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Aktuelle Themen Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf angelottchen vom 03.12.2007, 09:47:27
solange die westliche welt nicht in der lage ist, aids in den griff zu bekommen, so lange besteht für afrika wenig chancen. Es erschüttert mich immer wieder, wie bei uns aids verschwiegen wird. in meinem bekanntenkreis sind seit den 90jahren etliche menschen einfach verschwunden und nur hinter vorgehaltener hand wurde über aids gesprochen. um meine schwulen freunde habe ich oft angst. ein freund hat mir einmal gesagt: “weißt du sex hat nichts mit liebe zu tun, es ist wie in die lieblingswurst beissen. Und da möchte man reinbeissen, auch wenn man in einer festen beziehung lebt.” die partner wissen in den meisten fällen davon und/oder machen mit. in heten-kreisen ist der umgang in sachen sex kaum anders, sonst würden sich die fällen der ansteckung ja nicht häufen. die tatsache, dass in vielen fällen ohne kondom hantiert wird, zeigt wohl klar, wie in unserem land mit aids umgegangen wird. Wieso erwarten wir also von afrika, einer der ärmsten Kontinente dieser welt, dass es ausgerechnet dort ein umdenken im umgang von Aids geben soll.

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plumpudding
angelottchen
angelottchen
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf vom 03.12.2007, 10:25:15
Interessant in dem Zusammenhang ist auch die tasache, dass AIDS in "westlichen Ländern" ein neues gesicht bekommt - es sind vor allem in den USA nicht mehr nur die Schwulen und Drogensüchtigen - es sind .. Senioren, Menschen über 50 .. und inzwischen macht ihr Anteil an HIV+-Infizierten in den USA insgesamt 29% aus - das sind keine Infizierten, die alt geworden sind sondern die sich erst im Alter über 50 infiziert haben.

In den letzten Jahren ist die Zahl an Neuinfizierten in dieser Alterssgruppe über 50 von 16.000 Personen im Jahre 1995 auf 90.000 Personen im Jahre 2003 gestigen - also ein Anwachsen von 500%! (Quelle: CBS NEWS

Verantwortlich dafür ist unter anderem VIAGRA, aber auch die Tatsache, dass Frauen jenseits der Wechseljahre nicht mehr zu verhüten müssen und ergo keine Kondome wollen.

Die Stadt New York hat in diesem Sommer kostenlose Kondome an Senioren verteilt - zusammen mit einer speziellen Aids-Aufklärungsbroschüre. Kommentar einer 82jährigen: OK ihr gebt uns Kondome - aber wo bekomme ich einen Kerl her? ...

Liest sich witzig, ist es aber nicht. Im Howard University Hospital in Washington wurde 2007 bei einem 82jährigem Patienten HIV diagnostiziert. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis das Thema Aids bei Senioren auch in Deutschland ein Thema ist, das man nicht totschweigen kann.



angelottchen
Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf angelottchen vom 03.12.2007, 10:45:28
1993 erschien das buch "und das leben geht weiter" ein hervorragend aufgearbeitetes buch über den beginn von aids.kurz danach erschien der film "philadephia".
tja angelottchen, die heute 50jährigen und mehr sind genau die generation, die mit aids in den 80ger und 90ger-jahren konfontriert wurden. aber da anfangs von der schwulen-seuchen gesprochen wurde, betraff das ja nicht uns. ich glaube auch nicht, dass viele dieser generation jemals zu einem aids-test gegangen sind, weil alle von der treue des partners überzeugt waren oder sind. es werden sicherlich einige aufwachen müssen.
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plumpudding

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luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von luchs35
als Antwort auf angelottchen vom 03.12.2007, 10:45:28
Richtig, Angelottchen, ich denke auch, das ist ein Thema, das auf uns zukommen wird.
Ältere Menschen, jenseits der 60, beschäftigen sich kaum mehr mit der Frage nach der eigenen Gefährdung durch HIV- Übertragung, und schon gar nicht mehr nach Kondomen, sie freuen sich eher, dass diese "endlich" überflüssig geworden sind. Die eher altersmässig begrenzte sexuelle Freiheit spielt da auch keine Rolle, denn es kann schon ein einziger Kontakt genügen, um sich zu infizieren.

Bezüglich Afrika, vorwiegend der südliche Teil, sieht der Kampf gegen Aids allerdings aussichtslos aus. Laut Unicef werden bis zum Jahre 2010 schätzungsweise 15,7 Millionen Kinder einen oder beide Elternteile verloren haben. Ein grosser Anteil dieser Kinder wird selbst von der Krankheit betroffen sein.
Und wenn auch noch die Grosseltern vieler dieser Waisen die Erziehung übernehmen müssen, werden die alten Vorstellungen weiter überliefert werden. Bei aller Hochachtung vor diesen tapferen Grosseltern, die kaum selbst der Belastung gewachsen sind, sie werden jedoch die Situation noch verschlimmern.

Bürokratiedenken und wirtschaftliche Interessen (man denke nur an die Medikamente) verhindern zudem die Aufklärung in breitem Rahmen.

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luchsi35
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von schorsch
als Antwort auf luchs35 vom 02.12.2007, 11:11:41
So wie mir bekannt ist, wachsen die meisten dieser Waisenkinder in Heimen auf. Hier besteht die grösste Chance, Aufklärungsarbeit zu machen.

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schorsch
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von luchs35
als Antwort auf schorsch vom 03.12.2007, 16:10:11
@Schorsch

Und wo sollen über 15 Millionen Waisen in Afrika unterkommen?
Wer baut wohl soviele Heime? Wer bezahlt das?

Um es einmal nicht nur in nüchternen Zahlen auszudrücken: Das wäre die gesamte Einwohnerzahl der Schweiz und Österreichs zusammen. Vielleicht kann man sich mit diesem Hinweis diese "Masse" lebendiger vorstellen.

Noch ist es so, dass es überwiegend die Grossmütter sind, die sich dieser Kinder annehmen. Nicht umsonst werden sie die "Heldinnen Afrikas" genannt.

Ein grossser Teil der Kinder lebt auch in sogenannten "Kinderfamilien", was bedeutet, dass das Älteste für den Unterhalt der jüngeren Geschwister sorgt....egal mit welcher Arbeit.

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luchsi35

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EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf schorsch vom 03.12.2007, 16:10:11
Ja schorsch, weißt du denn wie die aufklährungsarbeit seitens der afrikanischen regierungen aussieht?
Der regierungschef von simbabwe meint, heiß duschen nach dem verkehr reicht aus und die gesundheitsministerin von südafrika empfielt als absolut sicheres mittel die einnahme eines multivitaminpräparates.
Und wenn die vielgescholtenen pharmafirmen dann wirksame aidsmittel spenden oder zum minipreis nach afrika liefern, tauchen diese präparate monate später zum entsetzen der lieferanten in europäischen apotheken wieder auf.
Die gelder dafür sind sicherlich auf den konten der genannten personen oder ihrer clans gelandet.
gram
mart
mart
Mitglied

Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von mart
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 03.12.2007, 17:16:32

Auch ein Erzbischof verbreitet in Moçambique abstruse Theorien über Aids.....

.."Das hat Moçambique gerade noch gefehlt: Die Regierung bemüht sich nach Kräften, die weitere Ausbreitung von Aids zu verlangsamen – rund ein Fünftel der Bevölkerung trägt das HI-Virus in sich – und Erzbischof Francisco Chimoio beschuldigt zwei europäische Staaten, mit dem Virus verseuchte Kondome nach Afrika zu schicken: „Sie wollen die Afrikaner fertigmachen, das ist Teil ihres Programms, den Kontinent zu kolonisieren.“ Die selben Anschuldigungen führte er für antiretrovirale Medikamente ins Treffen..."(s.Link)
angelottchen
angelottchen
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Re: Die Elterngeneration in Afrika stirbt aus
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf schorsch vom 03.12.2007, 16:10:11
schorsch - woher hast du diese info???
das mit den Waisenhäusern mag vielleicht für südafrikanische Grossstädte zum Teil stimmen - der allergrösste Teil dieser Waisen aber lebt oft ganz alleine in von Erwachsenen ausgestorbenen Dörfern oder ghettoisiert am Rande ihrer heiatdörfer, wo die Nichtinfizierten sich ihrer erbarmen, und ihnen wenigstens etwas zu Essen bereitstellen - wenn sie Glück haben, kommt eine regelmässige medizinische Ambulanz zu ihnen.Allein in Malawi gibt es 1/2 Million AIDS- Waisen - wo sollen die wohl alle untergebracht werden? Lies dazu mal DAS HIER

Simbabwe, dem Land, dem es auch so schon am elendigsten von allen geht, hat eine Bevölkerung von ca 12 Mio - davon sind fast 1 Mio Aids-Waisen, Schorsch! 1 Mio Waisen ... glaubst Du wirklich, die sind wohl behalten in Waisenhäusern? Wo lebst Du denn wohl schorsch!!!

Hier ein Zitat aus einer Jesuitenmissionsseite:
Allein in Simbabwe gibt es rund 900 000 Aidswaisen bei einer Bevölkerung von 12 Millionen. Die meisten von ihnen werden in den Familien von Verwandten oder von den Großeltern aufgenommen und versorgt. Doch vielfach sind diese Familien schon überlastet durch die Sorge für Kinder anderer Verwandter, die an Aids gestorben sind. In einem Fall hatte eine Großmutter für 32 Kinder ihrer eigenen Söhne und Töchter zu sorgen, die Opfer von Aids geworden waren. Die afrikanische Großfamilie und die Nachbarn sind sehr großzügig und hilfsbereit mit dem, was sie haben, mit Essen und Unterkunft. Aber sie haben kein Geld für die Schulausbildung der Aidswaisen. Hilfe für Aidswaisen leistet die Jesuitenmission in Simbabwe über die Projekte von Schwestern auf der St. Teresa Mission, im Tariro Kindergarten in Chinhoyi und Shungudzevana in Harare. Br. Kizito SJ arbeitet in Mashambanzou und sorgt sich um Hunderte von Aidswaisen, die oft allein oder als eine Familie von Kindern in Harare leben. In Kenia unterstützt die Jesuitenmission einen Kindergarten in Nairobi im Slum Kibera.
geschrieben von jesuitenmission.org


Selbst in der Hauptstadt Harare gibt es kaum Waisenhäuser!

Aber noch einmal zu Europa - erschreckend ist, dass neben Portugal, den Baltischen Staaten und Russland, Grossbritannien und ausgerechnet die Schweiz die höchste Zahl von HIV+ Infizierten und Neuinfizierten hat ...



Deutschland und Österreich liegen unter diesen Zahlen ... aber was heisst das schon?

Aidsinfektionen in Deutschland: Anstieg von mehr als 25 Prozent befürchtet
Laut dem Robert Koch-Institut haben die Infektionen mit Aids in Deutschland heuer sehr zugenommen. Das Institut geht von bis zu 2.600 HIV-Neuinfektionen im laufenden Jahr aus.
Im letzten Jahr wurden 2.058 Fälle der Krankheit verbucht.
Die Deutsche Aids-Stiftung geht von einer Erhöhung von über 25 Prozent aus. Momentan leben ca. 49.000 Aids-Infizierte in Deutschland.
geschrieben von morgenpost.de

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angelottchen
niederrhein
niederrhein
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Eine Frage am Rande ...
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf luchs35 vom 01.12.2007, 23:17:41
Aids in Afrika : Eine Elterngeneration stirbt aus


Am heutigen 1. Dezember war Weltaidstag. Deshalb zum Abschluss dieses Tages noch ein paar Worte zu einem Thema, das kaum einmal die Schlagzeilen beherrscht: Alter und Aids in Afrika.

In Afrika leben mit über 20 Millionen nahezu zwei Drittel aller HIV-positiven Menschen weltweit. Ein Drama von ungeheurem Ausmass, dem eine Generation zum Opfer fällt , die eigentlich Eltern sein sollten.
Sie hinterlassen oft bereits HIV- infizierte Kinder; Waisen, die nun der Sorge der alten Generation überlassen werden. Besonders die Grossmütter vollbringen unvorstellbare Leistungen.

Zuerst pflegen sie ihre eigenen kranken Kinder bis zu ihrem Tod. Dann übernehmen sie die Waisen, ihre Enkelkinder in Obhut.
Die Grosseltern erscheinen kaum in den Statistiken der internationalen Hilfsprogramme , und doch ist diese Generation der Älteren Hauptverliererin der Aidsepedemie.
Renten gibt es nicht, ihre traditionelle Alterversorgung waren die eigenen Kinder. Und nach deren Tod müssen sie für alle Belange ihrer Enkel aufkommen.
Nicht nur mit der Ernährung und Kleidung werden sie belastet, auch für Schulmaterial etc. sollen sie aufkommen , wobei sie selbst nicht wissen, wie sie alle ernähren sollen. Niemand ist da, der ihnen Hilfe in irgendeiner Form bietet.

Für die Enkel bleiben wiederum die Verrichtung jener Arbeiten, die eigentlich im Aufgabenbereich von Eltern liegen würde, wenn sie es denn noch gäbe. Sollten die Grosseltern wiederum erkranken, bleibt den Kindern deren Pflege überlassen.
Meist aber sind es allein die Grossmütter, die die ganze Last tragen.
Sie sind Afrikas Heldinnen, wie ein in Tansania lebender Schweizer Rentner sagte. Er lebt mit seiner Frau und vier Waisenkindern in der Provinz Kagera und versucht , so gut es ihm mit seiner eigenen Rente möglich ist, die schlimmsten Notfälle in seiner Umgebung zu lindern. Da die älteren Menschen zumeist durch Mangelernährung sehr geschwächt sind, ist kaum eines der Selbsthilfeprogramme möglich.

Das bestätigte auch die Entwicklungsagentur GTZ , die sich für eine soziale Grundsicherung durch direkte Geldhilfe stark macht.
Studien der GTZ haben festgestellt, dass afrikanische Grosseltern mit ihren Enkel zu den Ärmsten der Armen gehören , denen nur durch direkte finanzielle Zuwendung geholfen werden kann. Der Experte Mathias Rompel spricht von finanzierbaren Summen , die die einzelnen Länder für diese Renten aufbringen müssten. Und er betont auch, dass diese Ärmsten überaus verantwortungsvoll mit Geld umgingen.
Dass in Afrika das Thema Aids und Alter bis heute vernachlässigt wurde, bestätigen auch Mitglieder des Roten Kreuzes. In Zusammenarbeit mit dieser älteren Generation sollen nun Hilfsprogramme erstellt werden.

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luchsi35
geschrieben von luchsi35


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niederrhein

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