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Aktuelle Themen Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?

schorsch
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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf dottoressa vom 01.10.2011, 10:16:09
Es ist nicht etwa so, dass die Alteingesessenen auf dem Land durch die Fensterritzen gucken oder auf dem Balkon stehen und warten, ob da jemand neues mit offenen Armen und grossem Hallo begrüsst werden möchte. Nein, wer neu zuzieht, muss sich schon selber bemühen, Kontakt zu finden. Gerade junge Mütter mit Kleinkind und Kinderwagen (am besten noch mit kleinem Hundchen!) hätten es da besonders leicht. Man/frau muss eben mit offenen Augen durch die Quartiere spazieren, nach links und recht gucken - und mit einem freundlichen Lächeln grüssen! Dann geht ein Tuscheln durch das Quartier - und jeder fragt die andere: "Oh, wer ist denn diese freundliche Frau? Die werde ich bei nächster Gelegenheit ein bisschen anquatschen und interviewen!"

Eigentlich ist es in einem Dorf etwa so wie hier im ST: Wer freundlich auf die anderen zugeht, wird auch freundlich empfangen.
caya
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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von caya
als Antwort auf dottoressa vom 01.10.2011, 01:21:07
Liebe Beate,

ich danke dir, für deine anschauliche Schilderung, wie ihr euch im fortgeschrittenen Alter, und absolut nicht behende und beschwerdefrei, mutig in das Abenteuer einer totalen Neuorientierung eures Lebens, begeben habt.

Ich habe aus der Ferne die Planung und deine vielen Gedanken zu dem Umzug verfolgt und bin immer noch voller Bewunderung und Respekt, wie ihr das alles bewerkstelligt habt.

Um auf das Landleben zurückzukommen muss ich sagen, dass ich in der wundervollen Lage bin, beides zu genießen und mich in der großen Stadt, nämlich München und in einem Kurort im Allgäu zu Hause zu fühlen.
Ja, meine besondere Lebenssituation läßt das zu, bzw. wurde so konzipiert.....aber ein Kurort ist ja auch noch lange kein Dorf

Alles wunderbar, wenn nicht immer diese Sehnsucht da wäre nach der See, egal ob Nord-oder Ostsee......
Ob es mit einer Ferienwohnung getan wäre??? Auf einem Dorf an der See???

Liebe Grüße nach Fehmarn
Caya
poldy
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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von poldy
als Antwort auf schorsch vom 01.10.2011, 13:33:28
Da kann ich nur zustimmen, in unserer kleinen "Gemeinschaft" kann man viele Personen persönlich ansprechen, ob Schule, Kindergarten, Landwirte, Sportverein u. weitere Vereine, Ortsrat,Kirchenvorstand u.s.w.

So ergibt sich die Möglichkeit auch im "Kleinen" etwas zu bewegen. Wir haben bereits viele Aktivitäten gemeinsam getragen, ohne politischen Beistand, nur aus unserer kleinen Dorfgemeinschaft heraus. Alle haben mitgemacht....

Gruß poldy

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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von dottoressa
als Antwort auf schorsch vom 01.10.2011, 13:33:28
Lieber Schorsch,

da hast Du natürlich Recht.
Aber das ist doch überall so, dass man auf die Menschen zugehen muss, wenn man neu hinzieht. Auch und ganz besonders in der Stadt, wo manche Wohnanlagen recht anonym sind.

Kleinkind und Kinderwagen kriegen wir nicht mehr hin in unserem Alter, aber unser Berner Sennen Welpe ist schon eine Attraktion. Nachdem wir im Winter außer unseren direkten Nachbarn kaum jemand getroffen hatten, ist das jetzt ganz anders. Einmal haben hier viele Menschen einen Hund, zum anderen bleibt jeder stehen, wenn ich mit Senta komme. Wir reden und erzählen, die Hunde wissen, wo ich die Leckerli habe, und im Nu sind die Kontakte geknüpft. Hier kann man auch im Auto anhalten, um zu reden, es ist recht wenig Verkehr.

Im Sommer hat unser Dorf durch die Touristen natürlich viel mehr Einwohner, und man trifft auf den Spaziergängen mehr Leute. Allein auf den drei großen Höfen wohnen jede Menge Touristen, einige kommen in allen Ferien, da kennt man sich dann. Manchmal hält auch ein Auto an, eine Familie mit Kindern steigt aus und fragt mich alles über Senta und die Aufzucht eines solchen Hundes. Auch an einem Umzug auf die Insel sind viele interessiert - viele jüngere Leute träumen von einem Leben ohne Stress und Hektik, von einem Ausstieg aus der Geschäftigkeit des städtischen Lebens.

So ist es überall hier auf den Dörfern, Fehmarn ist eben sehr weltoffen. Meine Mutter hatte das am Kriegsende anders erlebt, als sie aus einer Großstadt in ein kleines Dorf in Dithmarschen kam. Und sie hat mich immer gewarnt, auf ein Dorf zu ziehen. Sie hat damals erst Platt lernen müssen, bevor sie richtig integriert war. Das ist hier und heute nicht mehr so.

Ja, und dann gibt es noch die Poststelle im Nachbardorf - da erfährt man die Neuigkeiten, bekommt manchmal auch einen Kaffee, und ich als Neu-Fehmaranerin habe viel Interessantes erfahren. Statt die Briefe in den Briefkasten zu stecken, fahre ich also immer die 2 km bis zur Poststelle - einfach wegen der Kommunikation. Beim Bäcker und beim Metzger ist es genauso - neulich wurde ich auf einen Kaffee eingeladen, nachdem ich eine Frau in drei Läden nacheinander getroffen hatte.

Ich könnte noch mehr schwärmen ...

Liebe Grüße
Beate



Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von dottoressa
als Antwort auf caya vom 01.10.2011, 20:14:39
Liebe Caya,

danke für die Blumen - eigentlich sind wir so richtig hinein geschlittert in dieses Abenteuer Landleben.
An anderer Stelle - in dem Thread "Umzug an den Urlaubsort" habe ich beschrieben, wie der erste Umzug nach Bamberg von rationalen Überlegungen motiviert war, die sich später als nicht zutreffend heraus stellten. Dieser Umzugsgedanke auf die Insel war ja schon ganz lange in uns, und so haben wir uns einfach durch die Intuition leiten lassen.

An einem Nachmittag setzten wir uns ins Auto und fuhren zu drei möglichen Häusern - zwei davon in der Stadt, und wir entschieden uns spontan für das Häuschen auf dem Dorf, einfach wegen der Atmosphäre.

Die Sehnsucht nach dem Meer lässt auch mich nicht mehr los - jetzt sind wir gerade in unserer Ferienwohnung angekommen, zum ersten Male mit Senta.

Ja, so eine Ferienwohnung ist auf jeden Fall eine gute Alternative, solange man noch reisen kann. Allerdings wird die Sehnsucht dann nicht kleiner, weil man ja wieder weg muss.

Liebe Grüße von der Ostsee nach München
Deine Beate



Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf dottoressa vom 01.10.2011, 22:50:19
du hast natürlich recht. recht insofern, als das leben viel beschaulicher
ist auf dem lande. gerade im alter kann man das natürlich weitaus besser
aushalten als in der jugend.

wir sind gerade dabei, einen umzug nach binz vorzunehmen.
aber es ist nur eine ferienwohnung, die wir allein für uns dort haben
werden.

überwiegend wird unser leben in der stadt weiter gehen, jedoch....

man weiß ja nie

vielleicht treffen wir uns eines tages am strand

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treenie
treenie
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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von treenie
als Antwort auf olga64 vom 15.09.2011, 15:37:55
Hallo und servus !
Ohne den kriminellen Fall hier zu berücksichtigen, würde sagen, auf dem Land sind die Bürger auch nicht "besser" als in der Stadt - musste immer wieder feststellen, gibt solche und andere, also im Grunde sind alle gleich, man "kennt" sie nur nicht -
Bildungsstand ?? Ein "Landler" kann sich gleichermassen interessieren wie ein Städter.....haben aber nicht soo viel Zeit- müssen ja auf dem Schlepper sitzen und
können nicht dauernd in die Gazetten schauen !
olga64
olga64
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Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von olga64
als Antwort auf treenie vom 02.10.2011, 19:28:13

können nicht dauernd in die Gazetten schauen

Das tun die "Landler" schon auch - besonders wenn es um Ausbau oder Details der EU-Subventionen geht, bzw. um weitere Gründe zum Jammern und anschliessender Preiserhöhung. Olga
Re: Ist das Leben auf dem Dorf wirklich erstrebenswert?
geschrieben von dottoressa
als Antwort auf vom 01.10.2011, 23:01:30
Liebe Karin,

dann wünsche ich Euch viel Freude beim Einrichten - das ist eine schöne Zeit. Bei jedem Aufenthalt überlegt man, was man noch verbessern könnte, damit man beim nächsten Male garantiert mit einer kleinen Reisetasche kommen kann. Jedenfalls war es bei uns so.

Wir wollten auch überwiegend in der Stadt leben, schon wegen der Kultur - aber Leben heißt Veränderung! Und nun sind wir einfach hier.

Ja, vielleicht treffen wir uns tatsächlich mal am Strand - obwohl dann wohl einer von uns durch die Ostsee schwimmen müsste ...

Liebe Grüße
Beate




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