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Monja_moin
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von Monja_moin
als Antwort auf WoSchi vom 03.02.2016, 11:17:34
Sicher können sich Bräuche in unterschiedlichen Kulturen parallel entwickeln.
Aber ebenso sind sehr viele Bräuche Sitten aus anderen Kulturen übernommen worden.
Völkerwanderungen aus verschiedenen Gründen gab es schon immer.
Diese Menschen haben auch einen Teil ihrer Bräuche, Sitten mitgebracht. Viele von diesen wurden mit der Zeit auch übernommen, evtl. etwas abgewandelt.
Diese gehören inzwischen gefühlsmäßig zu unserer Kultur.
Das wollte ich damit sagen.

Gibt es überhaupt eine reine deutsche Kultur?

Monja.
olga64
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von olga64
als Antwort auf Monja_moin vom 03.02.2016, 16:01:39

Gibt es überhaupt eine reine deutsche Kultur?

Monja


Aber natürlich - wir sind ein Volk von Dichtern und Denkern und grossen Musikern, Schauspielern, Filmemachern, Malern, Bildhauern usw.
Vieles ging natürlich verloren als Deutsche millionenfach Juden umbrachten,bzw. diese ins Exil gingen. Das ist nur schwer aufholbar, wie wir bis heute sehen können.
Aber die meisten von jenen, die derzeit die deutsche Kultur mit Pöbelei und Attacken verteidigen wollen oder glauben, es tun zu müssen, kennen unsere "Schätze" vermutlich gar nicht, bzw denken bei deutscher Kultur an Mülltrennung o.ä.
Nehmen wir nur die Esskultur. Vor Eintreffen der sog. Gastarbeiter bedeutete dies in Deutschland: fett, viel und verkocht.
Dann kamen die ersten Italiener und Deutsche lernten, was gutes, frisches Essen bedeuten kann. Wer möchte heute noch darauf verzichten?
Dafür exportieren wir dann die deutsche Bratwurst und Sauerkraut nach Spanien, wo sie dann aber meist doch nur von "deutschen Kulturreisenden" verlangt wird. Olga
luchs35
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von luchs35
als Antwort auf olga64 vom 03.02.2016, 16:08:29
Nehmen wir nur die Esskultur. Vor Eintreffen der sog. Gastarbeiter bedeutete dies in Deutschland: fett, viel und verkocht.
Dann kamen die ersten Italiener und Deutsche lernten, was gutes, frisches Essen bedeuten kann. Wer möchte heute noch darauf verzichten?


Vergessen Sie dabei nicht, dass die ersten Gastarbeiter aus Italien Mitte der 50er Jahre nach Deutschland kamen- in ein Deutschland, in dem man erst wieder essen lernen musste nach zwei verheerenden Weltkriegen mit großen Hungersnöten? Da war nichts mit „Esskultur“ anzufangen,satt werden war wichtiger.
Frauen mussten erst mal wieder normal kochen lernen, und vor allem sollte die Familie wieder was „auf die Rippen“ bekommen. Und sie entwickelten im Rahmen ihrer Möglichkeiten viel Fantasie, über die man heute zwar lächelt, aber damals war es Genuss.
Man sollte also diese Zeiten tunlichst nicht mit Kulturmangel vergleichen.
Die größte Esskultur brachten aber nicht die Italiener, sondern die Flüchtlinge aus dem Osten mit ihrem reichen Wissen um Würzmöglichkeiten auch für einfachste Mahlzeiten.

Luchs

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Monja_moin
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von Monja_moin
als Antwort auf olga64 vom 03.02.2016, 16:08:29
Ich sprach von einer "reinen" deutschen Kultur.
Gerade unsere großen Musiker, Maler, Bildhauern, Dichter, Archtikten und noch mehr waren viel auf Reisen und haben sich dort inspirieren lassen.

Monja.
WoSchi
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Monja_moin vom 03.02.2016, 16:01:39
Sicher können sich Bräuche in unterschiedlichen Kulturen parallel entwickeln.
Aber ebenso sind sehr viele Bräuche Sitten aus anderen Kulturen übernommen worden.
Völkerwanderungen aus verschiedenen Gründen gab es schon immer.
Diese Menschen haben auch einen Teil ihrer Bräuche, Sitten mitgebracht. Viele von diesen wurden mit der Zeit auch übernommen, evtl. etwas abgewandelt.
Diese gehören inzwischen gefühlsmäßig zu unserer Kultur.
Das wollte ich damit sagen.

Gibt es überhaupt eine reine deutsche Kultur?

Monja.


Wie gesagt, dass sich ein ang. "Karneval" als Ursprung des Rheinischen Karnevals verbirgt, halte ich für sehr weit hergeholt
Auch die Polynesier und Indigenen Völker Südamerikas kannten jährliche Feste, an denen die herrschenden Regeln nicht galten, sexuelle Freizügigkeit, Völlerei und der Rausch mittels Drogen oder Alkohol schon sehr, sehr lange, bevor die ersten Europäer dort landeten.

Sicher ist Deutschland und besonders die Bevölkerung an einem so bedeutenden Fluß wie dem Rhein frei von jeder "rein deutschen Kultur"! Da muss man sich ja nur die Völkerbewegungen der letzten 2000 Jahre ansehen oder wie Zuckmayer schrieb:



In Des Teufels General kommt diese Metapher bei einem Gespräch zwischen Luftwaffengeneral Harras und Fliegerleutnant Hartmann zum ersten Mal vor, als sich Hartmann über seinen „Ariernachweis“ Gedanken macht, da seine Verlobte wegen einer Unklarheit in seinem Stammbaum die Verlobung gelöst hat, denn eine seiner Urgroßmütter scheint aus dem Ausland gekommen zu sein, während seine übrige Familie aus dem Rheinland stammt.

Harras entgegnet ihm wütend:

Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Ururgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt.

Und er gibt ihm zu bedenken:

... was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas!

Nach diesem Vergleich mit dem Weinbau fährt Harras ruhiger fort:

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost
geschrieben von Zuckmeyer in "Des Teufels General" copy von wikipedia.de


Die Römer sollen ihn mit an den Rhein gebracht haben in Form ihres Saturnalien-Festes, las ich in einem Buch über die Geschichte von Köln. Und das Fest wurde schon vor der römischen Eroberung Ägyptens zelebriert, aber wer weiss, was sich da vermischt hat . Spannend.
olga64
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 vom 03.02.2016, 16:48:01
Das erlebte ich völlig anders als Süddeutsche. Hier war der Beginn der guten Küche die Anwesenheit der Italiener (nachdem Herr Jahn mit seinen Hendln einen Anfang machte). Ostdeutsche KÜchen habe ich irgendwann später genossen als ich selbst in Polen war und sie schätzen lernte. Wenn man Jugoslawien dazuzählen sollte - dieses Essen hat mir nie geschmeckt, weil zu fleischlastig.
Aber die Pizza, die ich erstmals Anfang der 60er Jahre in einem Münchner Loka erhielt und die eben nicht zu weich gekochten Spaghettis eröffneten mir eine neue lukullische Welt ,der ich bis heute sehr treu geblieben bin.
Dann kamen Franzosen (die Elite-Küche), Türken, Mexikaner u.v.m. Eine Grossstadt hatte da schon früh vieles zu bieten und Anfang der 60er waren nicht mehr alle nur noch hungrig - die Bäuche wurden da schon dicker, wie ich mich gut erinnere. Dies fing ja schon mit der sog. "Währungszeit" an, die schon einige Jahre vorher war. Olga

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luchs35
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von luchs35
als Antwort auf olga64 vom 03.02.2016, 18:16:40
Ich - ebenfalls Süddeutsche- hätte mich genauer ausdrücken müssen, denn ich meinte nicht die Ostdeutschen (DDR) ,sondern die Flüchtlinge aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen, die nicht nur wunderbare Würzmischungen hatten, sondern auch herrliche Zubereitungen von Fleischwaren - und vor allem die abwechslungsreichen Wurstsorten.

Die Rezepte für die Alltagsküche waren ein zusätzliches kulinarisches Erlebnis.
Erst später kamen die Italiener ins Land und brachten wiederum neuen Schwung in die Küche.

Aber damit wir beim Thema "Flüchtlingshilfe" bleiben: Unsere Helferinnen hier bringen den Flüchtlingsfrauen in kleinen Kochkursen auch Gerichte bei, für die sie mit preisgünstigen, hier heimischen Zutaten leckere Mahlzeiten herstellen können, ohne dass sie auf "Ziegenjagd" gehen müssen, wie schon zu lesen war.

Luchs
ehemaligesMitglied41
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf olga64 vom 03.02.2016, 18:16:40
Ostdeutsche KÜchen habe ich irgendwann später genossen als ich selbst in Polen war und sie schätzen lernte.
geschrieben von Olga 64


Kleiner Hinweis:

Ostdeutsche Küche in dem Sinn gab es nicht.

Die DDR Küche beinhaltete genau die gleichen Rezepte und Speisen, wie sie vor Gründung der beiden Staaten war, Deutsche Küche.

Es gab, wie auch jetzt, in Deutschland regionale Rezepte (Thüringer Klöße; Dresdner Stollen oder Spreewälder Gurken).

Mit der Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Provinzen, Schlesien, Ostpreußen, Pommern, Tschechoslowakei wurden unweigerlich auch die dortige Küche und ihre Traditionen mit in die DDR oder nach Deutschland gebracht.

Natürlich hatte die DDR so manche Besonderheiten, die entweder Eigenkreationen oder auch Überlieferungen waren.

Soljanka (Sowjetunion) Broiler oder so manche Kaffeemixsorten.

Die polnische Küche kennt mit der Zeit auch sogenannte deutsche Rezepte, pflegt aber weitestgehend ihre eigene Küche.

Sehr bekannt ist die schlesische Küche, weshalb sie auch in der Niederschlesischen Oberlausitz sehr geschätzt wird.

Ich hoffe, Sie haben das polnische Nationalgericht, Bigos, genießen können.

Neuzeitliche Küchen und Schnellrestaurants bieten es zwar auch an, aber so richtig gut, gibt es das nur in den Bergregionen.

Dazu selbsthergestelltes Brot und Zywiec‘er Bier.`

Ein Muss, wenn man in Polen war!!

ein_lächeln_

olga64
olga64
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von olga64
als Antwort auf ehemaligesMitglied41 vom 03.02.2016, 19:26:17
Bigos geniesse ich auch ausserhalb Polens, weil die Frau eines früheren Kollegen mir ein Rezept dazu gab. Ich esse sehr gerne.
Aber in den polnischen Städten (Wroclaw, Gdansk, Warschau, Opole, Kielce, Krakova usw.) bekommt man heute in wunderschönen Restaurants internationale Gerichte, die vermutlich nur noch einen Hauch der polnischen KÜche oder gar schlesischen erahnen lassen.
Die Menschen dort wollen es so und viele alte Schlesier dürften dort auch nicht mehr leben.
Ich habe wunderschöne Zeiten in Polen verbracht und hatte das grosse Glück, durch meine deutschsprechenden Kollegen vieles zu erfahren und zu verstehen.

Eine Suppe in einem ausgehöhlten Brotlaib fällt mir noch ein - obwohl ich kein Suppenfan bin, schmeckte mir die sehr gut nach einem langen, arbeitsreichen Tag mit schlechtem Wetter. War auch eine gute Grundlage für die anschliessenden "Getränke".

Zur DDR habe ich essenstechnisch nicht so tolle Erinnerungen. Da wir ja Eintrittsgeld bezahlen mussten, versuchten wir oft krampfhaft, dieses in Lokalen auszugeben und fanden es auch störend, dass wir Wessis stark bevorzugt wurden. Das Essen habe ich als zu viel und zu fett in Erinnerung, halt so, wie die älteren Leute im Westen auch gekocht hatten. Olga
WoSchi
WoSchi
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Re: Tipps zur Flüchtlingshilfe
geschrieben von WoSchi
wer in der Flüchtlinghilfe tätig ist oder tätig werden möchte: Hier eine sehr ausführliche und informative Seite, die nicht nur für das Land Rheinland-Pfalz interessant ist.

Es gib nicht nur aktuelle Infos sondern auch viele Adressen von Hilgsorganisationen usw und auch das so wichige BAMF-Beschwerdeformular kann dort herunter geladen werden.

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