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Aktuelle Themen Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen

wolfgang
wolfgang
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Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von wolfgang
Sie kann auf einen Schlag Tausende von Menschen töten - dennoch verteidigte Samuel T. Cohen die von ihm erfundene Neutronenbombe als "moralisch" und "vernünftig". Vor ein paar Tagen ist der Physiker 89-jährig gestorben.

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Wolfgang
Leo
Leo
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Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von Leo
als Antwort auf wolfgang vom 02.12.2010, 21:10:28
Erfindungen kann man verhindern, hast du es versucht?

Leo
kirk
kirk
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Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von kirk
als Antwort auf Leo vom 02.12.2010, 23:51:23
Wie willst du Erfindungen verhindern?
Irgendwo auf der Welt kommt jemand auf eine Idee und realisiert sie. Niemand weiss wann und wo jemand was erfindet/entdeckt.
Also kann man das auch nicht verhindern, allenfalls verzögern.

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Leo
Leo
Mitglied

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von Leo
als Antwort auf kirk vom 03.12.2010, 00:01:47
Sarkasmus lieber kirk, entsprechend dem Titel.
Leo
Medea
Medea
Mitglied

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von Medea
als Antwort auf Leo vom 03.12.2010, 00:10:04
Richtig, kein "Erfinder" kann daran gehindert werden zu versuchen, sein Geisteswerk zu verkaufen. Er gibt es damit gewissermaßen aus der Hand. Die oder der Käufer tragen die weitere Verantwortung für dieses "Produkt". In die Hände von verantwortungslosen Gesellen geraten, kann es - wie bei dieser furchtbaren Neutronen-Bombe - der Menschheit größten Schaden zufügen.

M.

karl
karl
Administrator

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von karl
als Antwort auf Medea vom 03.12.2010, 07:11:31
Vom Papst soll es für diesen Herrn angeblich eine Auszeichnung gegeben haben:

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wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von wolfgang

[...]

FRAGE: Sehen Sie sich selbst als Wissenschaftler?

COHEN: Nicht mehr. Nicht ganz. Sie haben natürlich von der Psychoanalyse gehört und vom Unbewußten. Nun, die erste spontane Assoziation, die bei mir hochkam, war, daß ich mich selbst als Humanisten betrachte. Ist das nicht merkwürdig?

FRAGE: Ja, ziemlich.

COHEN: Aber ich war wohl ehrlich, als ich das aus meinem Unbewußten hervorholte.

FRAGE: Wie kann man eigentlich kreativ sein, wenn man an zerstörerischen Sachen arbeitet?

COHEN: Verzeihung, mein Herr! Die Neutronenbombe ist keine zerstörerische Waffe ...

FRAGE: Aber sie tötet Menschen.

COHEN: Feindliche Militärs. Das gehört nun leider mal zum Krieg. So war es immer.

aus... DER SPIEGEL 38/1981
Krieg liegt in der Natur des Menschen
Auszüge aus einem Interview des Journalisten Frank Wiering von Hollands Fernsehstation VPRO mit dem Erfinder der Neutronenwaffe, dem Amerikaner Samuel T. Cohen


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Wolfgang
Urego
Urego
Mitglied

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von Urego


Mich interessiert eine Frage und Eure Meinung dazu. Kann man jemanden einen "furchtbaren Forscher" nennen? Ich meine ganz generell.

Ich bin der Meinung, daß man es nicht tun kann, denn der Forscher forscht ja in der Regel nicht, um etwas "Furchtbares" zu entdecken, sondern wegen des menschlichen Wissensdranges, quasi aus Neugierde.

Man könnte ihn so nennen, wenn er nach seiner Entdeckung und mit dem Wissen über die Gefährlichkeit der Entdeckung an dem Projekt weiter arbeiten würde.

Wie wäre das sonst um die Menschen bestellt, die das Schießpulver, den Sprengstoff, die Urkraft des Atoms usw. entdeckt haben?

Urego
karl
karl
Administrator

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von karl
als Antwort auf Urego vom 03.12.2010, 14:36:43
Hallo Urego,

die "furchbaren Forscher" sind eine im ST von Wolfgang oft gebrauchte Floskel. In Bezug auf Militärforscher kann ich das nachvollziehen.

Ich hätte Dir, Urego, früher recht gegeben, dass "Forschen" doch unschuldige Neugier sei. Früher gab es noch reine Grundlagenforschung und ich erinnere mich an viele Diskussionen im letzten Jahrhundert als meine Kollegen und ich nur abfällig über industriegesteuerte und am Nutzen orientierte Forschung geredet haben. Wir hätten bei einem Vortrag, in dem der Satz gefallen wäre "Dazu darf ich im Moment nichts sagen, dazu läuft ein Patentverfahren" unter Protest und angewidert den Hörsaal verlassen.

Wie die Zeiten sich geändert haben! Immer mehr Forscher auch an Universitäten verkaufen sich an die Industrie, teilweise notgedrungen, weil die staatliche Förderung zu gering ist, moderne molekulare Forschung aber Unsummen an Geld frisst. Also wird jede Geldquelle, die sich auftut, angezapft. Das Ansehen eines Forschers wird in Beziehung gesetzt zu der Summe der angeworbenen Drittmittel. Die Universitäten werden bewertet nach der Summe der Summen der eingeworbenen Drittmittel aller Fakultäten. Die so ermittelten Eliteuniversitäten erhalten dann zusätzliche Fördermittel vom Staat.

Forschen wird so zunächst und primär ein Forschen nach den Wünschen der Industrie, denen sich dann opportunistisch, wenn die Ausrichtung in etwa dem eigenen Arbeitsgebiet entspricht, zugewendet wird. Persönlich glaube ich weiterhin, dass gute Wissenschaft anders funktioniert und dass wir derzeit einen Niedergang der Wissenschaft auch an den Universitäten zu reiner Industrieforschung auf Kosten der Grundlagenforschung erleben. Langfristig wird dies nicht förderlich sein, denn es ist ja nicht so, dass keine Grundlagen mehr erforschbar wären und es waren in der Vergangenheit die grundlegendsten Erkenntnisse, die letztlich auch am produktivsten für die Industrie waren. Deren Ziele sind aber oft zu kurzfristig angedacht und deshalb fehlt die Zeit und das Geld für längerfristig ausgerichtete Projekte.

Karl
wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Furchtbarer Forscher: Samuel T. Cohen
geschrieben von wolfgang
Hie gute Forscher, da böse Politiker und Militärs, die Werkzeuge zweckentfremden - die Mär hält sich hartnäckig. Aber furchtbare Forscher ticken anders... Bereits 1958, so Cohen, habe er zum erstenmal im Pentagon über das Prinzip einer noch zu entwickelnden Neutronenbombe referiert (vgl. Linktipp). Ein paar Jahre dauerte es noch, bis Cohens Werbungen erhört wurden. Dann durften er und andere furchtbare Forscher loslegen. - Stichworte: W63, W70

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Wolfgang

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