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Aktuelle Themen Die Schläger aus Zürich

karl
karl
Administrator

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von karl
als Antwort auf ehemaligesMitglied65 vom 04.07.2009, 11:32:28
@ meritaton,


eine harte Strafe ist bei Jugendlichen nicht abschreckend, da sie aus dem Bauch heraus handeln und sich die Konsequenzen ihres Verhaltens nicht bewusst machen. Wir sollten uns hierzu die Statistiken anschauen und die Faktenlage sprechen lassen.

Vielleicht meinst Du, dass die Strafe die Jugendlichen umerziehen könnte und damit die nächste Straftat verhindern könnte. Dann sind wir uns in der Zielsetzung einig und können darüber diskutieren, mit welcher Methode die Resozialisierung besser gelingt, mit Härte allein oder mit Resozialisierungsprogrammen, die Geld und Intellekt erfordern.

In Deutschland besteht nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein Anspruch des verurteilten Straftäters auf Resozialisierung aufgrund von Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes[1]. Diese Rechtsprechung geht auf das Lebach-Urteil von 1973[2] zurück.
geschrieben von wikipedia


Es ist also notwendig zu überlegen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Der Schutz zukünftiger Opfer (Prävention) ist dabei zu berücksichtigen.
--
karl
fische
fische
Mitglied

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von fische
als Antwort auf karl vom 04.07.2009, 12:02:18
Hallo,
ich verstehe nur nicht,das die Schläger immer mit Samthandschuhe angepackt werden und von den Opfer spricht kein Mensch.
--
fische

ehemaligesMitglied65
ehemaligesMitglied65
Mitglied

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von ehemaligesMitglied65
als Antwort auf karl vom 04.07.2009, 12:02:18
--
Karl, ich meine einfach aus meiner Erfahrung heraus, die ich gesammelt habe, dass diese langjährige Praxis des alles Verstehen gerade NICHT zur Prävention beiträgt.
Und schon rein gar nichts mit dem Resozialisierungsgedanken zu tun hat.

Im vor allem Jugendstrafrecht werden seit langer Zeit Dinge bagatellisiert, die nicht zu bagatellisieren sind. Und damit im Bewusstsein der Jugendlichen nicht als das verankert, was sie sind: Straftaten!

Dass schon vorher mit der "Prävention" angefangen werden muss, habe ich ja gesagt. Nämlich schon ganz früh bei der Erziehung, die zur Einsicht führen sollte, dass sich der Mensch zur Ordnung des Zusammenlebens Regeln gegeben hat, die einzuhalten sind, ohne Diskussion.
Er also, damit es auch ihm gut gehe, nicht die wohlverstandenen Interessen der anderen missachten sollte.

Das ist meiner Meinung nach eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der diese Gesellschaft schon lange nicht mehr gerecht geworden ist. Weil "law and order" verpönt wurde.

meritaton

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karl
karl
Administrator

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von karl
als Antwort auf fische vom 04.07.2009, 12:35:29
@ fische,


wenn über Prävention geredet wird, dann wird ja gerade versucht, Opfer erst gar nicht entstehen zu lassen. Bei uns ist der Rachegedanke glücklicherweise aus der Rechtsprechung verschwunden. Es muss darum gehen zukünftige Straftaten von Straftätern zu verhindern und die Erfahrung zeigt eben, dass harte Strafen allein hier keinesfalls alleine hinreichend sind, es muss auch erzieherische Maßnahmen geben, die diese Gehirne umprogrammieren - und wenn "Samthandschuhe" dieses Ziel besser erreichen würden, dann würde ich für "Samthandschuhe" plädieren, für jede Methode eben, die sicherstellt, dass Gewaltverbrechen in der Gesellschaft reduziert werden.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es völlig falsch ist, die Zunahme jugendlicher Gewalt auf lasche "Strafen" zurück zu führen. Nach den Gründen gesellschaftlicher Fehlentwicklungen zu suchen, bedeutet auch nicht "verstehen wollen" in dem Sinne von "entschuldigen wollen", sondern "verstehen" ist die notwendige Voraussetzung, um Ursachen beseitigen.

Wenn Du krank bist, dann wird ein guter Arzt versuchen, die Ursache für die Krankheit zu bekämpfen und nicht nur die Symptome bekämpfen wollen. Er muss beides tun.
--
karl
myrja
myrja
Mitglied

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von myrja
als Antwort auf karl vom 04.07.2009, 12:44:06
Ich weiß nichts über den Fall der drei Jugendlichen aus Zürich. Aber ich bin auch für härtere Strafen. In dem Betrieb (gemeinnütziger interkultureller Verein) in dem ich arbeite, können jugendliche Straftäter ihre Strafe abarbeiten durch Sozialstunden. Das erspart ihnen den Gefängnisaufenthalt. Wer nicht regelmäßig zur Arbeit erscheint, muss ins Gefängnis und die Strafe absitzen. Leider nehmen fast alle das Ganze ziemlich locker. Statt um 8 Uhr morgens erscheinen sie erst um 12 Uhr mittags oder mal gar nicht. Manche kommen zwar pünktlich, aber völlig zugekifft zur Arbeit. Eigentlich hält kaum einer seine Stunden wirklich ein. Manchmal wünschte ich mir da schon, dass der verantwortliche Chef für diese Jugendlichen etwas strenger wäre und nicht immer ein Auge zudrückt. So viele Augen wie man da bräuchte, hat niemand. Uns Mitarbeitern ist jetzt schon klar, diese Jugendlichen sehen wir spätestens in einem Jahr wieder, wenn sie die nächste Strafe abarbeiten müssen. Meiner Meinung nach müssten Jugendliche gerade die erste Strafe absitzen, sozusagen zur Abschreckung.
--
myrja

Karl, das stellt natürlich nicht in Abrede, dass auch Prävention extrem wichtig ist.
rolf †
rolf †
Mitglied

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von rolf †
als Antwort auf myrja vom 04.07.2009, 12:57:17
Nach verbüßter Strafe werden sie dann rückfällig, weil sie ja im Knast gelernt haben, warum sie erwischt wurden.
Die Fehler werden sie vermeiden und glauben dann, jetzt werde ich nicht mehr erwischt.
Wie gut Strafe als Abschreckung wirkt, sieht man doch an der Todesstrafe in den USA.
--
rolf

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karl
karl
Administrator

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von karl
als Antwort auf rolf † vom 04.07.2009, 13:02:34
Wie gut Strafe als Abschreckung wirkt, sieht man doch an der Todesstrafe in den USA.
geschrieben von rolf

Hallo Rolf, Du hättest das als Sarkasmus kenntlich machen sollen, sonst glauben einige noch, die Dich nicht kennen, das sei Deine Meinung. Du hast aber Recht. Gerade die Todesstrafe in den USA ist ein sehr anschauliches Beispiel, an dem deutlich wird, dass harte Strafen keinen Abschreckungseffekt haben.
--
karl
myrja
myrja
Mitglied

Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von myrja
als Antwort auf karl vom 04.07.2009, 13:07:00
Ich hab das schon als Sarkasmus verstanden Karl.

Aber was soll man denn nun wirklich tun. Ich bin etwas ratlos. Nur Prävention - das reicht mit Sicherheit auch nicht. Böse Buben und Mädchen wird es immer geben, trotz Prävention. Aber wie soll dann die Strafe aussehen?
--
myrja
karl
karl
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Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von karl
als Antwort auf myrja vom 04.07.2009, 13:33:54
Ich habe ja geschrieben, der Schutz (zukünftiger) Opfer ist das Wichtigste. Deshalb müssen Täter mit Rückfallsrisiko auch weiter behandelt werden, notfalls steht unseren Gerichten die Möglichkeit zu, lebenslange Sicherheitsverwahrung anzuordnen.
--
karl
ehemaligesMitglied65
ehemaligesMitglied65
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Re: Die Schläger aus Zürich
geschrieben von ehemaligesMitglied65
als Antwort auf karl vom 04.07.2009, 12:44:06
@ fische,


wenn über Prävention geredet wird, dann wird ja gerade versucht, Opfer erst gar nicht entstehen zu lassen. Bei uns ist der Rachegedanke glücklicherweise aus der Rechtsprechung verschwunden.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es völlig falsch ist, die Zunahme jugendlicher Gewalt auf lasche "Strafen" zurück zu führen. --
karl
geschrieben von karl


--
Karl, "Strafen" müssen sein, deshalb heißen sie ja auch nach wie vor so. Der Mensch ist nicht so gepolt, dass er die Notwendigkeiten des "Gutverhaltens" ohne weiteres einsieht, wenn seine momentanen Interessen dagegen sprechen.

Myria hat doch geschildert, was fehl läuft. Warum wird dort so lasch gehandelt?

Momentan ist die Gesellschaft in dieser Frage fehlentwickelt. Deswegen kann man doch, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, nicht alles so weiter laufen lassen.

Das heißt ja nicht, dass die jungen Menschen sinnlos weggesperrt werden sollen.
Und was die Todesstrafe damit zu tun hat, erschließt sich mir nun gar nicht:(

Natürlich wird niemand durch reines Wegsperren gebessert. Das geschieht ja auch nicht.
Darum geht es nicht. Es geht um sofort spürbare und unangenehme Konsequenzen aus den Taten für den Täter, deren Konsequenzen von Unschuldigen bereits gespürt wurden.
Und nicht um Rache, wenn auch der Vergeltungsgedanke aus dem Strafrecht zu recht nicht völlig verschwunden ist.

meritaton

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