arnika (die sie auch kennengelernt hat) peitzi und mir... dass heute ein besonderer Tag wäre... denn vor 25 Jahren wäre sie in der Prager Botschaft gewesen und hätte wie auch an anderen Tagen um Essen angestanden...

sie hat immer noch das Gänsehautgefühl... auch noch nach 25 Jahren... wenn sie an diese Zeit denkt...

in unserer Berliner Stammtischgruppe auf Facebook (geschlossene Gruppe) hat sie geschrieben... sie wäre dann vor 25 Jahren in Hof angekomen... unglaublich staunend... glücklich... ungläubig und....

Ich persönlich war drei Jahre von 06.01.1990 bis 31.12.1993 in Frankfurt/Oder tätig... ich und ein Kollege... wir haben ein Bildungszentrum aufgebaut... wir haben Kontakte geknüpft... wohnten bei Briesen auf einem ehemaligen Stasigelände mitten im Wald... hatten kein Telefon... der Weg durch den Wald war eine Panzerstrecke... die nächste Telefonzelle war in Briesen... und...

Es war eine schöne Zeit und ich habe überall nur hilfsbereite Menschen getroffen...

anjeli

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nixe44
nixe44
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von nixe44
ein Tag der in die Geschichte eingeht
Tag der deutschen Einheit

nixe(erinnert sich gern an diesen Tag)
chris
chris
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von chris
als Antwort auf luchs35 vom 03.10.2014, 11:50:46
Meine ersten Gedanken gingen an den Arbeiteraufstand 1953
der ja blutig beendet wurde von der Roten Armee. Ich kann mich
gut erinnern, wieviele Ängste meine Mutter damals hatte.

1989 war mein Sohn in Colorado, er rief mich an, Mama mach den
Fernseher an, da passiert was.

Glücklicherweise ist nichts passiert und wir können heute
in Frieden zusammenleben.

Die Erinnerung geht auch an die unsägliche Grenze, die viele
Familien getrennt hat.

Heute können wir die neuen Bundesländern besuchen und umgekehrt
ist es auch so.

Hier im Seniorentreff sind viele in Ost und West gut befreundet,
man spricht über Sitten und Bräuche, auch über das was gut
war und auch das was eben nicht richtig gewesen ist.

Nach der Wende hab ich Berlin sehr oft besucht und auch einige
andere Städte kenne ich.

Berlin hat sich zur Hauptstadt gemausert, na ja und irgendwann
wird wohl auch der Airport Berlin fertiggestellt werden. Vielleicht
erlebe ich es noch!

Chris
Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf vom 03.10.2014, 13:55:39
. "und ich träume noch immer vom trabbi und überlege,
ob mit ähnlichem aussehen und auf dampf gebrachtem innenleben dieses autochen nicht für längere zeit hätte "kult" werden konnen ..."

lg m./.
.
geschrieben von margarit


wall street journal, deutsch, 3.1.14
DER TRABI EROBERT MANHATTAN


ein artikel für trabbi-fans mit einer prise humor und 4 guten fotos.

m ./.
.

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Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von sirod49
Ich stand am Bügelbrett und hatte diese besondere, geschichtliche Nachricht im Radio gehört.
Nein, ich hatte mich nicht verhört, denn als ich den Fernseher an machte, war der Mauerfall in Berlin “Das Thema”.
Freude, Gänsehaut, Tränen,, Zweifel an den Nachrichten, alles war da.

Mit keiner Silbe habe ich damals daran gedacht, dass nun alles in unserem Arbeitsleben anders kommen wird…

Ich arbeitete in einer großen Firma, die elektronische Baugruppen herstellte.
Auch mein Mann hatte in der Stahlindustrie seinen schon jahrelangen Arbeitplatz. Unsere Jungs hatten ihre Lehre bereits beendet und arbeiteten jeweils in den erlernten Beruf.

Aber es kam anders
und das mussten wir als Familie ja irgendwie verarbeiten.
Unsere Familie fiel in ein großes schwarzes Loch, alle wurden arbeitslos.

Ich verstand z. B. nicht,
warum die Produktion elektronischer Baugruppen nicht mehr gefragt war…

Warum gab es damals überall bei uns diese Massenentlassungen?

Warum wurden so viele gut gehende Betriebe geschlossen?

Warum wurden viele Ausbildungen/Facharbeiter nicht mehr anerkannt?

Massenweise Fortbildungen und Umschulungen waren in den ersten 90ziger Jahren nach der Wende an der Tagesordnung.

Mein Mann hatte sich eine neue Existenz in der Heizungsbranche aufgebaut und ich habe 1998 nach Arbeitslosigkeit, Umschulungen, Fortbildungen und ABM Zeiten wieder (m)einen Arbeitsplatz bis zur Rente gefunden.

Wir, (mein Mann und ich), haben uns damals bewusst dafür entschieden, nicht wie viele andere in den Westen zu gehen, denn wir wollten hier in Sachsen leben.
Zum Glück dachten ja auch noch viele andere so wie wir, denn sonst wäre der östliche Teil Deutschlands heute wirklich nur ein Geisterland…

Rückblickend ist es ein großes Geschenk für uns alle, dass in der Wendezeit alles so friedlich abgelaufen ist, denn jeder weiß: es hätte auch anders kommen können…

Auch ich will das alte DDR System nicht mehr zurück, bin aber heute gefühlsmäßig von der Ellenbogengesellschaft in diesem jetzigen System hier in Deutschland weit weg…

Hier im ST wünsche ich mir eigentlich nur,
dass sich ab und zu einige Mitglieder einfach mal vorstellen, sie wären damals diejenigen gewesen, die in der damaligen DDR leben mussten und plötzlich ist nichts mehr so wie es mal war…

… darüber zu schreiben und zu diskutieren, das ist für mich kein “Jammern”, es sind einfach die Gefühle, die ab und zu mal raus müssen.

sirod49
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von luchs35
als Antwort auf sirod49 vom 04.10.2014, 12:09:14
Sirod, ich kann das, was Du schreibst sehr gut verstehen, ich habe in der Zeit nach der Wende ja sehr viele Menschen in der damaligen DDR kennengelernt und wurde auch mit deren Sorgen und Nöten konfrontiert. Ich sah viele marode Firmen, die einfach nicht mehr überleben konnten, bei anderen wurden die Gustostückchen für einen Appel und ein Ei "verhamstert", von der "Treuhand" will ich erst gar nicht reden, die hatte viele, auch absichtliche Fehlentscheidungen auf dem Gewissen.

Aber die westliche "Ellenbogengesellschaft" kam auch erst mit der Wende, denn zuvor hielten sich Kapitalismus und kommunistischer Sozialismus gegenseitig in Schach, wovon die Westbürger profitierten, weil sie zufrieden mit ihrem guten, freien Leben waren.

Luchs
Gillian
Gillian
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von Gillian
@sirod: Ein prinzipielle Äußerung von damals lautete:
Ihr könnt alles von uns haben, nur keine Marktanteile.
Gi.
sittingbull
sittingbull
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf karl vom 03.10.2014, 12:56:21
Auch wir saßen (im Westen) ungläubig vor dem Fernseher und haben Tränen der Freude verdrückt, weil die Freude der DDR-Bürger so mit Händen zu greifen war.
geschrieben von karl


"zu greifen" war vor allem eine illusion und 100 D-mark "begrüssungsgeld".

die "Freude der DDR-Bürger" wäre sicher kleiner ausgefallen , hätten
sie gewusst ... das sie auch nach 25 jahren immer noch nicht die gleiche
rente oder den gleichen lohn "verdienen" ... wie ihre bundesgenossen
in den "westzonen" .

das dass "Recht auf Arbeit" durch Hartz4 ersetzt wird und wohnen
zur glückssache werden würde .

das "Reisefreiheit" geld kostet , dass man nicht "verdient" und
die "Reisefreiheit" damit gegenstandslos ist .

das "Der schwarze Kanal" jetzt zwar anders heisst , aber
viel professioneller und flächendeckender arbeitet .

das die "Staatssicherheit" gegenüber der bürgerlichen totalüberwachung
ein kindergeburtstag war .

das sich das DDR postulat : "nie wieder faschismus - nie wieder krieg"
im "freien Westen" zu einer luftnummer entpuppen würde .

ja ... wir haben auch geweint .

und wie man deutlich sieht , aus den richtigen gründen .

die zerstörung der DDR und der hoffnungen ihrer menschen ist kein feiertag !

sitting bull

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