Aktuelle Themen Karstadt Insolvenz

adam
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von adam
als Antwort auf rello vom 10.06.2009, 11:29:44
Durch die Globalisierung besteht jetzt die Gefahr, daß dieses Vakuum irgendwo auf der Welt geschlossen wird, wo die Arbeitsplätze billiger sind. (adam)

Weißt Du auch, was Du da in den Raum stellst?
Glaubst Du, dass jemand in ein Land reist, in dem die Arbeitsplätze billiger sind, um dort im neuen Karstadt-Haus einzukaufen? Im Urlaub vielleicht, aber sonst?
Ich fliege nicht nach Antalya, um mir dort die billigere Spülmaschine (zum Mitnahmepreis) abzuholen, meine alte sagt keinen "Mux" mehr.
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rello


Natürlich fliegst Du nicht nach Antalya, rello. Das billige Zeug wird zu Dir vor Ort gekarrt und Dir dort von Billigstarbeitskräften verkauft. Reklamationen bitte über eine Hotline oder gleich Nerven sparen und neu kaufen. Weiter wie bisher: Ex und hopp.
Du wirst mit mir einig sein, daß Marktwirtschaft Angebot und Nachfrage regelt, aber nicht dafür da sein kann, um Angebot und Nachfrage einseitig durch die Macht der Globalisierung zu manipulieren und ihre regulierenden Kräfte auszuschalten. Das Kind, das im Iran Teppiche knüpft, kann nicht für europäische Arbeitsplätze streiken.

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adam
rello
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von rello
als Antwort auf adam vom 10.06.2009, 11:51:49
Tut mir leid, ich versteh jetzt nichts mehr.
Es geht doch hier um Kaufhäuser und die können nur dort verkaufen wo sie stehen. Bezahlt werden ihre Beschäftigten nach den geltenden Tarifen.
Kinderarbeit im Iran ist ein anderes Thema und Billiglohn auch.
Versandkaufhäuser schicken Dir ihre Angebote auch nach Uranda Burundi.
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rello
adam
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von adam
als Antwort auf hafel vom 10.06.2009, 11:30:38
Nach dem marktrechtlichen Sündenfall –OPEL- war es richtig, dass sich der Staat aus diesem Prozess heraus gehalten hat, wobei die Eigentümer den Konzern fallen ließen.



Meiner Meinung nach hätte sich der Staat ganz raushalten sollen. Bei den Verhandlungen hat sich gezeigt, daß Politiker nicht zum Unternehmer taugen. Die Vertreter von GM haben versucht, für ihren Konzern Vorteile auszuhandeln und dem hatten unsere Politiker nur beleidigte Mienen entgegenzusetzen. Ein erfahrener Unternehmer hätte mit den Herren aus den USA Tacheles reden können und sicher mehr für Opel erreicht.

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adam

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hafel
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von hafel
als Antwort auf adam vom 10.06.2009, 12:06:27
Richtig Adam, obwohl das Thema Opel ja hier nur indirekt zum Thema Karstadt passt, bin ich gleicher Meinung. Nochzu, und wir werden darüber mit Sicherheit hier noch diskutieren, ist der Fall Opel nicht vom Eis !!! Für mich war das reiner Wahlkampf der Koalition.
Wir werden sehen, was "Zar Putin" mit seinen 30-% Opel-Anteilen noch aus dem Ärmel zaubert. Wo "Putun drauf steht, ist auch Putin drinnen". So wie er seine Demokratie "gelenkt" sieht, sieht er auch seine Wirtschaftspolitik staatlich gelenkt. Ich vermute einmal, dass Putin hier nur das "know-how" von Opel abschöpfen möchte, denn seine russisch- sozialistischen Autokonstruktionen sind nicht gerade weltmarktmäßig ein Hit.
--
hafel
Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von klaus
als Antwort auf hafel vom 10.06.2009, 12:35:07
"Für mich war das reiner Wahlkampf der Koalition."


Da hat aber einer nicht richtig "aufgepasst", als es um eine einheitliche Wahlkampfstrategie ging.

In der Koalition ist die Denkweise zur Insolvenz unterschiedlich- klar - aber auch innerhalb einer Partei.( Siehe Steinmeier und Steinbrück ).
Warum eigentlich nicht?

Steinbrück 1 Tag vor Insolvenz: Peer Steinbrück (SPD) schließt eine Insolvenz des angeschlagenen Handelskonzerns Arcandor nicht aus. Staatskredite sind nicht zu erwarten.Verantwortung trügen "diejenigen, die Arcandor in diese Situation hineingeführt haben". Insolvenz ist jetzt die beste Lösung, da sie die Möglichkeiten einer Weiterführung... verbessert, sagte Steinbrück im ARD-Morgenmagazin.

Steinmeier wenige Tage vor Insolvenz:"Eine Insolvenz von Arcandor wäre aus Sicht der Beschäftigten die schlechteste Lösung", sagte der Bundesaußenminister am Mittwoch in Berlin. Guttenberg soll endlich aufhören, eine Insovenz in Betracht zu ziehen."

Besonders "witzig" dann allerdings die Stellungnahme von Steinmeier am heutigen Tag:

Steinmeier zu Guttenberg:
"Regierende, denen es egal ist, was mit Abertausenden Arbeitsplätzen passiert, sollten noch einmal nachlesen, welchen Amtseid sie geschworen haben"
"In einer Regierung muss man an einem Strang ziehen".

Nun frage ich mich, warum der Kanzlerkandidat nicht bei seinem Parteigenossen beginnt, wenn es um eine "Schelte" geht.
Ich halte das für Heuchelei - und das vom kommenden Kanzlerkandidaten
--
klaus
hafel
hafel
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von hafel
als Antwort auf klaus vom 10.06.2009, 13:25:54
Na ja, lieber Klaus, da liege ich nicht ganz so daneben, denn Wahlkampf und Heuschelei liegen ja dicht bei einander. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns der "Fall Opel" noch eine Weile begleiten wird und war die Dankeskampagne in den Printmedien "Opel dankt" wohl etwas sehr voreilig.
--
hafel

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luchs35
luchs35
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von luchs35
als Antwort auf hafel vom 10.06.2009, 14:34:26

Natürlich ist Opel nicht Karstadt. Während bei Opel die Ursache bei den Fehlern des GM-Managements in Detroit liegt, sind die Schwierigkeiten bei Arcandor hausgemacht und müssen auch innerhalb des Konzerns zusammen mit den Eignern gelöst werden.
Sal. Oppenheim (Privatbank) und Madeleine Schickedanz wollten sich nur mit zwei Dritteln an der vorgeschlagenen Kapitalerhöhung von 150 Mio beteiligen, was die Bundesregierung wiederum ablehnte, da die groben und fahrlässigen Fehler des Managements nicht durch den Steuerzahler getragen werden sollten.
Gerettet würden bei einer Kapitalspritze der Regierung vor allem zuerst einmal die Aktionäre. Wie es mit Karstadt weitergehen würde, war aus den Angeboten nicht klar ersichtlich. Aber ich gebe Merkel und Guttenberg Recht, wenn sie erst einmal die Eigener in der Verantwortung sehen wollen.

Man darf in dem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass weitere Bittsteller bereits bei der Regierung anklopfen und es kaum verständlich wird, dass man der Arcandor auf die Beine hilft und anderen, die vielleicht weniger Schuld an der eigenen Misere sind, die Hilfe versagt.

Bezahlen werden es nämlich die nächsten zwei Generationen.


--
luchs35
niederrhein
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Eigentum vernichtet (Hinweis auf den Leitartikel der SZ vom 10.06.2009)
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf eleonore vom 10.06.2009, 07:49:27
Nur ein Hinweis auf den Leitartikel der SZ vom 10.06.2009




Eigentum vernichtet
Von Ulrich Schäfer

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht ein schöner Satz, der leider nicht mehr viel gilt: Eigentum verpflichtet. Eigentlich also wären die Eigentümer von Arcandor verpflichtet, alles zu tun, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Eigentlich wären sie verpflichtet, um jeden Job zu kämpfen, um jeden Mitarbeiter, um jedes Schicksal, das an ihrem Unternehmen hängt. Es sind viele Schicksale. [...] Doch die Eigentümer von Arcandor fühlten sich am Ende niemandem mehr verpflichtet: ihren Mitarbeitern nicht, aber auch nicht dem Land, der Gesellschaft, dem Staat.
[...]
Letztendlich haben vor allem die Eigentümer versagt. Sie haben den Staat um Hilfe angefleht, haben aber selbst kaum Hilfe geleistet. Sie wollten den Steuerzahler in die Haftung nehmen, aber so wenig wie möglich selber haften. Sie wollten in einer Krise, in der der Staat mehr gefragt ist als je zuvor, die öffentliche Hand überstrapazieren. Der Staat hat sich dem widersetzt. Und zwar zu Recht. Denn er ist auch jemandem verpflichtet - seinen Bürgern.
Die pflichtvergessenen Eigentümer von Arcandor: Das sind die Familie Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim, die wichtigsten Aktionäre des Unternehmens.
[...]
Die pflichtvergessenen Eigentümer: Dazu muss man aber auch jene Manager zählen, die Karstadt in den vergangenen Jahren geführt haben. Sie haben die Aktiengesellschaft zu Unrecht als ihr persönliches Eigentum behandelt - ähnlich wie dies heutzutage viele angestellte Manager tun. Dabei haben sie Arcandor, ehemals Karstadt-Quelle, ausgehöhlt. Sie haben verkauft, was nicht niet- und nagelfest war. Sie haben es verstanden, mit Firmen zu handeln, nicht aber mit Unterwäsche, Handtaschen, Sakkos und Rührgeräten.
[...]
Man darf erwarten, dass die künftigen Eigentümer dann auch beherzigen, was im Grundgesetz steht: Sie sind in der Pflicht - im eigenen Interesse, und im Interesse des Landes.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.131, Mittwoch, den 10. Juni 2009 , Seite 4



Vollständiger Artikel in der SZ; ob dieser für Nicht-ePaper-Abonnementen zugänglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. (Falls Bedarf: Nachricht mit Stichwort an zeitungsarchiv@gmx.de ... ich schicke dann den Text als Worddatei.)

Die Bertha
vom Niederrhein
hugo
hugo
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Re: Eigentum vernichtet (Hinweis auf den Leitartikel der SZ vom 10.06.2009)
geschrieben von hugo
als Antwort auf niederrhein vom 10.06.2009, 19:32:47
hm bertha,, da liegen jedoch Welten zwischen den Anforderungen/Wünschen unseres GG und den Ansprüchen und Wünschen die so ein Unternehmer, Manager oder Firmenchef usw bedenken muss.

Wenn der an Eigentum und die daraus entstehende Pflicht denkt, dann doch nicht vordergründig an Arbeitsplätze, an den Staat, an reichliche Steuerzahlungen,,sondern daran das

als allererstes SEIN Kontostand gesund bleibt das
als zweites seine Brötchengeber die Aktionäre bei Laune gehalten werden und
das drittens seine kriminelle Energie um beides zu erreichen vertuscht bleibt.

Wenn es dann noch dazu reicht, nach außen einen halbwegs patriotischen Eindruck zu erwecken,,ok dann wird dieser Effekt gerne mitgenommen.

Wo kämen die heutigen Kapitalisten hin wenn sie sich solch "ordinären, inländischen, menschenfreundlichen Bedürfnissen und Wünschen" zuwenden und von ihrer eigentlichen Berufung (Maximalgewinn zu machen) ein wenig trennen würden,,das käme wohl einem unternehmerischem Selbstmord gleich.

,,das kann sich vielleicht noch ein Kleinunternehmer leisten der alle seine Mitarbeiter noch persönlich kennt, schon lange auf sie angewiesen war und es weiterhin bleiben wird, das er sich reichlich Gedanken macht und nachts nicht gut schlafen kann vonwegen Entlassungen, weil die Auftragslage mies ist,,aber,,,aber,,doch nicht diejenigen die gerade den Staat anbetteln um Milliardenbeträge,,da ist das Wort Arbeitsplätze ausschließlich Mittel zum Zweck, oder ?

gerade beim Surfen auf Neckermanns Reisehompagen klinkte sich die gefrustete und auf Ihre Reputation bedachte Thomas Cook Group mit einem freundlich-aufgeregtem Statement an mich ein, zu den aktuellen Entwicklungen bei Arcandor.
Ich sollte wohl beruhigt werden und nicht von meiner nächsten Reisplanung Abstand nehmen. --
hugo
gila
gila
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Re: Karstadt Insolvenz
geschrieben von gila
als Antwort auf eleonore vom 10.06.2009, 07:49:27
Sorry,
da haben wieder mal hochbezahlte Manager versagt.
Ich frag mich, warum man nicht die nicht endlich zur Verantwortung zieht.
Herzlichst
--
gila
P.S.:
Ich bin der Meinung, daß nicht die Allgemeinheit geradestehen muß für das Versagen von sog. "hochqualifizierten" Kräften

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