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Aktuelle Themen Muss nun die Geschichte der Studentenbewegung neu geschrieben werden?

mulde22
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von mulde22
als Antwort auf rello vom 25.05.2009, 17:32:29
Rello
genau da muss ich Dir recht geben!
Das will man verhindern
Das ist Wahlkampfstrategie

Im Oktober nach dem Schwarz gewonnen hat, kehrt wieder ruhe ein!
--
mulde22
hafel
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von hafel
als Antwort auf hugo vom 25.05.2009, 18:53:23
Hugo: zum Verbot der KPD

=============

Hugo was soll dieser Käse? Willst Du wieder alles verschleppen und verschleiern.

In der Verfassung steht natürlich auch etwas zur Verfassungstreue. Und wenn eine Partei als verfassungswidrig eingeordnet wird, liegt es doch nicht am Grundgesetz sondern an den Zielen dieser Partei.

Grässlich Hugo, da kann ich nicht einmal grinsen.
--
hafel
mulde22
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von mulde22
als Antwort auf klaus vom 25.05.2009, 17:55:04
Na Klaus aber aber
Ist Dir nicht bekannt , gerade im Beamtentum
das "Mopping" geradezu Volkssport ist?
nicht nur in Deutschland - das ist eine internationale
"Krankheit"

Da hat bestimmt jemand ganz bewusst eine Kontrolle über den Kurrass verhindert!
Ob nun aus Ost oder West wissen wir das ???
die Zeit wird es hervorbringen
warten wir es ab.
--
mulde22

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carlos1
carlos1
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von carlos1
als Antwort auf mulde22 vom 25.05.2009, 14:15:10
"Kurrass hat geschossen-
Kurrass ist freigesprochen worden(von einem rechtstaatlichem Gericht!)
Das sind die Fakten die nicht bestritten werden!" mulde22


Die Kugel traf den Studenten in den Rücken. Freispruch aus Mangel an Beweisen. Rechtsstaatliches Urteil. Ja, schon. Aber ein Freispuch zweiter Klasse. Notwehr bei einem Schuss in den Rücken? Wer in einem Rechtsstaat jemals einen Prozess zu führen hatte, kennt den Ausspruch: Auf hoher See und vor dem Gericht befinden wir uns immer in Gottes Hand. Man weiß nie, was kommt und wie es ausgeht. Recht und Gerechtigkeit, Recht haben und Recht bekommen, sind zweierlei Dinge. Auch in einem Rechsstaat.

Die Frage darf gestellt werden: Wie wäre der Prozes gegen Kurass ausgegangen, wäre die Mitgliedschaft des Täters in der SED-West-Berlin und sein Engagement als Agent der STASI dem Gericht bekannt gewesen? Wäre er frei gesprochen worden?

Eine sehr seltsame Diskussion ist das hier. Der Unrechtsstaat DDR steht am Pranger. Hatte die DDR aber ein Interesse an einer solchen Tat? Ihr wertvoller Agent Kurass war dadurch "verbrannt" (Geheimdienstjargon), unbrauchbar geworden. Viel spricht dafür, dass die Tötung des Demonstranten die eigenmächtige Tat des Waffennarren Kurass gewesen ist. Donaldd hat bereits zu Beginn darauf hingewiesen, dass ideologisch die Studentenbewegung und die verkrustete stalinistische DDR-Hierarchie nicht zusammenpassten. Überhaupt nicht ins Blickfeld geraten in dieser Diskussion ist aber die Wirkung in Westdeutschland. Was wurde da nicht alles von Geistesgrößen geschrieben! Diese Angriffe auf den Staat Bundesrepublik sollte man auch mal aus den Archiven holen. Und dann die Frage: Führt diese Tat direkt oder indirekt zum Terror der RAF? 1977 wurde der Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz von der Bewegung 2. Juni entführt. Durch seine Freilassung kamen Terroristen frei, die später an weiteren Untaten beteiligt waren (Schleyer-Entführung). So erinnere ich mich. Wie gesagt, die Studentenbewegung ist damit nicht ausgelöst worden. Ist sie aber in ihrer Richtung und weiteren Ausprägung maßgeblich durch das Geschehen des 2. Juni beeinflusst worden? Welchen Einfluss übten die Pamphlete westlicher Intellektueller aus?

Ich habe etwas dagegen, immer jemanden den Begriff Unrechtsstaat unter die Nase zu reiben, wenn ich eigentlich weiß, dass die Leute dort das Pech hatten jenseits der Mauer leben zu müssen, unter einem System, dem sie sich anfänglich vielleicht nicht entziehen konnten. Ich bin froh, dass ich viele Entscheidungen nicht treffen musste, die die Leute in der DDR zu treffen hatten, deren Alltagssorgen nicht ausgesetzt war. Wer in diesem System gefangen war, wurde mit einbezogen, musste mitmachen, ob er wollte oder nicht, bis er schließlich sich damit abgefunden hatte und dazu gehörte oder gehen musste, oder in ständigem Kampf lag. Niemand ist zum Helden geboren.
c
silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von silhouette
als Antwort auf carlos1 vom 25.05.2009, 21:52:26

1- Führt diese Tat direkt oder indirekt zum Terror der RAF?


2- Wie gesagt, die Studentenbewegung ist damit nicht ausgelöst worden. Ist sie aber in ihrer Richtung und weiteren Ausprägung maßgeblich durch das Geschehen des 2. Juni beeinflusst worden? Welchen Einfluss übten die Pamphlete westlicher Intellektueller aus?

3- Ich bin froh, dass ich viele Entscheidungen nicht treffen musste, die die Leute in der DDR zu treffen hatten, deren Alltagssorgen ich nicht ausgesetzt war. Wer in diesem System gefangen war, wurde mit einbezogen, musste mitmachen, ob er wollte oder nicht, bis er schließlich sich damit abgefunden hatte und dazu gehörte oder gehen musste, oder in ständigem Kampf lag. Niemand ist zum Helden geboren.
c


(von mir numeriert)

ad 1) NEIN!

ad 2) Maßgeblich nicht, aber das Ereignis mit seinem Datum war nicht die einzige geistig-moralische Stütze, auf die sich der Widerstand berief, der demonstrierende und später der schießende, was ich deutlich unterscheiden möchte.

ad 3) RICHTIG!

--
silhouette
adam
adam
Mitglied

Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von adam
als Antwort auf silhouette vom 25.05.2009, 22:55:03
Zuerst einmal ist der Tod von Benno Ohnesorg ein Kriminalfall, der es verdient hat, unter neuen Aspekten neu aufgerollt zu werden. Mord verjährt nicht und in der Bundesrepublik kann man durchaus ein zweites Mal für das gleiche Delikt angeklagt werden.

Was Hafels Frage betrifft, ob die Geschichte der Studentenbewegung neu geschrieben werden muß, würde ich dies verneinen. Der Studentenbewegung und den 68ern wird meiner Ansicht nach eine zu große Bedeutung zugemessen, denn ich sehe sie innerhalb einer weltweiten Jugendbewegung, die seit Anfang der Sechzigerjahre zu beobachten war. Sicher waren die 68er diejenigen, die schon vom Alter her gesehen, eine politische Forderung stellten, aber es war nicht die einzige Forderung.
Die Jugend hatte es satt, von den eigenen Eltern um ihre Jugend beneidet zu werden, nur weil die durch den Krieg keine hatten. Die Jugend mochte keine Sprüche mehr hören vom "Ärmel hochkrempeln und aufbauen". Die Jugend wollte die alten Ideale nicht mehr, wollte nicht mehr zurechtgebogen werden, wie Vater es wollte, damit sie es "einmal besser haben". Die Jugend wollte eine eigene, neue Zukunft angehen, wollte unbeschwert sein und das unbeschwert tun.

1961: Ein Russe schwebt im All, Berlin bekommt seine Mauer, Che Guevara ist Zentralbankchef in Kuba und die Frauen toupieren sich die Haare.

1969: Die Amerikaner landen auf dem Mond, das Männerhaar ist lang, das Frauenknie unbedeckt, Handke beschimpft das Publikum und Willi Brandt wird Bundeskanzler.

Die 60er waren ein Aufbruch in eine neue Zeit und das so eindringlich, daß keiner sich völlig entziehen konnte. Die Studentenbewegung war ein Teil davon, aber sicher nicht der Hauptteil der neuen Stimmung.

--

adam

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hafel
hafel
Mitglied

Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von hafel
als Antwort auf adam vom 25.05.2009, 23:16:33
Ich hatte unter meiner Überschrift ein Fragezeichen gesetzt. Nach der allgmeinen Diskussion denke ich, dass die Studentenbewegung nicht neu geschrieben werden muss.... aber es wird eine neue Bewertung geben.
--
hafel
rolf †
rolf †
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von rolf †
als Antwort auf hafel vom 26.05.2009, 00:31:18
Adam hat doch mit seiner Einleitung
»Was Hafels Frage betrifft, «
das Fragezeichen beachtet.
Ansonsten stimme ich mit dir überein.
--
rolf
adam
adam
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von adam
als Antwort auf hafel vom 26.05.2009, 00:31:18
In diese Richtung denke ich auch, wobei ich die 60er aus meinen persönlichen Eindrücken geschildert habe.

--

adam
Medea
Medea
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Re: Realistisches Geschichtsbild ...
geschrieben von Medea
als Antwort auf adam vom 25.05.2009, 23:16:33
"Die 60er waren ein Aufbruch in eine neue Zeit und das so eindringlich, daß keiner sich völlig entziehen konnte. Die Studentenbewegung war ein Teil davon, aber sicher nicht der Hauptteil der neuen Stimmung." (Adam)

Kann ich so unterstreichen - und "wir" mittendrin, fast jeden Abend irgendwo irgendwelche Zusammenkünfte und Diskussionen, die Köpfe haben wir uns heißgeredet für eine bessere Welt, sind auf die Straße gegangen, wir Frauen mit unseren Kindern in der Kinderkarre -
es war ein sehr großes Gemeinschaftsgefühl, WG-Erfahrungen gemacht (mir und Freunden reichte allerdings unsere Wochenend-WG, die bald zum politischen Treffpunkt wurde) - insgesamt eine Zeit des "Aufbruchs" - an die ich immer noch sehr gerne zurückdenke.

Medea

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