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Aktuelle Themen Gemeinplätze - Rhetorik und Realität

Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von mart1
Wir wissen schon von der Werbung, dass mit Sprache und Worten manipuliert wird, dass Sätze vorgeblich Argumente bringen, aber Ablenkungsmanöver sind.
Stehsätze, angebliche Thesen, die keine sind und die so wie viele Werbungssätze die Vernunft beleidigen, betrachtet Franz Schirrmacher in der faz etwas näher.

Seine neun wichtigsten Versatzstücke, die ja immer wieder zu hören und zu lesen sind, sind folgende:

1. Deutsche Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt
2. Absolute Sicherheit gibt es nicht
3. Risiko gehört zum Leben
4. Ein Fall wie Fukushima könnte in Deutschland nicht passieren
5. Auch wenn wir aussteigen, sind wir von Atomkraftwerken umgeben
6. Der Strom kommt nicht aus der Steckdose
7. Die Chance/das Risiko, dass es zu einem Super-Gau kommt, ist extrem unwahrscheinlich
8. Fukushima hat für uns überhaupt nichts verändert
9. Apokalyptiker! Die Menschheit hat ganz andere Sachen überlebt, sie wird auch das überleben.

digi
digi
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von digi
als Antwort auf mart1 vom 28.03.2011, 19:58:51
Danke für den super-guten Link.
hinterwaeldler
hinterwaeldler
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von hinterwaeldler
als Antwort auf mart1 vom 28.03.2011, 19:58:51
Passt hier rein, habe es heute morgen Anderenorts schon mal geschrieben:
Nein, nein und nochmals nein.
Meine Kanzlerin sagte, es wäre keine Krise, sondern nur ein trauriger Tag. Sie spricht sogar von einem Wahlsieg für die CDU, denn von den knapp 1 Mio Überläufern aus der Partei der Nichtwähler konnten immerhin ca. 40.000 Wähler für die CDU hinzu gewonnen werden. Man muss das Wahlergebnis auch mal optimistisch sehen.



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EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf mart1 vom 28.03.2011, 19:58:51
Liebe Mart, auch staudämme können brechen und überflutungskatastrophen auslösen.
Wir sind in D , besonders in Sa und BBG bei den letzten überschwemmungen doch betroffen und teilweise in arge krisensituationen geraten.
Dein beitrag wäre dann auch auf wasserkraftwerke anzuwenden.
Ich hoffe ihr kriegt Euch langsam mal wieder ein und kommt auf den boden der realität zurück.
Wenns so weitergeht wird hier jeder stromverbraucher noch als übeltäter angeprangert.
Übrigens der strom kommt wirklich nicht aus der steckdose, das bekam ich von meinen eltern schon als kind erklärt.
Da gabs noch keine AKW und das das leben risikoreich ist, habe ich bereits in der DDR auch ohne AKW erlebt.
Und auch wenn wir aussteigen und das wird nicht so schnell geschehen, auch nicht in BW, wetten, sind wir ringsherum von bestehenden AKW und neuen AKW umgeben.
Das ist einfach eine realität, die auch noch solch sich wissenschaftlich gebärdende neunmalkluge atomkraftgegner nicht ungeschehen machen können.
yuna
yuna
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von yuna
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 29.03.2011, 15:38:09
Und auch wenn wir aussteigen und das wird nicht so schnell geschehen, auch nicht in BW, wetten, sind wir ringsherum von bestehenden AKW und neuen AKW umgeben.
Das ist einfach eine realität, die auch noch solch sich wissenschaftlich gebärdende neunmalkluge atomkraftgegner nicht ungeschehen machen können.
geschrieben von gram


Unabhängig davon, was ich zu dem Thema denke: Es soll schon Situationen gegeben haben, da hat sich einer aus der Masse erhoben und ist mit gutem Beispiel vorangegangen - der Rest folgte ihm.
Was die Regierung nicht will, erledigt sonst das Volk.
Und wenn sich sogar die trägen ist-mir-egal-weil-(noch)-nicht-mein-Problem-Deutschen mobilisieren können, schafft es jedes Land dieser Erde sowieso.
Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von mart1
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 29.03.2011, 15:38:09
6. Der Strom kommt nicht aus der Steckdose

Gehört wie 2.) zu den Infantilitätsargumenten, mit denen Kritiker als naiv, weltfremd oder wohlstandsverwöhnt dargestellt werden.
Abwandlung des Satzes „Das Gemüse wächst nicht im Aldi, sondern auf dem Acker“.
Die Gegner der Atomenergie reden von der Aussaat, Düngung und den Entstehungsbedingungen des Gemüses. Sie wollen über den Anbau entscheiden.

2.)"Absolute Sicherheit gibt es nicht"

Eine klassische Inversion, eine Irreführung. Denn der Punkt ist ja, dass es diese absolute Sicherheit durchaus gibt: Wir wissen nämlich genau, was geschieht, wenn es zur Kernschmelze kommt, wie lange Radioaktivität strahlt, was Cäsium und Jod mit dem Menschen und der Umwelt tun und wie viele Generationen im schlimmsten Fall zu leiden haben. Es ist diese absolute Sicherheit eines naturwissenschaftlichen Vorgangs, die sich zu der selbst von den Betreibern eingestandenen, relativen Unsicherheit der Kraftwerke verhält.

geschrieben von Schirrmacher in der Faz


Stimmt, Staudämme können brechen und tausende Menschen können in den Fluten umkommen.
Allerdings wird, wenn Rußland, in Japan (hat auch Stauseen), in China oder in Harrisburg das Unglück passiert, die Folgen begrenzt sein und es werden nicht Sandsäcke zum Auftunken von Plutonium und Co verwendet werden müssen. Vor allem wird das vom Wasser verwüstete Gebiet wieder besiedelbar sein und nicht für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte eine Sperrzone sein müssen.
Es gibt dabei keine Isotope, die sich bis zu den Pinguinen in der Nahrungskette anreichern.
Und es gibt dabei vom Uranbergbau, der Urananreicherung bis zu den Wiederaufbereitungsanlagen und einer möglichen "Endlagerung", die für Jahrtausende überwacht werden muß, keine derartig unsympathischen, giftigen und strahlenden Stoffe.

Das heißt demnach, wir brauchen Energie, der Strom kommt nicht von selbst aus der Steckdose, aber über die Herstellungsmethoden muß der Verbraucher entscheiden dürfen.

Wieviele Reaktorenunfälle kann sich die Welt leisten?
Welcher Reaktor darf in Deutschland außer Kontrolle geraten?

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EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf yuna vom 29.03.2011, 15:51:04
Noch hat keiner in D das perpetuum mobile erfunden, daß D ein großverbraucher von strom ohne probleme in absehbarer zeit AKW frei machen könnte.
Und liebe Yuna, Dein optimismus in ehren, aber ob China, Rußland, Weißrussland, die USA dem "heiligen deutschen"
freudig folgen bin ich mir nicht so sicher.
Dazu müßte D erstmal beweisen, daß ein hochindustrialisiertes land die mittel und möglichkeiten hat oder findet oder erfindet und schnell umsetzen kann,seinen strombedarf ökologisch verträglich zu erzeugen.
Mit ein paar mehr solarplatten auf dem dach und ein paar windrädern mehr ist das nicht zu machen und windparks mit den grünen BISHER sowieso nicht.
Ach übrigens ich bin kein atomkraftfan, aber auf meinen kühlschrank möcht ich nicht verzichten und meine neuen bücher nicht bei kerzenschein lesen...für die herstellung von kerzen wird doch auch wieder strom gebraucht...so ein mist aber auch.
Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von mart1
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 29.03.2011, 16:02:22


5. Auch wenn wir aussteigen, sind wir von Atomkraftwerken umgeben

Das ist vielleicht das erbärmlichste aller Argumente, denn es bezeichnet die Selbstaufgabe von Politik. Man kann die Argumentation versuchsweise auf die Atomwaffenproliferation oder den Atomwaffensperrvertrag übertragen. Selbst wenn wir keine Atomwaffen haben, werden die anderen welche haben. Das war in der Vergangenheit kein Grund, sich selbst welche zuzulegen, sondern andere davon abzuhalten, sie zu bauen.
geschrieben von Schirrmacher in der Faz
albaraq
albaraq
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von albaraq
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 29.03.2011, 15:38:09

"..."
Da gabs noch keine AKW und das das leben risikoreich ist, habe ich bereits in der DDR auch ohne AKW erlebt.
geschrieben von gram


Da mußt Du dann aber in einem Land Namens DDR weit vor meiner Zeit geboren worden sein - denn als für meinen Vater mal wieder Standortwechsel angesagt war,
bekamen wir hier, diesen See kannte schon Fontane ein hübsches Häuschen und was meinst Du wohl, worin wir als Kinder badeten und weshalb ich heute sicher noch so "erstrahle" und meine mir ganz eigenen "Webfehler" erhielt!
EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Gemeinplätze - Rhetorik und Realität
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf mart1 vom 29.03.2011, 16:00:38
Das heißt demnach, wir brauchen Energie, der Strom kommt nicht von selbst aus der Steckdose, aber über die Herstellungsmethoden muß der Verbraucher entscheiden dürfen.

Absolut richtig, liebe Mart und das kann er, wenn auch langsam, aber dafür sicher.
Bist Du schon abnehmer von Ökostrom und Gas?
Hast Du Dein im moment nicht gebrauchtes geld bei der Umweltbank angelegt?
Du siehst, der verbraucher kann mitentscheiden, auf diese oder jene weise.
Man muß auch tun und nicht nur reden oder hier pausenlos kostenlose rhetorik fabrizieren.



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