Aktuelle Themen Milch in den Abfluß

angelottchen
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Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf arno vom 31.05.2008, 16:14:27
Wenn man doch einfach mal nachrechnen würde ...
Nehmen wir mal an, ein Bauer hat 50 Milchkühe .. die geben pro Tag im Schnitt pro Kuh ca 20 Liter Milch - also 1000 Liter am Tag. Das sind also 280 Euro pro Tag.
Davon abgezogen werden die täglichen Betriebskosten für teure Melkmaschinen, Tank, Kühlanlagen usw, der Strom zum Betreiben der Anlage und des Stalllichtes, die Wasserkosten (pro Tag ca 7Eimer Wasser pro Kuh), die normalen Tierarztkosten PLUS der zusätzlichen Tierarztkosten bei Krankheiten usw, das Stroh zum Ausstreuen, das Heu bzw Kraftfutter, das Wasser zum Reinigen des Stalls, die Kosten für das Molkereifahrzeug fürs Abholen, das Entsorgen der Jauche und des Mists - selbst wenn es "nur" die Arbeitsstunden des Bauern sind - ja und schlussendlich die Arbeitsstunden des Bauern und eventuell die eines Melkers und seiner Frau, die die Melkanlage putzen darf usw ... jeden Morgen um 6h spätestens ist Arbeitsanfang ... und gegen 21h ist Feierabend ... was da an Stundenlohn übrig bleibt, ist bescheiden .. dafür würde keiner von den Gegnern des Bauernstreiks arbeiten wollen.
Einer meiner Cousins hat den Hof seines Vaters im Kreis Plön vor Jahren übernommen und hat 60 Milchkühe und einiges an Ackerbau - aber er hat noch einen Halbtagsjob, weil er von seinem Landwirtelohn sonst nicht leben könnte.

1998/99 habe ich in der Schweiz gelebt - da kostete der Liter Milch fast doppelt so viel wie in D, der Milchpreis war in D damals so hoch oder niedrig - die Summe entsprach dem, was ein schweizer Bauer als Subvention pro Liter bekam. Auch Landschaftspflege wird damit vom Land bezahlt und die ist auf den Matten nicht unerheblich.
--
angelottchen
hugo
hugo
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Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von hugo
als Antwort auf angelottchen vom 31.05.2008, 17:08:24
--hallo schorsch, mein Herz schlägt schon lange nicht mehr für den Bauernstand , den gibts hier fast gar nicht mehr so wie man sich das vorstellt.

Hier sind das die reinsten Industriebetriebe bis auf einige restbestände an Klein-, und Mittelbauern.

In den letzten Jahren konnte man verfolgen wie sich die Bauern um die Milchquoten fast geprügelt haben und da ich weiss das Bauern gute Rechner sind, hab ich auch keine Bedenken anzunehmen das sie das mit Berechnung getan haben,,

leider war diese Quote der EU viel höher als der Bedarf, dadurch und durch Stützung und Förderung wurde die Überproduktion -natürlich mit bäuerlicher Hilfe- stark angekurbelt was zu einem enormen Preisdruck führte der nun nicht mehr mittels Beihilfen usw ausgeglichen wird (was ich gut finde)

Warum bemüht sich ein Bauer einerseits für hohe Milchquoten wenn er andererseits behauptet (gestern im TV selber gesehen) das er von den 30 Cent die für den Liter bekommt nicht existieren kann und noch Geld dazuschießt.

Dann bitteschön soll er doch die Quote verkaufen und für jeden Liter nichterzeugte Milch das ersparte Geld (Kosten usw) für andere Dinge verwenden *g*

irgendwie wollen die uns auch für Dumm verkaufen,,denen gehts gut, aber es geht ihnen noch lange nicht gut genug,,
die wollen ausschließlich mehr Gewinn machen

,,das der Eine oder Andere sich auch verzockt hat, verplant oder Fehler gemacht hat bei der Ausrichtung seiner Landwirtschaft ok das kommt vor, das mal die Ernte schlechter ausfällt kann auch passieren aber das ist nicht neu das gabs schon seit tausend Jahren

übrigens hab ich auch den Eindruck das momentan mal wieder wie schon so oft- eine Tendenz von kleineren zu größeren Höfen anliegt und dabei einige auf der Stecke bleiben werden, aber auch das gibts schon urst lange,,

den großen dürfte es gefallen wenn die Milchpreise noch eine Weile unten bleiben und tatsächlich einige Bauern dadurch animiert werden ihr Land verkaufen aber verhungern werden die keinesfalls,,

Jeder der will kann Einzelbeispiele finden wie ein Bauer verarmt und aus dem Rahmen fällt aber jeder kann ebenso wenn er nur will viele sehr wohlhabende Bauern ausfindig machen,, aber für die Medien machen sich die meckernden, stöhnenden, nach Luft schnappenden Bauern sicher vor der Kamera viel besser,,

Für mich sind sie (die Bauern) doch schlaue Füchse, berechnend, schauspielerisch begabt usw,,,wers nicht glaubt sollte doch mal gucken wieviele Suchangebote es im Net gibt wie enorm seltsamerweise die Nachfrage ist wie oft Bauerngrundstücke als "Rendite-Objekte" angepriesen werden,, *g*

wenn die Bauern 40 cent bekommen anstatt 30 cent, dann machen diejenigen die jetzt schon damit gut auskommen (das sind zumeist die Großen) einen satten zusätzlichen Reingewinn von über 30 % und das soll dann gerecht sein ?

niemals, da muss sich der Staat was anderes ausdenken,,denn dann machen die die Kleinen erst recht platt,,,

--

hugo
sonja47
sonja47
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von sonja47
als Antwort auf schorsch vom 31.05.2008, 15:52:55
Antwort nicht nur für Sonja:

Da auch mein Herz für den Bauernstand schlägt, kann ich den Frust der deutschen Bauern verstehen.

Der Vergleich mit streikenden Arbeitern/Angestellten hinkt allerdings ein bisschen. Denn wenn z.B. Arbeiter streiken, stehen die Maschinen still. Es wird also nichts mehr produziert. Des Bauern "Maschinen" sind aber seine Kühe. Und diese kann man nicht einfach abstellen, sondern produzieren Milch, ob der Bauer nun streikt oder nicht.

Noch ein kleiner Vergleich zwischen schweizerischen und deutschen Bauern: würden deutsche Bauern so viel bekommen für die Milch wie Schweizer Bauern, würden sie wohl kaum streiken!



--
schorsch

Hallo Schorsch
Vergleiche mit anderen Ländern hinken sowiso, hier in der Schweiz
streiken die Bauern auch, wir haben nun mal die höheren Lebenskosten!

Wieso haben wir hierzulande das grosse Bauernsterben???
Für mich ist es trotz Allem ein Streiken, was ich unterstütze!!
Meine Meinung!
Ich lasse Dir Deine!
Grüsse
Sonja



--
sonja47

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sonja47
sonja47
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von sonja47
als Antwort auf sonja47 vom 31.05.2008, 18:08:43
Hier in der Schweiz gibt es sehr strenge Milchkontigente, richtet sich der Bauer nicht danach und bringt also über sein vorgeschriebenes
Kontigent, zusätzlich, Milch in die Käserei, so wird für den Überschuss
ein sehr tiefes Entgeld ausgerichtet!
Milchkontigente dürfen hierzulande, nicht an andere Bauern verkauft
oder weitergegeben werden!
Mein Bruder, der sein Landwitschaftsland hälftig an einen Biobauer,
die andere Hälfte an einen Verwandten, (Bauer mit Milchwirtschaft)
verpachtet hat, hatte es versehentlich unterlassen, sein Kontigent
beim Bauernverband zu künden, oweeeeeeeeeeh eine sehr grosse
Geldbusse musste er bezahlen!
Wobei der Verwandte, sein Kontigent nicht übernehmen konnte, da jener
seine Milch in eine andere Käserei lieferte!
Diese Kontigente sind in der Schweiz nie Käsereigemeinde übergreifend!
So ist es!

--
sonja47
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von luchs35
als Antwort auf sonja47 vom 31.05.2008, 18:25:59
Gerade habe ich mich daran erinnert, wie ich als Kind - und viele andere auch - abends nach der Melkzeit mit meinem Milchkännchen auf den Bauernhof gegangen bin, um Milch zu holen. Da wurde die frischgemolkene Milch aus einer grossen Kanne geschöpft, Hygienvorschriften gab es kaum welche oder sie wurden nicht eingehalten, denn manchmal schwammen auch noch Stroh- oder Heuhalme darin herum. Man fischte sie raus, und gut war es. Wir Kinder waren trotzdem kerngesund, hatten weder Allergien oder sonstige Befindlichkeiten.

Und wie sieht es heute aus. Strengste Reglementierungen, Verbote, Gebote, Vorschriften noch und noch. Milch muss verdünnt werden, heruntergekühlt, hocherhitzt etc. , Inhaltsstoffe werden verfälscht dadurch, Milchunverträglichkeit steigt. Hauptsache, irgendwer hat wieder mal kräftig die Zügel in der hand, dirigiert die Bauern nach Lust und Laune. Einmal braucht man mehr Milch, dann mehr Fleisch, dann Getreide etc.etc.

Es ist schon eine unerträgliche Wirtschafterei, bei der viele Bauern auf der Strecke bleiben.
Bauern, die mit Herz und Hand ihre Höfe bestellen können ohne Einmischung von aussen gehören längst der Vergangenheit an und geben oft auf.

Folge: Milchseen, Butterberge, Fleischüberschuss , sinkende Preise für die Bauern, steigende für die Käufer sind die Regel.

Jetzt fliesst die Milch, in Kürze gibt es zermatschtes Gemüse, später Weintrauben auf den Strassen. Alle Jahre das gleiche Bild.
Angesichts des Hungers in der Welt könnte man hilflos in den Tisch beissen.

Und wir alle zusammen tragen den Schwachsinn!



--
luchsi35
sonja47
sonja47
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von sonja47
als Antwort auf luchs35 vom 31.05.2008, 18:49:07
Genau so Luchsi

Wie Du den heutigen Bauernstand beschreibst ist es!
Leider, aber wahr
--
sonja47

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rolf †
rolf †
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von rolf †
als Antwort auf luchs35 vom 31.05.2008, 18:49:07
Wir Kinder waren trotzdem kerngesund, hatten weder Allergien oder sonstige Befindlichkeiten.
geschrieben von luchsi35


Nicht trotzdem, sondern deswegen!


Es ist schon eine unerträgliche Wirtschafterei, bei der viele Bauern auf der Strecke bleiben.
--
luchsi35
geschrieben von luchsi35


Auf der Strecke bleiben vor allem die Bauern, die die Bezeichnung noch verdienen.
--
rolf
arno
arno
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von arno
als Antwort auf luchs35 vom 31.05.2008, 18:49:07
Hallo, luchsi35,

alle landwirtschaftlichen Betriebe sind heute High-tech-Betriebe.

Ich halte diese Betriebe mit für die größten Umweltverschnmutzer,
Trinkwasser- und Lebensmittelvergifter.


Viele Grüße
--
arno
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von luchs35
als Antwort auf arno vom 31.05.2008, 22:21:49


Arno und Rolf, mit eurem "Echo" bin ich absolut einverstanden, genau so ist es!
--
luchsi35
Linta †
Linta †
Mitglied

Re: Milch in den Abfluß
geschrieben von Linta †
als Antwort auf luchs35 vom 31.05.2008, 18:49:07

Gerade habe ich mich daran erinnert, wie ich als Kind - und viele andere auch - abends nach der Melkzeit mit meinem Milchkännchen auf den Bauernhof gegangen bin, um Milch zu holen. Da wurde die frischgemolkene Milch aus einer grossen Kanne geschöpft, Hygienvorschriften gab es kaum welche oder sie wurden nicht eingehalten, denn manchmal schwammen auch noch Stroh- oder Heuhalme darin herum. Man fischte sie raus, und gut war es. Wir Kinder waren trotzdem kerngesund, hatten weder Allergien oder sonstige Befindlichkeiten.

Luchsi, und ich hab als Kind ständig UNTER der Kuh gelegen
und direkt aus dem Euter die brühwarme Milch getrunken.
(Bei dem Gedanken allein heut, da beutelt es mich).....
Mir ist das prächtig bekommen.

ninna

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