Aktuelle Themen Feige oder mutig?

old_go
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Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von old_go
als Antwort auf pucki vom 11.08.2009, 12:40:25

Pucki

ich denke,wer aus Fanatismus tötet,,
und dabei rücksichtslos andere Menschen mit in den Tod reisst,
erkennt das Widersinnige seines Tuns gar nicht,
sondern wird --vermutlich--
bis zuletzt überzeugt sein,das Richtige zu tun.

Gudrun
therese
therese
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von therese
als Antwort auf old_go vom 11.08.2009, 13:00:42
WARUM?
Das habe ich mich am Samstag auch gefragt, als ich von der Selbstötung einer sehr guten (47 jährigen) Kollegin erfuhr.
Inzwischen ist mir bewusst geworden, das Warum spielt keine Rolle, es war ihre ETSCHEIDUNG, und all den vielen Menschen die nun um diese liebenswerte Frau trauern, bleibt nur das Akzeptieren.

Feige war sie ganz bestimmt nicht, sie war so gar eine sehr mutige Frau.
Mutig war auch die Art und Weise, wie sie sich umgebracht hat.
--
therese
vangelis
vangelis
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von vangelis
als Antwort auf old_go vom 11.08.2009, 13:00:42
Hallo karin 2,

da hast du bei mir alte Wunden aufgerissen!
Vor ca. 15 Jahren wurde ich aus Zufall Zeuge eines Selbstmordes!
Ein junges Mädchen sprang vor mir und anderen Umstehenden den Berg hinab.Er heißt markanterweise Himmelspforte.
Das Mädchen war sofort tot. Sie sprang mit ausgebreiteten Armen einfach los.
Später erfuhr ich, sie hatte ständig Krach mit dem Vater.
Auch heute noch kann ich nicht beurteilen, ist das feige oder mutig.
Ich gebe Pucki recht, wenn Unschuldige darunter leiden müssen, dann ist es auch für mich sehr feige.

--
vangelis

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Re: Feige oder mutig?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf old_go vom 11.08.2009, 13:00:42
Dieses Widersinnige des Tuns gilt für fast alle
anderen Suizide auch.
Ich denke, nur die wenigsten Suizide oder auch nur Versuche
geschehen aus logischer Überlegung.
--
nordstern
albaraq
albaraq
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von albaraq
als Antwort auf peter25 vom 11.08.2009, 11:55:13
So spontan gesagt würde ich mal sagen, Selbsmord ist feige, weil ich keine Verantwortung für mein Leben mehr tragen will.----------
peter25


Nur einmal zwei Beispiele aus dem realen Leben herausgenommen.
Ein Ehepaar, er war 46 und sie 44. Seine Frau war schwer an Magen und Darmkrebs erkrankt, sie litt unter schrecklichen Schmerzen trotz Morphiumgabe und er war nur noch ein Schatten seiner selbst, denn er liebte seine Frau über alles und konnte bei diesem furchtbaren Leid nur anwesend sein aber nicht helfen. Da aber keiner der Beiden ohne den anderen weiter leben wollte nahmen sie sich gemeinsam mittel Gas, das Leben!

In meiner Praxis erschien vor Jahren ein großer, hübscher und stattlicher Mann im Alter von 29 Jahren. Sein Gesicht war müde, fahl die Farbe der Haut, aus seinen großen Augen sprach eine große Leere und viel ertragenes Leid. Er starrte lange aus dem Fenster, bis er dann seine Geschichte erzählte. Er hatte mit 15 seine große Liebe kennengelernt. Sie war 14. Sie heirateten als sie 18 war. Fünf Kinder hatten sie, davon 2 Mal ein Zwillingspärchen. Mit 27 Jahren wurde der jungen Frau nach einer Untersuchung eröffnet, sie habe Lymphdrüsenkrebs im nicht mehr heilbarem Stadium. 4 Monate später erlag sie ihrer schweren Krankheit.
Er schaute mich an mit Tränen in den Augen und sagte leise, ich war so unglücklich, ich ging in die Garage nahm mein Motorrad und wollte mir das Leben nehmen. Er überlebte sehr, sehr schwer verletzt, verbrachte viele Monate im Krankenhaus und anschließenden Reha.
Auf meine Frage, ob er vielleicht auch einmal an seine 5 kleinen Kinder dachte bevor er auf sein Motorrad stieg, sagte er – nein – ich dachte und spürte gar nichts, denn, ich wollte ganz einfach nicht mehr leben!

Nun meine Frage an dich Peter, empfindest du das Ehepaar oder den jungen Mann als feige?
Ich nicht, denn es gibt so viele Facetten und unglückliches Zusammentreffen von Lebensumständen, die dann dem Einzelnen ein weiterleben als nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen.
Ein oberflächlicher oder von kirchlichen Dogmen verbildeter Mitmensch, wird die Entscheidung dieser Menschen missbilligen oder gar als feige verachten und andere werden sie respektieren und achten, je nach Bildung und Charakter.

albaraq
outofspain
outofspain
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von outofspain
als Antwort auf vom 11.08.2009, 11:15:15
Natürlich bin ich dir nicht böse, im Gegenteil, wollte dieses Thema schon selbst hier in diesem Teil des Forum einstellen. Nun steht es hier,gut so!
Gruß
--
outofspain

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eko †
eko †
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von eko †
als Antwort auf vom 11.08.2009, 11:15:15
Hallo karin,

ich bin der Überzeugung, dass man bei Selbstmord nicht danach fragen kann, ob das nun mutig ist oder feige. Diese Frage stellt sich demjenigen, der nicht mehr weiterleben möchte, ganz einfach nicht.

Auch ich befand mich schon in Situationen, in denen ich einfach nicht mehr weiterleben wollte. Der seelische Schmerz, die Verzweiflung ist in solchen Augenblicken so groß, dass man nicht mehr klar zu denken vermag. Da fragt man nicht mehr nach Mut oder Feigheit.

Grundsätzlich wird es wohl so sein, dass Menschen, die sich mit diesem Gedanken tragen, egal aus welchem Grunde, ob unheilbare Krankheit, väterlicher oder sonstiger Terror und/oder auch der Verlust eines Menschen eine solche Ausweglosigkeit aufbauen, dass sie meinen, vor einer schwarzen, undurchdringlichen und unüberwindlichen Wand zu stehen und als Lösung nur noch die Selbsttötung sehen.

Allerdings muss ich einräumen, dass ich z.B. zwar schon den Wunsch und die Vorstellung hatte, nicht mehr leben zu wollen, allerdings aber wahrscheinlich vor dem letzten Schritt zurückgewichen wäre. Aber auch da finde ich die Begriffe Mut oder Feigheit nicht angebracht.

Wenn sich ein junges Mädchen in den Tod stürzt, muss die Verzweiflung schon solche Ausmaße angenommen haben, dass dann alles andere abgeschaltet ist. Psychologen sagen ja auch, dass manche Selbsttötung aus Protest passiert, nach dem Motto: "So, da habt ihrs jetzt!"

Insgesamt hat aber jeder Suizid einen eigenen Hintergrund, man kann da sicher nichts verallgemeinern.
--
eko
Re: Feige oder mutig?
geschrieben von traumvergessen
als Antwort auf vom 11.08.2009, 12:11:50

Liebe Karin,

es ist hier schon eine Menge darüber geschrieben worden. Ich teile auch die Auffassung, dass es keine feige oder mutige Selbsttötung gibt. Niemand kann schließlich in die Person hineinsehen. Es kommt auch auf das Alter an. Junge Menschen haben noch nicht den Hintergrund der Erwachsenen und hier ist sehr darauf zu achten, dass man sie nicht alleine lässt. Schließlich gehören depressive Stimmungen zum Leben dazu. Der Mensch wird vom Leben geprägt. Wir alle können froh sein, dass wir von einer solch furchtbaren - aussichtslos scheinenden - Situation verschont bleiben. Ich stelle mir das aber auch für die Hinterbliebenen - egal ob kleine oder erwachsene Kinder - oder den Partner nicht einfach vor. Es könnten sich Schuldgefühle einstellen mit Selbstvorwürfen. Die Hinterbliebenen fühlen sich -und sind es schließlich auch- einsam und verlassen. Mut gehört dazu, dass Du über diese Situation schreibst. Ich wünsche Dir, dass Du dich nicht schuldig und verlassen fühlst. Ihr konntet es nicht verhindern. Es war einzig und allein die verzweifelte Handlung Deiner Mutter, über die niemand urteilen kann. Wenn Du belastet bist, rede mit ihr. Sie wird Dir sagen: Kind. Es geht mir gut. Das Leben war gut. Das Ende zählt nicht. Du bist ein Teil von mir und ich werde immer bei dir sein.

So oder ähnlich könnte es sein.

Ich wünsche Dir noch viel Kraft.

Liebe Grüße
Gerd
olga64
olga64
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von olga64
als Antwort auf traumvergessen vom 11.08.2009, 14:47:32
"Depressive Stimmungen" sind etwas völlig anderes als Depressionen. Bei letzteren fehlt meist ein unmittelbarer Grund - sie sind Veranlagung und können - leider - auch vererbt werden.
Es gibt Suizide, meist unter jungen Menschen , die als Mutprobe mit Aufruf im Internet ausgeführt werden.
Und es gibt natürlich auch die sog. Todessehnsucht; kann ja auch in der Literatur nachgelesen werden, da sie sehr oft bei hypersensiblen Menschen auftritt.
Suizid, insbesondere die Ankündigung, sind Hilfeschreie - meist werden sie aber nicht gehört, bzw. zu spät. Es gibt ja immer noch die Denkweise: wer dies ankündigt, macht dies nie. Dies stimmt nicht, wie Psychologen immer wieder betonen.
Und es gibt natürlich auch Selbstmörder (oft Frauen, die diesen Weg aus Liebeskummer gehen), die dann als letzten Racheakt die "Schuld" dafür auf verflossene Partner usw. schieben.
Die frühzeitige Einschaltung psychologisch geschulter Menschen, auch temporäre Einnahme von Psychopharmake (unter ärztlicher Beobachtung) ist dringend zu empfehlen.

--
olga64
astrid
astrid
Mitglied

Re: Feige oder mutig?
geschrieben von astrid
als Antwort auf olga64 vom 11.08.2009, 14:53:10
Und es gibt natürlich auch die sog. Todessehnsucht; kann ja auch in der Literatur nachgelesen werden, da sie sehr oft bei hypersensiblen Menschen auftritt.
Suizid, insbesondere die Ankündigung, sind Hilfeschreie - meist werden sie aber nicht gehört, bzw. zu spät. Es gibt ja immer noch die Denkweise: wer dies ankündigt, macht dies nie. Dies stimmt nicht, wie Psychologen immer wieder betonen.


Genau das ist es doch Olga, die Leute hören heute nicht
mehr diese Hilferufe, wollen es auch nicht, macht ja Mühe
sich um den Anderen zu kümmern. Heute kümmert sich fast Jeder doch nur noch um sich und bekommt/hat nicht mehr das Feingefühl für den anderen Menschen, sonst wüßte Er/Sie wie es dem Anderen geht.
Das sagte ich aber auch schon weiter vorn.
So sehe ich das, kenne es aus Erfahrung.

Lieben Gruß, Astrid

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