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Aktuelle Themen Es wird keinen neuen Dalai Lama geben

olga64
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Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von olga64
Der noch "amtierende" DAlai Lama, auch schon 79 Jahre alt, erklärte, dass nach ihm kein neuer Dalai Lama mehr installiert würde. Dies hängt auch damit zusammen, dass der Dalai Lama aus Tibet kommen muss, das ja bekanntlich Teil von China ist. Der jetzige Dalai Lama lebte die meiste Zeit seines Lebens im indischen Asyl - in Tibet war er nie wieder.
Dabei ist das doch sicher ein interessanter und auch lukrativer Job: viele Reisen, für Vorträge erhält er pro Zuhörer ca 400.-- Euro, immer beste Hotels und auch für Statussymbole wie z.B. teure Uhren ist immer noch Platz.
ER predigt dann Armut - auf ihn und dieses Amt trifft dies aber nicht ganz zu.
Dafür gibt es dann Bücher und oft ein wenig einfache Sprüchlein, die wir früher auf Abreisskalendern lesen konnten.
Auch die tibetische Jugend hat sich geändert und möchte Taten sehen, die aber ein friedlicher Dalai Lama, der gewaltfrei agiert, nicht erfüllen kann. So hat doch alles im Leben seine Zeit - auch der Dalai Lama. Olga
det
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von det
als Antwort auf olga64 vom 09.09.2014, 16:55:12
Damit tritt der Dalai Lama dann auch endlich die Nachfolge des Buddha an, der vor seinem Tod erklärte, daß nicht die Person, sondern einzig die Lehre ihm nachfolgen sollten. Manches dauert, wird aber endlich gut.

Der Personenkult des tibetischen Buddhismus und die Praxis eines feudalistischen Staates mit einer Oberschicht von Mönchen war ohnehin fragwürdig. Mit dem ursprünglichen Buddhismus hatte das schon seit Jahrhunderten nichts mehr zu tun.

det
olga64
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von olga64
als Antwort auf det vom 09.09.2014, 17:30:37
SEhe ich genau so - das hatte aber auch viel zu tun mit dem Riesengeschäft, das im Zuge mit Esoterik usw. in westlichen Ländern hier vorhanden war und wofür die "Gläubigen" sehr viel Geld ausgaben. Es wird sich ein neuer Guru finden, dem die Lemminge bedingungslos folgen werden.... Olga

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Medea
Medea
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von Medea
als Antwort auf det vom 09.09.2014, 17:30:37
Der Buddhismus kennt keinen Himmel und auch keine Hölle, sein
Ursprung liegt in Indien. Seine Anhänger glauben an die Wiedergeburt.
Weltweit gehören dieser Religion ca. 377 Millionen Menschen an.

Vor Jahrzehnten gab es in Deutschland/Europa einen regelrechten Boom
hin zum Buddhismus, zu Übungen wie den 5 Tibetern, zu Räucherstäbchen
und zur Vorstellung der Wiedergeburt etc. und die Auftritte des Dalai Lama in Deutschland waren stets gut
besucht. Der Buddhismus gilt als friedfertige Religion.

Der chinesischen Regierung ist der Buddhismus ein großer Dorn im Auge.
Mir ist diese Religion im großen und ganzen fremd geblieben.
Mit dem Dalai Lama verliert der Buddhismus seinen höchsten lebenden
Würdenträger.

M.
det
det
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von det
als Antwort auf Medea vom 09.09.2014, 18:51:28
Mit dem Dalai Lama verliert der Buddhismus seinen höchsten lebenden
Würdenträger.

Hallo Medea,

mit Ausnahme des zitierten Satzes gebe ich dir Recht. Es gibt im Buddhismus keinen höchsten Würdenträger wie zum Beispiel den Papst im Katholizismus. Aber so wie es im Christentum oder im Islam keinen übergreifenden höchsten Würdenträger gibt, so gibt es den auch nicht im Buddhismus.
Der Dalai Lama ist der höchste Würdenträger einer Gruppe des tibetischen Buddhismus, der Gelug-Schule. Es gibt andere Schulen des tibet. B., die jeweils andere höchste Würdenträger kennen. Der Theravada-Buddhismus kennt überhaupt keinen "höchsten W.", im Zen gibt es ebenfalls verschiedene Schulen, aber so wie beim Theravada zwar allgemein anerkannte bedeutende Lehrer, aber keinen gottgleichen Würdenträger.
Bekannte Lehrer einer Schule werden auch in anderen Schulen als Weise anerkannt, aber der tibetische Buddhismus unterscheidet sich grundsätzlich von den anderen buddh. Schulen.

Wikipedia hat ein ziemlich gutes Portal zum Buddhismus. Da kann man über die verschiedenen Schulen nachlesen.

det

p.s. Leider war der Buddhismus nicht immer und überall eine friedliebende Religion. So ist die Gruppierung des Dalai Lama vor längerer Zeit durch Waffengewalt zur führenden Sekte in Tibet geworden. Das war der Krieg der "Gelbmützen" gegen die "Rotmützen"
Medea
Medea
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von Medea
als Antwort auf det vom 09.09.2014, 19:10:36
Danke Det für Deinen erweiternden Hinweis.
Eigentlich wollte ich Würdenträger einer Gruppe schreiben,
war mir aber nicht so sicher. So hast Du das freundlicherweise
ergänzt. Du hast natürlich auch recht damit, daß der Buddhismus
nicht immer so friedlich ist wie allgemein angenommen.

Gruß Medea.

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schorsch
schorsch
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von schorsch
als Antwort auf olga64 vom 09.09.2014, 16:55:12
Bitte nicht vergessen: So lange die Tibeter - ob im Lande geblieben oder in fremde Lande geflüchtet - ihren Dalai Lama haben, so lange können sie von der Hoffnung zehren, es gäbe wieder mal ein freies Heimatland. Der Dalai Lama ist also trotz seines nicht mehr asketischen Lebens immer noch DAS Symbol der Freiheit für die Tibeter.

Seine Worte, man solle nach ihm keinen Nachfolger mehr bestimmen, sind eine Bitte. Sie hat - hoffentlich - keine rechtliche Wirkung auf die Tibeter.
panda
panda
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von panda
Der Dalai Lama hat , abgesehen von seiner religiösen Bedeutung , aber auch eine Nationale.
Die " Einverleibung " Tibets war ein imperialer Akt dieses " Groß-Reiches ".

Neben den Tibetern sind auch die in Sinkiang ( Xinjiang ) lebenden Kasachen und Iuguren zwei Weitere von 55 völkischen Minderheiten , die nach Meinung vieler Beobachter und Kenner der Gegend von den " herrschenden " Han-Chinesen unterdrückt werden.
Dies geschah nach der " Eroberung " Tibets Ende der 50-iger Jahre besonders brutal.

Die heutige Exil-Regierung Tibets wird von de meisten Staaten nicht anerkannt.
Allerdings mußten z.B. die Exil-Regierungen der baltischen Staaten nach ihrer " Einverleibung " 1940 durch die Sowjet-Union 50 Jahre im US-amerikanischen Exil warten , bis 1990 die heutigen balt.Staaten wieder " auferstanden ".

So bleibt der Dalai Lama auch ein sichtbares Symbol der tibetanischen Nation. Dies ,obwohl der Buddhismus , den er repräsentiert , einen Nationalismus soo nicht kennt , sehr wohl aber die kulturelle Eigenständigkeit.
Diese wird im heutigen " autonomen " Gebiet Tibet durch China aber kaum gewährt.
det
det
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von det
als Antwort auf panda vom 10.09.2014, 16:28:56
Die " Einverleibung " Tibets war ein imperialer Akt dieses " Groß-Reiches ".
Ich finde den Status Tibets kompliziert und nicht so einfach in einem Satz zu beschreiben. Der Wikipedia-Eintrag "Tibet" und dort besonders der Absatz "Tibets Status" ist interessant. Zum Beispiel ist die tibetische Unabhängigkeitserklärung von 1913 weder von China noch von irgendeinem anderen Staat je anerkannt worden. Warum trotzdem so getan wird, als sei Tibet zur Zeit des chinesischen Einmarschs 1950 ein souveräner Staat gewesen, ist mir nicht klar. Ich habe den Eindruck, daß dabei politische Erwägungen gegen China, genauer gesagt ein kommunistisches System, eine entscheidende Rolle spielten.

det
panda
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Re: Es wird keinen neuen Dalai Lama geben
geschrieben von panda
als Antwort auf det vom 10.09.2014, 18:36:57
Die " Einverleibung " Tibets war ein imperialer Akt dieses " Groß-Reiches ".
geschrieben von det
Ich finde den Status Tibets kompliziert und nicht so einfach in einem Satz zu beschreiben. Der Wikipedia-Eintrag "Tibet" und dort besonders der Absatz "Tibets Status" ist interessant. Zum Beispiel ist die tibetische Unabhängigkeitserklärung von 1913 weder von China noch von irgendeinem anderen Staat je anerkannt worden. Warum trotzdem so getan wird, als sei Tibet zur Zeit des chinesischen Einmarschs 1950 ein souveräner Staat gewesen, ist mir nicht klar. Ich habe den Eindruck, daß dabei politische Erwägungen gegen China, genauer gesagt ein kommunistisches System, eine entscheidende Rolle spielten.

det


Soo kompliziert ist das gar nicht.....

Der chinesische Anspruch war ja lediglich durch den britisch-russischen Vertrag von 1907 und die daraus folgende Feststellung der Suzeränität von Mandschu-China über Tibet entstanden.
DAS ist schon einmal ein KOLONIALER AKT , der in einer modernen Völkerrechts-Welt keinen Anspruch darstellt.

Viel wichtiger jedoch ist die Unabhängigkeits-Erklärung Tibets von 1913 , auf die VIER JAHRZEHNTE UNABHÄNGIGKEIT mit vollendeter Staatlichkeit erfolgten .
Wenn dann ein anderes lLand , noch dazu ein Anti-kolonialistisches wie das China der Volks-Republik , Ansprüche aus einem ehem. Kolonial-Vertrag stellt , ist das schon paradox ,völkerrechtlich völlig wertlos.

In der der Ukraine sind die Dinge viel unklarer , und doch sprechen fast Alle von russischer Annexion !

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