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Aktuelle Themen Themenrunde "Sterbehilfe"

luchs35
luchs35
Mitglied

Themenrunde "Sterbehilfe"
geschrieben von luchs35
Am Mittwoch, den 13.6. um 20 Uhr findet im Blauen Salon das nächste Themengespräch statt. Diesmal hat es die "Sterbehilfe " zum Inhalt.
Eine Einleitung dazu befindet sich im ST-Forum und im Chatforum unter Veranstaltungen.

"Sterbehilfe" ist ein schwieriges Thema, das jedoch brandaktuell ist, weil es auf gesetzlicher Ebene angedacht wird, auch wenn es jetzt noch auf breite Ablehnung stösst.
Allerdings bedarf hier eine angestrebte Legalisierung, wie es in Holland und der Schweiz der Fall ist,einer sehr intensiven Abklärung, um Missbrauch auszuschliessen. Auch ethische und religiöse Bedenken dürften eine entscheidende Rolle spielen.
Darf man, soll man, kann man "Sterbehilfe" befürworten? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Darf man Ärzte, die verpflichtet sind, Leben zu erhalten ,damit überfordern, Leben zu beenden?
Organsationen, wie beispielsweise "Exit" in der Schweiz übernehmen legal die Beihilfe zum Suizid unter festgesetzen Regeln.
Auch dazu sollte man sich Gedanken machen.


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luchsi35
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von schorsch
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 13:17:33
Muss eigentlich jedes Land das Rad neu erfinden?
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schorsch
niederrhein
niederrhein
Mitglied

Hinweis auf ein mögliches Vorgehen
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 13:17:33
Vorbemerkung
Nachdem ich auf etlichen Streifzügen das – manchmal durchaus zweifelhafte – Vergnügen hatte zu sehen und zu lesen, wie meistens hier diskutiert wird (offenbar endet eine solche Diskussion meistens in einem persönlichen Schlagabtausch), möchte ich angesichts der Ernsthaftigkeit eines solchen Themas appellieren, auf all die persönlichen Angriffe, Rand- und Anmerkungen zu verzichten.


(1) Situation und Zukunft
Wie "luchsi35" hingewiesen hat, ist ja das Thema "Sterbehilfe" von einer gewissen Aktualität, die sich - so meine ich - in Zukunft verstärken wird.

Auf der einen Seite der Wunsch nicht weniger Menschen auf einen selbstbestimmten Tod (Man will nicht gleichsam endlos an Apparaten und in Kliniken sterben), auf der anderen Seite die gesellschaftliche (lies: auch demographische), politische, wirtschaftliche (Rentenversicherung) Entwicklung mit den daraus resultierenden Zwängen.
Das vielleicht Fatale daran ist, daß sich diese, hier methodisch getrennten, Aspekte miteinander bedingen. Konkret: Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod wird (jetzt schon?) sicher einigen Zukunftsstrategen im Bereich Wirtschaft, Rentenversicherung etc. sehr entgegenkommen ... dann lösen sich manche Problem leichter oder fast von selbst.

Mein Vorschlag ist, die Antworten gezielt methodisch-inhaltlich abzustimmen, dann ist es vermutlich für alle leichter, die Diskussion zu verfolgen; dazu dürfte dann das Ganze sachlicher verlaufen.


(2) Die inhaltlichen Aspekte (soweit ich sie jetzt gerade überblicke)

1. Rechtlich: das gilt vor allem für alle jene Bereiche und Personen, die unmittelbar mit dem Sterbewunsch tangiert werden: Ärzte, medizinisches Personal etc.

2. Politisch: Wie reagiert der Gesetzgeber unmittelbar auf Sternehilfe etc. darauf? Welche rechtlichen und politischen Bereiche werden tangiert? (Es wird vermutlich nicht nur unmittelbar das StGB tangieren.) Letztlich werden aber Bereiche der Bevölkerungsentwicklung, Rentenpolitk etc. etc. berührt.

3. Gesellschaftlich: Hier kollidieren Interessen: Das Recht von uns Alten auf Leben oder selbstbstimmtes Sterben und den vitalen Wünschen der jüngeren Menschen auf Leben und freie Entfaltung, ohne von den Lasten für die Alten erdrückt und bzw. oder ruiniert zu werden. (Manche dieser forschen jungen Leute treten ja inzwischen sehr direkt auf und möchten zunächst die ganze Altenfrage (lies auch, nicht nur: Rentenfrage) privatisieren ... mal sehen, was ihnen noch so einfällt, ohne allerdings sich konkret klar zu machen, daß sie es sind, die dann 2025/2030 den Altenüberhang bilden.)
(Bevor jemand dazu neigt, sofort loszuschimpfen und zu moralisieren, soll er/sie sich einmal damit beschäftigen, wie in den verschiedenen Gesellschaften und Kulturen zu den verschiedenen Zeiten mit den alten Menschen umgegangen sind.)

4. Moralisch-ethisch: Wie reagieren alle Instanzen und Institutionen auf die Frage einer Sterbehilfe? Fragen wie Recht auf Leben, unbedingter Lebenserhalt etc.

5. Kirchlich-religiös: Besonders betroffen sind religiöse Instanzen und auch religiöse Menschen.

6. Medizinische Apekte: Hier geht es vielleicht weniger um die Fragen der Intensivmedizin oder der Toxikologie, um "praktische" Fragen ... als vielmehr vielleicht um den "Grundauftrag" der Medizin, Menschen zu heilen und das Leben zu erhalten.
(Ich kenne mehrere junge Mediziner/innen ... wie gehen sie mit diesen Fragen um? Sind sie vielleicht moralisch-ethisch-psycholgisch überfordert? Kann man ihnen das zumuten? Andererseits: Kein Staat auf der Welt verzichtet darauf, junge Männer (und seit Jahren auch Frauen) zum Töten, Zerstören, Foltern etc. zu "erziehen", schreiben wir besser: zu dressieren.)

7. Familiär-psychologisch: Wie gehen die eigenen Kinder, Verwandte und Bekannte damit um? (Ich gestehe: Bis vor kurzem habe ich mich mit dem Aspekt der "Trauerarbeit" nicht beschäftigt; ich sehe jetzt hier durchaus ein Problem, das gelöst werden muß.)

8. Individuelle, persönlich: Das muß jeder für sich beantworten.

9. Historisch: In Deutschland wird man sich mit dieser Frage aufgrund der geschichtlichen Erfahrung 1933-1945 besonders schwer tun; das vermute ich zumindest.


Eine persönliche Schlußbemerkung, wenn man will: Der Versuch einer begrenzten, persönlichen Stellungnahme (betrifft die Bereiche 2, 3 und 8):

So sehr ich für mich allein (hier zumindest jetzt ohne "Rücksicht" auf Verwandte und Bekannte) das Recht auf einen selbstbestimmten Tod proklamiere, weder dem Staat noch der Gesellschaft werde ich prinzipiell dieses Recht konzidieren und delegieren.
Der Medizin - totum pro parte - gegenüber äußere ich nur die Bitte, mir diesen selbst bestimmten Tod schmerzfrei und mit Würde (sic!) zu ermöglichen.

Die Bertha

(Diesen Text habe spontan geschrieben, ohne weitere Nachweise und mögliche Quellen.)

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pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von pilli †
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 13:17:33
danke luchsi,

den "Themenabend" für chatter auch in den foren des ST anzubieten, ist m.e. eine gute idee!

ein so schwieriges themenfeld braucht gut unterrichtete user und vielleicht begleiten uns zu dem thema
"Sterbehilfe" erfahrene seniorentreffler mit ihrer sichtweise, die sich ansonsten dem chat eher ablehnend zeigen?

persönliche überlegungen habe mich bewegt, dass wenn...nur eine der von dir geschilderten varianten in der art von "Exit" eine sichere lösung bietet, wenn mann/frau noch in der verfassung sind, das nicht nur anzudenken, sondern auch durchführen zu lassen.

wenn schon in Deutschland getroffene

"Patientenverfügungen"

von krankenhaus zu krankenhaus unterschiedlich behandelt werden, vermag ich mir vorzustellen, welche sicherlich auch beachtenwerten reaktionen der gegner zum thema

"Sterbehilfe"

einer gesetzlich erlaubten möglichkeit sich widersetzen könnten. ein hochbrisantes thema!

--
pilli
kleinesrainer
kleinesrainer
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von kleinesrainer
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 13:17:33
Guckst du immer

http://community.seniorentreff.de/chats/termine/index.html

da stehen alle Termine des Chats)


Liebe Niederrhein,
bei den Themenabenden im Chat in unserem Bereich gab es noch nie Streit.

Bitte nicht verallgemeinern.

--
mit freundlichen Grüßen
kleinesrainer
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Hinweis auf ein mögliches Vorgehen
geschrieben von luchs35
als Antwort auf niederrhein vom 10.06.2007, 18:24:30
Hallo Niederrhein, dafür, dass Du spontan geantwortet hast, waren deine Überlegungen sehr gut fundiert und umrissen noch einmal die ganze Problematik der Diskussion um die "Sterbehilfe", die früher oder später auch in Deutschland legalisiert werden wird, auch wenn der Weg dahin noch dauern kann. Einige der Gründe hast du erwähnt. Der vorbelastete Begriff "Euthanasie" - das bedeutet ja Sterbehilfe im ursprünglichen Sinn-wird dabei eine der wichtigsten Rollen spielen.
Es wäre sicher wertvoll, auch in der Chatdiskussion am kommenden Mittwoch dein Pro und Contra zu lesen.
--
luchsi35

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luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von luchs35
als Antwort auf kleinesrainer vom 10.06.2007, 19:13:55
Doch, Rainer, habe "geguckt", hatte nur noch andere Überlegungen dabei, als ich den Thread hier zusätzlich startete.
Wie auch Pilli bemerkte, sollten auch die Foristen wissen, dass im Chat nicht nur geplappert wird.
Deshalb sind sie zu einer anderen, aber auch vielleicht ungewohnten , direkten Diskussion (ohne Gezanke) herzlich eingeladen.
Eine Vorabdiskussion hier im ST halte ich für sinnvoll, weil es auch gleichzeitig eine Vorbereitung sein kann. Schliesslich wurden die bisherigen Themen ebenfalls vorab im Chatforum diskutiert, ohne die Spannung zu nehmen.

luchsi35












eleonore
eleonore
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von eleonore
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 21:03:02
ich muss luchsi recht geben.
unsere themen-chats waren sehr interessant, informativ, und es gab dort keine zankerei.
wir haben da ein paar aktuelle und interessante themen *beredet*, es war eine rege beteiligung, mit gute und mitunter sehr fundierte meinungen.

ohne persönliche animositäten,auch wenn die meinungen unterschiedlich waren.
und ich hoffe, die nächste am mittwoch wird genauso.
--
eleonore
albawil
albawil
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von albawil
als Antwort auf eleonore vom 11.06.2007, 07:16:43
ich möchte jetzt euch beiden mein kompliment bekunden für die mühe die ihr immer bei den Themenchats hattet. oft war ich als stiller teilnehmer anwesend und habe euch bewundert "was" und auch "wie" ihr es gebracht hattet.
Im Gegensatz zu manchem shit der hier geschrieben wird lohnt es sich für mich immer daran teil zu nehmen.
--
albawil
musikerin
musikerin
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von musikerin
als Antwort auf luchs35 vom 10.06.2007, 13:17:33
Sterbehilfe – für wahr, ein brisantes Thema.

Dazu meine Ansichten:

Ich bin dafür, den 2. Schritt nicht vor dem 1. zu machen. Die Frage ist doch zunächst, wer möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen? Dies sind in der Regel Schwerstkranke, die nicht mehr leiden möchten, keine Schmerzen mehr ertragen wollen. Die Zahl derer, die sich gesund (auch psychisch) und bei vollem Bewusstsein den Tod wünschen, weil sie meinen, es sei nun genug, ist doch verschwindend gering. Unser Selbsterhaltungstrieb verhindert den Wunsch nach Sterben.

Meiner Meinung nach sollten zunächst die Patientenverfügungen einheitlich gestaltet und auch einheitlich angewendet werden. Darin kann man eine lebensverlängernde Apparatemedizin ablehnen. Auch hierzu bedarf es einer genauen Definition. Z.B. Sauerstoff abzustellen, würde Erstickungstod bedeuten, künstliche Ernährung abzustellen, würde Hungertod bedeuten usw. Jeder versuche sich doch mal in die Situation hineinzuversetzen, einmal als Betroffener, einmal als Angehöriger, der mit entscheiden darf (soll).

Ich war vor einiger Zeit 2 Jahre ehrenamtlich in einem Hospiz als Sterbebegleiterin tätig. In der ganzen Zeit ist mir nicht einmal bekannt geworden, dass jemand um Sterbehilfe gebeten hat. Sterbebegleitung ist gewünscht. Dem Menschen in seinen letzten Wochen und Tagen beistehen, ihn nicht alleine lassen, ihn als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft anzunehmen und nicht abzuschieben und zu (man verzeihe mir den Ausdruck) „entsorgen“.

Palliativmedizin ist meiner Ansicht nach (auch unter Berücksichtigung aller anderen Aspekte, die von Berta aufgeführt wurden), die einzig humane Lösung und wird uns Menschen gerecht. Mir ist klar, dass die Palliativmedizin möglicherweise auch lebensverkürzend (Morphium) ist, aber es gewährleistet dem Menschen ein lebenswertes, würdiges Leben bis zum Tod und niemand (Arzt, Pflegepersonal, Angehörige) muss mit seinem vielleicht schlechten Gewissen leben.


--
musikerin

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