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Aktuelle Themen Gedanken zum Bahnstreik

hafel
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Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von hafel

Um es gleich vorab zu sagen: ich halte Streiks für ein legitimes Mittel im Arbeitskampf um Rechte und Forderungen der Beschäftigten durchzusetzen.

Hier aber fehlt mir jegliches Verständnis. Dieser Streik hat sehr wenig mit einem Tarifstreik zu tun und begibt sich die GDL (Gewerkschaft der Lokführer) auf ein gefährliches Gebiet.

Der Streik soll einen einheitlichen Flächentarif erwirken, so dass alle Lokführer – auch die der zahlreichen Privatbahnen, für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Das wird bis hier hin jeder einsehen.

Nun erkläre mir aber jemand, warum die GDL auch den Marktführer Deutsche Bahn bestreikt, der ja seine Lokführer ordentlich nach Tarif bezahlt und an diesen Tarif sich die Privatbahnen orientieren und angeglichen werden sollen. Das nennt man Geiselhaft. Ein Protest von Seiten der DB-Spitze ist meines Ermessens voll berechtigt.

In Wirklichkeit geht es der GDL um Machtspielchen im Gewerkschaftslager und einer Solidarisierung aller Bahngewerkschaften. Die Gewerkschaften der Privatbahnen, um dessen Tarife es eigentlich geht, sind bereits ausgeschert.

Kommt noch hinzu, dass die GDL die Hilfe eines Schlichters ablehnt. Die Stimmung der Bahnkunden wird sehr bald von Verständnis in Unverständnis kippen. Die GDL bewegt sich auf sehr dünnem Eis.

Hafel
hinterwaeldler
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von hinterwaeldler
als Antwort auf hafel vom 08.03.2011, 11:17:17
Es wird nicht der Personenverkehr, sondern viel mehr der Güterverkehr bestreikt. Du darfst als ganz beruhigt mit der Deutschen Bahn quer durch die Republik fahren. Bestreikt wird der Güterverkehr und der ist unter der Obhut des ausgegliederten Subunternehmens Schenker. Die Lokführer werden nicht einmal wissen, für wen sie fahren. Die DB ist aber zweifellos in der Lage genügen Streikbrecher für Schenker zu verpflichten. Damit ist ihre Entscheidung schon richtig.

Die großen deutschen Unternehmer haben schon ihre Bedenken angemeldet. Vermutlich werden bei diesem Streik Zulieferungen der Industrie untereinander nicht mehr funktionieren. Werden die nun auch in Geiselhaft genommen oder sollen diese animiert werden, den Forderungen gegenüber Schenker in Bezug auf schnelle Beendigung des Streikes Nachdruck verleihen?

Wie denkst du, der nicht der Arbeiterklasse angehört, darüber. Denkst du etwa ernsthaft, das es sich die Lokführer bei ihrer Urabstimmung leicht gemacht haben und sie das alles nicht bedacht haben?
hafel
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von hafel
Hier geht es primär um die Vormachtstellung der Gewerkschaften und erst sekundär um gleiche Löhne. In dieser Urabstimmung wurde sich die Lizenz zum langen Streik geholt.

Mich erinnert dieser Streik der GDL an die zahlreichen Streiks 2007/2008, wo sich die kleinste Gewerkschaft GDL in einem erbitterten Kampf die Verhandlungsmacht erobern wollte. Um hier öffentlichen Druck aufzubauen, braucht die Gewerkschaft "jede Menge stehende Züge".

Im Streik soll der Schwerpunkt beim Güterverkehr liegen, Personenzüge werden aber ebenso bestreikt.

Hier mag jeder seine eigene Meinung haben. Für mich ist dieser Streik mehr GDL-Selbstdarstellung als ein Dienst an den Lokführern.

Hafel

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ehemaligesMitglied23
ehemaligesMitglied23
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von ehemaligesMitglied23
als Antwort auf hafel vom 08.03.2011, 14:44:49
Ich sehe es auch so.
Es geht um einen internen Gewerkschafts- Machtkampf.
Wenn es um gleiche Löhne ginge, müßte man nur die Bahnen bestreiken, die diese Löhne nicht zahlen.
Dieser Streik ist eine Frechheit und hat rein gar nichts mit echten Tarifverhandlungen zu tun.
olga64
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von olga64
als Antwort auf hafel vom 08.03.2011, 14:44:49
Bei dem früheren GDL-Streik war es ja ein Machtkampf zwischen den doch charismaterischen Typen SChell und Mehdorn; der jetzige Sachse (pardon - habe seinen Namen vergessen) der GDL erfüllt diese Voraussetzungen ja nicht und erweckt vermutlich auch keinerlei Interesse bei Nicht-Bahnleuten oder nur dann, wenn deren Zug nicht kommt.
Andererseits ist ein Streik kein Streik, wenn es niemand mitbekommt. Wenn man für die Lokfahrer berücksichtigt, dass diese bei der Deutschen Bahn ca 7% mehr Lohn erhalten als bei privaten Bahnen, kann man das Ganze doch wieder verstehen. Es ist ja eine verantwortungsvolle Tätigkeiten, Passagiere zu befördern und warum die einen besser und die anderen schlechter bezahlt werden, leuchtet zumindest mir nicht ein. Olga
hafel
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von hafel
als Antwort auf olga64 vom 08.03.2011, 15:20:15
@ Olga:

Dann mache Dir doch bitte die Mühe und lies mal den ganzen Artikel/Thread. Soviel Zeit muss eben sein!

Hier wird die Bahn (DB) in Geiselhaft genommen, obwohl deren Lokführer bereits den erwünschten Lohn bekommen. Die Privatbahnen sollen nach dem Lohn der DB-Lokführer angeglichen werden. Das dürfte doch auch Dir suspekt erscheinen? Oder?
Natürlich gleicher Lohn für gleiche Arbeit – habe ich doch geschrieben! Aber nicht so!

Der Name des GDL-Vorsitzenden ist Claus Weselsky.

Hafel


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digi
digi
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von digi
als Antwort auf hafel vom 08.03.2011, 15:48:07
Ganz so einfach darf man sich die Sache wohl nicht machen, Hafel.

Nämlich:

a) Die Bahn vergibt die Lizenzen an die verschiedenen lokalen Betreiber. Damit hat sie auch eine gewisse'Aufsichtspflicht', Sorgfaltspflicht.

b) Soll ein Streik wirksam durchgeführt werden, dann müssen schon alle mitmachen; auch die richtig Bezahlten der DB.

Somit ist die DB auch dabei in der Pflicht.


Ich bin gegen jeglichen Streik der Öffentlichen.
Strom, Wasser, Transport, und dergleichen öffentlichen Betriebe dürften mMn nach NIE bestreikt werden.
hafel
hafel
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von hafel
als Antwort auf digi vom 08.03.2011, 15:59:36
Deine Argumente verstehe ich nicht ganz. Warum müssen die DB-Lokführer mitstreiken, wenn sie bereits nach Tarif bezahlt werden und die nichtbundeseigenen Bahnverwaltungen -- eben -- sich nach diesen Tarif richten sollen.

Außerdem ist der Tarifstreit sekundär. Primär geht es um Machtstellungen der einzelnen Gewerkschaften.

hafel
ingo
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von ingo
als Antwort auf hafel vom 08.03.2011, 11:17:17
Die Antwort ist für mich ganz einfach: Wenn die GdL 90% Mitglieder bei den "Privaten" und 10% Mitglieder bei der DB hat, sitzt sie für die 90%, (deren Interessen ich absolut verstehe, weil sie für gleiche Leistung deutlich unterbezahlt werden) an einem langen Hebel; und den benutzt sie. Wenn es eine vergleichbare Organisation gäbe, die 90% Call-Center-Agenten oder 90% Leiharbeiter (und besonders die!) vertreten würde, wäre die Taktik der GdL wahrscheinlich allgemeinverständlicher.
youngster
youngster
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Re: Gedanken zum Bahnstreik
geschrieben von youngster
als Antwort auf digi vom 08.03.2011, 15:59:36
Ich bin gegen jeglichen Streik der Öffentlichen.
Strom, Wasser, Transport, und dergleichen öffentlichen Betriebe dürften mMn nach NIE bestreikt werden.
[/quote]

Dieser Meinung @digizar bin ich auch. Streik ist dort geboten wo es die bestreikten Betriebe unmittelbar trifft, aber nicht unschuldige Dritte in diesem Fall die Bahnkunden direkt, die sich weder dagegen wehren können noch an der Situation was ändern können.

Des weiteren sehe ich das wie Hafel als Machtspielchen der Bahngewerkschaften die sich gegenseitig die Butter aufs Brot nicht gönnen.

Soche Steiks gehören verboten und sanktioniert.

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