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Aktuelle Themen O Einigkeit, o Vaterland ....

adam
adam
Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von adam
als Antwort auf niederrhein vom 28.09.2007, 11:43:27
Also gut.

Der Einfachheit halber bleibe ich mal bei "Wessi" und "Ossi", auch wenn ich diese Benennung überhaupt nicht mag.

Wo, bitteschön, ist denn die Freude über die Wiedervereinigung abgeblieben? Die war doch wohl vorbei als die Wessis die Brieftasche zücken mußten und bei den Ossis die Ernüchterung kam! Und wo ist das gemeinsame Erfolgserlebnis? Habe ich da was verpaßt?

Wie konnte ich Wessi und dort Ossi denn Freude empfinden bei einem Vorgang, auf den wir nicht den geringsten Einfluß hatten? Hat auch nur ein Wessi oder Ossi irgendwo ein Kreuzchen gemacht und damit bekundet, daß er einverstanden ist? Der alten Bundesrepublik und der vergangenen DDR wurde die neue Bundesrepublik doch einfach von der Politik übergestülpt. So! Und jetzt freut euch gefälligst!

Das war eine Riesenfreude! Den Wessis wurde Geld abgeknöpft für etwas, worauf sie keinen Einfluß hatten und den Ossis hat man im Gegenzug einfach die letzten 45 Jahre amputiert! Waren ja sowieso nichts wert! Richtig toll war das, Wessis und Ossis bekamen ja so richtig Lust darauf, gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln!

Und weil die Politik von den Ossis ja nur noch eines wollte, nämlich ihre Stimmen bei der nächsten Wahl, hat man ihnen als "Schmankerl" sozusagen, die DM-Ost 1:1 in die so begehrte DM-West umgetauscht.

So hat man Zigmilliarden an nicht konvertierbarer Währung, ohne Gegenwert, unter den Hut einer stabilen, konvertierbaren Währung geschoben und das hält die stabilste Währung nicht aus. Ein Gegenwert mußte her und den suchte man in der planwirtschaftlich heruntergekommenen DDR-Wirtschaft. Die Treuhand übernahm das Verscherbeln. Aber das reichte bei weitem nicht!

Die Rechnung zahlte letztendlich der kleine Mann, denn die Menge bringt`s. Bezahlt wurde über millionenfache Arbeitslosigkeit und gesetzliche Zugeständnisse an das Kapital, das sich eine zusätzliche goldene Nase verdiente.

So und nun wollen wir uns gemeinsam freuen. Wundert einen noch die entstandene Kluft?

Hätte die Politik die Menschen vernünftig in den ganzen Prozess mit eingebunden, hätten wir die heutige Kluft nicht, könnten uns wirklich freuen und müßten keine scheinheiligen Diskussionen über "Klüfte" führen!!

So und jetzt werft mich auf den Grill.

Ich habe fertig.

--
adam
hugo
hugo
Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von hugo
als Antwort auf niederrhein vom 28.09.2007, 11:43:27
hallo adam,,,da mein Beitrag schon fertig und reinkopiert ist werde ich auf Deinen mal noch nicht Bezug nehmen, aber nur soweit im Vorfeld,,,auch der hat was *g*

hallo bertha,,
vielleicht sollten wir mal den Gaul spaßeshalber umsatteln und nicht vom bisherigem Klischee ausgehen sondern einen neuen Gedankengang in die ost-west Debatte bringen.

Haste schon mal drüber nachgedacht wie die Ossis damals vor der Wende hätten ticken müssen, wenn die DDR-Schule echte bleibende Spuren in Jedem Erwachsenem eingeprägt hätte.

Rein theoretisch hätten wir (ich sags mal der Einfachheit halber in der Ich-Form)nachdem was wir 40 Jahre lang eingebleut bekamen, einen ungeheuren Horror vor dem haben müssen was uns im Zusammenhang mit der Vereinigung/Übernahme/ Besatzung/Vereinigung bevorstand.

Das große schwarze Grauen hätte uns anspringen und in die Knie zwingen müssen, wenn wir an die kalte, gierige kapitalistische Ausbeutermentalität die uns nun zu Packern bekommt, denken sollten.

Wir hätten eine Dienstagsdemo nach der anderen veranstalten und besuchen und dabei die Honecker und Co auf Knien um ihr Bleiben betteln müssen, nur um der bevorstehenden Unterjochung in einem marodem, faulendem, imperialistischem System zu entkommen.

Aber was passierte ??? Nix dergleichen. Einige Kritiker wurden sofort vielstimmig übertönt, die Masse hatte absolut keinen Gedanken daran verschwendet das uns das Kommende auch vor ein paar Problemchen stellen würde.

Es war eine euphorische Stimmung allüberall die alles hinwegfegte was auch nur ein bisschen nach Erschwernis, nach Mühsal, nach übermäßig kräftigem Anpacken und Rackern roch.

Sämtliche jahrzehntelang eingetrichterten politischen Theorien waren über Nacht vergessen und hinweggefegt,,,alle bisher an den Anfang jeder Facharbeiter, Meister-, Ingenieursarbeit gestellten Präambeln mit den durch Politbüro-, und Parteitagsbeschlüssen prophezeiten Zukunftsaussichten wurden spontan vergessen, entweiht und zu dem gemacht was sie wirklich waren,,,,unnötige, belastende, ablenkende Zugabe eines, zwar von tüchtiger Arbeit aber( durch Unfähigkeit der Führung geprägten) unproduktiven und somit unattraktiven Systems.

Da nun jedoch -wie zu erwarten war- auch im neuem Leben, die Tauben erst gefüttert, dann gefangen und auch noch gewürzt und gebraten werden müssen und diese Tauben einer völlig anderen unbekannten Rasse angehören und zu völlig anderen unbekannten Konditionen zu bekommen sind, ist eine Rückschau auf ehemaliges bequemes Täubchen essen eben normal und das Drum und Dran vernebelt sich dabei im Hintergrund. *g*
--
hugo
plautus
plautus
Mitglied

Re: O Einigkeit, o Vaterland ....
geschrieben von plautus
als Antwort auf niederrhein vom 25.09.2007, 12:17:14
VATERLAND lässt sich ein staat gern nennen, wenn er sich anschickt, die eigenen söhne zu fressen.
--
plautus

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dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

es war ein gute zeit und eine schlechte zeit...
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf hugo vom 28.09.2007, 18:11:32
@adam
@hugo

ihr zwei (alle beide) beschreibt ziemlich genau mein gesellschaftliches gefühl als 29jähriger DDR-Bürger zu den wendezeiten. ganz persönlich, war ich aber damals von der kette los. ich hab anfang der 90er viel gelernt, gelesen, wichtige, ganz wichtige und beinahe wichtige leute getroffen und mich selbstständig gemacht. ich hab damals gelernt im richtigen augenblick zur stelle zu sein, um eine idee zu haben, oder zumindest so auszusehen, als hätte ich eine.

allerdings kam bei mir noch eine grosse traurigkeit (niemals wut) hinzu, eine chance verpasst zu haben. wir hatten die chance einen demokratischen sozialismus zu schaffen und wurden von der "deemaak" (viedschoregordar, märzehdäs, mallbohro) kalt erwischt. das ist jetzt kein gejammer - ich weiss, daß die "bürger" sich eine/diese unsoziale gesellschaft nicht mehr lange bieten lassen.
EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf niederrhein vom 28.09.2007, 11:43:27
Ohne kommentar nur 2 von inzwischen unzähligen ereignissen zum aufschwung ost, die sicher einfluß auf das ost-west verhältnis genommen haben und haben werden, da sie stets aus den alten bundesländern und von altbundesbürgern getroffen werden und stets die neubundesbürger treffen.
Die bundeswehr reduziert ihre standorte:
Die jägerkaserne der bundeswehr in schneeberg wurde erst für über 60 mio rekonstruiert um jetzt aufgelöst zu werden.
Dazu die erfolgsmeldung, immobilie und grundstück wurden für 3mio euro an einen privaten investor, sicher aus westlicher seite weiterverkauft.
Die nordzucker ag mit sitz in braunschweig und 6 werken erhält eine produktionsbeschränkung von der eu.
Daraufhin wird der standort in güstrow, mit vielen mio fördermitteln saniert und einer der modernsten zuckerwerke, mitte nächsten jahres ersatzlos geschlossen.
Wer diese immobilie für wie wenig euro erwerben wird ist noch nicht bekannt.
--
gram
hugo
hugo
Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von hugo
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 29.09.2007, 09:27:32
naja gram das ist ja nichts Neues das Kasernen, Betriebe, Bürogebäude erst mit viel Aufwand (und vor allem mit öffentlichen Mitteln) modernisiert, restauriert, aufgemotzt wurden um kurze Zeit später wieder dem Leerstand zum Opfer zu fallen und/oder für einen Appel und n Ei an windige Investoren verhökert zu werden.

Das wär ja nicht weiter schlimm, wenn nicht an anderer Stelle ungeheuer pingelig auf den Cent geguckt würde. z.B. wenn ein Geringverdiener ein paar Euros über der Hinzuverdienstgrenze erworben hat und nun plötzlich rückwirkend das Kindergeld zurückerstatten muss usw.

Da gehts um einige Euros, und der kleine Mann wird maßgerecht zurechtgestutzt,,wenn aber vor deutschen Gerichten Großbetrüger mit ihren 5 Anwälten in Nadelstreifenanzügen und mit ner riesen Mercedes Limousine vorfahren, haben sie beste Chancen einen Vergleich, einen Deal eine vorteilhafte Entscheidung zu erwarten.

,,und genau das ist es was die Bürger -und mich besonders- am System zweifeln lässt, zumal ich momentan keiner von den regierenden Parteien zutraue daran irgendwas ändern zu wollen.
Die Leute sind alle selber so (relativ)reich und berühmt/berüchtigt, das Sie im Falle eines Falles mit eben solcher Vorzugsbehandlung rechnen können.

Siehe Strauß-Zwick Stadler Amigo Affäre ,siehe Kanter,,Schwarzgeld, siehe Kohl schwarze Kassen ,siehe Schäuble und Schreiber, siehe die brutalst mögliche Verschwiegenheit von Koch und Co nee, so richtig toll kann ich an die Ehrhaftigkeit dieser Leute nicht glauben,,

nur bedingungslose Verlässlichkeit und Offenheit gegenüber den Bürgern würde das schnelle Zusammenwachsen fördern.

Dieses ständige Unterscheiden (welches hier und da sehr bemängelt wird wenn Leute wie hugo es ansprechen) welches aber in der Politik noch gang und gäbe und gesetzlich zementiert ist (siehe Rentenentgeldpunkte, Ost-West-Tarife, Lohngefälle, wird uns also noch mehrere Generationen erhalten bleiben durch deren Langzeitwirkung.

Zum Glück gibts schon einige kleine Ansätze zur Einigkeit,,so z.B. die Verkehrsregeln/Rechtsverkehr in allen Bundesländern, die relativ einheitliche Amts-Sprache, die relativ ähnlichen Aldi-Preise, die Verarschung beim Wetterbericht, die Meinung, das es den jeweils Anderen ungerechtfertigter Weise zu Gut geht, die Freude über Siege der deutschen Nationalmannschaft, die relativ gemeinsame Erkenntnis das unsere Politiker die Reichen bevorzugen und das deren Fraktionsunterschiede größer als die OST-West-Unterschiede sind, Keine großen Ost-West-Unterschied in der Orgasmushäufigkeit, Keine Ost-West-Unterschiede im Weiterbildungsbewusstsein und -verhalten jeder denkt ,,,der Andere ist wohl doch auch ein Deutscher, oder ? *g*

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Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von klaus
als Antwort auf hugo vom 29.09.2007, 10:36:31
@hugo,
",und genau das ist es was die Bürger -und mich besonders- am System zweifeln lässt, zumal ich momentan keiner von den regierenden Parteien zutraue daran irgendwas ändern zu wollen."


Aber da gibt's ja noch die anderen Parteien, wie z. B. die "Vereinigte Linke". Da keimt doch Hoffnung auf.
Da haben wir den Gysi, der ausversehen 1975 bis 1986 für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR unter verschiedenen Decknamen gearbeitet hat, der versehentlich beruflich erflogene "Bonus-Meilen" eines Vielfliegerprogramms privat genutzt hat und dabei etwa 8000 € privat sparte.
Oder den großen Oskar Lafontaine, der versehentlich über 200.000 DM unberechtigte Pensionen einstrich und erst nach genauen Beweisen das Geld zurückzahlte, der sicher ohne sein Wissen in den 1970-iger Jahren einigen Figuren aus dem Rotlicht-Milieu mit Gefälligkeiten gedient hat und nach Aufklärung eine NDR- Reportage darüber verhinderte. Später gab er zu, dass er in den entsprechenden Gaststätten "zu Hause" war.

Ich wollte das nur als Ergänzung nutzen, da du mal wieder rein zufällig nur Beispiele aus einer Partei benutzt hast.
--
klaus
adam
adam
Mitglied

Re: es war ein gute zeit und eine schlechte zeit...
geschrieben von adam
als Antwort auf dutchweepee vom 29.09.2007, 02:57:52
@ dutch

Der Demokratische Sozialismus ist ein schöner Traum, aber er paßt nicht in die Welt der Globalisierung. Die Entscheidung, welche Regierungs-/Gesellschaftsform in einem Staat aufgebaut wird, wird längst nicht mehr nur innerhalb dessen Grenzen gefällt. Ich glaube nicht, daß die EU in der Bundesrepublik den DS zulassen würde, von den USA will ich gar nicht reden.

An eine Revolution in der Bundesrepublik kann ich nicht glauben, dazu geht es der Mehrheit der Bürger zu gut. Es wird auf hohem Niveau gejammert.
Die, die wirklich arm sind, sind zu schwach um sich zu wehren und sie können nicht auf die Solidarität der Stärkeren hoffen. Es gilt doch längst: "Alle denken nur an sich. Ich bin der einzige, der an mich denkt!"


--
adam
hugo
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Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von hugo
als Antwort auf klaus vom 29.09.2007, 13:37:00
hallo klaus, du musst ja Gysi und Oskar nicht wählen wenn Du der Meinung bist sie seien gemeine Betrüger, Verschwender, Absahner usw...

schlimm ist nur das sie -wenn das stimmt was Du behauptest- in der BRD noch frei herumlaufen können, so tun können als wären sie unbescholtene Bürger und dazu noch weiter ihr Unwesen treiben dürfen, ja sogar im selben Gremium wie unsere Regierenden tagein und tagaus sich zuhause fühlen und ihnen die Hand reichen dürfen.

Ist es nicht Das was ich bemängelte, ist es nicht gerade das was mir missfällt und weshalb ich an diesem System so meine Zweifel habe?

Die Einigkeit in unserem Vaterland in dieser Beziehung ist ungeheuerlich, aber über Jahrzehnte sind die Menschen eben so abgestumpft, gegenüber solchen Verbrechen an der Bevölkerung so gewöhnt worden das es gar nicht mehr zu einem gewaltigem Aufschrei zu Empörung der Massen kommt. Nein es wird zwar hier und da mal in den Medien darüber berichtet und kurz einige kleine Wellen gemacht aber dann geht alles wieder zur Tagesordnung über.

Und so kommts das wir uns von Verbrechern, Straffälligen, Betrügern, Absahnern, Lügnern, Aufschneidern, mitsamt deren gemeinen Lobbyisten, Auftraggebern und Hintermännern alljährlich neue Verordnungen und Gesetze die zu Ihren Gunsten gemacht wurden, aufs Auge drücken lassen ohne zu murren.

Auch dadurch wird mir dieses System welches Solches zulässt, nicht sympatischer, auch nicht durch Deinen zu erwartenden Verweis auf ehemaliges Unrecht eines vergangenen Systems.

sehr schlimm finde ich, das tatsächlich die einmalige Chance 1990 verpasst wurde, ja an Brust des dicken Kohl regelrecht erdrückt wurde, ein anderes besseres Deutschland -wenigstens zu versuchen.

Aber die Gier nach Geld und Reichtum nach erhofftem Goldschürfen in den "ja soo bankrotten ungebrauchten Neubundesländern war übermächtig und darin waren sich schon damals die Absahner in Ost und West sehr einig. *g*
--
hugo
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Erstaunlich, erstaunlich ...
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf klaus vom 29.09.2007, 13:37:00
@klaus

wenn lobby, bestechung und vorteilsnahme verboten würden, dürften 90% der liberalen FDPler die sitze des bundestags räumen - die anderen "grossen volksparteien" nicht minder. ich erinnere nur an Lambsdorff, der heute trotz vorstrafen wieder als reputierter sachverständiger gilt.

der gisy hat seine dienstlichen air miles privat genutzt - verdammt - und es gab noch nicht mal eine klare regelung dazu. übrigens wollten die US-behörden mitte der 90er ein abrechnungssystem für die air miles der staatsbeamten schaffen und haben das vorhaben abgebrochen, weil der verwaltungsaufwand mehr gekostet hätte, als der air miles bonus einbringt.

übrigens wurde gisy nicht als STASI-spitzel sondern als quelle genutzt ...über vertraute in seinem umfeld "abgeschöpft". das ist ein grosser unterschied, zur aktiven mitarbeit. gisy hat als kluger anwalt viele knifflige prozesse in und nach der DDR geführt, die durchaus nicht im interesse der staatsmacht waren. schon deshalb war er für die sicherheitsnadeln interessant.

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