Forum Allgemeine Themen Aktuelle Themen Muss nun die Geschichte der Studentenbewegung neu geschrieben werden?

Aktuelle Themen Muss nun die Geschichte der Studentenbewegung neu geschrieben werden?

rello
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von rello
als Antwort auf hugo vom 26.05.2009, 11:13:59
-Hugo Du enttäuscht mich, Richtantennenbau und so. Gab es bei Euch überhaupt jemand, der sich an die Vorgaben des Politbüros hielt? Ich glaube keiner, selbst der Schlabrowski hat ja das Pamphlet über die Grenzöffnung nur stotternd falsch vorgelesen. War vielleicht Absicht, Gott sei Dank.

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rello
ehemaligesMitglied451
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von ehemaligesMitglied451
als Antwort auf carlos1 vom 25.05.2009, 21:52:26

Ich glaube nicht, dass hier irgendjemand ehemaligen DDR-Bewohnern den "Unrechtsstaat" unter die Nase reibt. Auch machen die sicherlich vielen, die sich mit den damaligen Verhältnissen arrangiert und ihr "normales Leben" gelebt haben, aus der DDR keinen Rechtsstaat. Aber niemand denkt auch genausowenig daran, dehalb irgendjemandem Vorwürfe zu machen. Diese Diskussion wird doch nur geführt, weil es hier einzelne Protagonisten gibt, die aus der DDR einen halbwegs vernünftigen, mit der BRD sogar in Augenhöhe vergleichbaren Staat herbeischreiben wollen. Da hört für mich die ja eher belustigende "Ostalgie" auf und ewig gestrige Propaganda an.

donaldd
hafel
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von hafel
als Antwort auf ehemaligesMitglied451 vom 26.05.2009, 12:21:25
Donaldd, da sind wir schon einmal ZWEI, die ähnlich denken.
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hafel

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ehemaligesMitglied451
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von ehemaligesMitglied451
als Antwort auf rello vom 26.05.2009, 10:53:06
es gibt offenbar auch unterschiede, ob man die 68iger Bewegung Bildzeitungsgefiltert als steinewerfende Randalierer wahrnimmt oder als wichtigen Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland.


Ich fürchte, wenn wir 1968 nur "rellos" in Deutschland gehabt hätten, hätten wir noch heute den Muff von 1000 Jahren unter den Talaren.

donaldd
rello
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von rello
als Antwort auf ehemaligesMitglied451 vom 26.05.2009, 14:30:56
und wenn es donaldd´s gewesen wären, wären wir in das vorindustrielle Zeitalter zurückgefallen.
Jungchen Du schreibst da vielleicht einen Blödsinn zusammen, glaubst Du vielleicht selbst daran?
Schon mal reflektiert, dass die RAF sich aus der Bewegung entwickelt hat. Schalt mal Deine Denke ein. Die langen Haare sind out, kurze Gelfrisur ist in. Von 1968 ist ausser Schily nichts übrig geblieben und Joschka und was haben die erreicht. Nuscht.

Bildzeitung habe das letzte Mal vor 1968 beim Urlaub in Timbuktu gelesen, ich hab die Drösel selbst gesehen, das warst Du noch gepampert und Dein Muff kam aus dem Kinderbettchen.
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rello
silhouette
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von silhouette
als Antwort auf rello vom 26.05.2009, 15:12:44
Darf's auch eine sachliche Meinungsäußerung sein, rello?

In die Zeit der 68er fielen, und "die 68er" waren daran durchaus nicht unbeteiligt,

- Riesenfortschritte für die Stellung von bisher benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft, allen voran für die Stellung der Frauen,

- eine Art Emanzipation der deutschen Außenpolitik innerhalb der damaligen "EWG", aber auch gegenüber den USA und der SU. Das war einem gewissen Willy Brandt zu danken, der aber wiederum von "den Studenten" wie auf einem Teppich von Enthusiasmus getragen wurde.
Ich darf übrigens behaupten, ich bin in Brüssel dabei gewesen, brauche also nichts zu erfinden.

- ein neuer Anlauf zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit. Der Vorwurf des Muffs der 1000 Jahre war nicht nur an die verstaubten Hierarchien im Hochschulbetrieb gerichtet, sondern spielte auch auf das 1000-jährige Reich an. Aus dieser Protestbewegung sind u.a. als Protagonisten Beate und Serge Klarsfeld nach ganz oben gespült worden, auch wenn sie von Frankreich aus agiert haben. Und trotz der Kiesinger-Ohrfeige, gegen die jüdische Gruppen in den USA protestiert hatten, weil Kiesinger ihrer Meinung nach zu Unrecht dermaßen beschimpft wurde.

Auf der anderen Seite haben die 68er als Eltern und als Lehrer der nachfolgenden Generation beigebracht, dass Selbstdisziplin und Leistungswille minderwertig sind und dass stattdessen alles zuerst Spaß machen muss.

Eine Folge davon ist das, was wir unter dem Stichwort "Pisa" anprangern. Die Entwicklung ist m.E. schon sehr lange angelegt gewesen. Jetzt sind die Nachkommen der 68er-Lehrer wiederum Junglehrer. Wen wundert das Ergebnis...

Und das alles soll nuscht sein? Die Zeit war reif, zweifellos. Aber von irgendwo her mussten die Zeitgenossen angeschubst werden.
--
silhouette

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rello
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von rello
als Antwort auf silhouette vom 26.05.2009, 15:39:28
Mich haben die Ziele der 68er wenig interessiert und tun es jetzt noch weniger. Als Techniker habe ich keinen Muff an meinen Hochschulen verspürt, da war alles up to date. Immerhin sind Neil Armstrong und Kollegen bereits ein Jahr später, nämlich 1969 zum Mond geflogen und das alles mit dem Muff, der uns vor der Zeit beigebracht wurde.
Aber wie gesagt, Techniker denken anders, haben keine Zeit für Sperenzchen, sondern sorgen dafür, dass die Räder rund laufen, Windräder sich drehen und Fotovoltaikanlagen Strom erzeugen, etc..
Anders wäre es nicht möglich gewesen, dass Idealisten wie Du, ohne Hunger im Bauch, versuchen konnten, verkrustete Strukturen aufzubrechen.


--
rello
Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf silhouette vom 26.05.2009, 15:39:28
Meine Liebe,
-
auch wenn jetzt viele über mich lachen,
die Anfänge waren eher "unpolitisch"oder besser "sehr politisch",
in dem Sinne dass wir ganz gezielt unsere,und nur unsere Interessen vertraten!!
-
1965 war ich 14,liebte die Stones,die Who und wollte auch so sein,
es war ein Jugendprotest,es ging um Frisur,Kleidung und Musik,
und war keinesfalls auf Schüler/Studenten beschränkt.
-
Mein Onkel(fast 10 Jahre älter)hatte beim Studium andere Probleme,
der"politische Student" war seinerzeit auch in Berlin die Ausnahme.
-
der Vietnam-Krieg war noch weit weg,
er kam zu uns mit Jimi Hendrix und Bob Dylan.
-
Wie gesagt,dieser Jugenprotest,in den 50ern zuerst nochmal abgewürgt,
entstand ab ca.63 neuer und stärker,
aber er war im besten Sinne "innenpolitisch",
es ging um uns und unsere Situation in Deutschland.
-
natürlich hat der Schah-Besuch mit seinen Folgen auch uns berührt,
aber die Mao-Bibel hatte damals exakt den gleichen "Wert"
wie heute die neuesten die neuesten niki-Sneakers.
-
Die Politisierung und Radikalisierung später war damals(1967)noch nicht abzusehen,
die nächsten 2 Jahre kamen wirklich über uns wie eine Sturmflut,
wirklich schnell und heftig wie ein Tsunami,
auch heute im Rückblick noch unvorstellbar.
--
malgeorge,
etwas vereinfachend
olga64
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von olga64
als Antwort auf vom 26.05.2009, 16:17:20
So ist das wohl,wenn ein damals 14-jähriger sich im Nachhinein zu einem "68er" hochstilisiert. Ich unterstelle gestrigen und heutigen 14-jährigen wohl zu Recht, dass deren Interessen-Spektren auf anderen Gebieten als auf (internationaler) Politik liegen.
Zum besseren Verständnis einer damaligen Studentin, die sich als 68erin sicher bezeichnen darf:
die Anfänge der Indochine-Problematik begannen bereits 1954 und auch die Teilung des Landes. Erste Angriffe der Amis erfolgten in 1964/65 - der Krieg dauerte bis 1975 als die Amis schnellstens das Land verlassen mussten.
Er war also für uns Beteiligte, Erwachsene Mitte der 60-er Jahre nicht weit weg - wir demonstrierten dagegen,weil wir Angst hatten, wieder etwas Ähnliches wie die Nazi-Zeit zu erleben.
Die Stones sah ich erstmals 1962 in London als ich dort als Au-Pair-Mädchen arbeitete. In ihren Texten konnten wir uns und unsere Wünsche wieder finden (mehr als bei den Beatles, bei deren Songs es ja "between the lines" um Illusionen basierend auf Rauschgift-Genuss ging.
Ohne 68er (damit meine ich nicht die Auswüchse der RAF) wäre unser Land vermutlich immer noch vermieft und noch spiessbürgerlicher als es leider noch immer ist.

--
olga64
silhouette
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von silhouette
als Antwort auf vom 26.05.2009, 16:17:20
Meine Liebe,

--
malgeorge,
etwas vereinfachend
geschrieben von malgeorge

Oh, wie komme ich zu dieser Anrede?

Tja nun, ich war 1963 unter den Studenten, die zu den Demos gingen. Ich erinnere mich besonders an die eine, weil ich einen Teil des hochgehaltenen Kartons kurz danach auf der Rückseite wiedergesehen habe. Die Vorderseite zeigte "Aktion Bildungsnotstand 2. Juli". Und die Rückseite einen Geburtstagsglückwunsch, hochgehalten von ein paar Komilitonen der spanischen Abteilung, die eine kleine Gesangsgruppe waren und mir ein Ständchen an der Haustüre brachten ("Clavelitos, clavelitos, clavelitos de mi corazón....")

Und 1968 war ich bereits arriviert, Anfang Mai auf Dienstreise in Paris und unfreiwilliger Zeuge der schweren Verletzungen, die dort die CRS den Studenten beibrachten. Erzähl mir also nix von jener Zeit. Ich weiß, dass es an der TH in Karlsruhe braver zuging als in Frankfurt. Und ich weiß, dass ein gewisser Herr Mössbauer in München durch sein Ansehen und seine geschickte Rethorik den Aufstand gleich zu Anfang abgewendet hat. Er hatte es, wie hier angedeutet wurde, in den naturwissenschaflichen Departments allerdings auch etwas leichter als bei den Soziologen in Frankfurt und den Politologen in Berlin.

Das Thema eignet sich m.E. für Vereinfachungen ganz und gar nicht.

@ rello
Darauf antworte ich nicht mehr.

--
silhouette

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