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Aktuelle Themen Der Uhu frisst Füchse und Dachse

hafel
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Mitglied

Re: Der Uhu frisst Füchse und Dachse
geschrieben von hafel
als Antwort auf eleonore vom 28.09.2007, 09:59:19
Aufgeschreckt durch eleonores „Ganz-Wort-Methode“ kommen mir dunkle Erinnerungen in den Sinn. So waren es nicht die Schulbücher alleine, sondern auch die Methoden, die alle Eltern, die ihre Kinder bei den Hausaufgaben begleitet hatten, auf die Palme brachten. Das ständige herumlaborieren mit Erstklässlern raufen mir noch heute die Haare. Als unser Sohn eingeschult wurde, waren wir sehr froh, dass er das 10er System bis 100 einordnen konnte. Er bekam aber Mengenlehre pur mit dem Erfolg, dass er am Ende seines ersten Schuljahres rote von blauen und runde von quadratischen Bausteinen unterscheiden konnte. Die beiden Töchter wurden mit der Ganzheits-Methode drangsaliert, die soweit getrieben wurde, dass ganze Sätze auswendig gelernt wurden, ohne einen einzelnen Buchstaben zu kennen!!!

Der Gipfel war das am Gymnasium, wo es sogenannte Leistungsfächer gab. Meine Tochter hatte sich für Deutsch und Englisch entschieden und konnte dafür in der Oberstufe ALLE naturwissenschaftlichen Fächer ablegen...... sie benötigte für all diese Fächer nur einen Punkt. Den holte sie sich in Biologie. Sie machte das Abi mit einer respektablen Note und studierte zunächst Germanistik und Anglistik, wo sie die „blöde Naturwissenschaft“ ja auch nicht brauchte. Nach dem 5ten Semester wechselte meine Tochter die Pferde und begann Medizin zu studieren. Hahaha, hier war ein Physikum zu bestehen. Alles musste nachgeholt werden und kann ich mich noch sehr gut erinnern, dass ich eine Zeit lang die Dauerausleihe für entsprechende Fachbücher war. Was ist ein Abitur wert, wenn ich am Ende eine sehr einseitige hohe Ausbildung hatte aber dafür keine einfache Formel umstellen kann?

Ich denke, dass die Schulausbildung zu DDR-Zeiten etwas effektiver waren, wenn auch dort vermutlich eine Menge „unnützes Gesellschaftliches“ mit gelernt werden musste. Aber zuviel lernen ist ja immer noch besser als zu wenig ))).

hafel
arno
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Re: errare humamnum est ...
geschrieben von arno
als Antwort auf klaus vom 28.09.2007, 16:27:19
Hallo, Klaus,

der deutsche Schulbuchmarkt hat ein
riesiges Eurovolumen!

Ersichtlich ist dies durch die Vielzahl
der Schulbuchverlage!
Es geht um sehr viel Geld und um noch
viel mehr Profilierung.

Ein Kenner der Materie sagte mir mal,
daß seinerzeit die DDR hervorragende
Schulfachbücher produzierte, die denen
in der BRD haushoch überlegen gewesen
sein sollen.

Viele Grüße
--
arno
hafel
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Re: errare humamnum est ...
geschrieben von hafel
als Antwort auf arno vom 28.09.2007, 17:35:39
Das stimmt Arno, .............
bereits 1960 las Prof Harms an der PTL (Physikal-Technischen Lehranstalt..... damals in Lübeck) nach Grimsehl. Grimsehl ist ein mehrbändiges Lehrbuch an den Universitäten und Hochschulen der DDR gewesen.
Ich persönlich habe auf sehr viel gute Fachbücher aus der DDR und Russland (!) zurück gegriffen.
--
hafel

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Re: errare humamnum est ...
geschrieben von klaus
als Antwort auf arno vom 28.09.2007, 17:35:39
@arno,
das kann ich nur für den Bereich Biologie und Chemie für die Oberstufe- einschl. Abiturstufe - beurteilen.
Das mit dem "haushoch überlegen" ist sicher übertrieben.
Der V.u.W.- Verlag, der ja jetzt mit Cornelsen verbunden ist, hat auch nach der Wende gute Schulbücher herausgebracht. Viele Schulen sind wieder auf die Bücher dieses Verlages umgestiegen.
Die Lehrbücher waren vor der Wende in der Aufmachung( Papierqualität schlecht, wenig Farbphotos,...), im Vergleich zu heute primitiv, hatten aber den Vorteil, dass sie nach den damals einheitlichen Lehrplänen orientiert waren. Sie mussten auch nach der Wende nicht so gewaltig verändert werden, da ideologische Probleme bei diesen Fächern einen geringeren Platz einnahmen.

Es ist heute schwerer möglich,ein Lehrbuch nach Lehrplan zu konzipieren da die Lehrpläne in allen Bundesländern auch im naturwiss. Bereich recht unterschiedlich sind.
So gibt es also einige Verlage, die Lehrbücher zum gleichen Fach herausgeben. Damit sie nicht zu teuer werden, sind sie oft "mit heißer Nadel gestrickt". Hinzu kam noch das Problem der laufenden Rechtschreibumstellungen in den letzten 10 Jahren.
Ich würde aber das Problem, dass durch die Stiftung Warentest an die Öffentlichkeit gebracht wurde, nicht überbewerten.
Die Stiftung Warentest hat scheinbar große Identitätsprobleme und muss gelegentlich die Aufmerksamkeit auf sich lenken.( Siehe auch - Stadien zur Fußball WM in Deutschland ).
Wie ich hörte, gibt es für die Testung solcher Lehrbücher auch immer wieder Probleme, Tester zu finden, die eine objektive Einschätzung ermöglichen. Es sollten neben erfahrenen Fachlehrern auch Experten aus dem Hochschul-Fachbereich anwesend sein. Da allerdings liegt oft der "Knackpunkt", da Hochschullehrer unbedingt Verbindung zum Schulbereich haben und nicht nur im Wissenschaftsbereich aktiv sein sollten.
Ich nehme mal an, dass Karl, der ja als Wissenschaftler tätig ist, aber gleichzeitig durch die "Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V."(http://www.zum.de/)einen hervorragenden Kontakt zum Lehrbetrieb hat, das Problem sehr genau kennt.
Vielleicht äußert er sich ja zu dieser Thematik auch noch.
Sie ist allerdings gerade in Deutschland sehr vielgestaltig und immer etwas unübersichtlich.
--
klaus
rolfwalter
rolfwalter
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Re: errare humamnum est ...
geschrieben von rolfwalter
als Antwort auf niederrhein vom 28.09.2007, 11:06:28
<> (Zitat Niederrhein)

Ja, ich auch. Besonders wenn man bedenkt dass die Beiträge dort nicht auf Richtigkeit geprüft werden und theoretisch jeder irgend einen Schmarrn hineinschreiben kann, geschieht das doch nur sehr selten.
--
rolfwalter
rolfwalter
rolfwalter
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Re: Der Uhu frisst Füchse und Dachse
geschrieben von rolfwalter
als Antwort auf klaus vom 28.09.2007, 09:50:20
<<Übrigens- das von den Medien so herausgearbeitete Beispiel für fehlerhafte Darstellung einer Nahrungskette ist allerdings ein schlechtes Fehlerbeispiel. Hier geht es ja nur um den Uhu und Fuchs als SYMBOLE für Raubvogel und Raubsäuger in einer Nahrungskette und da ist es durchaus denkbar, dass der Raubvogel einen Raubsäuger frisst. Vielleicht sogar der erwachsene Uhu einen sehr kleinen Fuchs. Es ist zwar nicht gerade günstig eine solche Darstellung zu benutzen, könnte aber sogar zum Denken anregen.>> Zitat Klaus

So ist das auch. Der Uhu ist mit einer Spannweite bis zu fast 170 cm der grösste Nachtraubvogel, fast so gross wie der Steinadler also - demnach kein Problem für ihn sich an einem Füchslein zu vergreifen wenn er eines erwischt. Selten genug dürfte dies aber der Fall sein, insofern ist das Nahrungsketten-Beispiel wirklich schlecht gewählt.

--
rolfwalter

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rolfwalter
rolfwalter
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Re: errare humamnum est ...
geschrieben von rolfwalter
als Antwort auf klaus vom 28.09.2007, 19:02:50
Darf ich hier einmal eine etwas vom Thema abweichende Frage stellen (da sich offenbar Experten in dieser Runde finden):

Was spricht eigentlich gegen bundeseinheitliche Lehrpläne und Schulbücher? Vielleicht weil dann vieles einfacher würde?
--
rolfwalter
Re: errare humamnum est ...
geschrieben von klaus
als Antwort auf rolfwalter vom 29.09.2007, 16:12:12
@rolfwalter,
" Was spricht eigentlich gegen bundeseinheitliche Lehrpläne und Schulbücher? Vielleicht weil dann vieles einfacher würde?"


Aus meiner nur kurzen Erfahrung ( 14 Jahre Schuldienst nach der Wende )nur wenige Bemerkungen dazu.
- Vorraussetzung für einheitliche Schulbücher wären einheitliche Lehrpläne.
- Einheitliche Lehrpläne wären für die meisten Fächer kein Problem ( z.B. Naturwiss., Mathematik, Sprachen). Territoriale Besonderheiten könnten im Anhang länderbezogen gestaltet werden.(Übrigens in der Lehrplankommission der Ost-BL nach der Wende mehrfach besprochen).
- Daraus würden Lehrbücher für das Grundlagenwissen der Fächer konzipiert werden können, die erweitert werden könnten durch Lehrbücher für unterschiedliche Erweiterungskurse.
- Aus den Lehrplänen ergäben sich dann einheitliche Themenkomplexe für Prüfungen, Vergleichsarbeiten...für alle Bundesländer.

Warum aber läuft da so gut wie nichts ?
- Die Anforderungen sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Das beginnt bei der Unterrichtsstundenanzahl für die einzelnen Fächer in den Klassenstufen und endet bei der Stoffauswahl.
- Es fiel ja schon schwer, sich auf einige grundsätzliche einheitliche Rahmenrichtlinien zu einigen.( Motto: Was muss ein Schüler der Klassenstufe X im Fach Y mindestens wissen und können...)

Ein Schritt in die richtige Richtung wäre wenigstens das Erreichen der Vergleichbarkeit, ohne unbedingt eine absolute Gleichheit zu fordern.
Solange die "Schule" absolute Ländersache ist, wird sich auch das wohl nicht so schnell machen lassen.
--
klaus
karl
karl
Administrator

Es wächst zusammen, was zusammen gehört.
geschrieben von karl
als Antwort auf rolfwalter vom 29.09.2007, 16:12:12
Ich denke, die Antwort ist ganz banal: Die Kulturhoheit der Länder wird mit Zähnen und Klauen verteidigt, weil dies ein wichtiges Machtinstrument ist, das viele Pöstchen und auch Gelder bindet. Es besteht die Furcht durch zuviel Einheitlichkeit den Anspruch auf die Kulturhoheit zu verlieren.

Als meine Frau den Bildungsserver ZUM.DE gegründet hatte wurde sie kurzfristig an das Landesinstitut für Erziehung und Unterricht in Stuttgart abgeordnet. Die Integration von ZUM.DE in den Landesbildungsserver scheiterte dann daran, dass wir den Anspruch nicht aufgeben wollten, ein bundesweiter Dienstleister zu sein. Spitz formuliert: Die Suche nach richtigen Lösungen für Mathematikaufgaben sollte an der Landesgrenze enden. Das wollten wir nicht.

Wenn wir von Globalisierung reden, wird das Zusammenwachsen der Regionen aber auch im Bildungssystem dazu führen, dass die Standards angeglichen werden müssen.
--
karl
poldi
poldi
Mitglied

Re: Es wächst zusammen, was zusammen gehört.
geschrieben von poldi
als Antwort auf karl vom 29.09.2007, 17:20:12
Ich wurde 1937 eingeschult, habe bis 1945 7 verschiedene allgemeinbildende Schulen zwischen Rhein und Warthe besucht, immer gleiche Lehrbücher gehabt, keinerlei Umschulprobleme.
Es hätte aber noch schlimmer kommen können, war doch nach dem Krieg von unseren heutigen "Freunden" im Wilden Westen noch der Morgentauplan im Gespräch, Deutschland nur Ackerbau und Viehzucht zu gestatten. Dann bekamen sich die Amis und die Sowjets in die Wolle und dank diesem "kalten Krieg brauchten unsere "Freunde" einen Pufferstaat zur UDSSR! Sonst hääten unsere Kinder sicher nur 4 Jahre zur Schule gemußt!
hi hi hi
--
poldi

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