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Aktuelle Themen Muss mal Dampf ablassen

nasti
nasti
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von nasti
als Antwort auf hugo vom 29.09.2008, 08:49:57
Hi Hugo!


Du kannst ganz suggestiv beschrieben deine Erlebnisse, hatte ich vor Augen die Armen in Dominikanische Republik.

….Bei jeder Benefiz-Gala mit Spendenaufrufen, bei jeder Sammelaktion, jeder Tombola mit Hilfeversprechen usw hab ich ein gemischtes Gefühl…..

Jaaa, in Provinz ist das noch krasser mit die Konzerte und Bildergabe und ähnliche Veranstaltungen für die Bedürftigen.. Bei den größten Hochwasser 2002 bei uns gehörte mein Atelier bis die Decke unten Wasser auch zum Spende Aktionen.
Es tauchten unbekannte Musikanten und Sängerinnen auf, und endlich in Theater aufzutreten können. Auf der Tribüne war für uns Hollgässler das Spendegeld mit tatata und geklatschte angereicht. Bis heute weiß ich nicht ob meine Ohrbeschädigung stamm nicht von diesem Zeit. *g*
Wäre diese Konzert nicht unten Spendeaktion ausgeführt, dann
bestimmt bekommen die „Künstler“ große Schwierigkeiten.
Die Medien hier sind schon satt mit solche Tricks, die „gerne möchte Künstler“ können spenden aber ohne Medien Werbung. *g*

Nasti




bongoline
bongoline
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von bongoline
als Antwort auf hugo vom 29.09.2008, 08:49:57
Wo sollten uns die Augen mal aufgehen:

wir sehen in den Nachrichten, wie tonnenweise Obst und Gemüse aus Protesten auf Müllhalden oder einfach auf Straßen gekippt werden, um den Kaufpreis des Artikels stabil zu halten. Ein Transport in arme Länder rechnet sich wirtschaftlich nicht, die Verrottung kostet ja nichts.

Es werden Tankwagenladungen Milch verschüttet um gegen die Kürzungen der Subventionen zu streiken.

Spendengelder gehen zum größten Teil in die Taschen der Organisationen und nur ein Bruchteil kommt irgendwann dort an, wo sie hingehören und da ist dann die Frage, bekommt sie ein korrupter Beamter zur Verteilung oder werden sie wirklich aufgeteilt.

Riesige Felder werden zur Treibstoffgewinnung bepflanzt. Monokulturen machen die Böden kaputt. Kleiderspenden in die Anden z.b. landen in Läden und werden um teures Geld verkauft. Beschlagnahmte nachgemachte Markenartikel werden tonnenweise geschreddert.

Die Bevölkerung ist mehr als hilfsbereit, das beweisen ja die Spendenaufrufe, die div. Benefizveranstaltungen, nur die, für die diese Spenden gedacht sind, sehen nicht viel oder gar nichts davon.

Wer will heute kontrollieren, von welchen Händen das T-Shirt oder die Tasche gefertigt ist, die ich mir kaufe. Der "kleine Mann" würde so viele Initiativen setzen, um wirklich helfen zu können, abgeblockt wird er doch von denen, die in den div. Regierungen sitzen. Dort liegt die Wurzel des Übels und bei den div. Sitzungen wird unheimlich schön geredet und entgegen aller Beteuerungen nicht gehandelt.

Mein Sohn hat in der Dom.Rep. aus eigenem an einer Familie seine Hilfsaktion gesetzt, nur wer hat die Mittel dazu, direkt vor Ort Hilfe zu leisten? Und die wenigen guten Geister, die wirklich Initiative setzen, sind zu klein, um im Großen wirken zu können.

Ich fühle mich jedenfalls ohnmächtig gegen dieses Elend. Da werden Elendsgipfel veranstaltet vor Ort und während die Kinder auf den Müllhalden herumstöbern, fressen sich die Politiker und Manager an einem feudalen Buffet die Bäuche voll. Ich empfinde das als puren Hohn.

Ich kann also in diesen Elendsgebieten nichts erreichen, ich kann nur trachten, dass in meinem Umfeld ich mich dafür einsetze, im Notfall helfen zu können.

--
bongoline
miriam
miriam
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von miriam
als Antwort auf bongoline vom 29.09.2008, 10:40:56
Danke für deinen sehr differenzierten Beitrag, Bongoline.
Durch deine Anmerkungen musste ich wieder an das denken, was wir so schön tagtäglich verdrängen, also was in der Welt so abläuft.
Handelt es sich dabei um eine Art parallele, aber sehr periphere Wahrnehmung dessen was in der Welt abläuft?

Nein, der Endverbraucher kann die Geschehnisse nur im geringen Masse oder auch gar nicht beeinflussen. Aber manche haarsträubende Phänomene unseres Marktes sollten wir m.E. doch zur Kenntnis nehmen - und so möchte ich hier den Dokumentarfilm von Agnes Varda erwähnen: "Die Sammler und die Sammlerin" ("Les Glaneurs et la glaneuse") - der zwar nicht in der so genannten dritten Welt spielt, sondern in Frankreich:

Hier werden wir plötzlich konfrontiert mit der massiven Entsorgung von Lebensmitteln, wenn sie den Anforderungen nicht entsprechen. Ganze Ladungen werden mit Lastwagen transportiert, zum Beispiel Kartoffel, sie werden einfach zum Verrotten auf offene Felder gekippt, wenn sie durch Form und Größe nicht den Normen entsprechen. Obdachlose und Arbeitslose die in der Nähe leben kennen das schon - und ein geringer Teil gelangt so zu denen die anders hungern würden.
Auch das spielt sich ab so zu sagen vor unsern Augen (die wir aber wegen unserer Machtlosigkeit verschließen), es geht hier um einen Teil der Bevölkerung der hungert, während doch im Vordergrund die Normen des Marktes gestellt werden.

Agnes Varda führt uns weiter, z.B. auch auf die Märkte kurz bevor diese schließen – auch hier wird einwandfreie Ware entsorgt, auch da stehen schon die Arbeitslosen oder Obdachlosen und warten, was die Mülltonnen ihnen bescheren.

Wenn man nun diese Gedanken oder Bilder die aus der so genannten ersten Welt stammen auf die dritte Welt überträgt, ist das Drama ein Vielfaches größer.

Persönlich möchte ich wenigstens zur Kenntnis nehmen was sich da abspielt – ich habe etwas gegen das Heilewelt-Spielchen.
Aber das ist wirklich nur eine ganz persönliche Einstellung, ich verstehe es auch gut wenn man sie nicht unbedingt teilt.

--
miriam

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hugo
hugo
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von hugo
als Antwort auf bongoline vom 29.09.2008, 10:40:56
danke bongo,,,ok das kann man so stehen lassen,,solche und/oder ähnliche Gedanken gehen sicher vielen "Menschen aus der sog. ersten Welt" durch den Kopf

man sieht und erkennt das Unheil und die vergebliche Liebesmüh und hat trotzdem nicht sofort eine brauchbare Alternative, eine rettende Idee parat, mann zieht die Stirn in Falten, bekommt Zornesröte ins Gesicht aber ballt zumeist nur die Faust in der Tasche,,
hmmm.
oh nun seh ich, das miriam gerade ähnliche Gedanken äußerte,,
--
hugo
astrid
astrid
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von astrid
als Antwort auf karl vom 29.09.2008, 08:04:01
Ich teile luchsies Empörung darüber, dass private Banken eine Finanzspritze
über 700 Milliarden Dollar erhalten und das UNO-Programm für die Armen dieser
Welt gerade einmal einen unteren zweistelligen Betrag. Vieles im Weltwirtschaftssyste
liegt im Argen und so Not die konkrete direkte Hilfe für die Armen tut, das System ist
krank und die Therapie wird langfristig sich nicht auf Almosen beschränken können.

--
karl
*********************************
Ich auch Karl,sicher kann man Luchsi's Empörung verstehen.
Bin ja auch der Meinung,sagte immer schon,die Reichen,unter
anderem eben auch die Wirtschaft und dazu gehören nun mal
auch die Banken,müßten mit Ihrem eigenen Vermögen für Ihren
Mist gerade stehen und notfalls eben in's Gefängnis wandern,
wenn Sie nicht zahlen können.

Sie müßten viel mehr für die Armen tun,sie haben die Möglich-
keit,eher was in Bewegung zu bringen. Eben Hilfe zur Selbst-
hilfe wie eben dieser ehemalige Schauspieler: Karlheinz Böhm.
Die müssen ganz einfach mehr in die Pflicht genommen werden.

Diese 700 Milliarden Dollar wären besser bei den Armen in der
ganzen Welt als Unterstützung angebracht gewesen. Und da
wäre dann wohl auch von UNS mehr Verständnis für solche
Aktion aufgekommen. Da hätte wohl Niemand was dagegen.

Nur als einzelner Mensch steht man dem ALLEN machtlos
gegenüber,man möchte helfen und kann es im Endeffekt
nicht so,wie es sein sollte.

Mir fällt dazu noch ein,auch der amerikanische
Schauspieler Paul Newman half den Armen. Indem
Er den Gewinn aus einer seiner Firmen,glaube es
ging um Suppen,weiß es nicht so genau, den Armen
zukommen lies.
Er sagte mal: Ich möchte EINIGES den Leuten zurück-
geben,die mich als Schauspieler bewundern und mich
großwerden haben lassen,als Schauspieler.
Der Mann war mir immer sympatisch,leider ist er nun
verstorben.

Gruß,Astrid
angelottchen
angelottchen
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf bongoline vom 29.09.2008, 10:40:56
danke für Deinen Beitrag, bongoline - da steht viel meiner eigenen Gedanken ...
Was man tun kann ... schaut man sich allein die Webseiten an, die sich zu diesem Thema öffnen, bekommt man mehr und mehr den Eindruck, als werde der Hunger in der Welt geradezu sektenmässig "kultiviert" - die einen schwören auf Gentechnik, die anderen auf Vegetarismus und wieder andere sehen nur die grossen Hilfsorganisationen dazu in der Lage, das Problem in den Griff zu kriegen.
Was mich an diesen grossen Organisationen am meisten irritiert, ist die Tatsache, dass viel zu viel Geld für deren riesigen Verwaltungswasserkopf draufgeht und bei den wirklich Bedürftigen nur ein Bruchteil davon eingesetzt wird.

Sind es nun die Spenden, die wirklich helfen können oder ist es eher eine Umverteilung der Nahrungsmittel, die stattfinden muss - oder, wie ganz kühne Köpfe es sich ausgedacht haben, eine Umsiedlung der Menschen in fruchtbarere Regionen? ... Vielleicht wird über den Hunger in der Welt auch einfach zu wenig berichtet - mir ist es jetzt bei den letzten Hurrikans in den USA wieder aufgefallen, dass auch unsere Medien zwar stündlich von Verwüstungen in den USA berichteten - dass aber das viel grössere Elend in Haiti nur am Rande erwähnt und eher nebensächlich kommentiert wurde. Würde es auch unser Verhalten vielleicht ändern, wenn täglich in den Nachrichten erwähnt würde, dass wieder 25.000 Menschen verhungert sind? Vielleicht würde das die Verantwortung jedes einzelnen ein wenig wachrütteln ... vielleicht würde in unserer Überfluss- und Wegschmeissgesellschaft weniger Schindluder mit Nahrungsmitteln betrieben ... vielleicht ..

vielleicht muss wirklich der ganz grosse Bankencrash stattfinden und dieser Seifenblasenmarkt der Millionen $$$$ zusammenkrachen, ohne dass irgend jemand da noch Geld hineinpumpt, damit alle sich wieder auf die Menschlichkeit besinnen. Geld regiert bekannter Massen die Welt, wenn wir diesem schlauen Spruch glauben ... aber dann muss Hunger spottbillig sein..oder? Die Rettung von Zockerbanken ist wichtiger als hungernde Menschen, welch ein Hohn! Die Vereinten Nationen verkünden auch noch stolz in der selben Woche, in der 700 Milliarden zur Rettung der Wallstreet rausgeblasen wurden, dass man 16 Milliarden Dollar zusätzlich für den Kampf gegen die Armut aufgetrieben hätte.. wie schön ...

Ein südamerikanisches Sprichwort sagt es sehr treffend, "Los pobres siempre estarán los jodidos, el día que la mierda tenga algún valor, los pobres nacerán sin culo" ( "Die Armen sind immer die verarschten. Am Tag, wo die Scheisse irgendeinen Wert bekommt, werden die Armen ohne Arsch geboren) Garcia Marquez zitiert das sehr trefflich in seinem Roman "Der Herbst des Patriarchen"

"Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit dem, was wir bekommen, und wir leben von dem, was wir geben." (Churchill)
--
angelottchen

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luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von luchs35
als Antwort auf angelottchen vom 29.09.2008, 11:58:55
Jedes Wort kann ich nur unterstreichen und nebenbei jenen danken, die den Thread gerade nochmal vor dem üblichen persönlichen Mecker-Absturz gerettet haben.

Das Umdenken muss von unten kommen, von der Masse der Kleinen, zu denen wir alle gehören, die aber nur geschlossen etwas bewirken können. Aber gerade hier hapert es, und das ist verspielte Macht. Nur wenn die "Kleinen" in jedem Land der Erde immer lauter werden, hört man sie auch dort, wo die Raubtiere auf ihren Geldsäcken hocken und mit Klauen und Zähnen ihre Pfründe verteidigen. Jeder Politiker, der für sie eine Gefahr bedeutet, wird mit allen Mitteln mundtot gemacht, egal woher er kommt und welche Partei er vertritt.

Sich mit Jean Ziegler und seinem Anliegen auseinanderzusetzen ist sicher eine Möglichkeit, auch Wege zu sehen oder zu finden, wie vielleicht etwas bewirkt werden kann, aber eben nur in der Geschlossenheit.

Einfach nur gleichgültig zulassen , dass die einen im Überfluss leben, während andere verhungern ist in meinen Augen Beihilfe zum Mord!

--
luchsi35
pelagia
pelagia
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von pelagia
als Antwort auf luchs35 vom 29.09.2008, 13:05:48
Liebe luchsi,
ich habe mich erst jetzt wieder im ST eingeschaltet und mit großer Traurigkeit Deinen eröffneten Beitrag und die Kommentare gelesen. Es ist furchtbar mit dieser Hilflosigkeit umzugehen, angesichts der unmenschlichen Lebenssituation vieler Kinder. Trotz meines Engagements, dass ich an verschiedenen Stellen einbringe, muss ich mich immer wieder gegen diese Ohnmacht, diese Hilflosigkeit zum Handeln zwingen, dass man nur so wenig erreicht, keine wirkliche Veränderung bewirkt.
Mirjam ein Dankeschön für das Interview mit Jan Ziegler.
Machen wir uns immer wieder gegenseitig Mut, für die Not der Kinder einzutreten, für eine gerechtere Welt aufzurufen.
--
pelagia
miriam
miriam
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von miriam
als Antwort auf pelagia vom 29.09.2008, 13:42:50
Wenigstens scheint mir die Diskussion hier sehr sinnvoll - ich denke auch, dass mit diesem Schritt jedes Umsetzen in Taten anfängt. Sogar wenn wir diese Gedanken nur weitergeben.

Einfach nur gleichgültig zulassen , dass die einen im Überfluss leben, während andere verhungern ist in meinen Augen Beihilfe zum Mord!
geschrieben von Luchsi35


Ursprünglich dachte ich in meinem vorigen Beitrag laut nach, ob das tatenlose Zusehen und Schweigen eigentlich Beihilfe zum Mord oder ein Tötungsdelikt bedeutet.

Habe danach diesen Absatz gelöscht.



--
miriam
susannchen
susannchen
Mitglied

Re: Wer sagt denn, dass wir nichts tun können???
geschrieben von susannchen
als Antwort auf miriam vom 29.09.2008, 13:55:45
Einfach nur gleichgültig zulassen , dass die einen im Überfluss leben, während andere verhungern ist in meinen Augen Beihilfe zum Mord!
geschrieben von Luchsi35


Für mich ist das Populismus, die Hauptverantwortlichen sitzen in den jeweiligem Land!
--
susannchen

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